Der Bertelsmann-Konzern verfugt durch sein breites Geschäftsfeld über umfassende Möglichkeiten, den Mediensektor und damit die Meinungen der Menschen dominant zu beeinflussen. Die Rolle der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG) ermöglicht dabei keine breite Meinungsfindung und Ausrichtungsdiskussion innerhalb des Konzerns - während die Bertelsmann Stiftung für unternehmensfreundliche Stimmung und Rahmenbedingungen in Politik und Gesellschaft sorgt. Ein Kurzüberblick.
Die Medienwelt entwickelte sich in den letzten 50 Jahren rasant. So entstanden aus vereinzelten Verlagen, Radio- und Fernsehsendern riesige weltumspannende Medienimperien. Der deutsche Medienmarkt, der auf den ersten Blick ein breites Angebot an Medien bietet, wird nunmehr durch wenige große Unternehmen dominiert. Neben dem Axel-Springer-Verlag, Premiere sowie der ProsiebenSatl Media AG ist die Bertelsmann AG einer der größten deutschen Medienkonzerne1.
Die aus dem 1835 gegründeten Bertelsmann Verlag hervorgegangene heutige Bertelsmann AG besitzt ein breit gefächertes Geschäftsportfolio. So umfasst der Konzern neben der Printmediensparte, dem Verlagswesen sowie der Televisionssparte auch die Musikvermarktung und ein Systemhaus. Die Bertelsmann Aktiengesellschaft ist mit einem weltweiten Umsatz von rund 17,8 Milliarden Euro2 pro Jahr und einem jährlichen Gewinn von rund 1 Milliarde Euro3 im globalen Spitzenfeld der Medienkonzerne zu finden. Der Konzern gliedert sich weltweit in sechs Hauptgeschäftsfelder:
• RTL Group
• Grüner + Jahr,
• BMG,
• Direct Group,
• Arvato,
• Random House.
Zum Geschäftsbereich RTL Group gehören unter anderem die deutschen Fernsehsender der RTL-Gruppe, VOX und der Nachrichtensender n-tv. In diesem Bereich wurden im Jahr 2005 5,1 Milliarden Euro Umsatz4 und ein Gewinn vor Steuern von 756 Millionen Euro5 erwirtschaftet.
Die Grüner + Jahr-Gruppe, welche auf Printmedien im In- und Ausland spezialisiert ist, verfügt in Deutschland unter anderem über die Magazine Stern, Brigitte, Capital, über die Tageszeitungsgruppen der Sächsischen Zeitung- eines der größten deutschen Zeitungshäuser - sowie die Financial Times. Mit dieser Sparte setzte Bertelsmann in 20055 2,6 Milliarden Euro um. Der Gewinn der Printmediensparte belief sich 2005 auf 250 Millionen Euro6.
In der Random House-Gruppe bündelt die Bertelsmann AG ihr Verlagswesen. Mittels dieser erwirtschaftete Bertelsmann in 2005 rund 1,8 Milliarden Euro Umsatz und einen Gewinn von 166 Millionen Euro7.
Die BMG - Bertelsmann Music Group - umfasst die beiden Hauptfelder BMG Music Entertainment, sowie die Bertelsmann Publishing. Dieser Konzernteil betreibt hauptsächlich den Handel und die Vermarktung von Musikrechten sowie über die Plattenlabel Ariola, BMG, RCA die Produktion und Vermarktung von Künstlern. Bekannte Künstler wie Britney Spears, Celine Dion, Elvis Presley oder Eros Ramazotti werden hier zielgerichtet vermarktet und ihre Musik an die Kundlnnen gebracht. Mit dieser Sparte erwirtschaftete Bertelsmann 2005 circa 2,1 Milliarden Euro Umsatz und einen Gewinn von 177 Millionen Euro8.
Arvato, ein Systemhaus, ist spezialisiert auf die Implementierung von Softwarelösungen und integrierte Softwareangebote. Arvato und der Axel-Springer-Verlag haben 2004 eine Kooperation geschlossen, um gemeinsam Synergien zu nutzen und ihre Druckkapazitäten zu bündeln. Das Systemhaus erzielte 2005 einen Umsatz von 4,3 Milliarden Euro und einen Gewinn von 341 Millionen Euro9.
Die Direct Group - der weltweit agierende Medienvertriebsbereich des Konzerns - fügt sich nahtlos in das Portfolio ein. In dieser Sparte werden die Medien der vorgenannten Geschäftsbereiche zielgerichtet vermarktet. Dieser Bereich erwirtschaftete 2005 einen Gewinn von 53 Millionen Euro bei einem Umsatz von 2,3 Milliarden Euro.11
Eigentümer der Bertelsmann AG sind, nachdem die Bertelsmann AG den 25-Prozent-Anteil der GBL-Group Bruxelles Lambert zurückgekauft und eingezogen hat, die Bertelsmann Stiftung sowie die Familie Mohn. Der Bertelsmann Stiftung gehören 76,9 % und der Familie Mohn 23,1 % des Eigenkapitals10. Die gesamten Stimmrechte werden von der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG), einer GmbH in der alle Stimmrechte gebündelt wurden, kontrolliert. Die BVG gehört der Familie um Liz Mohn.
Reinhard Mohn gründete 1977 die Bertelsmann Stiftung - unter anderem mit den Zielen der Förderung der Medienwissenschaften sowie der Entwicklung neuer Führungskonzepte in Organisationen. Zur Finanzierung übertrug er 1993 der Stiftung Aktien der Bertelsmann AG - allerdings ohne Stimmrecht. Dieses wurde in der BVG gebündelt. Die Stiftung finanziert sich aus den Einnahmen aus dem Stiftungsvermögen - also aus Dividendenzahlungen der Bertelsmann AG.
Die Einnahmen der Stiftung betrugen 2005 rund 68 Millionen Euro11. »Um ihre Kompetenzen zielgerichtet einzusetzen, hat sich die Bertelsmann Stiftung in Themenfelder organisiert. Die Kompetenzzentren >Stiftungsentwicklung<, >Kultur<, >Unternehmenskultur< und »Kommunen und Regionen< unterstützen die operative Arbeit und nehmen Querschnittfunktionen war [sic!].«12
Betrachtet man die Stiftungs-Satzung, so stellt man fest, dass das Kuratorium zum größten Teil aus Mitgliedern von Aufsichtsrat und Vorstand der Bertelsmann AG sowie der Familie Mohn beziehungsweise deren Nachkommen besetzt ist und somit die Möglichkeit zu direkter Einflussnahme auf die Stiftung besteht.
Bemerkenswert ist hier besonders die Behauptung, dass die gemeinnützige Stiftung deshalb die größte Eigentümerin des Unternehmens sei, weil es »in der Überzeugung Mohns begründet [läge], dass sich große Vermögen der Sozialverpflichtung des Eigentums unterzuordnen haben, so wie es das deutsche Grundgesetz postuliert«13 - während doch, wie in den folgenden Kapiteln dieses Buches beschrieben wird, nachweisbar ist, dass die Bertelsmänner und -flauen ihren Einfluss auf Politik und öffentliche Meinung vielmehr dahingehend geltend machen, dass ihre persönliche Vorstellung von >Gemeinwohl< Gestalt annimmt.
Für solcherlei Lobbyarbeit und Einflussnahme besitzt die Bertelsmann Stiftung mehrere Beteiligungen und Verbindungen an/zu einer Vielzahl anderer Institutionen. Es waren dies in 2004 unter anderem:
Institution |
Gründung / Sitz |
Rechtsform |
Fundacion Bertelsmann |
1995 / Barcelona |
Stiftung |
Bertelsmann Foundation |
1994/New York |
Stiftung |
Centrum für Krankenhausmanagement CKM |
1994 / Münster |
gGmbH |
Akademie zur Förderung der Manuellen Medizin |
1992 / Münster |
gGmbH |
Medienakademie Köln |
1998 / Köln |
gGmbH |
Akademie des Deutschen Buchhandels |
1999 / München |
gGmbH |
CHE Centrum für Hochschulentwicklung |
1994 / Gütersloh |
gGmbH |
Stadtbibliothek Gütersloh |
1979 / Gütersloh |
GmbH |
Abbildung 2 Beteiligungen und verbundene Organisationen der Bertelsmann Stiftung14
50
Hermann Werle
Gemessen am Börsenwert ProSiebenSatl 4,8 Mrd., Premiere 1 Mrd, Axel Springer 4,2 Mrd Euro. www.boerse-online.de [letzter Zugriff 4.12.2006]
Bertelsmann Geschäftsbericht 2005: 2.
Ebenda.
Bertelsmann Geschäftsbericht 2005: 4.
Ebenda.
Ebenda.
Ebenda.
Ebenda.
Ebenda.
http://www.bertelsmann.de/bertelsmann_corp/wms41/bm/index.php?ci= 100&language= 1 [letzter Zugriff 4.12.2006].
rund 60 Millionen Euro Einnahmen aus Beteiligungen, rund 3 Millionen Einnahmen aus Zinsen und rund 5,5 Millionen Euro einnahmen aus Spenden und sonstigen einkommen, Geschäftsbericht der Bertelsmann-Stiftung.
http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rdc/xchg/
SID-0A000F0A-274lA9F5/bst/hs.xsl/2094.htm
http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/SID-0A000F0A-92035E66/bst/hs.xsl/ 2094.htm.
http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/SID-0A000F0A-ClFD2627/bst/hs.xsl/ 2092.htm.
Geschäftsbericht der Bertelsmann Stiftung: 77