Kapitel Achtzehn

Es war zwei Tage vor Weihnachten und gleichzeitig der erste Tag, an dem sie alle im Blockhaus eingetroffen waren, und die Familienmitglieder litten bereits unter einem Hüttenkoller, der immer dann eintrat, wenn zu viele Menschen auf engstem Raum zusammengepfercht waren.

Seit seiner Anreise hatte Jason bereits mit Remy herumgeknutscht, bis er eine hart pochende Erektion bekommen hatte, mit der er sich dann in Dereks Schlafzimmer verzogen hatte, um sich still und leise einen runterzuholen. Davon abgesehen hatte er schon viel zu viele Weihnachtsplätzchen verdrückt.

Er war an einem Punkt angelangt, an dem es ihm egal gewesen wäre, wenn er niemals wieder einen weiteren Schokoladenkeks gegessen hätte. Oder zumindest nicht bis nächstes Weihnachten. Oder vielleicht bis morgen. An den Feiertagen durfte man sich schließlich etwas gönnen, aber im Moment beschwerte sich sein Bauch wegen des Übermaßes an Süßem.

Er lächelte ungläubig, als er sah, dass Remy immer noch an Peanut Brittle knabberte. Marge hatte eine magische Art, es dünn auszurollen und es leicht und luftig zu halten. Das ließ die im Laden gekauften Exemplare wie grobe Betonbrocken aussehen. Aber wo zum Teufel steckte Remy das alles hin? Er war schlank wie eh und je, mit keinem Gramm überschüssigen Fett an seinem schlanken Körper. Jason freute sich darauf, diesen Körper später am Abend näher zu erkunden. Er konnte an nichts anderes mehr denken.

„Wir könnten Ist das Leben nicht schön? anschauen“, schlug Marge nicht zum ersten Mal vor.

Wie im Chor schrien sie alle: „Nein!“

Sie zog die Stirn in Falten und Jason hatte ein schlechtes Gewissen. Die Frau opferte viele Stunden ihres Lebens, um zu kochen, sauber zu machen und sie zu verwöhnen. Und als Dankeschön benahmen sie sich wie verwöhnte Gören.

„Vielleicht könnten wir –“

Remy, der zu seinen Füßen auf dem Boden saß, drückte warnend Jasons Knöchel, der kurz davor war, Marges Vorschlag nachzugeben. Jason schaute nach unten und sah, wie Remy den Kopf schüttelte. „Bitte nicht“, flüsterte er lautlos und Jason gab kampflos nach. Die Macht, die dieser Mann über ihn hatte, war erschreckend.

„Oder, ähm, wir könnten ein kleines Nickerchen machen“, schlug Jason vor, weil er sich dachte, dass es vielleicht eine Gelegenheit für ihn und Remy sein könnte, einige Minuten allein zu verbringen.

„Langweilig“, sagte Teresa, während sie mit dem Daumen nach unten zeigte. Remys Cousin hatte sich für einen weiteren Feiertag angemeldet, aber dieses Mal ohne ihren ‚Bekannten‘ Bryce. Offensichtlich war Derek nicht der Einzige, dessen Liebesleben zu wünschen übrig ließ. Marge hatte Jason in der Küche in die Enge getrieben und vorgeschlagen, dass Teresa vielleicht etwas Ablenkung gebrauchen könnte, wenn er Interesse hätte. Jason hatte sich so schnell und taktvoll aus der Situation herausgeredet, wie er nur konnte, doch seitdem schenkte Teresa ihm zu Remys offensichtlicher Verärgerung sehnsuchtsvolle Blicke.

Es war eine unangenehme Situation, aber Jason konnte nicht leugnen, dass er es genoss zu wissen, dass Remy eifersüchtig war. Es bedeutete, dass er ihm nicht gleichgültig war, sonst wäre er wohl kaum so besitzergreifend. Wenn er wirklich nur ein Rebound gewesen wäre, dann würde Remy sich sicher nicht auf den Schlips getreten fühlen.

Derek blies auf einem Stuhl in der Ecke Trübsal, während ihr Vater in seinem treuen Sessel saß und auf seinem Telefon herumtippte. „Wie poste ich noch einmal ein Foto, Derek?“

„Oh, schaut mal, es schneit!“, sagte Teresa. Sie zog die Vorhänge beiseite, damit alle die gleichmäßig vom Himmel fallenden Schneeflocken sehen konnten.

Jason rieb seine Hände aneinander und begegnete Dereks Blick mit vorsichtigem Optimismus. „Weißt du, was das bedeutet?“

Zum ersten Mal seit Tagen grinste Derek wie früher. „Verdammt ja.“

„Nein“, stöhnte Remy.

„Schneeballschlacht!“, schrien sie gleichzeitig.

* * *

Die ganze Familie versammelte sich draußen. Remys Mutter hatte Thermoskannen mit heißer Schokolade gefüllt, nur für den Fall, dass sie in ihrem eigenen Vorgarten fast erfroren, und sein Vater hatte jede Ersatzmütze, jeden Schal und jedes nicht zusammenpassende Paar Handschuhe oder Fäustlinge im Haus aufgespürt.

Am Ende waren es Jason und Teresa – zusammengebracht von Remys Mutter, der bösen Verkupplerin – gegen die beiden Brüder. Die Eltern beteiligten sich nicht und nahmen stattdessen ein Video von dem Kampf auf, das sicher peinlich sein würde.

Remy hatte die Schnellballschlachten seiner Jugend zutiefst gehasst. Derek und Jason hatten sich stets gegen ihn verbündet und ihm am Ende einen Haufen Schnee in die Hose gestopft. Doch nun war es an der Zeit, seine Rache zu üben. Und es würde ihm auch nichts ausmachen, die blonde, über-fröhliche Teresa mit zu bestrafen. Gut, dass er sich seiner Blow-Job-Fähigkeiten so sicher war, oder er wäre vielleicht besorgt gewesen. Die Art und Weise, wie Jason ihn im Badezimmer überrumpelt hatte, ließ ihn wissen, dass der Mann ihn noch immer genauso sehr wollte, wie bei ihrem letzten Treffen. Aber es gefiel ihm trotzdem nicht, wie Teresa ihn anhimmelte.

Es begann recht zahm, wurde jedoch bald wild. Derek schien all seine Schneebälle auf Jason abzuzielen, und es kam kaum vor, dass er sein Ziel verfehlte. Das ließ Remy die Freiheit, sich auf Teresa zu konzentrieren und schon bald waren ihre spitzen Schreie zu hören.

„Arschloch!“, schrie Derek. Es erklang ein Lachen, während Marge ihnen zurief, sie sollten nicht fluchen. Remy lachte Derek aus, der sich den Schnee aus dem Haar schüttelte, als er plötzlich von hinten gepackt und mit dem Gesicht zuerst in den Schnee gedrückt wurde. Er spuckte gurgelnd den Schnee aus, während ihm kaltes Nass in die Hose gestopft wurde. Die Hand verweilte einige Sekunden, um ihm den Hintern zu tätscheln. Drei Mal durfte er raten, um wen es sich handelte …

Sobald seine Haut vom eiskalten Schnee schon ganz taub war und er aufhörte zu schreien, knurrte er wütend, „Du bist für mich gestorben, JJ.“

Jason lachte ihm ins Ohr und drückte ihm einen flüchtigen Kuss auf den Nacken, bevor er ihm auf die Füße half. „Komm. Wir finden einen geeigneten Platz, an dem du die Leiche verscharren kannst.“

Remy warf einen Blick über die Schulter und sah, dass Derek und Teresa sich in einer Art Schneeball-Showdown befanden und die Aufmerksamkeit seiner Eltern in diese Richtung gerichtet war. Jason zupfte an seinem Arm und Remy ließ sich hinter einen Baum ziehen. Als sie außer Sichtweite waren, küsste Jason ihn stürmisch.

Seine Lippen waren kalt, aber seine Zunge war unglaublich heiß. Remy gab ein Stöhnen von sich, dass aus einem Mix aus Lust und Frustration bestand. Er sehnte sich danach, Jason in seinem Bett zu haben – dieses Mal für mehr als nur ein paar Blowjobs, wenn sie es denn irgendwie hinkriegen könnten – aber jemand könnte sie sehen. Jason hatte sich noch nicht als bisexuell geoutet, und Remy wollte ihn nicht auf die peinlichste Art und Weise, die es gab, vor der ganzen Familie bloßstellen.

„Wir sollten das nicht tun“, hauchte er und versuchte, sich zu entziehen.

„Sie beachten uns gar nicht“, beharrte Jason, und seine Lippen wanderten zu Remys Hals. Wie zur Bestätigung ließ Teresa ein glockenhelles Lachen erklingen. „Davon abgesehen“, murmelte Jason gegen Remys Hals, „wenn sie es herausfinden, dann komme ich damit schon klar. Eines Tages muss ich mich ja outen.“

Remy hob die Augenbrauen. „Möchtest du, dass Derek weiß, dass du den Schwanz seines Bruders lutschst?“

Seine Lippen zuckten. „So würde ich es nicht formulieren.“

„Wie würdest du es dann formulieren, JJ? Wir haben eine Feiertags-Affäre.“

„Ist es nur eine Affäre?“, fragte JJ.

„Ja“, beharrte Remy.

„Vielleicht könnte es mehr sein. Nachdem ich mich geoutet habe?“

Remy hob eine Hand an seine Schläfen und massierte sie „Darüber haben wir doch schon gesprochen. Wir sagten, es sei nur eine einmalige Sache. Du weißt, was ich davon halte.“

Jason sah skeptisch aus und Remy konnte es ihm kaum verübeln. Er wiederholte die Worte immer wieder, aber seine Taten erzählten eine andere Geschichte. Wenn sie nicht zusammen waren, schrieb er weiterhin ständig Nachrichten und flirtete mit ihm. Er initiierte Videosex. Und sein Körper sehnte sich danach, auch in der Realität mit ihm zusammen zu sein. Er wollte Jason mit einer Verzweiflung in sich spüren, die er nicht erklären konnte. Und nicht nur einmal, nicht nur zum Spaß. Sondern weil sie eine tiefere Verbindung hatten.

Aber er hatte Angst. Angst davor, was es bedeuten könnte, wenn sie diese Beziehung nicht länger über den Bildschirm des Handys führten, sondern der realen Welt erlaubten, sie mit alltäglichen Ärgernissen, Arbeitsstress und einem irgendwann langweilig werdenden Sexualleben zu zerstören. Hier ging es schließlich um Jason Hendricks. Dem Mann, mit dem sexy Körper, stand Herzensbrecher quasi auf der Stirn geschrieben. Wahrscheinlich gab es da einige Feuerwehr-Groupies, die nur darauf warteten, eine Runde auf seinem fantastischen Schwanz zu drehen. Remy würde niemals genug für ihn sein. Genauso wenig wie er genug für Trey gewesen war.

„Wir können das nicht tun“, flüsterte er, völlig außer Atem. „Ich kann es nicht.“

„Pssst“, sagte Jason beruhigend und nahm sein Gesicht in beide Hände. „Ist schon in Ordnung. Du hast recht. Ich kenne deinen Standpunkt. Ich hätte dich nicht unter Druck setzen sollen. Wenn du willst, dass ich dich in Ruhe lasse, solange wir hier sind …“

Remys Kopf schnellte hoch. Der Gedanke daran, Jason komplett zu verlieren, löste Panik in ihm aus. Verdammt, er war wahrlich völlig verkorkst.

„Es würde wehtun, das muss ich zugeben“, fuhr Jason fort. „Aber ich tue alles, was du willst.“

Seine Augen waren so warm, so fürsorglich. Es war kaum vorstellbar, dass dies derselbe Typ war, der einst eine Schlange in sein Bett gelegt hatte.

Remy küsste sanft seinen Mund. Dann seine Kinnpartie, wobei seine Lippen zärtlich über die sich dort befindlichen, verwegenen Stoppeln strichen. Er leckte in gerader Linie über Jasons Kehle und lächelte, als er das Flattern von Jasons schnellem Puls unter seiner Zunge spürte. „Danke, ich freue mich, dass du so verständnisvoll bist“, flüsterte er ihm ins Ohr, bevor er an seinem Ohrläppchen saugte.

Jason stöhnte leise. „Die Freude ist ganz meinerseits.“

„Mhmm. Noch nicht, aber bald wird sie es sein“, sagte Remy.

Jasons Augen öffneten sich schlagartig, als Remy sich vor ihm hinhockte. Mit großen Augen fragte er, „Warte. Doch nicht etwa hier ?“

Remy musste die tief empfundenen Geständnisse und Beziehungsangst hinter sich lassen. Er wollte sie wieder in bekanntere Gefilde bringen, in denen sie sich besser auskannten und wohler fühlten. Also lächelte er nur und leckte sich die Lippen, um Jasons Aufmerksamkeit auf seinen Mund zu lenken, während er hinter sich nach einer Handvoll kaltem, nassem Schnee griff.

Den er Jason vorne in die Hose stopfte.

Jason fluchte und schrie so laut, dass die anderen ihn hören konnten. Und während er fieberhaft versuchte, seine Jeans zu öffnen und seine Eier vor dem Frost zu retten, rannte Remy um sein Leben.