»Ich will nur, dass du weißt, dass ich dich liebe und so’n Scheiß.«
SDP
Lara stand in Marcs Büro und betrachtete das Gemälde von Laniakea. Im Hintergrund liefen all seine Rechner und berechneten eine neue Software, an der Marc arbeitete. Sie hatte einen Moment mit Johanna allein sein wollen, während die anderen alles vorbereiteten. Jo hatte nicht begriffen, was hier geschah. Aber er folgte jeder von Karins Anweisungen und hatte keine Fragen gestellt. Falls der Faden zu dünn werden sollte, würde er eingreifen.
Auch wenn Lara spürte, dass sie nicht in Gefahr war, war sie nervös. Johanna lächelte sie an und brabbelte. Ihr größter Schatz lag in ihrem Arm. Ließ sie Johanna im Stich?
»Hey, Scuti.« Marc trat vom Garten kommend ein.
Sie musterte ihn, und wie immer erkannte er sofort, in welchem Zustand sie war.
»Wird schon schiefgehen. Du kommst einfach zurück. Klar?«
»Auf einmal? Du bist einverstanden?«
»Nein. Aber ich weiß, dass ich dich nicht aufhalten kann.«
Sie nickte und lächelte, während sie gleichzeitig spürte, dass ihre Augen sich mit Tränen füllten.
Marc kam näher. »Ich bleibe dabei. Und wenn du es wagen solltest, dich zu verabschieden ... dann schmeiße ich Knautscher aus dem Fenster. «
»Du machst ... was?«
»Ich schmeiße dein Baby aus dem Fenster. Das ist dann deine Schuld. Also komm zurück.«
Lara musste über diese bizarre Drohung lachen.
Er lachte nicht, sondern sah sie ernst an. »Ich liebe dich.«
Ihr blieb die Luft weg. Er musterte sie ungerührt. Ganz offen. Als hätte er noch nie etwas anderes getan, als zu seinen Gefühlen zu stehen.
»Ich weiß, dass du deinen Geist liebst. Vermutlich bis in alle Ewigkeit. Aber ich wollte, dass du es weißt. Dass ich dich liebe.« Er musterte sie einen Moment. »Du wusstest es sowieso.«
Sie lächelte nervös.
»Seit ich dich kenne, will ich nicht mehr alleine sein. Und ich war verdammt gern alleine.«
»Du warst nicht gerne alleine«, sagte Lara leise und ging auf Marc zu. »Du hast es nur nicht anders gekannt.« Sie nahm seine Hand. »Ich liebe dich auch.«
»Aber anders«, ergänzte er.
»Was war der letzte Wunsch deines Großvaters? Von dem du auf der Welt der Frauen gesprochen hast?«
Marc zögerte, ehe er Lara mit der freien Hand übers Gesicht strich. »Er hat mich daran erinnert, dass ich ein emotionaler Krüppel bin. Und du mich geknackt hast. Er meinte, dass ich um dich kämpfen soll.«
Einen Moment lang standen sie einfach nur da. Johanna zwischen sich, Händchen haltend. Sein Daumen glitt zaghaft über ihren Handrücken.
»Jetzt hat sich etwas bei dir verändert«, sagte Lara leise. »Du bist nicht mehr verliebt in mich.«
Marc musterte sie überrascht. Dann nickte er leicht. »Mir wurde klar, dass sich mein Kampf gelohnt hat. Weil du meine Freundin bist. Und das ist auch nicht verkehrt, oder?«
Sie grinste erleichtert. Dann wurde sie wieder ernst. »Wenn ich es nicht schaffe ...«
»Du schaffst es.«
»Wenn ich es nicht schaffe«, beharrte sie, »wird Johanna zu Karin ziehen. Aber ich will, dass sie auch bei dir ist. Ich will, dass du der schräge Onkel bist, der ihr den Sternenhimmel zeigt und ihr erklärt, wo ihre Mama und ihr Papa unterwegs waren.«
Marc schluckte. »Ich bin nicht der Babytyp.«
»Ich weiß genau, wie lieb du Johanna hast.«
Er schielt zu Johanna, die ihn angrinste, dann lächelte er vorsichtig. »Sie ist ein Knautscher. Und sie ist von dir. Wie könnte ich sie nicht liebhaben?«
»Also gibst du mir dein Versprechen?«
Er zögerte noch einen Moment, ehe er nickte. »Wenn ich jemals die verdammte Software fertigkriege, dann zeige ich Johanna, wo du und ihr bekloppter Vater rumgesprungen sind.« Er musterte sie ernst. »Und du wirst dabei sein.«
In diesem Moment gingen sämtliche Rechner aus.
Marc eilte zu einer Tatstatur und drückte darauf herum, während Lara eilige Schritte hörte, die Richtung Büro kamen. Die Tür wurde aufgerissen, und Ayse sah erschrocken hinein. »Der Strom ist weg!«
Sie versammelten sich in dem Raum, in dem Lara ihre Reise antreten würde.
»Das EKG funktioniert auch ohne Strom. So lange der Akku reicht.«
»Aber die Paddel nicht«, rief Ayse besorgt .
Lara starrte auf die Paddel, die ihr Herz im richtigen Moment wieder zum Weiterschlagen animieren sollten. »Ich gehe trotzdem«, entschied sie.
»Bist du irre?«, rief Ayse.
»Wenn ihr Herz aussetzt, brauchen wir keinen Strom«, erklärte Jo.
Alle sahen zu ihm.
Er musterte Lara ernst. »Das ist nur in den Fernsehserien so. Weil es dramatischer ist. Wenn dein Herz aussetzt, hole ich dich zurück. Mit einer Herzdruckmassage.«
Lara sah ihrem Onkel in die Augen und spürte das Vertrauen und die Kraft, die diese kleine Gemeinschaft ihr gab.
Sie nickte. »Lasst uns anfangen.«