Convol stürzte mit der ganzen Wucht seines mächtigen Körpers nach vorne, doch da riss Elenna ruckartig an Storms Zügeln und der Hengst wich zur Seite aus. Wasser spritzte auf, als Convol mit peitschendem Schwanz in den See stürzte. Dabei stieg eine riesige Wasserfontäne in die Luft.
Über ihnen begannen die Ränder des Portals zu flimmern und Funken in allen Farben des Regenbogens stoben auf. Tom erkannte, dass es irgendwie mit dem Biest verbunden sein musste. Wenn das Portal Convol hierher gebracht hatte, musste es ihn auch wieder nach Hause bringen können.
„Schnell!“, rief er. „Stellt euch hinter mich!“
Elenna wendete Storm und Silver folgte ihr. Convol lag auf dem Bauch und hieb mit seinem Schwanz auf das Wasser ein. Wellen schwappten ans Ufer, während er versuchte, sich aufzurichten.
„Sieht so aus, als hätten wir ihn sehr wütend gemacht“, stellte Elenna fest.
„Convol hasst die Hitze“, erklärte Tom. „Wenn wir ihn zurück in den Sand locken können, haben wir eine Chance, ihn zu besiegen.“
Er betrachtete seinen hölzernen Schild, der sich durch das Bad im Fluss verzogen hatte. Das geborgte Schwert hatte Kerben in der Klinge und einen rostigen Griff. „Das sind die einzigen Waffen, die ich habe“, sagte er zu sich selbst. „Sie müssen genügen.“ Er konnte nicht zulassen, dass die Menschen in diesem Königreich von Malvel unterdrückt wurden. Solange Chaos herrschte, würde der böse Zauberer das zu seinem Vorteil nutzen.
„Wir müssen uns aufteilen“, sagte er zu Elenna. „Dann muss das Biest sich auf zwei Gegner konzentrieren. Nur so haben wir eine Chance, ihn zu besiegen. Bleib hier, bis ich dich rufe.“
Tom nahm den Umhang ab und spürte sofort die sengende Hitze auf seiner Haut. Aber mit dem Umhang konnte er nicht kämpfen. Er hatte keine Wahl. Er näherte sich dem Ufer und hielt sein Schwert bereit.
„Ich bin hier!“, rief er.
Das Biest tauchte einen Moment lang ab und erschien dann wieder ein Stück weiter vorne an der Wasseroberfläche. Sein äußeres Augenlid blinzelte boshaft und der lange Schwanz fegte hin und her.
Tom rannte am linken Ufer entlang in Richtung des Portals.
Convol preschte durch das Wasser auf ihn zu. Wieder erhob sich sein triefend nasser Schwanz aus dem See. Doch dieses Mal war Tom vorbereitet. Als der Schwanz herunterdonnerte, sprang er flink zur Seite. Er krachte in den Sand und hinterließ eine tiefe Mulde.
Als die Krallen des Biests nach ihm ausholten, drückte Tom seinen Schild fest an seine Seite. Der Schild knackte und bog sich unter dem heftigen Schlag. Tom wehrte die riesigen Klauen des Biests mit der flachen Schwertseite ab. Er ging rückwärts, um Convol weiter aus dem Wasser zu locken.
„Komm und hol mich!“, forderte Tom den Wüstendämon heraus.
Das Biest hievte seinen riesigen, glänzenden Körper an Land und stürmte mit weit geöffnetem Maul auf Tom zu.
Als es nach Tom schnappte, gelang es ihm nur knapp, seinen Arm wegzuziehen, bevor sich die scharfen Zähne hineingruben. Er schlug den Schild gegen Convols Schnauze und das Biest zuckte vor Schmerz zischend zurück. Dann holte es wieder mit dem Schwanz aus. Tom wehrte den Schlag ab, aber sein Schild war inzwischen zu sehr beschädigt. Ein großer Splitter brach heraus und bohrte sich tief in Toms Arm.
Tom biss die Zähne zusammen. Er spürte Blut über seinen Arm sickern. Doch er ließ den Schild nicht fallen. Ohne ihn war er schutzlos.
„Elenna!“, rief er. „Du musst ihn ablenken. Aber sei vorsichtig!“
Seine Freundin nickte und galoppierte mit Storm auf das Biest zu. Ihr Umhang wehte ihr um die Schultern. Convol sah sie kommen und drehte sich zu ihr um. Elenna wendete abrupt und ritt am Ufer entlang, dicht gefolgt von dem Biest.
Als er sicher war, dass Convol seiner Freundin wirklich folgte, hob er sein Schwert hoch über den Kopf. „Ich hoffe, das funktioniert!“
Tom zielte auf das Biest und warf das Schwert mit all seiner Kraft in Richtung des Wüstendämons. Es flog auf das Biest zu und bohrte sich tief in seinen Schwanz. Convol kam schlitternd zum Stehen. Tom verlor keine Zeit. Er rannte den langen Schwanz des Biests hoch und zog sein Schwert aus dem Echsenkörper heraus. Convol bäumte sich auf, aber Tom behielt das Gleichgewicht. So schnell er konnte, lief er auf dem Rücken des Biests nach vorn und wich den scharfen Stacheln geschickt aus.
Als das Biest sich heftig schüttelte, um ihn abzuwerfen, fiel Tom auf die Knie. Er war nun direkt hinter der Schnauze und hielt sich rechts und links am Kopf fest. Convol schnappte wütend mit seinen scharfen Zähnen in die Luft.
Tom hob schnell den Schwertgriff und hieb dem Biest damit hart auf die Schnauze. Convol brüllte vor Schmerz. Tom schlug ein zweites Mal zu und Convols Kiefer krachten aufeinander. Beim dritten Schlag verdrehten sich die Augen des Biests nach hinten und die Beine ließen unter ihm nach. Convol brach im Sand zusammen.
Neue Kraft erfüllte Tom. Er hatte gewonnen! Convols Leben lag in seinen Händen. Die Menschen aus dem Dorf konnten ihr Wasser nun wieder ohne Furcht aus der Oase holen. Tom sprang ab und richtete sein Schwert auf den Kopf des Biests.
Ein letzter Schlag und alles wäre vorbei.