Der Rest des Nachmittags und Abends war angespannt.
Jason ging ihm aus dem Weg. Sobald Remy einen Raum betrat, fand Jason einen Grund, ihn zu verlassen. Er schaute mit Remys Vater und seinem Bruder Sport. Er gab Remys Mutter ein Kompliment über ihren Nachtisch. Er spielte mit den jüngeren Cousins, bis Nathan sie für die lange Heimfahrt zusammentrommelte, und er lächelte und plauderte mit Courtney, was Derek fast genauso zu ärgern schien wie Remy.
Remy hatte das Phänomen des ‚schmutzigen Geheimnisses‘ noch nie erlebt. Er war schon immer mit offen schwulen Männern ausgegangen und hatte seine Sexualität seit seinem dreizehnten Lebensjahr nicht mehr versteckt. Schon damals hatte seine Familie die Wahrheit vermutet. Es war also ein seltsames Gefühl zu wissen, dass Jason es bereute, ihn berührt zu haben. Er wusste, dass es nicht die gleiche Situation war. Sie waren nicht offiziell zusammen. Es war nur eine Affäre, und eine geheime Liebelei konnte Spaß machen. Aber die Last der Scham, die Jason offensichtlich dadurch mit sich herumtrug, war schwer zu ertragen.
Verlegenheit und Wut stürzten abwechselnd in Wellen auf ihn ein. Sein Gesicht war puterrot und es drehte sich ihm der Magen um. Er war sich nicht einmal sicher, auf wen er wütender war: Jason oder sich selbst. Er hätte Jason nicht drängen sollen, sobald er sein Zögern bemerkt hatte. Er mochte es nicht, als Fehler angesehen zu werden. Aber Jason hätte es nicht tun sollen, wenn er sich wie eine verängstigte Schildkröte zurückziehen und Remy den Rest des langen Wochenendes aus dem Weg gehen würde. Wer hätte das gedacht, sie lagen wieder miteinander im Clinch. Remy hätte wissen müssen, dass sie für eine freundschaftliche Affäre nicht geeignet waren.
Remy war so verwirrt und verlegen, dass er Jason wahrscheinlich aus dem Weg gegangen wäre, wenn der Mann ihm damit nicht zuvorgekommen wäre. Doch Jasons meidendes Verhalten rief den nervigen kleinen Bruder in ihm zum Vorschein. Und zwar einer, der sich nicht ignorieren ließ. Deshalb konnte er es nicht lassen, den schlafenden Bären anzustupsen.
Er brachte Jason einen Teller mit Pumpkin Pie , da er wusste, dass es sein Lieblingskuchen war, und begann dann damit, haufenweise Schlagsahne darauf zu löffeln.
„Danke“, sagte Jason grummelnd und seine Mundwinkel bogen sich nach unten. Auf einem Gesicht, das normalerweise ein Grinsen zur Schau trug, sah dies seltsam aus. Manchmal war das Grinsen fröhlich und manchmal selbstgefällig oder arrogant, aber es war immer da.
„Ups“, sagte Remy und strich mit dem Zeigefinger über den Rand der Schlagsahnedose. Er hob seinen Finger zum Mund und ließ seine Zunge um seine Fingerspitze herumtanzen, bevor er an ihr saugte.
Als er nach unten blickte, sah er Jasons genervten Blick, aber gleichzeitig glaubte er, auch ein Aufblitzen von Hitze in seinen Augen zu erkennen.
„Hör auf, mit dir selbst rumzumachen, und bring mir auch ein Stück Kuchen!“, rief Derek von seinem Sofa aus.
Remy hob seinen Mittelfinger über seine Schulter. „Hol es dir selbst.“
„Komm schon, Remy. Anstatt Jason sexuell zu belästigen, solltest du deinem großen Bruder wirklich lieber seinen Nachtisch holen.“
Remy verdrehte die Augen und ging zu dem mit Kuchen bedeckten Beistelltisch hinüber. „Was für einen Kuchen willst du?“, rief er, als Jason sich entschuldigte, um zur Toilette zu gehen und aus dem Zimmer hinausschlüpfte. Remy wäre ihm am liebsten ins Bad gefolgt, aber sein Vater erschien an seiner Seite.
„Schneid mir auch ein Stück Pecan Pie ab, ja?“, sagte er.
„Sicher, Dad.“
Wie befohlen, schaufelte Remy ein Stück auf den Teller seines Vaters. Dieser klopfte ihm auf die Schulter. „Willst du das Spiel mit uns ansehen?“
Sofern es nicht darum ging, Jason zu ärgern, war Remy den meisten Teil des Abends über für sich geblieben. Er war nicht gerade in der Stimmung, sich in das Gespräch zwischen seiner Mutter und Courtney einzumischen. Sie brauchten die Gelegenheit, sich ungestört besser kennenzulernen. Und wie sein Vater wusste, interessierte er sich nicht für Sport.
„Nein, das ist okay. Ich fühle mich heute einfach nicht groß nach Gesellschaft.“
„Okay, mein Sohn. Du weißt, wo du uns finden kannst, wenn es dir zu einsam wird. Es gibt Schlimmeres, als einer Horde von Männern in engen Hosen beim Herumrennen zuzuschauen“, sagte er mit einem Augenzwinkern.
Sein Vater entlockte ihm ein überraschtes Lachen. „Das werde ich mir merken.“
Remy reichte Derek ein Stück Pumpkin Pie und kehrte dann zum Tisch zurück, um sich ebenfalls eins zu nehmen. Aber dort angekommen wurde ihm klar, dass er keinen Hunger hatte. Er hatte dieses Thanksgiving weniger gegessen als in jedem anderen Jahr zuvor. Offensichtlich war er aufgrund der Trennung mit Trey zu niedergeschlagen und außerdem zu wütend auf Jason gewesen, um das Essen wie sonst wirklich zu genießen.
Er fragte sich, ob Jason den Handjob bereute, weil er Angst hatte, vor den Wells geoutet zu werden, oder ob er sich mit seiner Sexualität nicht so wohl fühlte, wie er es vorgab. Wie auch immer, Remy kam sich wie ein Idiot vor. Er fühlte sich durch die Küsse bloßgestellt, so als hätten sie ihn als Betrüger entlarvt. Er gab vor, Jason zu hassen, aber das war nur ein schwacher Vertuschungsversuch dafür, wie er sich wirklich fühlte.
Seit seinem siebten Lebensjahr vergötterte er den besten Freund seines großen Bruders. Er hatte ihn zuerst als Helden verehrt, und nach dem Einsetzen seiner Hormone hatten sich seine Gefühle in Lust verwandelt. Und schließlich, nach Jahren gezielter Spitzeleien aus beiden Richtungen, hatte er den Traum aufgegeben, jemals den Kerl zu berühren, der für ihn zu einem weiteren Familienmitglied geworden war.
Heute hatte er es jedoch zugelassen, sich für eine halbe Sekunde von der Realität zu entfernen und seiner Fantasie freien Lauf zu lassen. Natürlich hatte dies jedoch nicht von Dauer sein können. Das waren Fantasien nie.
* * *
Jason war sich nicht sicher, wie er den Abend überstanden hatte. Er hatte das Gefühl, als würde er sich in einer Art Nebel befinden. Reue und Schuldgefühle spielten Tauziehen in seiner Brust. Er hatte ein schlechtes Gewissen, weil er sich mit dem kleinen Bruder seines besten Freundes eingelassen hatte. Er fühlte sich furchtbar darüber, wie er die Sache mit Remy beendet hatte. Er hatte gesehen, wie sehr seine Worte ihn getroffen hatten, als er die ganze Sache einen Fehler genannt hatte. Er wünschte, er könnte diese Worte zurücknehmen. Er wünschte, er hätte einen besseren Weg gefunden auszudrücken, dass Remy etwas Besseres verdient hatte. Etwas Besseres, als es schnell und schmutzig gegen die Tür gelehnt besorgt zu bekommen.
Er fühlte sich bereits seit Jahren zu Remy hingezogen. Remy bedeutete ihm wirklich viel, schließlich waren sie zusammen aufgewachsen. Er liebte es, ihn auf die Palme zu bringen, sicher, aber er liebte es ebenfalls, ihm ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Mit ihm rumzumachen fühlte sich irgendwie verkehrt an, und er war noch nicht bereit für eine feste Beziehung. Also was hieß das für ihn? Scheinbar, dass er sich weiterhin ungeoutet verstecken musste.
Jason bemühte sich, den Abend so gut wie möglich hinter sich zu bringen. Er machte Small-Talk mit den einzelnen Familienmitgliedern und gab sich allergrößte Mühe, Remy zu ignorieren, zumindest wenn er sich nicht wie ein verdammter Pornostar Schlagsahne vom eigenen Finger leckte. Zu fortgeschrittener Stunde zog er sich immer weiter zurück, bis er sich letztendlich allein auf einem Stuhl in der Ecke wiederfand, während Remy und der Rest der Familie gemäß ihrer Thanksgiving-Tradition Brettspiele spielten. Am nächsten Morgen würden sie eine Weihnachtstanne aussuchen gehen und sie so exzessiv schmücken, dass sie unter dem Weihnachtsschmuck beinahe zusammenbrechen würde. Der Baum wurde jedes Jahr sogar mit selbst gemachter Weihnachtsdeko aus Eisstielen behängt, die sie einst in der Schule gefertigt hatten. Sogar Jason hatte Marge seine Kunstwerke gegeben, anstatt sie seiner Mutter anzuvertrauen, weil er gewusst hatte, dass sie bei den Wells nicht im Müll landen würden. Aber am Thanksgiving-Abend entspannten sie sich erst einmal und spielten Trivia und Wortspiele. Sie waren eben eine Intellektuellenfamilie, die stets versuchte, einander mit ihrem Wissen zu übertrumpfen.
In dieser Hinsicht konnte Jason nicht mithalten, auch wenn die anderen Familienmitglieder stets versuchten, ihn mit einzubeziehen. Marge war eine Englischlehrerin im Ruhestand, während es sich bei Theodore um einen einstigen Professor der Soziologie handelte. Remy hatte Politikwissenschaft und IT studiert und es irgendwie fertiggebracht, sich damit einen Job in der digitalen Marketingabteilung einer renommierten Firma zu angeln. Sogar Derek, der grundsätzlich weniger akademisch veranlagt war, hatte einen Bachelor in Business, den er als Manager in einer Hedgefonds-Firma nutzte. Jason dagegen hatte es kaum zustande gebracht, den Aufnahmetest der Feuerwehr zu bestehen. Seine akademische Veranlagung war eben weitaus weniger ausgeprägt und da Jason anderen eher auf körperlicher Ebene überlegen war als auf geistiger, schien eine Karriere als Feuerwehrmann für ihn eine gute Wahl gewesen zu sein. Er hatte immer schon Probleme mit der Schule gehabt, besonders mit dem Lesen. Nach einer inoffiziellen Auswertung von Marge war ihm klar geworden, dass er Legastheniker war. Dank einiger ihrer hilfreichen Strategien hatte er es durch die Highschool geschafft, jedoch war er keinesfalls dazu bereit gewesen, sich danach auf vier weitere Jahre Folter einzulassen.
„Spielst du mit, Jason?“, rief Courtney ihm zu.
Er schüttelte den Kopf, ohne sich aus seiner Ecke herauszubewegen. „Nein danke, ich passe. Viel Glück gegen die.“
Derek legte einen Arm um ihre Schultern. „Courtney ist brillant. Sie wird mit uns allen den Boden wischen.“
Sie errötete. „Hör auf! Du wirst mich noch in Verlegenheit bringen, wenn ich es total verpatze“, sagte sie lachend.
Während ihres Jurastudiums arbeitete sie als Anwaltsgehilfin. Jason ging davon aus, dass sie sich besser schlagen würde, als er es jemals geschafft hätte.
Er schaute eine Weile zu und erlaubte sich, Remy zu beobachten, während dieser abgelenkt war. Er machte für seine Familie gute Miene zum bösen Spiel, scherzte über die Fragen, die ihm entgangen waren, und gab Derek ein High-Five, wenn sie eine Frage bekamen, die ihre Eltern nicht beantworten konnten, aber er war nicht glücklich. Jason konnte die ihm ins Gesicht geschriebene Melancholie sehen, besonders wenn die Aufmerksamkeit nicht auf ihm lag, sondern auf anderen Mitspielern.
Heute hatte Jason mit Remy eine Grenze überschritten, die er nie für möglich gehalten hätte. Er hatte ihn geküsst und ihn mit seinem Mund und seinen Händen dazu gebracht, sich völlig fallen zu lassen. Alles nur, damit Remy den Kummer darüber abschütteln konnte, dass dieses Arschloch Trey ihn betrogen hatte.
Und dann hatte er es ruiniert, weil er ein Feigling war und Angst davor hatte, die einzige echte Familie zu verlieren, auf die er zählen konnte. Wenn er ehrlich war, war sein Ego ein wenig verletzt, weil Remy ihn lediglich als Rebound und sonst nichts nutzen wollte. Jason war vielleicht noch nicht bereit für eine feste Beziehung, aber ein Teil von ihm wollte der Typ neben Remy auf dem Porträt auf der Kommode sein. Jetzt hatte er diese Chance vermutlich für immer vergeben. Sein eigenes Verhalten hatte ihn disqualifiziert und ihn zu nichts als einen Rebounder gemacht und dann hatte er Remy auch noch weggestoßen, bevor er es wenigstens genießen konnte.
Er betrachtete Remys stille Trauer und entschied sich, dass er etwas dagegen tun musste. Er hasste die Tatsache, dass er Remy wehgetan hatte. Nicht bloß, weil er ihn vor den Kopf gestoßen hatte, sondern auch weil er ihn jahrelang dafür bestraft hatte, dass er sich zu ihm hingezogen fühlte. Er wünschte sich, dass er die Zeit zurückdrehen und die Vergangenheit neu schreiben könnte. Zu gerne hätte er die Qualen zurückgenommen, die er Remy durch sein unreifes Verhalten bereitet hatte. Er wünschte sich jetzt, dass er ein besserer Mensch gewesen wäre.
Er stand auf und schlich sich nach draußen in die Kälte, damit der eisige Wind die Gedanken vertreiben konnte, die er nicht haben sollte. Vielleicht musste es nicht alles oder nichts sein. Vielleicht konnte er Remy glücklich machen, wenn auch nur für eine kurze Zeit. Vielleicht konnte er das Risiko eingehen.
Vielleicht …
* * *
Nach der dritten Runde hatte Remy genug und ließ die anderen unter dem Vorwand von Kopfschmerzen allein weiterspielen. Jason hatte sich bereits zurückgezogen, sonst hätte Remy den Abend vermutlich schon früher beendet. Er hatte Jason den ganzen Abend über wieder und wieder angestachelt, um seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, aber jetzt, wo er sie haben konnte, stellte er fest, dass er lieber allein sein wollte. Er war zu deprimiert, um mit einer weiteren Ablehnung umgehen zu können. Das hätte er nicht verkraftet.
Sobald Remy sein Lächeln nicht mehr vortäuschen konnte und seine Mutter anfing, ihm besorgte Blicke zuzuwerfen, entschuldigte er sich und flüchtete. Als er ins Schlafzimmer huschte, stellte er erleichtert fest, dass es leer war.
Er zog Pyjamahosen und ein T-Shirt an, da er keine Lust hatte, Jason damit zu provozieren, indem er nackt schlief, und schlüpfte ins Bett.
Allein im Dunkeln hatte er Mühe einzuschlafen. Treys Verrat schmerzte immer noch wie ein in seiner Brust steckendes Messer, aber direkt daneben drückte eine schwere Last des Bedauerns auf seine Brust und schnürte ihm die Luft ab. Er hatte nie eine einfache Beziehung mit Jason gehabt, aber er war sich nicht sicher, ob sie sich von diesem Zwischenfall erholen würde. Er fühlte sich verletzt, aber auch dumm.
Sehr, sehr dumm.
Die Tür öffnete sich und das Licht ging an. Remy zuckte zusammen und legte einen Arm über seine Augen. Jason entschuldigte sich und schaltete das Deckenlicht aus. So viel dazu, so zu tun, als würde er schlafen. Remy schaltete eine auf seinem Nachttisch stehende Lampe an, die weniger hell brannte und erhaschte dabei einen Blick auf Jasons Boxershorts, während dieser sich eine Jogginghose anzog.
Remy drehte sich zur Wand, konnte aber ein schauderndes Seufzen nicht unterdrücken. Seine Augen brannten vor Tränen, die fließen wollten, aber er kämpfte erbarmungslos dagegen an.
„Hey“, sagte Jason leise. Das Bett neigte sich, als er sich auf die Matratzenkante setzte. „Geht es dir gut?“
„Oh, du gehst mir also nicht länger aus dem Weg?“, fragte Remy und hasste die Bitterkeit seiner Worte. Er schluckte schwer und versuchte, seine Gefühle unter Kontrolle zu bringen, damit er sich nicht erneut lächerlich machte.
„Es tut mir leid“, sagte Jason.
Er klang ehrlich. Sein Bedauern schien echt zu sein.
Remy richtete sich auf und lehnte sich gegen das Kopfteil des Bettes. Für diese Unterhaltung wollte er Jason in die Augen sehen.
Mit einem harten Schlucken zwang Remy sich, die Worte auszusprechen, die ihn bereits den ganzen Tag lang quälten. „Mir tut es auch leid. Ich habe mich mitreißen lassen und ich hätte dich niemals unter Druck setzen sollen –“
„Mein Gott, Remy“, fiel Jason ihm ins Wort. „Nein, nein. So war das gar nicht.“
Jasons Hand schwebte einen Moment lang in der Luft. Remy beobachtete, wie er zögerte, bevor er seine große Handfläche auf Remys Oberschenkel legte. Die Decke bildete eine Barriere zwischen ihnen, aber der Kontakt brannte, als könnte er die Wärme spüren, die aus Jasons Hand strömte.
„Dann bin ich verwirrt“, sagte Remy.
„Ich, ähm, finde dich sehr sexy“, sagte Jason. In einer Stimme schwang Verlegenheit mit. Remy hätte das unter anderen Umständen als niedlich empfunden, wenn es nicht solch eine ernste Situation gewesen wäre. „Aber ich bin auf diese Familie angewiesen. Ich spreche nicht oft über meine Eltern, aber –“
„Ich weiß, dass es keine gute Situation ist“, sagte Remy. „Dad hat mir von dem Vorfall mit deiner Mutter im Sommer berichtet.“
„Ja“, sagte Jason. „Um es auf den Punkt zu bringen, ich habe eine Heidenangst davor, alles zu zerstören. Wenn ich die Sache mit dir weiterlaufen lasse, dann könnte ich dich verletzen. Und wenn deine Eltern oder Derek es herausfinden würden, dann weiß ich nicht, was sie deswegen tun würden. Es ist einfach so … kompliziert.“
„Das muss es aber nicht sein“, sagte Remy. „Es geht bloß ums Spaß haben. Keine Verpflichtungen. Und wenn es darum geht, etwas mit mir anzufangen, glaubst du nicht, dass wir diese Grenze bereits überschritten haben? Die Katze ist aus dem Sack, schließlich hattest du meinen Schwanz schon in der Hand.“
Jason schielte auf Remys Schoss und konnte es nicht lassen, ihn zu necken. „Die Katze ist aus dem Sack? Und hier dachte ich, dass man mit Muschi etwas anderes meint, und zwar –“
Remy legte Jason seine Hand auf den Mund. „Sag das nicht!“
Jason lachte glucksend. Sein warmer Atem war auf Remys Handfläche zu spüren. Remy lief ein Schauer über den Rücken, sobald ihre Blicke sich trafen. Als die nasse Spitze von Jasons Zunge über das Innere seiner Hand strich, konnte er ein Stöhnen nicht länger zurückhalten.
„Fick dich, JJ“, murmelte er und zog die Hand zurück. „Wenn du schon Nein sagen willst, dann spiele gefälligst keine Spielchen mit mir.“
„Ich habe nicht vor, Nein zu sagen“, entgegnete Jason mit krächzender Stimme. „Das sollte ich vermutlich, aber ich schaffe es nicht noch einmal, dir zu widerstehen.“
Er umfasste Remys Gesicht mit den Händen und strich mit den Lippen in einer kaum merklichen Berührung über seine, was Remy nahezu in den Wahnsinn trieb. Anstatt der glühenden Leidenschaft, die sie vor ein paar Stunden erlebt hatten, ging Jason dieses Mal mit einer Sanftheit vor, die Remy noch nie zuvor erlebt hatte, noch nicht einmal mit seinen festen Partnern.
Jason liebkoste seinen Mund und sobald dieser sich zu einem Seufzen öffnete, fuhr er damit fort, an Remys Lippen zu knabbern und daran zu lecken, bis Remy die Führung übernahm und seine Zunge herausstreckte, um Jasons zu treffen.
Sie stöhnten leise, während sie einander mit ihren Lippen und Händen erkundeten. Endlich konnte Remy seine Hände über Jasons Körper wandern lassen, wie er es wollte. Er schob sie unter sein Hemd und ließ seine Handflächen über harte Muskeln gleiten. Er drückte leicht zu, bloß um Festigkeit unter seinen Fingerspitzen zu fühlen, und Jason griff nach seinen Handgelenken. Einen Moment lang glaubte Remy, dass Jason der Sache erneut Einhalt gebieten könnte, aber Jason schob seine Hand nach unten, bis sie auf dem harten Schwanz lag, der sich gegen den Stoff seiner Jogginghose spannte.
„Bist du sicher?“, flüsterte Remy.
Jason nickte. Er zog sich das T-Shirt über den Kopf hinweg aus und ließ es zu Boden fallen. Remys Blicke wanderten über seinen Oberkörper, als er seine vom harten Training gestählten Muskeln bewunderte. „Dein Körper ist phänomenal, weißt du das?“
Jason grinste. Er fuhr mit der Hand über Remys Schulter und drückte seinen Bizeps. „Deiner sieht auch nicht gerade schlecht aus. Du hast seit der Highschool ganz schön an Muskeln zugelegt.“
Remy verdrehte die Augen. Er war bei Weitem nicht so fit wie Jason. Er hielt sich hauptsächlich durch Laufen in Form. Cardio war schon immer mehr sein Ding gewesen und Männer schienen seinen schlanken Körperbau zu mögen, also hatte er aufgehört, dagegen anzukämpfen.
Jason schob Remys Hemd hoch und küsste seine Brust. „Im Ernst“, hauchte er gegen seine Haut. „Dieses Tattoo ist einfach unwiderstehlich sexy.“
Er ließ seine Zunge über die tätowierte Haut gleiten und umkreiste Remys Brustwarze, bevor er die Knospe in seinen Mund saugte. Remy beugte sich vor und riss sich hastig das Hemd über den Kopf, bevor er Jason am Gesicht fasste, ihn zu sich hochzog und ihn erneut küsste, dieses Mal mit weniger Finesse.
„Zieh deine Hose aus.“
„Du auch“, murmelte Jason und sie ließen voneinander ab, um sich schnell auszuziehen. Als sie in der Mitte des Bettes wieder zusammenkamen, ließ Remy eine Spur von Küssen entlang Jasons Brust hinunter zu den Erhebungen seiner durchtrainierten Bauchmuskeln wandern.
Er fasste nach Jasons Schenkeln und drückte sie auseinander, damit er sich zwischen ihnen in Position bringen konnte. Auf der Suche nach einer letzten Bestätigung, dass Jason dies auch wirklich wollte, blickte er auf und sah Jason ins Gesicht.
„Bitte“, flüsterte Jason.
Zu hören, wie er ‚bitte‘ sagte, die alleinige Tatsache, dass er derjenige war, der ihn um etwas bat, löste einen Schwall der Erregung in ihm aus. Remy wollte Jason befriedigen, ihn komplett aus den Socken hauen, indem er ihm zeigte, wie gut es sich mit ihm anfühlen konnte.
Der Anblick von Jasons Schwanz erinnerte ihn an einen Traum, den er früher regelmäßig gehabt hatte. Eine lebendig gewordene Fantasie. Er war durchschnittlich lang, aber schön geformt und von ansehnlicher Breite. Jasons Penis glich dem Bild von Remys Träumen so sehr, dass er mit seiner Vorstellungskraft ziemlich beeindruckt war. Es lief ihm das Wasser im Mund zusammen, so sehr wollte er das Gewicht davon auf seiner Zunge spüren, aber zuerst musste er sich vergewissern, dass diese Situation nicht so enden würde wie die letzte.
„Du wirst es hinterher nicht bereuen?“
„Auf keinen Fall“, sagte Jason mit rauer Stimme. „Ich will dich. Das habe ich schon immer getan.“
Es war etwas übertrieben, aber es stellte Remy zufrieden. Remy senkte den Kopf und saugte die Spitze von Jasons Schwanz in seinen Mund hinein.
* * *
Jason krallte sich mit den Händen in den Laken fest, um dem Drang zu widerstehen, Remy beim Schopf zu fassen und seinen Mund wie ein Fickspielzeug zu benutzen. Der Mann war geradezu erstaunlich gut mit seinen Lippen und seiner Zunge, aber Jason würde den Verstand verlieren, wenn er nicht bald käme.
„Bitte“, krächzte er. „Remy, ich flehe dich an.“
Er konnte fühlen, wie der kleine Scheißer um seinen Schwanz herum lächelte. Er war sich nicht sicher, woher er wusste, dass er lächelte, aber das tat er. Dann spürte er einen Finger, der hinter seinen Eiern hinunter in seine Pofalte glitt.
Er spannte sich an, als Remys Fingerspitze gegen sein Loch drückte und dabei Nervenenden stimulierten, denen Jason noch nie zuvor viel Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Sicher, er hatte mit Männern experimentiert, wobei sie jedoch hauptsächlich Handjobs und Blowjobs ausgetauscht hatten. Er hatte noch nie Analsex gehabt, außer mit ein paar abenteuerlustigen Frauen. In diesen Situationen war er jedoch derjenige gewesen, der die Penetration durchgeführt hatte. Jason war sich nicht sicher, was er davon hielt, ein Bottom zu sein. Er war nicht grundsätzlich dagegen, aber er war auch nicht bereit.
„Äh, Remy, was machst du da hinten?“
Remy lachte gurgelnd um seinen Schwanz herum, und verdammt, es klang fast schon boshaft. Jason zitterte, als die Vibrationen des Lachens ihn durchströmten. Zu seiner Enttäuschung und Erleichterung zugleich ließ der Druck auf seine Rosette nach. Remy konzentrierte sich darauf, seine Eier zu massieren und in der Hand herumzurollen.
„Ich habe nicht gesagt, dass du aufhören sollst“, sagte Jason zu seinem eigenen Erstaunen und fragte sich, was zum Teufel er sich bloß dabei dachte. Er blickte auf Remy herab, der ein verschmitztes Leuchten in den Augen hatte.
Während Jason dabei zusah, schob Remy neben Jasons Schwanz einen Finger in seinen Mund und benetzte ihn mit Spucke. Dann führte er ihn zurück zu Jasons After und umkreiste den Rand. Es war ein gutes Gefühl und Jason sank mit einem lustvollen Seufzer tiefer in die Matratze hinein.
Doch Remy hörte hier noch nicht auf. Bald drang sein Zeigefinger – derselbe Finger, von dem er vorhin noch Schlagsahne abgeleckt hatte – in ihn ein. Remy ging langsam vor, ließ ihn sich an das Gefühl gewöhnen, dass etwas in ihm steckte, und saugte erneut an Jasons Schwanz, der etwas weich geworden war, während Jason sich auf das Brennen in seinem Arsch konzentriert hatte. Jason atmete aus und versuchte, seinen Körper zu entspannen, während sein Hintern sich an die Präsenz des Fingers anpassen konnte.
Remy wackelte mit dem Finger, krümmte ihn und dann, heilige Scheiße, traf er die Stelle, die seine Prostata sein musste, denn auf einmal sprühten Funken. Danach gab es für Remy kein Halten mehr. Er nahm Jasons Schwanz bis zum Anschlag in seinen Mund auf und ließ dabei seinen Finger wieder und wieder in ihn hineinfahren, wobei er mit jedem Mal sicherstellte, die Prostata nicht zu verfehlen.
Jason verspürte die süßesten Qualen, während er am Rande seines Orgasmus balancierte, und dann schob Remy einen weiteren Finger in ihn hinein. Ein leicht brennender Schmerz breitete sich in ihm aus und aus irgendeinem verrückten Grund wurde er dadurch zu seinem Höhepunkt katapultiert.
Er packte Remy an der Schulter. „Ich k–“, hauchte er, ohne die Aussage beenden zu können.
Remy zog sich gerade rechtzeitig zurück, sodass Jasons Schwanz aus seinem Mund freikam und Sperma über seinen gesamten Bauch verschossen wurde. Mehrere Nachbeben ließen Jason immer wieder von Neuem erzittern und er war sich ziemlich sicher, dass er noch nie einen derart intensiven Orgasmus erlebt hatte. Als sich sein Körper so weit beruhigt hatte, dass er die Welt um sich herum wieder wahrnehmen konnte, anstatt sich auf die Wellen der Lust zu konzentrieren, die durch seinen Körper strömten, bemerkte er, dass Remy seinen eigenen Schwanz streichelte.
„Spritz mich an“, flüsterte er, und der Gedanke daran machte ihn total an.
„Ja?“ Remy setzte sich auf den Knien auf und lehnte sich über Jason, während er sich in seine eigene Hand hineinfickte.
„Du siehst verdammt heiß aus“, murmelte Jason. Er richtete sich auf seinen Ellbogen auf und hatte plötzlich das Bedürfnis Remy zu schmecken. „Kann ich dir auch einen blasen?“
Ein gurgelnder Laut brach tief aus Remys Kehle hervor und er kam, wobei er die Sauerei auf Jasons Bauch noch vergrößerte.
„Sorry“, sagte er atemlos, „ich war zu nah dran.“
Jason gluckste. „Offensichtlich.“
Remys Brust hob und senkte sich in schnellen Zügen, während er nach Atem rang. Sobald er sich etwas erholt hatte, grinste er Jason mit einem verschmitzten Grinsen an.
„Und, hat der Blowjob eines schwulen Mannes die Siegestrophäe gewonnen?“
„Oh, darauf kannst du wetten“, sagte er mit einer überraschenderweise sehr krächzenden Stimme.
Jason war erleichtert, das breite Lächeln auf Remys Gesicht zu sehen. Vielleicht würde er es schaffen, ihn glücklich zu machen, ohne es noch einmal königlich zu vermasseln. Er musste vorsichtig vorgehen, um Remy zu geben, was er wollte, ohne die Familie zu verlieren, die Jason brauchte. Aber er würde einen Weg finden.
Er zog Remy an sich und küsste ihn, ohne sich darum zu scheren, dass sie dadurch die Sauerei zwischen ihnen verschmierten. Der Geschmack seiner eigenen Haut war kaum wahrzunehmen, da er nicht in Remys Mund gekommen war, aber er war da und er fand ihn seltsam anziehend.
„Danke“, murmelte er gegen Remys Mund zwischen zwei Küssen, „Danke dafür, dass du mir eine zweite Chance gegeben hast, sogar nachdem ich solch ein Arschloch gewesen bin.“