Tom presste die Fersen in Storms Flanken und drängte ihn vorwärts. Sie stürmten durch die Halle auf das Biest zu. Die Hufe des Hengstes dröhnten auf dem Steinboden. Die Wespenkönigin streckte ihre Klauen nach Tom aus, aber er duckte sich schnell zur Seite und ihr Körper sauste über ihn hinweg.
Dann holte er mit dem Schwert nach ihrem Bauch aus, aber die Klinge rutschte an der Rüstung ab. Mit einem ihrer Flügel schlug Vespix nach Tom und riss ihm dabei das Schwert aus der Hand. In diesem Moment spürte er einen stechenden Schmerz im Rücken. Er verlor den Halt, fiel aus dem Sattel und landete vornüber auf dem Steinboden.
Benommen von dem harten Aufprall kroch Tom auf sein Schwert zu. Gleich würden sich die scharfen Krallen des Biests in seinen Rücken bohren. Er hörte Elenna schreien und sah, wie sie mit dem Schwert nach der Wespenkönigin ausholte. Sie stand schützend vor ihm und verhinderte, dass die Riesenwespe ihn angreifen konnte, solange er hilflos am Boden lag. Silver sprang knurrend in die Luft und versuchte, nach dem Biest zu schnappen.
Vom Anblick seiner Freunde ermutigt, griff Tom nach seinem Schwert und richtete sich auf. Sein Blick fiel auf den Stachel des Biests, der leuchtend grün schimmerte. Sein gelbes Gift tropfte auf den Boden.
„Das könnte die letzte Zutat für den Heiltrank meiner Mutter sein“, überlegte Tom und neue Hoffnung erfüllte ihn. „Ich muss den Stachel haben!“ Er hob sein Schwert und wartete darauf, dass Vespix wieder auf ihn hinabstürzte. „Wenn ich den Hieb richtig platziere, dann …“
Zack! Die Wespenkönigin schwebte nun über Tom und holte erneut zum Schlag aus. Tom riss seinen Schild hoch, um ihre Klauen abzuwehren. Doch die Kraft des Aufpralls schleuderte ihn erneut zu Boden.
Das Biest wirbelte wild herum und traf Elenna mit voller Wucht. Sie schrie vor Schmerz auf, als sie rückwärts flog und gegen das Eingangstor krachte. Dabei stieß sie die Türflügel auf und landete auf dem schmalen Streifen zwischen Schloss und Burggraben. Silver heulte wütend und rannte zu ihr.
Tom schüttelte sich, um wieder zu sich zu kommen. Dann sah er die hereinströmenden Wespen, die die Halle vom Boden bis zur Decke füllten. Sie tanzten so dicht um ihre Königin herum, dass Tom das Biest kaum noch sehen konnte.
Mühsam rappelte er sich auf und tastete sich durch den schwirrenden Wespenschwarm bis zu Storm vor. Der Hengst stampfte mit den Hufen auf, schüttelte wild den Kopf und peitschte seinen Schweif hin und her, um die Wespen abzuschütteln, die über sein Fell krochen und ihn überall stachen.
„Komm“, murmelte Tom ihm zu und griff nach den Zügeln. „Nichts wie weg hier.“
Er führte den verängstigten Hengst so schnell es ging ins Freie zu Elenna.
Seine Freundin stand gerade auf. Silver stupste sie leise winselnd an. Elenna legte ihm beruhigend die Hand auf den Kopf. „Keine Sorge“, sagte sie keuchend. „Es geht mir gut.“
Doch bevor Tom sie erreichen konnte, schwärmten die Wespen bereits aus der Halle und umkreisten ihn. Tom hieb mit seinem Schwert nach ihnen, aber sie wichen der Klinge mühelos aus. Mit ihren spitzen Stacheln griffen sie die Freunde jetzt unablässig an. Von den vielen Stichwunden brannte Toms Haut wie Feuer.
Der Schwarm verdichtete sich immer mehr und Tom konnte Elenna und Silver nicht mehr sehen. Er hörte den Wolf vor Schmerz heulen und Elennas verzweifelte Stimme: „Tom! Was sollen wir machen? Gegen so viele Wespen haben wir keine Chance!“
„Wir müssen die Wespen loswerden, erst dann können wir mit dem Biest kämpfen!“, rief Tom durch das laute Summen hindurch. „Aber wie?“, dachte er verzweifelt.