23. Ali

W ir wollten mit dir über meine Kündigung sprechen.«, platzt Conny heraus, und Marek klopft mit einem Kugelschreiber auf die Heftmappe auf dem Tisch.

Der Kugelschreiber ist schwarz, die Heftmappe apfelgrün.

Marek schaut Conny mit in Falten gelegter Stirn nachdenklich an.

»Was ist mit deiner Kündigung?«, fragt er schließlich.

»Wir möchten dich bitten, dass du Connys Kündigung vergisst.«, springe ich in die Presche.

Marek runzelt die Stirn. Nachdenklich tippt er mit dem Kugelschreiber auf die apfelgrüne Heftmappe. Der Gesichtsausdruck des Mannes ist neutral. Er lässt sich nicht in die Karten schauen und schon gar nicht lässt er uns erkennen, was er denkt.

»Wer garantiert mir, dass ich nicht einen großen Fehler mache, wenn ich die Kündigung vergesse?«, fragt er an Conny und mich gerichtet.

»Ich.«

»Ich.«

»Ihr seid ganz schön anstrengend. Wisst ihr das eigentlich?«

»Wir haben nie etwas Anderes behauptet.«

»Schön, dass ihr euch mal wieder einig seid. Trotzdem müssen wir ein paar Punkte erörtern.«

»Mach es nicht komplizierter als es ist. Gib Conny ihren Job zurück und fertig.«

»Heißt das, dass dein Rachefeldzug beendet ist?«, hakt Marek an mich gerichtet nach, und ich nicke.

»Du bist dir ganz sicher, dass du unter ihr arbeiten kannst?«, fragt Marek, und merkt in dem Moment, in dem Conny und ich uns angrinsen, dass seine Frage mehr als zweideutig war.

Er hüstelt. Dann lacht er, öffnet die Heftmappe und entnimmt ihr ein Dokument. Er legt es auf den Tisch, schließt die Mappe wieder und gibt Conny und mir ein paar Sekunden.

»Wenn ihr euch ganz sicher seid, werde ich die Kündigung zerreißen. Allerdings möchte ich keinerlei Beschwerden hören. Weder von der einen, noch von der anderen Seite. Ich hoffe, wir haben uns verstanden.«

Conny und ich nicken schnell.

»Gut. Dann soll es so sein.«

Marek nimmt das Dokument vom Tisch, doch Conny hält ihn zurück.

»Darf ich?«, fragt sie, und zerreißt das DINA4-Blatt so lange, bis nichts als lauter kleine Einzelteile davon übrig sind.

»Wunderbar. Dann wäre dieses leidige Thema auch vom Tisch und wir können wieder zur Normalität zurückkehren. Für den gestrigen Tag ziehe ich euch natürlich jedem einen Urlaubstag ab.«

»Ich war aber doch im Büro.«, kontere ich, doch davon lässt Marek sich nicht beeindrucken.

»Physisch vielleicht.«, gibt er schmunzelnd zurück und zwinkert uns zu.

»Wenn ihr schon mal beide hier seid, können wir die Gelegenheit gleich nutzen. Wie ihr vielleicht wisst, steht unser Betriebsfest in den Startlöchern. Und ratet mal, wer die Planung und die Organisation dafür übernimmt.«

Ich habe keine Idee. Aber das ist nicht schlimm. Schließlich bin ich ein bisschen doof. Conny schaut ähnlich ahnungslos aus der Wäsche wie ich. Auch doof, wie es aussieht.

»Ach kommt schon, Mädels. Stellt euch nicht dümmer als ich aussehe.«

Herrlich, wie leicht sich Marek aus der Fassung bringen lässt. Wie er schaut. Zum Piepen.

»Ich möchte, dass ihr Beide das Fest organisiert. Ladet jeden ein, der in den letzten Jahren für unseren Erfolg mitverantwortlich war. Die Presse, die Leute im Kindergarten, Vertreter von Lieferanten und und und. Ich möchte, dass ihr ein Fest auf die Beine stellt, das es so noch nie gegeben hat.«

Na toll. Wirklich ganz toll. Das riecht doch nach Arbeit. Nach sehr viel Arbeit. Und nach vielen Stunden Mehrarbeit, die Marek am Ende ganz sicher wieder als soziales Engagement abtun wird.

Eigentlich hatte ich mir die nächsten Wochen ein bisschen anders vorgestellt. Mein Plan war, dass Conny und ich unsere neu gewonnene Zweisamkeit so richtig genießen können. Ich wollte … argh. Das, was Marek mit uns vorhat, passt überhaupt nicht mit meinen Ideen zusammen.

»Solange du uns die geleisteten Stunden als Arbeitszeit anrechnest, können wir gerne miteinander verhandeln.«, erklärt Conny mit einer Leichtigkeit in der Stimme, die mich beeindruckt.

Wie es aussieht nicht nur mich. Unser Chef macht den Mund auf und klappt ihn wieder zu. Ohne ein Wort zu verlieren. Dann schüttelt er den Kopf und brummelt ein paar Worte vor sich hin, die wie »Ich wusste, dass es ein Fehler war.« klingen.

»Entweder so, oder du musst dir einen anderen Deppen suchen, der deine Fete organisiert.«

Marek rollt mit den Augen, doch dann geht er auf Connys Vorschlag ein und erwidert ihren Handschlag.

»Macht, dass ihr weg kommt!«, ruft er uns hinterher als wir schon an der Tür sind.

»Bevor ich mich vergesse.«

Gerade, als Conny und ich das Mareks Büro verlassen, biegt seine Assistentin mit einem Tablett um die Ecke.

»Ich dachte, ich soll für Kaffee und Kuchen sorgen.«, murmelt sie geringfügig irritiert.

»Oh, danke. Kaffee und Kuchen nehmen wir gerne mit.«

Mit einem Grinsen auf den Lippen nimmt Conny der verdatterten Frau das Tablett aus der Hand und läuft los. Ich laufe ihr hinterher. Wir verschwinden in Connys Büro und lassen die Tür hinter uns ins Schloss fallen. Während Conny das Tablett auf den Tisch stellt, lehne ich mich abwartend an die Wand. Conny grinst amüsiert.

»Hast du das Gesicht von Mareks Assistentin gesehen?«

»Also, ich fand Mareks Gesicht noch viel lustiger. Wie blöd der geguckt hat. Jede Wette, dass er nicht damit gerechnet hat, dass du ihn so auflaufen lässt.«

»Hallo? Das ist doch nur recht und billig. Er will etwas von uns, also darf er sich auch ein bisschen bemühen.«

Conny lässt sich auf ihren Stuhl fallen und legt die Füße hoch.

»Wo sollen wir anfangen?«, fragt sie mit gerunzelter Stirn.

»Also, ich hätte da schon eine Idee.«

Mit kleinen Schritten setze ich mich in Bewegung und gehe langsam auf Connys Schreibtisch zu. Conny hält mich mit Blicken gefangen. Mein Herz fängt an zu rasen. Conny fährt sich mit der Zungenspitze über die Oberlippe. Ich schlucke. Mir wird ganz heiß. Alles in mir schreit nach Connys Nähe, nach der Wärme ihrer nackten Haut, nach ihren Küssen und den aufregenden Berührungen ihrer Hände.

Schade, dass wir nicht einfach gehen können. Enttäuschung kriecht in mir hoch. Mittlerweile ist es eindeutig. Ich begehre Conny. Ich will sie. Ich bin süchtig nach ihr. Wirklich schade, dass wir uns nicht mal eben aus dem Staub machen können. Es wäre doch zu schön, wenn wir das, wonach uns der Sinn steht, ausleben könnten. Genau jetzt. Weil uns gerade danach ist. Mir kommt eine Idee.

Ich trete neben Conny und hauche einen sanften Kuss auf ihre Lippen. Hinter ihrem Rücken hole ich ein Blatt Papier aus dem Drucker. Auf ihrem Schreibtisch steht eine Box mit Stiften. Ich schnappe mir einen dicken schwarzen Stift.

»Was hast du vor?«, fragt Conny schwer atmend.

»Das verrate ich dir nicht.«, gebe ich zurück, entferne mich ein paar Schritte und fange dann an zu schreiben.

»Hast du Klebeband?«

Conny zieht eine Schublade auf und reicht mir eine Rolle breiten Klebebands.

»Was willst du damit?«

»Nichts Schlimmes. Versprochen. Vertrau mir einfach.«

Ich klebe vier Streifen Klebeband über die Ecken meines Zettels.

»Hast du vielleicht einen Schlüssel für dein Büro?«

»Klar.«

Obwohl Conny anzusehen ist, dass ihr etwas mulmig zumute ist, reicht sie mir den Schlüssel und ich gehe, mit Zettel und Schlüssel bewaffnet, zur Tür. Ich ziehe die Tür auf und schaue nach rechts und links. Niemand auf dem Gang. Hervorragend. Mit flinken Fingern klebe ich meine Nachricht an Connys Bürotür. Dann schließe ich die Tür wieder und sperre ab.

Mit einem Lächeln auf den Lippen drehe ich mich ganz langsam wieder zu Conny um. Conny sieht mich an. Ihre Augen sind ganz groß. Sie zittert ganz leicht. Ich hole tief Luft. Es riecht nach Vanille. Und nach Käsekuchen.

Obwohl ich innerlich alles andere als ruhig bin, gehe ich gemächlich auf Conny zu, umrunde ihren Schreibtisch und bleibe dicht vor ihr stehen.

»Was hast du vor?«, fragt Conny mit zitternder Stimme.

»Wonach sieht es denn aus?«

»Ich weiß nicht. Sag du es mir.«

Mit beiden Händen stütze ich mich rechts und links von ihr auf den Armlehnen ihres Bürostuhls ab und schaue ihr tief in die Augen. Sie beißt sich auf die Lippen. Das ist eine der Gesten, die mich besonders schwach und wehrlos machen. Uff. Ganz schön heftig, was so eine kleine Geste in mir auslöst.

Mit einem Schlag ist meine Selbstsicherheit wie weggeblasen und ich fühle mich unsicher wie damals als Conny und ich kurz davor waren, uns das allererste Mal zu küssen.

Im Zeitlupentempo schiebe ich Conny auf ihrem Stuhl vom Tisch weg. Ich beuge mich vor. Ihr warmer Atem streicht mir übers Gesicht. Vor Aufregung hüpft mein Herz. Ich beuge mich vor. Conny kommt mir entgegen. Unsere Lippen berühren sich. Dieser Kuss ist der Start für mehr. Für viel mehr. Ich lege den Arm um Conny und ziehe sie an mich. Die Härchen an ihrem Nacken richten sich auf. Conny stöhnt unterdrückt.

»Aber das geht doch nicht.«, haucht sie.

»Was, wenn jemand rein kommt?«

»Es wird niemand rein kommen. Versprochen.«

In meiner Stimme schwingt eine Mischung aus Stöhnen und Seufzen. Hoffentlich denkt Conny nicht daran, dass das Fenster hinter ihrem Rücken nur spärlich gegen Blicke von außen abgeschirmt ist. Ich kann mich kaum noch auf den Beinen halten, so aufgeregt bin ich.

»Dann zeig mir doch mal, Frau Martin, wie es ist, wenn du unter mir arbeitest.«, stößt Conny mit vor Erregung wackeliger Stimme aus.

»Ich zeige dir, wie es ist, wenn ich über dir arbeite.«

Ich schwinge mich auf Connys Schoß. Unsere Küsse werden schnell tiefer, fordernder und wilder. Ich will Conny. Ich will sie jetzt. Ich will sie nackt. In meinen Armen. Alternativ ist es aber auch in Ordnung, wenn sie einen Teil ihrer Kleidung anbehält.

Mit einer Hand halte ich mich an Conny fest, die andere schiebe ich unter ihre Bluse. Meine Hand wird von weicher Haut begrüßt. Da unsere Zeit im Büro ziemlich begrenzt ist, arbeite ich mich auf direktem Weg zu ihren Brüsten vor. Conny trägt einen eng sitzenden BH, doch der stellt kein Hindernis für mich dar. Sie kann gar nicht so schnell schauen, wie meine Hand ihren Weg unter den Stoff findet. Connys Brustkorb hebt und senkt sich ziemlich schnell. Meine Kleidung fühlt sich eng an.

»Hilf mir aus den Klamotten!«, ächze ich und Conny tut, worum ich sie bitte.

Connys Nippel sind fest. Ich liebe es, die raue Haut zu berühren und zu reizen. Aber noch viel mehr liebe ich es, wenn ich Connys Reaktionen auf das, was ich mit ihr mache, hören und sehen darf. Mhmmm. Ist das schön.

Conny ist eine atemberaubende Frau. Wie gut, dass ich diese Tatsache all die Jahre nur erahnen konnte. Hätte ich es gewusst, wäre es noch unmöglicher gewesen, auch nur eine Minute lang nicht an sie zu denken.

Sie hebt ihr Becken ganz leicht an und fleht mich an, dass ich sie endlich an ihren intimsten Stellen berühre.

Ich rutsche auf ihrem Schoß hin und her und versuche, eine gute Position zu finden.

»Geh runter!«, herrscht Conny mich an.

»Sofort!«

Ich schaue Conny irritiert an.

»Und jetzt mach endlich weiter!«, ordnet sie an, und nimmt ohne Hose und Höschen wieder auf ihrem Stuhl Platz.

Ich knie mich vor ihr auf den Boden und schiebe ihre Schenkel auseinander. Auf dem Stuhl ist ein kleiner feuchter Fleck zu sehen.