Vorwort

Ich wurde 1978 in Rüsselsheim geboren. Ich bin das Kind von Rom*nja, und ich bin schwul. Meine Geschichte ist eine deutsche, und ich kann sie nicht erzählen, ohne Gewalt, Rassismus, Homophobie und Ausgrenzung zu beschreiben. Ich muss diese Geschichte erzählen, weil ich möchte, dass wir Menschen mit Diskriminierungserfahrungen über unsere Erlebnisse sprechen können, ohne dass ein Stigma für uns zurückbleibt. Wir sind schließlich nicht verantwortlich für die Umstände, in die wir hineingeboren werden. Ich konnte mich nie mit den Missständen und Ungerechtigkeiten abfinden, die mir immer wieder begegneten. Ich wehre mich dagegen. Ich bin kein Opfer und will meine Zukunft frei gestalten.

In der Community der Sinti*zze und Rom*nja bin ich eine Stimme von vielen, und ich kann nicht viele Millionen Menschen repräsentieren. Aber ich kann laut sein. Meine Sprache kommt aus dem Herzen und aus dem Bauch, sie ist explizit. So schildere ich, was ich erlebt habe. Meine Beschreibungen können irritieren, verstören und wehtun. Wer wie ich Diskriminierungen erlebt, darf und muss manchmal weinen, schreien – oder auch lachen. Das braucht es, um zu heilen und im Leben voranzukommen.

Gianni Jovanovic