11. Ali

K ommt es mir nur so vor, oder hat Linh Conny und mich tatsächlich ein bisschen abgefüllt? Ich taumle ganz leicht nach links und stoße mit Conny zusammen, die wiederum einen leichten Rechtsdrall hat.

»Hoppla.«, flöte ich, und grinse.

Wie es aussieht, vertrage ich wohl nicht besonders viel.

»Sag mal, Linh, wie viel haben wir eigentlich getrunken?«, fragt Conny mit schwerer Zunge.

Ich kichere wie ein Teenager. Vollkommen out of order.

»Nächste Möglichkeit rechts.«, ordnet Linh an, und leitet uns durch die Hofeinfahrt von Barbara Adams Gestüt.

Eine Erklärung über unsere Trinkmenge gibt sie uns nicht. Sie hält die Zimmerkarte vors Lesegerät. Es piept. Die Tür geht auf. Was für eine Errungenschaft technischen Fortschritts. Ich bin begeistert.

»Da macht es Pling und die Tür springt auf!«, fängt Conny an zu singen und obwohl ich weder Text noch Melodie kenne, steige ich begeistert ein. Linh packt uns bei der Schulter und schiebt uns in unser Zimmer.

Conny und ich gackern und lachen. Wir halten uns aneinander fest, damit wir nicht mit den wackelnden Wänden kollidieren. Hach, ist das lustig.

»Das müssen wir festhalten.«, sagt Linh, und zückt ihr Handy.

»Ali und Conny besoffen und friedlich vereint.«

Oh ja. Das hat was. Allerdings ist mir ziemlich warm. Ich werfe den Blazer in die Richtung, in der ich den Hocker neben meinem Bett vermute. Dann öffne ich die Bluse und ziehe sie aus. Conny schnappt nach Luft.

»Alles in Ordnung?«, lalle ich nicht mehr ganz Herrin meiner Sinne.

»Warum bekommst du keine Luft?«

»Al … Alles gut.«, krächzt Conny.

Linh lacht.

»Komm schon, zieh dich auch aus.«, stänkere ich in Connys Richtung.

»Wir sind doch hier unter uns.«

Ich schlüpfe aus der Bluse und lasse sie auf den Boden gleiten. Dann öffne ich den Hosenknopf und ziehe mühsam den Reißverschluss herunter. Mann, Mann, Mann, geht das schwer. Wahnsinn.

Ich ziehe die Hose aus und werfe sie in die Richtung, in der ich zuvor den Blazer versenkt habe. Meine Socken fliegen hinterher. Ah, so ist es schon besser. Fehlt nur noch der BH. Meine Hände zittern ein bisschen, aber ich bekomme es irgendwie hin. Nur noch mit Slip bekleidet, fühle ich mich gleich viel freier.

Ich schwanke zur Balkontür, reiße sie auf und trete hinaus. Die kühle Nachtluft streicht über meine nackte Haut.

»Das müsst ihr auch mal machen!«, rufe ich.

»Das ist total cool!«

Ich weiß nicht, was sich hinter meinem Rücken abspielt. Ist mir auch egal. Ich stehe hier draußen, so gut wie nackt, und strecke die Arme weit von mir. Ein heiseres Jauchzen hüpft mir tief aus der Kehle über die Lippen.

Ich spüre eine Hand auf meiner Schulter und drehe mich langsam um. Linh lächelt mich an.

»Geht es dir gut?«, fragt sie.

»Oh ja. So gut wie schon sehr lange nicht mehr.«

Als Linh versucht, mich ins Innere des Zimmers zu befördern, wehre ich mich. Ich will noch nicht rein. Außerdem hat Linh etwas von Fotos gesagt.

»Wolltest du nicht Fotos machen?«, frage ich schwerfällig, und kichere leicht.

»So?«

»Klar. Warum denn nicht? Wir sind doch hier unter uns. Also … raus aus den Klamotten, ihr Weicheier.«

Ich sehe, dass Conny und Linh sich Blicke zuwerfen.

Ich stapfe an Linh vorbei und hole mein Handy aus der Tasche. Mit dem Handy in der Hand baue ich mich vor Conny und Linh auf.

»Ausziehen!«, ordne ich an.

Linh schält sich hektisch aus ihren Klamotten. Conny ziert sich noch. Sie schaut mich an, mit einem Blick, den ich nicht deuten kann.

»Ausziehen!«, knurre ich in Connys Richtung, und halte das Handy so, dass mir keine von Connys Bewegungen entgeht.

Optisch ist Conny definitiv eine sehr interessante Frau. Ihr blondes Haar trägt sie ziemlich kurz. Die blauen Augen haben einen sehr speziellen Glanz. Manchmal, zum Beispiel, wenn die Sonne seitlich aufs Auge trifft, leuchten ihre Augen wie die Tiefen der karibischen See.

Ich verstehe nicht ganz, warum sie ihren attraktiven Körper immer noch hinter ihren Klamotten versteckt hält. Anscheinend braucht sie Hilfe. Ich mache einen Schritt auf sie zu. Und dann noch einen.

Vorsichtig beuge ich mich zu ihr und flüstere ein lautstarkes »Ausziehen!« in ihr Ohr.

Conny schält sich gemächlich aus ihren Klamotten. Und mir kullern schier die Augen aus dem Kopf. Was für eine attraktive Frau. Wie früher. Nur älter und reifer. Und noch viel attraktiver als damals.

Ich streiche mir mit der Zungenspitze über die Lippen und starre Conny interessiert an.

Als Conny nur noch in ihrem sexy schwarzen Slip vor Linh und mir steht, muss ich mehrmals schlucken. Mein Kichern klingt angespannt, was vermutlich daran liegt, dass ich ein bisschen angespannt bin. Um mich zu lockern, werfe ich das Handy aufs Bett und klatsche in die Hände.

»Und jetzt machen wir Fotos.«, bestimme ich, und drücke Linh das Handy in die Hand.

Conny räkelt sich auf dem Balkon. Sie schmiegt sich nackt an mich. Die Synapsen in meinem Kopf drehen durch. Ich beuge mich vor und lege meine Lippen auf ihre. Meine Herren, ist das geil. Connys Lippen sind heiß und feucht. Conny öffnet sich einladend. Mein Kuss wird tiefer und leidenschaftlicher. Ich presse mich an Conny. Conny hält mich ganz fest. Unsere Nippel treffen aufeinander. Ich verliere mich ganz und gar in dem, was Connys Nähe in mir auslöst.

Ich bin geil und spitz wie Nachbars Lumpi.

Alles um mich herum ausblendend, schiebe ich die Hand unter Connys Slip und streichle ihren Hintern. Conny stöhnt gepresst.

Hinter uns räuspert sich jemand.

Schlagartig bin ich hellwach. Conny und ich fahren auseinander. Linh lässt das Handy sinken und grinst spitzbübisch.

»Also, eines muss ich euch lassen.«, sagt sie.

»Ihr seid ziemlich sexy.«

Oha. Ups.

»Das finde ich auch.«, murmelt Conny, und ich kann ihr nur zustimmen.

Ich grinse.

»Gibt es eigentlich noch irgendwo Wein?«

Ich stürze an Conny und Linh vorbei und reiße die Tür der Minibar auf. Obwohl es mir nicht mehr ganz so leicht fällt, mich stabil auf den Beinen zu halten, gelingt es mir irgendwie, mich zu bücken und den Inhalt der Minibar zu inspizieren.

Barbara Adam ist meine neue ganz persönliche Heldin. Sie hat offensichtlich an alles gedacht. Der Mini-Kühlschrank ist bis zum letzten Millimeter gefüllt. Ich kralle mir drei kleine Flaschen und wedle triumphierend durch die Luft. Dann richte ich mich wieder auf. Einen großen Ausfallschritt nach rechts und ich habe die Kontrolle über meine wackeligen Muskeln zurück.

»Lasst uns anstoßen.«, flöte ich, und wackle so mit dem Oberkörper, dass die Brüste hüpfen.

Wie vom Donner gerührt steht Conny in der Mitte des Zimmers und starrt mich an. Linh starrt ebenfalls. Sie hält das Handy auf mich gerichtet.

»Und jetzt machen wir richtig sexy Bilder.«, schlage ich vor.