Sie müsste jeden Augenblick da sein. Sie ist in Pantoffeln und Morgenmantel hinausgegangen. Ich habe ihr gesagt, dass sie einen Lockenwickler in den Stirnfransen hat, und sie hat ihn wie eine Spinne aus dem Haar gerissen. Der Lockenwickler ist auf den Teppich gefallen und hat sich in dessen langen Fransen verheddert. Dabei ist der Teppich bei uns wie ein schwarzes Loch – was auch immer jemals daraufgefallen ist, ist auch dort geblieben. Asche und Zigarettenstummel, Kaffee, Krümel von billigem Teegebäck, das sie in rauen Mengen einkaufte und Frühstück nannte. Einmal versuchte sie, mit einem Stück Küchenpapier Erbrochenes wegzuputzen, aber es wurde ihr schwindlig dabei, also legte sie sich auf die Couch und vergaß den Teppich. Ich nahm das feuchte Stück Papier aus ihren Händen und warf es weg. Die Teile des Erbrochenen, in denen in Wodka

Wie viel früher noch, verfluchte Scheiße, mit neun Jahren …, sagte sie und wühlte in den Badezimmerschränken. Ich wollte ihr nicht sagen, dass ich eigentlich zehn war, mein Geburtstag war vor zwei

Ich kann nicht, das läuft mir alles da runter, ich habe zwei Unterhosen übereinander angezogen, aber umsonst.

Geh und stopf dir Klopapier rein.

Ich wollte nicht hysterisch sein, ich wusste ganz genau, was mit mir geschah. Die Lehrerin hatte uns schon davon erzählt, und es gab auch eine Zeitschrift für Mädchen, in der einem das alles schön erklärt wurde. Ich wollte, dass Mama sieht, dass alles in Ordnung ist, dass es keinen Grund zur Aufregung gab. Ich bin groß, und das hier würde uns kein neues Problem bereiten. Aber gleich, als ich ins Badezimmer kam, wurde mir klar, dass wir kein Klopapier mehr hatten.

Ach, verdammte Scheiße nochmal, warum hast du denn keins gekauft, sollen wir uns vielleicht mit der Hand abwischen?

Ich ging ins Wohnzimmer zurück und spürte, wie noch mehr Blut durch mich durchrann und meine Unterhose tränkte. Mein Bauch tat fürchterlich weh.

Stopf irgendeine Socke rein und geh in den Laden, das hab ich schon hundertmal so gemacht, sagte sie und legte sich zurück auf die Couch.

Mama, es tut weh.

Sie verdrehte die Augen und stand wieder auf. Sie rieb sich die Augen so kräftig, dass ich dachte, sie würde sie sich unabsichtlich auskratzen. Ihre knochigen Finger zitterten pausenlos, als ob jemand Strom hindurchjagen würde. Sie nahm ein Glas vom Tisch, aber es war schon leer. Sie schimpfte lauthals und schnappte die Tasche von der Couch.

Dann sause ich rüber, brauchen wir noch was?

Klopapier, sagte ich. Und Zahnpasta.

Klopapier … und Zahnpasta …, wiederholte sie nachdenklich, als könnte sie sich nicht erinnern, was diese Wörter bedeuteten.

Bin in einer Sekunde wieder da. Na, siehst du, was für eine Mama du hast, ha? Mich hat meine verprügelt, als ich die erste Regel bekommen habe. Siehst

Ich sah sie beschämt an. Ich wusste nicht, was ich auf diese Frage antworten sollte.

Ich weiß nicht … Welche für Mädchen?

Na ja, hast du’s stark?

Wieder wusste ich nicht, was ich sagen sollte, wie viel stark war und wie viel nicht.

Ich weiß nicht, es rinnt ständig.

Sie zog den Schlüssel aus dem Schloss.

Du brauchst keinen Schlüssel, sagte ich zu ihr. Sie versuchte, ihn zurück hineinzustecken, aber ihre Hände zitterten so sehr, dass sie das Schlüsselloch nicht traf. Am Ende legte sie ihn einfach auf die Kommode neben der Tür. Bin in einer Sekunde wieder da, sagte sie. Und ging.

 

Draußen wird es schon dunkel. Sie müsste längst wieder da sein. Ich habe Angst, mich wegzubewegen, beide Unterhosen sind schon völlig von Blut durchtränkt. Ich spüre, wie es mir am Bein hinunterläuft. Einen Tropfen sammle ich mit dem Rock auf, aber schon kommt ein zweiter. Und ein dritter. Vielleicht sollte ich schnell ins Bad laufen, ein Handtuch nehmen … Haben wir überhaupt saubere Handtücher? Ich spüre, dass mein Körper eine neue