Maui, Juli 2022
Du hast WAS getan?«, rief Elias ins Handy und glaubte, sich verhört zu haben. »Mom! Du kennst diese Frau doch überhaupt nicht.«
Er hatte es sich gerade mit einem Bier auf der Veranda bequem gemacht, den Laptop auf dem Schoß, um seine privaten Mails zu checken, als seine Mutter anrief.
Es war ein anstrengender Tag gewesen, Elias hasste es, wenn ein Meeting das nächste jagte. Zu performen und seine Leistungen im besten Licht zu präsentieren, war noch nie sein Ding gewesen. Er war der Meinung, die Ergebnisse seiner Arbeit sollten für ihn sprechen. Am glücklichsten fühlte er sich, wenn er in der Entwicklungsabteilung an Lösungsmöglichkeiten für technische Probleme tüfteln konnte.
»Ich habe dir doch von ihr erzählt. Hast du vergessen?« Bei der Entrüstung in ihrer Stimme verdrehte Elias die Augen. Dunkel erinnerte er sich, dass seine Mutter ihm beim Frühstück in ihrem Washingtoner Hotel von einer jungen Frau aus Deutschland berichtet hatte, die sie tags zuvor am Challenger Memorial getroffen hatte. Er hatte aber nur mit halbem Ohr zugehört und war in Gedanken schon bei seinem zweiten Meeting mit den technischen Beratern der National Science Foundation gewesen.
»Du hast also eine deutsche Astronautin auf dem Friedhof in Arlington getroffen und warst mit ihr zusammen essen, schön und gut. Aber sie jetzt wochenlang in dein Haus einzuladen, ist das nicht ein wenig übertrieben? Ich meine, du lebst auf dem Anwesen allein, du kennst diese Frau doch gar nicht. Ich mach mir einfach nur Sorgen um dich.«
Und um ehrlich zu sein, fand er es auch ganz schön creepy, dass eine junge Frau nichts Besseres in Washington zu besichtigen wusste als einen Friedhof! Irgendwas stimmte da doch nicht. Jetzt war ihm endgültig die Feierabendlaune verdorben, und das Bier schmeckte plötzlich schal.
»Woher willst du wissen, dass sie überhaupt Astronautin ist? Sie könnte dich doch einfach belogen haben, um sich bei dir beliebt zu machen.«
»Elias, mach dich nicht lächerlich. Erstens ist sie noch keine Astronautin, sondern nur Anwärterin. Zweitens, warum sollte sie das erfinden? Und woher sollte sie die Detailkenntnisse über den Auswahlprozess haben, von dem sie mir erzählt hat?«
»Na, um sich bei dir einzuschmeicheln und sich einen kostenlosen Urlaub auf Hawaii zu ergaunern, zum Beispiel.«
»Also wirklich, du klingst jetzt schon genauso argwöhnisch wie dein Vater!«
»Dad hatte mit genug Kriminellen zu tun, um ein gesundes Misstrauen aufzubauen.«
»Kein Grund für dich, in seine Fußstapfen zu treten und überall Verbrecher zu sehen. Ich finde deine Sorge wirklich rührend, aber du musst auch meiner Menschenkenntnis vertrauen.«
Von der hielt Elias leider nicht allzu viel. Seine Mutter war der fürsorglichste Mensch, den er kannte. Sie hatte nicht nur ein offenes Herz für streunende Hunde und Katzen, sondern für alle möglichen Leute in schwierigen Lebensumständen. Und sie war ein Kommunikationstalent. Mom konnte sich mit Obdachlosen in einer Parkanlage ebenso unbefangen unterhalten wie mit den Anwaltskollegen seines Vaters in deren Luxusvillen. Früher hatte er sie für ihre Unvoreingenommenheit bewundert. Dad war schließlich immer die undankbare Aufgabe zugefallen, ein Auge auf Moms spontane Entscheidungen zu haben, und wäre er nicht so überraschend gestorben, hätte er seinem Sohn gegenüber sicher den letzten Wunsch geäußert, in Zukunft auf seine Mutter gut achtzugeben. Elias merkte ja selbst, wie er immer mehr in seine Fußstapfen trat.
»Ich halte es einfach für zu gefährlich. Hast du Jane überhaupt schon davon erzählt?«
»Natürlich. Sie findet es großartig, dass ich für ein paar Wochen Gesellschaft bekomme und mich mit einer jungen Frau über die neuesten Entwicklungen in der Raumfahrt austauschen kann.«
Auch du, Brutus! Hätte er sich denken können, dass seine ältere Schwester ihm wieder einmal in den Rücken fiel. Jane war Tierärztin und lebte auf Big Island, wo sie eine große Praxis unterhielt und sich im örtlichen Tierschutzverein engagierte. Somit fiel es ihm zu, sich auf Maui um ihre Mutter zu kümmern.
»Wenn du dich so sehr darum sorgst, wer mir hier ins Haus flattert, kannst du Emma gerne am Flughafen abholen und zu mir bringen. Dann lernst du sie unterwegs und beim gemeinsamen Abendessen besser kennen. Was hältst du davon?«
Gar nichts, hätte er am liebsten gesagt. Nun sollte er für den unerwünschten Besuch auch noch den Chauffeur spielen? Das hatte seine Mutter mal wieder toll eingefädelt! Doch wenn er sich nun weigerte und erklärte, dass diese Emma sich gefälligst ein Taxi nehmen könne, wenn sie schon einen kostenlosen Urlaub schnorrte, strafte er seine zuvor gezeigte Besorgnis Lügen. Stöhnend fuhr er sich durchs Haar.
»Okay, Mom. Aber ich warne dich. Wenn mir diese Frau eigenartig vorkommt, werde ich sie bitten, sich ein Hotelzimmer zu nehmen. Falls es ihr nur um den Austausch mit dir geht, kann sie dich schließlich auch in einem Café oder Restaurant treffen.«
Er erwartete ihren Protest, aber seine Mutter schien von ihrer Zufallsbekanntschaft wirklich sehr überzeugt zu sein, denn sie sagte nur mit einem geheimnisvollen Lächeln in der Stimme: »Glaub mir, du wirst sie mögen, Elias.«
So kam es, dass er am Mittwochnachmittag früher Schluss machte und zu dem am Fuße des Haleakalā gelegenen Kahului-Airport fuhr. Er hatte keine Lust auf die zweistündige Fahrt zu seinem Elternhaus und noch weniger, die kurvenreiche Küstenstraße nachts wieder zurückfahren zu müssen, nur um tags darauf pünktlich bei der Arbeit zu erscheinen. Am Vorabend hatte er eine leere Müslipackung zerschnitten und daraus provisorisch ein Pappschild gebastelt, auf das er mit schwarzem Edding Emma Franke gekritzelt hatte. Es lag nun neben ihm auf dem Beifahrersitz wie ein Platzhalter für seinen ungebetenen Fahrgast.
Groß, braunäugig, langes dunkelblondes Haar – so hatte seine Mutter Emma beschrieben. Als er wenig später pünktlich in der Wartehalle des Flughafens stand, kam er sich mit dem Schild in der Hand wie ein Pfadfinder vor, der darauf wartete, von seiner Gruppe abgeholt zu werden. Die ersten Passagiere des Fluges strömten herein, und Elias’ Handy klingelte. Er zog es aus seiner Jeans und sah auf das Display. Es war seine Mutter. Der Hoffnungsschimmer, sie könnte ihre Meinung im letzten Moment geändert haben, beflügelte ihn.
»Hi, Mom.«
»Hallo, mein Schatz. Bist du schon am Flughafen?«
»Ja, warum? Hast du dir deine Einladung noch einmal überlegt?«
»Nein, wie kommst du denn darauf? Ich wollte nur sichergehen, dass alles glattgegangen ist und du pünktlich bist. Die Gemüselasagne ist schon in Vorbereitung. Was meinst du, passt dazu besser, der Syrah oder ein Chenin Blanc?«
»Dein Chauffeur ist wie immer pünktlich zur Stelle«, erwiderte er und hörte selbst, wie genervt er klang. »Und für mich gerne der Syrah. Ich weiß aber nicht, wie wählerisch dein Gast ist, vielleicht stellst du besser beides kühl?«
Sie überhörte den ironischen Unterton und antwortete fröhlich: »Du hast recht, so mach ich es. Danke dir. Ach, es ist schon so lange her, dass ich Gastgeberin war. Ich bin einfach furchtbar aufgeregt. Bis später, ich freu mich schon auf euch!«
»Bis später, Mom«, erwiderte er mit belegter Stimme.
Ihre Worte gaben ihm einen Stich, und er bereute seinen Tonfall. Es tat seiner alleinlebenden Mutter vielleicht wirklich gut, wieder einmal Besuch zu haben. Jane und er waren beide so in ihre Arbeit eingespannt, dass sie es meist nur schafften, abwechselnd einmal im Monat bei ihr vorbeizuschauen, falls nicht etwas dazwischenkam. Ein Räuspern ließ ihn vom Display mitten in ein Augenpaar sehen, dessen Farbe Elias an goldbraunes Herbstlaub erinnerte.
»Hi!«, sagte die junge Frau vor ihm, und in ihrem Blick lag ein Funkeln, das er nicht ganz deuten konnte. Amüsiert? Verärgert? Vielleicht spielte ihm aber auch nur die Deckenbeleuchtung einen Streich.
»Kann ich Ihnen helfen?«, fragte er mechanisch wie der gut erzogene Junge, der er nun mal war.
»Ich mag auch den Syrah.«
Es dauerte einen Moment, bis der Groschen fiel.
»Oh … Sie sind …« Gerade noch rechtzeitig erinnerte er sich wieder an ihren Namen, bevor er auf dem Schild nachsehen musste. »… Ms. Franke«, sagte er peinlich berührt.
»Emma.« Sie streckte ihm die Hand entgegen, und Elias musste sich eingestehen, dass ihr Lächeln so betörend war wie die Farbe ihrer Augen. Sie brachte ihn damit vollkommen durcheinander. Sein gestammeltes »Hi! Ich bin Elias, Beckys Sohn« musste ihr wie die Antwort eines Holzfällers vorkommen. Aus einem sehr finsteren Wald. Emmas Händedruck war angenehm warm und selbstbewusst. Er räusperte sich.
»Kann ich mit dem Gepäck helfen?«
Während er sich nach ihrem Koffer umsah, nahm er ihre schmale Taille und die langen, schlanken Beine wahr, die unter kurzen marineblauen Paperbag-Shorts hervorlugten. Sie war nur minimal kleiner als er. Dass ihre Zufallsbekanntschaft eine Schönheit war, hatte seine Mutter ihm dezent unterschlagen. Einen kurzen Moment lang schien sie zu zögern, aber dann überließ sie ihm den Trolley und schulterte ihren Rucksack. Nebeneinander steuerten sie auf den Ausgang zu, und er versuchte sich erneut in Smalltalk.
»Wie war der Flug?«
»Angenehm«, antwortete sie knapp.
Sie schien in Gedanken ganz woanders zu sein. Der Duft von frisch frittierten Donuts und Kaffee stieg ihm im Vorbeigehen von einem Coffeeshop in die Nase und erinnerte Elias daran, dass er in der Mittagspause durchgearbeitet und seit dem Frühstück nichts gegessen hatte. Aber er wusste nur zu gut, wie seine Mutter beim Dinner auftischen würde. Dennoch hätte er sich jetzt gerne einen Kaffee geholt. Ein Seitenblick in Emmas verschlossene Miene hinderte ihn jedoch daran, kurz stehen zu bleiben und sie zu fragen, ob sie auch einen möchte. Wie viel hatte sie wohl vorhin von dem Gespräch mit seiner Mutter mitbekommen, und was dachte sie jetzt von ihm?
»Bist du das erste Mal auf Maui? Oder auf Hawaii?«, setzte er erneut an. Sie waren eben aus der klimatisierten Halle auf den Vorplatz getreten. Einige Touristen standen vor einem grell bemalten Bus mit der Aufschrift Aloha Tours und bekamen gerade Leis mit bunten Kunststoffblüten umgehängt. Elias schauderte. Mit dem Kitsch und Kommerz auf den Inseln hatte er noch nie etwas anfangen können. Zwei Taxis bahnten sich ihren Weg zwischen den Bussen, und Emma blieb abrupt stehen und berührte seinen Arm.
»Darf ich dich um einen Gefallen bitten, Elias? Ich habe ein ganz schlechtes Gewissen wegen dieser Einladung und mag deiner Mutter keinesfalls zur Last fallen. Bitte sag mir ehrlich, wenn du denkst, dass Becky mein Besuch zu viel wird. Ich kann mir gerne ein Hotelzimmer nehmen und …«
»… und meine Mutter damit furchtbar enttäuschen«, hörte sich Elias zu seiner eigenen Verwunderung sagen. »Sie würde sofort denken, ich hätte es dir ausgeredet.« Verdammt! Was tat er denn da? Das wäre die perfekte Gelegenheit gewesen, sie zum nächstgelegenen Inn zu fahren und Mom gegenüber zu behaupten, dass sie es nicht anders gewollt hatte. Ihr Blick schien mühelos seine bröcklige Höflichkeitsfassade zu durchdringen, und Elias kam ins Schwitzen.
»Also, ich meine, diese Vermutung läge doch nahe.« Ihm wurde bewusst, dass er sich gerade eben in einem äußerst unvorteilhaften Licht präsentiert hatte. Sie hob eine Augenbraue, und ein spöttisches Lächeln zupfte an ihrem Mundwinkel.
»Stimmt. Ehrlich gesagt wäre ich auch skeptisch, wenn sich eine Fremde plötzlich bei meiner alleinstehenden Mutter einquartiert. Aber ich mag weder Becky enttäuschen noch dich bei ihr in Schwierigkeiten bringen. Wollen wir es vielleicht so machen: Wir essen erst einmal gemeinsam zu Abend und sehen dann weiter? Bestimmt kannst du mir auch nach dem Dinner ein Hotel in der Nähe deines Elternhauses empfehlen?«
»Okay, klingt nach einer guten Idee.«
Elias fühlte sich von ihrer Offenheit überrumpelt und beschämt. Es war, als hätte sie ihm einen Spiegel vorgehalten. Und es gefiel ihm ganz und gar nicht, was er darin sah. Gut, dann hatte sie ihn eben durchschaut und wusste jetzt, dass er ein vorsichtiger Mensch war. Er versuchte, sein schlechtes Gewissen mit Geschäftigkeit zum Schweigen zu bringen, marschierte mit langen Schritten zum Parkplatz voraus und wuchtete Emmas Koffer schwungvoll in den Jeep. Bevor er nach vorne eilen und ihr die Tür öffnen konnte, saß sie schon im Wagen. Auch gut. Elias schwang sich auf den Fahrersitz und startete den Motor.
Hatte die Klimaanlage schon immer so lange gebraucht, bis sie ansprang? Elias widerstand dem Impuls, sich die Schweißperlen von der Stirn zu wischen, und drehte stattdessen die Lüftung höher. Die Stille zwischen ihm und Emma dehnte sich unheilvoll aus. Er hatte nach den Erzählungen seiner Mutter fest damit gerechnet, auf der Fahrt zu seinem Elternhaus in einem Redeschwall zu ertrinken. Aber offenbar hatte er sich ein vollkommen falsches Bild von dieser Frau gemacht, und in ihrer Zurückhaltung lag nun ein unausgesprochener Vorwurf. Während er auf dem gut ausgebauten Highway Richtung Hāna fuhr, überlegte er, ob er das Radio anmachen sollte, um dem unangenehmen Schweigen etwas entgegenzusetzen, aber er hatte keine Ahnung, was Emma gerne hörte, und fürchtete, erneut ins Fettnäpfchen zu tappen. Vielleicht war Aloha Joe eine gute Alternative, fröhliche Ukulele-Klänge, um sie ein wenig auf Hawaii einzustimmen? Doch er verwarf den Gedanken wieder. Er war doch kein Reiseführer, der seine Touris mit billiger Folklore bei Laune halten musste. Am Ende hielt sie das Gedudel noch für seinen persönlichen Musikgeschmack und ihn für einen hawaiianischen Hillbilly. Auf einmal ärgerte es ihn, dass er sich so viele Gedanken um sie machte. Damit hatte er doch abschließen wollen! Seit dem Aus mit Colleen hatte er sich nicht mehr mit Frauen getroffen, um eben solche Situationen zu verhindern. Die letzten Monate mit seiner Ex-Freundin hatten ihm viel abverlangt. Ständig hatte sich alles nur noch um Colleens extrem schwankende Stimmungen gedreht. Mit Colleen zu leben, war wie das Balancieren am Rande eines aktiven Vulkankraters gewesen. Man wusste einfach nie, wann er ausbrach. Winzige Anlässe genügten.
Er warf seiner Beifahrerin einen kurzen Blick zu. Aber Emma starrte aus dem Seitenfenster und ignorierte ihn. Elias atmete tief durch und versuchte, sich auf den Verkehr zu konzentrieren. Nach einer halben Stunde kamen sie am Ho’okipa Beach Park vorbei. Die üppige tropische Vegetation wich goldgelbem Sand, und hohe Wellen brachen sich weiß schäumend im türkisblauen Wasser und spuckten einige wagemutige Surfer zurück an den Strand. Elias fiel plötzlich ein, dass Emma ihm noch gar nicht verraten hatte, ob sie schon einmal auf Hawaii gewesen war, und er gab sich einen Ruck:
»Bist du …«
»Surfst du auch?«, fragte Emma zeitgleich. »Oh, sorry, was wolltest du gerade sagen?«
Er winkte ab. »Nur ob du schon mal auf Hawaii warst.« Sie schüttelte den Kopf, und er fuhr fort. »Als Teenager bin ich öfter surfen gegangen. Ich glaube, wenn man auf Hawaii aufwächst, gehört das irgendwie dazu. Aber meine ganz große Leidenschaft ist es nie geworden.«
Sie erwiderte zaghaft sein Lächeln. »Das kenne ich. Wenn man aus München kommt, wird einem praktisch das Skifahren in den Alpen in die Wiege gelegt.«
»Ich bin zwar am Meer aufgewachsen, aber ich liebe die Berge und Trekkingtouren. Skifahren habe ich nur einmal während meines Studiums in Berkeley am Lake Tahoe ausprobiert. Ich fürchte, ich habe damals keine gute Figur abgegeben.«
Er musste grinsen, als er sich daran erinnerte. Zwei Kommilitonen hatten ihn mitgenommen. Bis er es vom Gipfel hinunter ins Tal geschafft hatte, waren sie zweimal wieder mit dem Lift hochgefahren und nach unten gebrettert.
Emma riss ihn aus seinen Gedanken. »Was hast du denn in Berkeley studiert?«
»Luft- und Raumfahrttechnik und Maschinenbau.«
Ihre Augen weiteten sich, und zu seiner Überraschung sah er echtes Interesse darin aufblitzen. Die meisten Frauen, die er kennengelernt hatte, konnten zumindest mit Letzterem wenig anfangen. Vielleicht fanden sie Männer, die Informatik oder Wirtschaftswissenschaften studierten, auch interessanter, weil sie einen künftigen Steve Jobs oder Chase Coleman in ihnen sahen.
»Luft- und Raumfahrttechnik hab ich mir auch mal überlegt, mich dann aber für Geowissenschaften und Klimaforschung entschieden. Und jetzt arbeite ich beim Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum. Schon verrückt.«
»Und möchtest Astronautin werden!«
»Ja.« Sie lachte und hob die Schultern. »Ob das klappen wird, weiß ich natürlich nicht. Zwei Interviewrunden habe ich noch vor mir.«
»Meine Mom scheint fest überzeugt davon zu sein.«
»Becky ist eine Wahnsinnsfrau!«, brach es jetzt ehrlich begeistert aus Emma heraus. »Du hast ja so ein Glück! Deine Mutter hat …« Sie stockte kurz und suchte nach Worten. »… mir bei einer wichtigen Entscheidung den Rücken gestärkt. Nein, das trifft es nicht ganz. Den Schubs in die richtige Richtung gegeben.«
Ein warmes Gefühl machte sich in Elias breit. Vielleicht war er mit Emma völlig falschgelegen und sollte künftig doch mehr auf die Menschenkenntnis seiner Mutter vertrauen. Sie müsste schon eine begnadete Schauspielerin sein, wenn diese Begeisterung vorgetäuscht war.
»Oh ja, das klingt ganz nach meiner Mom.«