Epilog

Ein Jahr später

Remy hatte es sich auf Jasons Schoss bequem gemacht, obgleich die beiden nur mit Ach und Krach zusammen auf den Sessel beim Feuer passten. Remy balancierte die beiden ihnen gehörenden Weihnachtsstrümpfe, die Mutter-Santa bis zum Rand gefüllt hatte, auf den Schenkeln, während Jason ihm den Arm umgelegt hatte. Sie beide trugen die dicken Weihnachtspullis, die seine Mutter letztes Jahr ausgeteilt hatte: Remys war dunkelrot mit einem leuchtend goldenen Stern und der Aufschrift „Shine Bright “ darüber. Jason und Derek hatten beide schwarze Pullover mit einem großen weißen Ball auf der Vorderseite und der Aufschrift „Snowball Fight! “ erhalten.

Es war super-lustig, auch wenn Remy sich damals ein wenig ausgeschlossen gefühlt hatte, weil sie beide ein zueinander passendes Oberteil erhalten hatten.

Nachdem alle Missverständnisse zwischen ihnen geklärt waren, waren Jason und Derek wieder enge Freunde geworden und Remy musste sich immer noch daran gewöhnen, was es bedeutete, den besten Freund seines großen Bruders zu lieben und von ihm geliebt zu werden. Es war schwer, nicht eifersüchtig zu sein, wenn Jason und Derek ohne ihn Zeit miteinander verbringen wollten, aber er hatte seine eigenen Freunde und ging oft aus, um sich mit Tara und Barry zu amüsieren, die sich auf einer Silvesterparty nähergekommen waren.

Tara hatte mit den Schultern gezuckt, als Remy sie später darüber ausgefragt hatte und nur gesagt, sie wolle es zur Abwechslung mal mit einem ‚netten Typen‘ versuchen. Sie schienen glücklich zu sein.

„Ich finde dieses Jahr besser keine Überraschungsgeschenke in meinem Strumpf“, sagte Remy und dachte an den Vorfall mit dem Strapsgürtel im Jahr zuvor.

Jason grinste nur. „Ich habe über den Weihnachtsmann keine Kontrolle.“

Gelächter brach aus und erregte ihre Aufmerksamkeit. Brooke fütterte Derek mit Schoko-Weihnachtsmännern aus einer Schachtel, die sich offenbar in einer ihrer Weihnachtsstrümpfe befunden hatte. An ihrem Finger funkelte ein Verlobungsring.

Als Derek erkannt hatte, was für ein Idiot er doch gewesen war, und nachdem er von seiner Familie den Arschtritt des Jahrhunderts bekommen hatte, hatte er alles getan, was er konnte, um vor Courtney Abbitte zu leisten, aber es war zu spät gewesen. Schließlich hatte er damit abgeschlossen und zwei Monate später hatte er Brooke kennengelernt, und sie hatten sich kurz vor Thanksgiving verlobt. Derek achtete sehr darauf, dass Eifersucht seine neue Beziehung nicht ruinierte. Er schwor, dass er von nun an eine Aussprache suchen würde, bevor er das Schlimmste annahm. Aber Brooke vergötterte ihn und das war für alle offensichtlich – sogar für seinen Bruder.

Remy beäugte wehmütig ihren Ring, doch er war entschlossen, darauf nicht neidisch zu sein. Es war kein Wettbewerb. Jason hatte ihm vor einem Jahr gesagt, dass er ihn eines Tages heiraten wollte, und Remy tröstete sich mit dieser Gewissheit, dass es wohl irgendwann einmal kommen würde. Jason hatte in einem Jahr riesige Fortschritte in seinem Unterfangen, sich selbst treu zu sein, gemacht. Er hatte sich vor seinen Eltern und sogar vor seiner Feuerwehrcrew geoutet. Es war nicht einfach gewesen, und gegen einen Mann hatte es Disziplinarmaßnahmen geben müssen, nachdem Jason widerstrebend eine Beschwerde eingereicht hatte, aber die Wogen hatten sich nun größtenteils geglättet.

Remy war zum ersten Mal überhaupt am Feuerwehrhaus vorbeigekommen, als er Jason für ihren Weihnachtsausflug ins Blockhaus seiner Eltern abgeholt hatte. Er hatte den Crewchef Joe und einen Mann namens Keith getroffen. Beide hatten ihm die Hand geschüttelt und ihm gesagt, dass er jetzt Teil der Feuerwehrfamilie sei.

Bevor sie die Stadt verlassen hatten, hatten sie einen kurzen Zwischenstopp bei Jasons Eltern eingelegt, um mit ihnen zu Mittag zu essen und einige kleine Geschenke auszutauschen. Jetzt, da seine Mutter wieder aus der Reha-Klinik zurück war, befand sie sich in einem 12-Schritte-Programm und beide seiner Eltern waren in psychologischer Behandlung, also arbeiteten sie nun an ihrer Beziehung. Jason hatte sich ihnen gegenüber vor ein paar Monaten geoutet und sie hatten es gelassen hingenommen.

Es war bei Weitem keine perfekte Situation. Jason würde wohl nie die enge Beziehung mit seinen Eltern haben, die Remy mit seinen Eltern unterhielt, aber es war ein Anfang. Trotz der nervösen Energie, die in der Luft hing, wenn sie Zeit miteinander verbrachten, schienen sie alle ihr Bestes zu geben und Jason schien glücklicher zu sein.

Jason stupste ihn an. „Mach schon. Ich möchte sehen, was wir bekommen haben.“

Remy holte ein Paar lustige Socken, einen Lippenbalsam und ein Paar neue Fäustlinge aus seinem Strumpf hervor. Seine Mutter kannte ihn so gut. Er konnte ein Paar Handschuhe nie länger als ein Jahr behalten, ohne es zu verlieren. Er entspannte sich, während er sich weiter in den Inhalt des Strumpfes vertiefte, ohne dass Überraschungsgeschenke auftauchten. Als er unten ankam, zog er einen Ring-Lutscher hervor.

„Ooh, ich liebe Ring Pops“, sagte er und wickelte das Papier auf.

„Nein, warte“, sagte Jason. Er nahm ihm den Ring-Lutscher aus der Hand und schob Remy von seinem Schoss herunter, damit er aufstehen konnte. Er drückte Remy hinunter auf den Sessel und wickelte den Ring Pop dann komplett auf. „Lass es uns richtig machen. Ich weiß, dass du die Dinge gerne locker und lässig hältst.“ Er hob eine Augenbraue, was deutlich machte, dass er von dem Weihnachten des Vorjahres sprach.

„Bin mir ziemlich sicher, dass ich bewiesen habe, dass ich nicht so locker und lässig bin, wie du denkst, JJ“, sagte er spitzzüngig.

Alle im Raum lachten und er war überrascht, als er bemerkte, dass alle Familienmitglieder, von seiner Mutter bis hin zu Brooke, gespannt zusahen. Sein Blick wanderte zurück zu dem Ring Pop in Jasons Hand. Er würde doch nicht etwa …

Jason ging vor ihm aufs Knie und Remy schlug sich eine Hand vor den Mund, um seinen schockierten Gesichtsausdruck zu verdecken.

„Remy, wir hatten im Laufe der Jahre unsere Differenzen. Und zwar viele davon. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es da sogar einen Zeitpunkt gegeben hat, an dem du mich gehasst hast –“

„Jason, mein Schatz, soll das etwa romantisch sein?“, unterbrach seine Mutter die Ansprache, gefolgt von mehrstimmigem Kichern.

Remy konnte seine Augen jedoch nicht von Jason nehmen. Er schluckte hart. „Sprich weiter.“

„Ich habe noch nie jemanden so sehr geliebt wie dich“, sagte Jason mit rauer Stimme. „Du … du forderst mich heraus, Remy. Manchmal weiß ich nicht, ob ich dich küssen oder dir eine reinhauen soll, aber verdammt, ich liebe dich wirklich. Willst du mich heiraten?“

Remy biss sich auf die Lippe, um das Schluchzen zu unterdrücken, das in seiner Kehle aufstieg. Er nickte und streckte eine zitternde Hand aus.

Jason schien ihm den Ring-Lutscher über den Finger streifen zu wollen, aber stattdessen steckte er ihn Remy plötzlich in den Mund. „Damit kann ich dich wohl nicht heiraten, oder?“

Er drehte sich um und winkte Derek heran, der im Hintergrund mit einer Ringschachtel gewartet hatte. Jason zog einen Platinring hervor, der geschmackvoll mit winzigen Diamanten in einem geschwungenen Design verziert war. Er steckte den Ring auf Remys Finger und zog den Lutscher aus seinem Mund, den Remy wie ein Idiot zwischen den Lippen festgehalten hatte. Völlig fassungslos und verwirrt starrte Remy ihn an.

Jason küsste seine Lippen. „Das ist ein Ja, korrekt?“

Remy nickte noch einmal und Jason grinste. „Hast du etwa deine Zunge verschluckt?“

„Du kannst während eines Antrags doch nicht über seine Zunge sprechen!“, rief Brooke, was noch mehr Gelächter auslöste. Endlich wachte Remy aus seiner Starre auf.

„Es sollte ursprünglich bloß eine Feiertagsaffäre sein“, sagte er hilflos. „Ich wusste nicht…. Ich hätte nie erwartet …“

„Ich weiß, mein Hübscher, aber nun ist es so viel mehr.“

„Du warst das beste Geschenk, das ich jemals erhalten habe“, flüsterte Remy, bevor sie sich erneut küssten. Dieses Mal pfiffen die umherstehenden Familienmitglieder wegen der schmalzigen Szene, die sich ihnen darbot. Remy hielt hinter Jasons Schulter den Mittelfinger hoch. Manche Dinge, so wie die gutmütigen Neckereien seiner Familie, änderten sich eben nie. Aber da gab es eine Sache, die sich sehr wohl geändert hatte, und darüber war er verdammt froh.

Erst war Jason sein Schwarm gewesen. Dann hatte sich ihre Beziehung zu einer leidenschaftlichen Hass-Liebe entwickelt. Und zu guter Letzt, nach langem Flirten und viel Sex und einer Menge anderem Hin-und-Her, war Jason schließlich zur Liebe seines Lebens geworden.

Und schon bald würde er Remys Ehemann sein.

* * *

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