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Vespix

Tom sprang in den Sattel und Elenna kletterte hinter ihm auf Storms Rücken. Marc streckte seine Hand aus und sprach einen Zauberspruch. Tom drängte Storm vorwärts und sah, wie sich eine silbrig blaue Blase um sie herum bildete. In ihrem Inneren war es angenehm warm.

Storm galoppierte die Straße entlang, auf die Zugbrücke und das Tor zu. Silver folgte ihnen. Als sie sich dem Tor näherten, flogen sofort unzählige Wespen zu ihnen herunter. Tom hörte ihr wütendes Brummen, als sie von dem Schutzschild abprallten.

Er spürte, wie Elenna hinter ihm erschauderte. „Zum Glück haben wir Marc, der uns hilft.“

Tom suchte den Himmel nach der Riesenwespe ab.

„Wo versteckt sich das Biest?“, überlegte er.

Storms Hufe klapperten über die Zugbrücke, als er den Burggraben überquerte, der das Schloss umgab. Tom lenkte seinen Hengst durch einen Torbogen und sie gelangten in eine große Halle. Im Inneren erstreckten sich zwei Säulenreihen hoch bis zum Kuppeldach. An den Wänden brannten Fackeln und beleuchteten die prächtigen Teppiche, die dort hingen.

Von den königlichen Wachen war weit und breit nichts zu sehen. Überall lagen Teile von Rüstungen und Waffen auf dem Boden verstreut.

„Hier wurde gekämpft“, dachte Tom.

Elenna sprang ab. In diesem Moment verschwand die Wärme des blau schimmernden Schutzschildes, der Tom und seine Freundin umhüllt hatte. Es wurde schlagartig kalt.

„Schnell, schließ die Tür!“, rief Tom.

Elenna rannte zur Tür und knallte sie zu, bevor die Wespen, die ihnen gefolgt waren, eindringen konnten.

„Das war knapp!“, rief Tom erleichtert.

Zwei Wespen war es gelungen, hindurchzuschlüpfen, bevor Elenna die Tür schließen konnte. Doch sie flogen zum Dach hoch und taten ihnen nichts.

„Für den Augenblick sind wir in Sicherheit“, sagte Tom. „Jetzt müssen wir die Treppe zum Turm finden und …“

Er brach ab, weil er noch immer ein leises Brummen hören konnte.

„Was ist das?“, wunderte sich Elenna, die es auch gehört hatte. „Der Schwarm ist draußen. Woher kommt dann das Summen?“

Das Geräusch wurde lauter und Tom sah in die Richtung, aus der es kam. Ihm lief es eiskalt den Rücken hinunter, als er den Thron auf der anderen Seite der Halle erblickte. Er war aus Holz geschnitzt und mit Gold und glitzernden Juwelen verziert. Eine riesige Gestalt saß auf ihm. Sie war doppelt so groß wie ein Mann. Der Oberkörper war menschlich bis auf den Wespenkopf mit den vorstehenden Augen. Der Unterkörper war der einer Wespe und hatte schwarze und gelbe Streifen. Am Ende saß ein langer, spitzer Stachel, der grün leuchtete. Das Biest hatte sechs Arme und Beine mit gebogenen Klauen. Aus seinem Rücken wuchsen vier Flügel, die sich leicht bewegten und das summende Geräusch verursachten.

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„Vespix“, sagte Tom heiser.

Ohne das Biest aus den Augen zu lassen, nahm Tom seinen Schild vom Sattel und zog sein Schwert.

„Komm und kämpfe mit mir!“, rief er. „Mal sehen, wie stark du bist!“

Die Wespenkönigin erhob sich vom Thron und schwebte mit bebenden Flügeln auf sie zu. Dadurch erzeugte sie so viel Wind, dass die Fackeln um sie herum zu flackern begannen und die Flammen wild hin und her zuckten. Das Summen war so laut, dass es Tom in den Ohren wehtat und in seinem Kopf dröhnte es.

„Sei vorsichtig, Tom!“, rief Elenna hinter ihm. Er warf schnell einen Blick über die Schulter und sah, dass seine Freundin statt ihres Bogens ein langes gebogenes Schwert in den Händen hielt.

„Das Schwert muss einer der Wachen gehört haben“, dachte er. „Aber wo sind sie alle?“

Doch ihm blieb keine Zeit mehr, darüber nachzudenken.

Die Riesenwespe flog zur Decke hoch und stürzte sich dann im Sturzflug auf Tom hinunter. Das Summen ihrer Flügel steigerte sich zu einem schrillen Pfeifton.

Storm wieherte nervös und stampfte mit den Hufen. Der Boden hallte von seinen Tritten. Silver, der treu an Elennas Seite blieb, knurrte und fletschte die Zähne.

Tom hielt seinen Schild zum Schutz hoch, packte sein Schwert und ritt dem Biest entgegen.