Ein noch viel lauteres Summen war nun zu hören und Tom wirbelte herum. Die Wespenkönigin kam wütend zum Eingangstor hinausgeflogen. Ihr grüner Stachel leuchtete bedrohlich.
„Ich kann nicht gegen das Biest und den Schwarm gleichzeitig kämpfen“, dachte Tom.
Elenna trat neben ihn und schlug mit einer Hand die Wespen aus dem Weg. Das Schwert hatte sie in den Gürtel gesteckt und stattdessen ihren Bogen gezückt. Schnell feuerte sie einen Pfeil nach dem anderen auf die Wespenkönigin ab. Zwar prallten sie alle vom Körper der Riesenwespe ab, doch wenigstens gelang es Elenna, das Biest aufzuhalten und es zurück in die Halle zu drängen.
„Wir brauchen einen Plan“, dachte Tom, als er sah, dass Elennas Köcher bald leer sein würde. Aus der Halle drang Vespix’ wütendes Summen.
„Gut gemacht!“, rief Tom seiner Freundin zu. Doch sie hatten keine Zeit sich auszuruhen. Sofort wurden sie wieder von einer Gruppe Wespen angegriffen. Tom fuchtelte um sich und sah sich verzweifelt nach etwas um, das die Wespen verjagen könnte. Zuerst konnte er nichts entdecken, doch dann sah er ein Gebäude auf der Westseite des Schlosses. Durch die geöffnete Tür drang der helle Schein einer Feuerstelle. Daneben lagen ein Amboss und Schmiedewerkzeug herum.
„Eine Schmiede!“, freute sich Tom. Trotz der schmerzhaften Wespenstiche musste er grinsen. „Ich bin in einer Schmiede aufgewachsen. Jetzt weiß ich, wie wir die Wespen in die Flucht schlagen können.“
„Komm mit!“, rief er Elenna zu, die verzweifelt versuchte, die Wespen abzuwehren. „Vertrau mir, ich weiß, was ich tue!“
Er führte Storm zur Schmiede hinüber, Elenna und Silver folgten ihnen. Das Gebäude hatte einen dicken Schornstein, aus dem schwarzer Rauch aufstieg. Metallrohre liefen an den Mauern entlang, die an der Feuerstelle endeten.
Tom drehte sich zu Elenna um, die mit den Händen vor ihrem Gesicht wild hin und her wedelte, um die Wespen zu verscheuchen, die sie unablässig umkreisten.
„Ich habe eine Idee: Wir versuchen, mit unseren Schwertern Löcher in die Rohre zu machen. Wenn sich der Rauch überall ausbreitet, können wir so die Wespen verjagen.“
„Das müsste funktionieren!“, antwortete Elenna und lächelte. Mit leuchtenden Augen zog sie ihr Schwert aus dem Gürtel. Gemeinsam machten sich Tom und Elenna an die Arbeit und hackten abwechselnd mit ihren Schwertern auf die Metallrohre ein. Funken stoben auf, als die Klingen das harte Metall trafen. Eine große Delle entstand und dann ein Riss, aus dem dicker schwarzer Rauch herausquoll.
Tom hustete, als er den beißenden Qualm einatmete und der Rauch in seine Lungen drang. Er zog sein Hemd über Mund und Nase. Elenna wickelte sich zum Schutz ihren Schal ums Gesicht. Immer mehr Rauch strömte nun aus der Öffnung. Tom und Elenna mussten sich bücken und auf dem Boden kriechen, um nicht noch mehr Rauch einzuatmen. Sie überquerten die Zugbrücke, um dem dichten Qualm zu entkommen. Schon bald hörte Tom ein platschendes Geräusch. Er begriff, dass es die Wespen waren, die nach und nach auf den Steinboden fielen.
„Es funktioniert tatsächlich!“ Elenna lächelte erleichtert und sah sich staunend um. „Sind die Wespen tot?“
„Nein, der Rauch betäubt sie nur“, erwiderte Tom. „Aber wenigstens gewinnen wir etwas Zeit! Hoffentlich hält es so lange an, bis wir das Biest besiegt haben!“
Immer mehr Wespen fielen zu Boden und schon bald waren Tom und Elenna umringt von einem Meer aus Wespen. Silver schnupperte an ihnen und schnaubte angeekelt.
„Silver, wage es ja nicht, die zu fressen!“, ermahnte ihn Elenna. Silver winselte und setzte sich dann brav neben sie.
Tom streichelte über Storms Nacken und kämmte mit den Fingern seine Mähne, um ein paar Wespen zu entfernen, die sich dort verfangen hatten. Auf einmal war der Himmel vollkommen frei von Wespen und auch das laute Summen hatte endlich aufgehört.
Tom und Elenna standen in sicherer Entfernung von dem Rauch. Toms Gesicht brannte immer noch von all den Stichen. Auch Elenna war überall mit roten Flecken übersät. Tom nahm die Kralle von Eposs von seinem Schild und hielt sie an die Stichwunden seiner Freundin, danach heilte er auch seine eigenen.
„Jetzt bin ich bereit für den Kampf mit der Wespenkönigin“, sagte er entschlossen. „Wir sollten uns beeilen, uns bleibt sicher nicht viel Zeit, bis die Wespen wieder aufwachen.“
„Ist das Biest immer noch in der Halle?“, fragte Elenna. „Vielleicht ist der Rauch bis dorthin gedrungen und die Wespenkönigin ist auch betäubt.“
Doch kaum hatte sie den Satz ausgesprochen, ertönte ein drohendes Brummen von der Eingangstür der Halle.
„Das beantwortet wohl deine Frage“, sagte Tom grimmig. „Vespix ist wach und sie ist wütend!“