W as macht ihr denn hier?«, stottere ich und fahre herum. Mein Vater steht, fit wie ein Turnschuh, vor mir und grinst mich an. Meine Mutter grinst ebenfalls.
»Ich dachte, du hattest einen Herzinfarkt.«
Die Situation überfordert mich. Ich verstehe nur noch Bahnhof.
Was macht Ali hier?
Was machen meine Eltern hier?
Warum steht Ali bei meinen Eltern?
Warum hat meine Mutter ihren Arm schützend um Ali gelegt?
Ich kneife die Augen zusammen.
Was wird hier eigentlich gespielt?
»Wir haben eine kleine Ausrede gebraucht.«, erklärt meine Mutter leichthin.
»Sonst hätte die Flughafenmitarbeiterin uns nicht geholfen.«
Ah ja. Und deshalb wird meinem Vater mal eben ein Herzinfarkt angedichtet. Ich fasse es nicht.
»Warum wolltet ihr mich ausrufen?«
»Weil diese junge Dame hier … «
Meine Mutter schiebt Ali vorsichtig vorwärts.
»Weil diese junge Dame hier dringend mit dir sprechen muss. Bevor du abfliegst.«
Und das hat Ali nicht allein hinbekommen? Wohl nicht, sonst wäre sie ja kaum mit meinen Eltern hier.
Mein Vater drückt Ali einen fünfzig Euro Schein in die Hand. Dann gibt er meiner Mutter ein Zeichen. Meine Eltern ziehen sich zurück. Nun stehen Ali und ich uns gegenüber und sind auf uns selbst gestellt. Wir schauen uns unschlüssig an, öffnen dann aber im gleichen Moment den Mund um zu sprechen.
»Was … ?«
»Warum …?«
Wir lachen uns an.
»Du zuerst.«, sagen wir wie aus einem Mund.
Ich schaue Ali in die Augen. Was ich sehe, bringt mich dazu, geräuschvoll zu schlucken. Mir ist nicht mehr nach reden zumute. Sprechen können wir auch später noch. Oder irgendwann.
Einem inneren Impuls folgend, mache ich einen Schritt auf Ali zu. Dann noch einen. Ali fängt meine Blicke ein.
»Ich … «, fängt sie an, stockt dann aber.
Meine Lippen auf ihren verhindern jedes weitere Wort. Alis Weichheit fühlt sich so gut an. So … echt. So … Ali eben. Ich seufze auf. Ali stöhnt an meinen Lippen. Sie öffnet den Mund nur ganz leicht. Mein Herzschlag legt noch einmal einen Zahn zu. Ich bin so aufgeregt.
Meine Zungenspitze streicht über Alis Lippen. Wie gut, dass Ali mich hält, sonst würde ich wohl vor ihren Füßen den Boden küssen. Statt ihre Lippen.
»Wann geht dein Flug?«, fragt Ali als wir uns voneinander lösen.
Ich schaue Ali tief in die Augen. In ihrem Blick liegen die Antworten auf meine Fragen.
»Gar nicht.«, hauche ich.
»Häh? Ich dachte, du … wolltest nach New York und dann weiter nach LA.«
»Wollte ich auch. Hast du meinen Brief gelesen?«
Ali nickt.
»Dann weißt du doch Bescheid. Ali, ich … «
»Conny, ich … bitte geh nicht weg.«
Ali zittert so sehr, dass ich nicht anders kann als sie in meine Arme zu schließen.
»Warum soll ich nicht gehen?«, frage ich, obwohl ich die Antwort erahne.
Oder sagen wir lieber so, dass ich mir mehr als alles andere wünsche, dass sie die Worte sagt, die ich hören möchte.
Ich liebe dich., wäre zum Beispiel ein mehr als guter Anfang.
Tut mir leid., wäre aber auch okay.
Ich hole tief Luft und halte sie an.
»Weil ich nicht will, dass du gehst. Weil ich will, dass du hier bleibst. Hier bei mir.«
»Und warum?«, frage ich schwer atmend.
»Weil ich dich liebe.«
Da sind sie, die Worte, die ich mir so sehr gewünscht habe. Ich schaue Ali in die Augen.
»Bin ich zu spät?«
Ich schüttle den Kopf, ziehe Ali an mich und küsse sie leidenschaftlich.
Als wir uns voneinander lösen, lege ich meinen Arm um Ali.
»Lass uns gehen.«
»Aber … dein Koffer ...«
»Mein Koffer ist nicht so wichtig. Wichtig bist nur du.«
Eng umschlungen schlendern Ali und ich zum Ausgang und halten nach einem Taxi Ausschau.
»Hat hier jemand ein Taxi bestellt?«, höre ich die Stimme meiner Mutter quäken.
Ali und ich grinsen uns an.
»Ich wusste es, dass sie es nicht schaffen, nach Hause zu fahren und uns machen zu lassen.«, brummle ich, kann ein Grinsen jedoch nicht unterdrücken.
Meine Eltern sind unglaublich. Aber vor allem sind sie unglaublich neugierig. Wäre auch ein kleines Wunder gewesen, wenn sie sich die Show hätten entgehen lassen.
»Ich bitte einzusteigen.«, sagt Mutter, drückt einen Kuss auf meine Wange und hält Ali und mir die Tür auf.
Kaum haben unsere Hinterteile die Rückbank berührt, schert mein Vater aus der Parklücke.
»Gut, dass ihr endlich zur Vernunft gekommen seid.«, kommentiert er.
»Lange genug hat es ja gedauert.«
»Wo sollen wir euch hin bringen?«, fragt meine Mutter.
»Zu mir.«, prescht Ali vor.
»Natürlich nur, wenn es für dich in Ordnung ist.«
Und wie es in Ordnung für mich ist. Seit Wochen sehne ich mich danach, dass Ali mir endlich erlaubt, ein Teil ihres Lebens zu sein. Nicht nur ein Teil, sondern der wichtigste Teil.
Ich weiß ganz sicher, dass ich es diesmal nicht vermasseln werde. Das Herz dieser Frau ist so … so liebenswert und verdient es, ausschließlich zärtlich behandelt zu werden. Ich werde alles dafür tun, dass wir all die Dramen, die zwischen uns passiert sind, miteinander aufarbeiten. Die Hoffnung ist zurückgekehrt. Ja. Ich hoffe auf eine glückliche Zukunft. Mit Ali. Alles andere ist unwichtig.
M ein Vater hält vor dem Haus, in dem Ali wohnt. Ali scheint es ziemlich eilig zu haben. Sie reißt die Tür auf und springt von der Rückbank. Bevor ich ihr folge, lehne ich mich kurz zu meinen Eltern und stoße ein gepresstes »Danke.« über meine Lippen.
»Danke, dass ihr uns helft.«
»Wir haben doch gar keine andere Wahl. Alleine bekommt ihr es doch nicht hin.«
Da ist allerdings was Wahres dran. Ich hauche ein flüchtiges Bussi auf die Wangen meiner Eltern und mache mich dann davon. Ali wartet an der offenen Tür auf mich. Sie strahlt mich an.
»Weißt du eigentlich, wie lange ich mich nach diesem Moment sehne?«, frage ich aufgewühlt.
»Nicht so lange wie ich.«
Ali schaut mich voller Zärtlichkeit in den Augen an. Ich kenne diesen Blick. Ich habe ihn schon einmal gesehen. Vor vielen Jahren. Kurz bevor wir uns das allererste Mal geküsst haben.
»Können wir nicht da weitermachen, wo wir als Teenager aufgehört haben und die letzten Jahre einfach ausblenden?«, schlage ich augenzwinkernd vor.
»Noch mal Teenager sein? Gott bewahre. Bloß nicht.«
Ali lacht und ich falle in ihr Lachen ein.
Kaum fällt die Tür hinter uns ins Schloss, liegen Ali und ich uns in den Armen. In unserem ungestümen Kuss liegt eine riesige Portion unerfüllter Sehnsüchte. Ali saugt an meinen Lippen. Ich erhöhe den Druck meiner Hände an ihrem Oberkörper. Eng umschlungen taumeln wir rückwärts.
»Soll ich die Schuhe ausziehen?«, frage ich zwischen zwei Küssen.
»Ich bitte darum.«, stöhnt Ali.
»Oder willst du lieber mit Schuhen ins Bett?«
Das Wort Bett versetzt mich so sehr in Aufruhr, dass ich mal wieder zu zittern beginne. Mein ganzer Körper zittert wie Espenlaub. Ich versuche, meine Schuhe von den Füßen zu streifen, aber so leicht ist das nicht, wenn die Muskeln nicht mehr so richtig gehorchen wollen.
Da ich es nicht richtig hinbekomme, schaue ich an mir herunter. Alis Füße sind nackt.
»Wieso bist du barfuß?«
Statt meine Frage zu beantworten, hebt Ali ihren Fuß. Der Knöchel ist geschwollen. Wieso fällt mir das eigentlich erst jetzt auf?
»W … was ist passiert?«, stammle ich, und spüre eine unangenehme Übelkeit in mir hoch steigen.
Ali muss doch furchtbare Schmerzen haben. Und ich habe es nicht mal mitbekommen.
»Ich bin umgeknickt.«, murmelt Ali.
»Das muss doch höllisch weh tun.«
Ali winkt ab.
»Alles halb so schlimm. Ehrlich.«
Na, ich weiß ja nicht. Nachdenklich betrachte ich Alis Fuß.
»Soll ich dich nicht lieber ins Krankenhaus fahren?«
»Bist du verrückt?«
Mit einem Grinsen auf den Lippen zeigt Ali mir den Vogel.
»Hast du auch nur ansatzweise eine Ahnung, wie viele Jahre ich diesem Moment entgegen fiebere? Jetzt bist du endlich hier und dann willst du mich ins Krankenhaus abschieben? Vergiss es, Conny. Ich will dich. Nichts anderes. Verstanden?«
Oh ja. Und wie ich verstanden habe. Alis letzte Worte haben meinen Körper in ein willenloses Etwas verwandelt. Die Erregung schießt wie ein Feuerstrahl durch meinen Körper. Ich hänge mich an Ali und kicke mit letzter Kraft meine Schuhe weit von mir. Ich will Ali. Ich will sie so sehr, dass es auch in Ordnung für mich wäre, wenn sie mich gleich hier im Flur nehmen würde.
Ich bin schlimm. Ich weiß. Aber … ich bin doch auch nur eine Frau mit gewissen Bedürfnissen. Und diese Bedürfnisse möchte ich von Ali erfüllt haben. Jetzt.
Ali greift nach meiner Hand und versucht, mich hinter sich herzuziehen, aber ich kann nicht. Ich muss sie erst ausgiebig küssen. Während meine Lippen Alis einnehmen, fange ich an, die Knöpfe ihres Oberteils zu lösen. Die Bluse rutscht über Alis Schultern und gleitet langsam zu Boden. Unsere Blicke folgen dem leichten Stoff. Ali grinst.
»Wie konnte das denn passieren?«, fragt sie mit unschuldigem Augenaufschlag, und ich zucke mit den Schultern.
»Keine Ahnung.«
Oh ja. Mein Blick ist Unschuld pur, was wohl daran liegt, dass ich unschuldig bin. Meine Gedanken sind unschuldig und rein. Wie die Gedanken eines Säuglings, der sich doch nur nach Brüsten sehnt.
Ich sehne mich auch nach Brüsten. Nach Alis Brüsten. Sie liegen so verlockend zur Hälfte von Stoff verborgen in Alis schwarzen BH. Ich strecke die Hand aus und streichle mit den Fingerspitzen über die weiche Haut. Ali stöhnt auf. Ich auch. Ich kann mich kaum noch bremsen. Die Lust geht mit mir durch. Mit der linken Hand greife ich um Alis Oberkörper und versuche die Häkchen vom BH zu lösen. Verdammt. Die sträuben sich vielleicht. Unglaublich. So eine Gegenwehr habe ich nicht erwartet.
»Hast du ein Problem?«, neckt Ali.
»Brauchst du Hilfe?«
»Oh ja.«, krächze ich.
»Dreh dich um.«
Alis Stöhnen ist tief und laut. Mir sackt das Blut aus dem Kopf in weitaus tiefer gelegene Regionen.
»Dreh dich um.«
Laut stöhnend folgt Ali meiner Anweisung und dreht sich um. Ich kann ein lustvolles Stöhnen nun ebenfalls nicht mehr unterdrücken. Das Verlangen will aus mir heraus und lässt sich nicht länger bremsen. Ich kann mich nicht länger bremsen.
Mit zitternden Fingern fummle ich an den Häkchen von Alis BH. Endlich. Der erste ist offen. Fehlt nur noch einer. Ich drücke und ziehe gleichzeitig. Das zweite Häkchen springt fast von selbst auf. Ich streife Ali den BH über die Schultern und werfe ihn auf den Boden.
Ali dreht sich zu mir um. Von ihrer Schönheit geblendet, schließe ich ganz kurz die Augen, öffne sie aber gleich wieder. Ali ist noch da. Sie ist auch immer noch genauso schön wie vor ein paar Sekunden. Ich schlucke.
Ali macht einen Schritt auf mich zu und presst sich mit nacktem Oberkörper an mich. Ihre Brüste berühren meine. Es kommt mir so vor als wären meine Brüste eingesperrt. Eingesperrt in einem Gefängnis, aus dem es kein Entrinnen gibt. Mein Brustkorb hebt und senkt sich in hektischem Rhythmus. Ich atme flach und oberflächlich und stoße mehr Luft aus als ich einatme. Ali fängt an, mich zu streicheln. Sie streichelt meinen Rücken und meinen Po. Ganz sanft kneift sie mir in die Pobacken.
»Oh Gott, ich will dich so sehr.«, krächzt sie.
Sie schlingt die Arme um mich. Meine Brüste rutschen ein Stück tiefer. Wie hat sie das bloß hinbekommen? Ohne, dass ich es bewusst mitbekommen habe, hat sie heimlich unter meiner Bluse die Häkchen von meinem BH geöffnet und meinen Brüsten die Freiheit verschafft, die ich mir so sehr gewünscht habe. Ich versuche meine Atmung zu kontrollieren, doch so richtig funktioniert das nicht. Ich bin fix und fertig. Alis Blick ist so eindeutig. So voller Hunger und Lust.
»Zieh die Bluse aus!«, ordnet Ali an, und ich folge nur zu gern ihrer Anweisung.
Es fällt mir ein bisschen schwer, die Knöpfe durch die viel zu kleinen Löcher zu schieben. Ich bin generell schon oft genervt, wenn die Knöpfe der Bluse sich wehren, aber wenn Ali sich dann auch noch so verlockend mit der Zungenspitze über die Oberlippen leckt … ich halte es kaum noch aus. Das ist doch Wahnsinn.
Meine Blicke folgen ihrer Zungenspitze. Ich bin mir ganz sicher, dass mir mittlerweile der Sabber über die Mundwinkel rinnt. Alis Anblick treibt mich in den Wahnsinn. Gut möglich, dass in der Zwischenzeit kaum noch Blut in meinem Kopf ist. Dafür pocht mein Unterleib. Ich fühle mich zittrig. Und unsicher. Ich kann kaum noch stehen.
»Die Knöpfe.«
Ali deutet auf meine kraftlos herabhängenden Arme. Ich gebe mir wirklich Mühe, beide Arme zu heben und mich dem Öffnen der Knöpfe zu widmen. Wirklich. Ganz im Ernst. Aber so leicht, wie Ali tut, ist es dann leider doch nicht. Warum soll ich meine Knöpfe eigentlich selbst öffnen? Ich habe ihr doch auch geholfen. Warum hilft sie mir nicht?
Mein Blick fällt auf ihre Finger. Es sieht fast so aus, als hätte Ali die Kontrolle über die Finger verloren, so sehr wackeln sie. Nun ist mir klar, warum sie mir nicht hilft. Sie kann nicht.
Das macht mir Mut. Mit seinen Gefühlen nicht alleine zu sein, tut schon gut. Auch, wenn ich, ehrlich gesagt, schon ein bisschen Hilfe brauchen könnte.
Ich nestle am obersten Knopf herum.
»Warte mal.«
Anscheinend verliert Ali die Geduld. Mit beiden Händen greift sie nach den zwei Seiten der Bluse und zerrt den Stoff ruckartig auseinander. Dann noch mal und noch mal. Nach dem vierten Versuch geben die ersten Knöpfe und Nähte nach. Kurze Zeit später hält Ali meine in zwei Teile zerfetzte Bluse in Händen und grinst mich triumphierend an.
»So geht das.«, sagt sie zufrieden, und schmeißt die Bluse in die Ecke.
Dass das meine Lieblingsbluse war, kann sie nicht wissen. Aber ich weiß es. Ein heißkalter Schauer jagt mir über den Rücken.
»Wieso trägst du ein Unterhemd?«, fragt Ali alles andere als begeistert.
»Das Ding nennt man Top.«
»Und? Warum trägst du es?«
Was für eine Frage. Damit ich die Bluse ausziehen kann, wenn mir warm wird natürlich. Also echt. Etwas mehr Phantasie hätte ich Ali ja schon zugetraut.
Noch bevor ich meine Gedanken zu Ende geführt habe, greift Ali mit beiden Händen nach meinem Top, zieht es mir aus dem Hosenbund und über den Kopf.
»Mensch. Noch mehr Lagen konntest du wohl nicht anziehen.«
Ali grummelt so sehr vor sich hin, dass ich grinsen muss.
»Nicht wirklich. Wäre sonst zu warm geworden.«, kontere ich mit lässigem Augenaufschlag.
Ali schiebt mir die Träger des bereits offenen BH über die Schultern und lässt ihn dann auf den Boden fallen.
Als sie sich aufrichtet, fällt ihr Blick direkt auf meine Oberweite. Sie schlägt die Hand vor den Mund, was mich verunsichert. Ist sie angewidert von dem, was sie sieht? Sehe ich doch nicht so gut aus, wie sie es sich ausgemalt hat? Die Gedanken jagen mir durch den Kopf.
»Wow.«, murmelt Ali, und streckt die Hand aus, um sie mir auf die Brust zu legen.
»Du bist so wunderschön. Viel schöner als in meiner Erinnerung.«
Ha! Ja klar. Von wegen. Aber süß ist es trotzdem, selbst, wenn es geflunkert ist.
»Schleimerin. Gib zu, dass du etwas anderes sagen wolltest.«
»Nö. Was denn?«
»Du siehst viel älter aus als ich dachte., vielleicht?«
Ali zieht die Augenbrauen hoch und schaut mich voller Ernst im Blick an.
»Hätte ich das sagen wollen, hätte ich es auch gesagt. Ich lüge nicht.«
Das wollte ich doch auch gar nicht sagen.
»Conny, ich sage es nur einmal. Hör mir also gut zu.«
Uff.
»Wenn ich sage, dass du wunderschön bist, dann meine ich es auch so. Wenn ich sage, dass ich dich liebe, dann ist das mein voller Ernst. Hör auf, dich verrückt zu machen. Du bist eine wunderschöne Frau. Ich liebe dich seit unserem allerersten Kuss.«
Das hat gesessen.
Ich schlucke und stöhne.
Ali überwindet den Abstand zwischen uns und zieht mich fest in ihre Arme. Unsere Lippen suchen einander und finden sich. Eng umschlungen taumeln wir vorwärts. Beim Gehen schlüpfen wir aus Hosen, Socken und Höschen und lassen die überflüssigen Kleidungsstücke einfach fallen.
Nun gibt es nichts mehr, was uns trennt. Ali lehnt sich zurück und schafft es irgendwie, mit dem Ellenbogen eine Tür zu öffnen, ohne mich dabei loszulassen.
Mehr taumelnd als laufend, stolpern wir zum Bett. Ich habe immer noch eine Socke an.
Ali verpasst mir einen sanften Stoß, so dass ich rückwärts aufs Bett falle. Die weiche Matratze gibt nach unter meinem Gewicht. Ali schmeißt sich auf mich. Gefühlt sind ihre Hände überall gleichzeitig und dort, wo sie nicht sind, sind Alis Lippen. Mir kommt es so vor, als ob mein Körper nur noch aus höchst empfindlicher Haut besteht. Ich presse mich an Ali und versuche so viel wie möglich von ihr mitzubekommen. Die Liebkosungen, die Ali mir zukommen lässt, variieren stark. Sie streichelt mich sanft, greift dann und wann aber auch mal fester zu. Im Grunde reicht es schon, wenn sie mich ansieht. Sobald sie mich auf diese Weise berührt, bin ich ihr jedoch willenlos ausgeliefert. Ich schnurre wie ein kleines Kätzchen. Sie keucht. Ich stöhne.
Die Luft ist zum Zerschneiden aufgeheizt. Wir schwitzen so sehr, dass sich zwischen unseren Körpern eine dünne Schicht aus Schweiß bildet. Ich steigere die Intensität unserer Küsse. Verlangend beiße ich Ali in die Unterlippe. Ali schreit auf.
»Haft du miff jepft wirklich gebiffen?«, fragt sie, und ich schüttle amüsiert den Kopf.
»So etwas würde ich doch niemals tun.«, necke ich, und kneife ihr zärtlich in den süßen Po.
Habe ich mich bis jetzt, nahezu vollkommen auf das konzentriert, was Ali mit mir macht, ergreife ich allmählich selbst die Initiative. Was Ali mit mir macht, gefällt mir. Vielleicht mag sie selbst es ja auch.
Da sie fast komplett auf mir liegt, bleiben mir nicht allzu viele Möglichkeiten. Aber ein kleiner Biss in die Schulter wird doch wohl erlaubt sein, oder? Ich knabbere an der Haut an Alis Schulter. Ali schnappt nach Luft.
»Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, dass wir uns Zeit lassen.«, stöhnt sie.
»Aber es geht nicht. Ich kann mich nicht länger beherrschen. Fass mich an. Bitte.«
Oha. Na, das sind ja schon ziemlich klare Worte. Ein Wunsch, dem ich nur zu gerne nachkomme.
»Setz dich hin.«, knurre ich, und schiebe Ali so in Position, dass sie auf meinen Hüften sitzt.
Ihre Brüste haben eine herrlich schöne Tropfenform und sehen aus wie gemalt. Ich bin mir ganz sicher, dass ich mich nie mehr an ihr werde satt sehen können. Mit der Handinnenfläche streichle ich zärtlich über den aufgerichteten Nippel. Ali stöhnt auf. Ihre Handinnenfläche gleitet über meinen Nippel. Phu. Ich schnappe nach Luft.
Das Paradies liegt offen und frei vor mir. Ich muss nur die Hand ausstrecken und schon kann ich es berühren. Ali ist komplett glatt rasiert. Wie ich auch. Obwohl ich gestehen muss, dass ich der Rasur heute Morgen nicht besonders viel Zeit und Aufmerksamkeit eingeräumt habe. Ich wollte weg. Nee, eigentlich wollte ich gar nicht weg. Ich wollte weg.
Ich war ein einziges Wrack, das zwischen wollen und nicht wollen schwankte. Ich war so von meiner Situation so überfordert, dass ich keinen klaren Gedanken fassen konnte.
Wären Ali und meine Eltern nicht gewesen, würde ich mich jetzt irgendwo über dem Ozean befinden und meinem Herz dabei zusehen, wie es endgültig bricht. Ich würde heulen wie ein Schlosshund und niemand würde mir beistehen und meine Hand halten. Niemand. Weil ich mich dazu entschieden hätte, sämtliche Brücken abzubrechen und neu anzufangen. Mal wieder. Ist ja schließlich meine Spezialität. Sobald es schwierig war, habe ich mich immer für die Flucht nach vorne und einen Neustart in einer neuen Stadt entschieden. So war ich früher. Doch jetzt möchte ich nicht mehr so sein.