Kapitel Elf

Jason saß am vernarbten Küchentisch der Feuerwache, neben sich eine Schüssel Chili und vor sich Texas Hold’em . Louis fluchte, als er seine Karten ablegte. Keith grinste. Er bluffte, und zu Keiths ewiger Verwirrung wussten es alle am Tisch. Joe, der ältere, ergraute Captain, war die eigentliche Gefahr. Der Mann hatte ein Gesicht wie aus Stein gemeißelt. Ein loderndes Feuer? Neutraler Ausdruck. Überraschungsgeburtstagsparty? Genau das gleiche Gesicht.

Jason blickte stirnrunzelnd auf sein Königinnenpaar, in das er nicht so viel Vertrauen hatte, wie er gerne gehabt hätte. Sie spielten lediglich um ein paar Dollar, da sie als Feuerwehrmänner nicht das höchste Gehalt einbrachten, aber Jason mochte es nicht zu verlieren. Es erinnerte ihn an all die Male, an denen Remy ihn ausgelacht und ihm gesagt hatte, dass er nicht intelligent genug dazu sei, um mit den klügeren Wells-Jungs mitzuhalten. Er hatte sich dafür in der Regel mit dem Runterziehen von Remys Hose oder einer Kitzelattacke gerächt. Verdammt, sie waren beide ganz schön ungezogene Gören gewesen.

Sein Telefon summte und die Vibration ließ das Handy einige Millimeter über den Tisch tanzen. Er hob es auf und sah auf den Bildschirm. Es war sein Vater.

„Ich steige aus“, murmelte er und warf seine Karten auf den Tisch und stand auf.

„Muss wohl die mysteriöse neue Freundin sein“, murmelte Louis.

„Es ist mein Vater, Klugscheißer“, sagte er, als er sich entfernte, um den Anruf entgegenzunehmen. Den Jungs war nicht entgangen, dass er viel Zeit damit verbrachte, mit jemandem zu texten, meist mit einem albernen Grinsen im Gesicht. Er hatte niemandem erzählt, dass es sich dabei um einen Mann handelte. Wenn Remy jemals bereit wäre, einen Schritt weiterzugehen, als nur Textmitteilungen auszutauschen, dann würde er es vielleicht tun. Im Moment jedoch zog er den Platz in der Rangfolge vor, den er sich erarbeitet hatte, ohne die Homophobie seiner Kollegen auf die Probe stellen zu müssen. Diese Kerle lebten von Testosteron und Adrenalin, was im Gemisch mit den Hormonen und den unterschiedlichen Charakterzügen eine explosive Mischung darstellte. Es kam nicht selten vor, dass sie sich hitzige Gefechte über die kleinsten Unstimmigkeiten lieferten. Er wollte seine Beziehung mit ihnen nicht auf die Probe stellen, bis er dazu bereit war, die Konsequenten zu tragen. Und bis zu Hause auf ihn eine Belohnung wartete. Vielleicht in Form eines süßen Freundes.

Er nahm den Anruf entgegen. „Hey, Dad. Alles in Ordnung?“

„Jason, wie geht es dir, mein Sohn?“ , fragte er. Er gab Jason keine Zeit zu antworten. „Hör zu, ich habe gerade zu Hause angerufen und deine Mutter scheint etwas auszubrüten. Du musst nach ihr sehen.“

„Etwas ausbrüten“ war die Art und Weise seines Vaters zu sagen, dass sie betrunken und möglicherweise high war. Jason biss die Zähne zusammen, verärgert über die absichtliche Ignoranz seines Vaters gegenüber den Problemen seiner Mutter.

„Sie ist nicht krank.“

„Jason, ich bin im Begriff in Denver ein Flugzeug zu besteigen. Ich habe einen vollgepackten Terminkalender und brauche deine Hilfe.“

„Mein Gott, Dad, ich bin ebenfalls an der Arbeit. Ist dir das eigentlich klar oder bloß egal? Du kannst so viel arbeiten, wie du willst, aber Mama braucht mehr Hilfe, als ich allein ihr geben kann.“

„Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um –“

„Du kannst diesem Gespräch nicht ständig aus dem Weg gehen“, unterbrach ihn Jason mit schroffer Stimme. „Ich bin kein Kind mehr. Ihr hattet viele Jahre Zeit, euer Leben in den Griff zu bekommen. Mama ist nie über Krista hinweggekommen und betäubt ihren Schmerz mit Wein und Tabletten. Es ist nicht richtig. Und es ist nicht richtig, dass ich derjenige bin, der ständig das Chaos aufräumt, damit du so tun kannst, als wäre alles in Ordnung!“

Es herrschte lange Stille. Jason fragte sich, ob sein Vater aufgelegt hatte.

„Bitte erwähne … deine Schwester nicht.“

„Du kannst nicht einmal ihren Namen sagen, oder?“ Sagte Jason heiser. „Es ist lange her, Dad. Vielleicht müsst ihr euch der Wahrheit stellen, anstatt euch davor zu verstecken.“

Sein Vater räusperte sich. „Du wirst es nie verstehen, es sei denn, du verlierst ein Kind, Jason. Ich hoffe für dich, dass das nie passiert. Aber ich werde versuchen, zu Hause mehr zu helfen. Ich habe bald etwas Luft in meinem Terminkalender. Ich werde mein Bestes tun, um mir ein paar Tage freizunehmen und dafür zu sorgen, dass deine Mom so glücklich und gesund ist, wie sie nur sein kann.“

Jason wusste, dass sein Vater nicht glaubte, dass sich seine Mutter jemals vom Tod seiner Schwester erholen würde. Er bemühte sich nicht mehr, Jasons Mutter zu helfen, denn tief in seinem Inneren trauerte er genauso sehr wie sie um die gemeinsame Tochter. Jason war sich nicht sicher, ob einer von ihnen überhaupt Hilfe wollte, und er war es so leid, der Einzige in seiner kaputten Familie zu sein, der versuchte, ihren Kurs zu ändern. Er hatte sein ganzes Leben damit verbracht, für sie nur ein Nebengedanke zu sein. Das lebende Kind war nicht so wichtig wie das, das sie verloren hatten, und er war sich nie sicher, warum. Aber seine Mutter hatte es so weit geschafft, dass sie zumindest funktionsfähig war, als Jason sie brauchte. Jetzt, wo er erwachsen war, versuchte sie es nicht einmal.

„Meine Schicht ist fast vorbei. Ich werde in einer Stunde nach ihr sehen können“, sagte er schließlich, wohlwissend, dass er von seinem Vater nicht mehr erwarten konnte.

„Danke, mein Sohn. Ich weiß deine Hilfe zu schätzen.“

„Kein Problem.“

„Ok, ich muss jetzt ins Flugzeug“ , sagte er. „Schick mir eine Nachricht, wenn du Probleme mit deiner Mutter haben solltest. Ich werde sie lesen, wenn ich lande.“

„Werde ich machen.“

* * *

17. DEZEMBER

Remy : Ich kann mich in den nächsten paar Tagen um Derek kümmern, aber könntest du den Samstag übernehmen?

JJ : Warum, hast du etwa ein heißes Date?

Remy : Ja

Eine Reihe von weinenden Emojis füllte seinen Bildschirm und Remy kicherte.

Remy : Mit meinem Lieblings-Sexspielzeug

JJ : Du bist gemein

Remy : Das gefällt dir

JJ : Da hast du recht

18. DEZEMBER

JJ : Ich versuche mich zu entscheiden, welche Farbe mir besser steht, blau oder rot?

JJ fügte Fotos bei, auf denen er einmal blaue und einmal rote Boxershorts anhatte.

Remy : Blau

JJ : Dann passen sie wenigstens zu der Farbe meiner Eier. Dafür habe ich dir zu danken

Remy : Mir? Ich habe mit deinen Eiern nichts zu tun!

JJ : Das ist ja genau das Problem

18. DEZEMBER

Remy : Was steht mir besser? Rot oder schwarz?

Er schickte Jason ein Foto von sich selbst in jedem der seidenen Slips, die er besaß.

JJ : Rot wird stets einen besonderen Platz in meinem Herzen haben, besonders wenn du sie weglässt und ich meine Hand in deine Hose stecke

Remy : Was für eine schöne Erinnerung!

JJ : Ich wäre beinahe in meiner Hose gekommen, also ja. Rot

Remy : Hier habe ich noch eine andere Option

Er war seine Unterwäsche ganz losgeworden und hatte seinen Schwanz zu voller Härte gestreichelt und ein Bild davon geschossen. Er drückte auf ‚senden‘ bevor er es sich anders überlegen konnte.

JJ : Dieser Look gefällt mir am besten

Remy schickte ihm ein Smiley Face

JJ : Hol dir einen runter und stell dir vor, dass es meine Hände sind, die dich berühren?

Remy : Ich muss in ein Meeting. Vielleicht später

JJ : Ach, du machst mich noch wahnsinnig