DREIZEHN

(Alec)

 

Ich finde die drei schließlich auf der Kinderstation, auf der die entführten Mädchen untergebracht wurden. Im Vergleich zu dem jungen Polizisten geht es ihnen blendend. Jedoch sollten die psychischen Auswirkungen ihrer Entführung nicht unterschätzt werden.

»Wie geht es Josh?«, erkundigt Matt sich leise.

»Er wird leben, mein Freund.«

Matt ist sichtlich erleichtert. »Ich danke dir!«

Der Inkubus berichtet, was sie bis jetzt herausfinden konnten. Die Mädchen wurden betäubt und in ein Auto gezerrt, natürlich außerhalb der Kameras. Allerdings ist mein Securitychef zuversichtlich, dass es diesmal trotzdem für eine Verurteilung der Täter reicht. Marys, Zoes und Emmas Zustand ist stabil. Sie sind dehydriert und unterkühlt, haben jedoch glücklicherweise nur Teile ihrer Entführung mitbekommen. Lebendig zersägt zu werden, ist nun wirklich nichts, was man erleben muss. Die Familien der drei Kinder sind überglücklich. Matt wird mit Dank überschüttet und selbst vor mir machen sie nicht halt.

»Wir wissen, dass du dafür gesorgt hast, dass die Polizei nach ihnen gesucht hat, Alec«, sagt Luke, Zoes Vater.

»Danke nicht mir. Mein Anteil ist gering. Matt und die neue Spezialeinheit haben die ganze Arbeit gemacht.« Mein Blick geht automatisch zu Heather, die schüchtern neben Paula steht, sich jedoch mit den anderen Kindern unterhält. »Es war und ist riskant, aber vielleicht sorgt es dafür, dass wir zukünftig weniger Probleme haben werden.«

Luke klopft mir auf die Schulter. »Du hattest immerhin nie vor, dem Menschenmädchen etwas anzutun. Sie wirkt auch nicht, als wäre ihr Aufenthalt bei dir traumatisch gewesen.«

»Schauen wir mal. Hoffentlich muss ich das nicht noch einmal tun. Ich möchte mich wirklich nicht auf das Niveau der verdammten ‚Priests‘ herunterlassen. Wenn Sergeant McGee überlebt, wäre es auch von Vorteil. So schnell findet sich kein Mensch, der seinen Posten übernehmen könnte und auch noch fähig ist.«

Zoes Vater runzelt die Stirn. »Ich kann nicht so recht glauben, dass der Mensch sein Leben für unsere Kinder riskiert hat. Bisher war die Polizei nicht sonderlich hilfreich ...«

»Ich verstehe deine Zweifel, doch McGee ist verlässlich und nicht so von Hass zerfressen wie einige seiner Kollegen«, antworte ich.

»Ohne Josh hätten wir die Kinder nicht rechtzeitig gefunden«, meldet Matt sich zu Wort. »Er hat es nicht gemacht, weil er musste, sondern weil es seiner Überzeugung entspricht. Das wird sein Leben allerdings nicht vereinfachen«, wirft er ein. »Ohne ihn funktioniert die neue Abteilung einfach nicht, denn er ist das Bindeglied.«

»Wenn dem so ist, hat er meinen Dank und Respekt verdient«, brummt Luke.

Kurz darauf verabschiede ich mich. Es wird Zeit, dass auch Heather wieder zu ihrer Familie zurückkehrt. Bevor wir das Krankenhaus verlassen, stelle ich noch sicher, dass Josh bestmöglich behandelt wird und ich regelmäßig über seinen Zustand informiert werde. Matt schicke ich in seinen wohlverdienten Feierabend.

Mit den kriminellen Menschen können wir uns später befassen. Ein paar unserer Leute halten Augen und Ohren offen und kümmern sich um das Wichtigste.

 

 

Als wir schließlich vor dem Haus des Bürgermeisters halten, wird Heather immer aufgeregter. Diesmal bin ich nett und kündige meinen Besuch an. Das große Tor öffnet sich und ich fahre das Auto bis vor den Eingang der protzigen Villa.

Die Sicherheitsleute mustern mich feindselig, doch sie verhalten sich ruhig. Zwar bin ich diesmal alleine, Paula ist keine Kämpferin, doch ein Blutbad könnte ich trotzdem anrichten, wenn sie es darauf anlegen würden. Die Nymphe steht neben Heather, als sich die Eingangstür öffnet und eine dralle Rothaarige nach draußen stürmt.

»Heather-Schatz!«, ruft sie und schließt ihre Tochter schluchzend in die Arme. »Geht es dir gut? Ich hoffe, diese Xenos haben dich anständig behandelt.«

Hektisch tastet sie das Mädchen nach Verletzungen ab.

Heather löst sich von ihrer Mutter. »Alles in Ordnung, Mom. Paula hat sich gut um mich gekümmert und wir hatten viel Spaß.«

Die Frau des Bürgermeisters schaut sie fassungslos an.

»Spaß?«, krächzt sie.

Das Mädchen nickt.

»Paula hat einen wunderschönen Garten und wir haben ganz viele Bücher gelesen.«

»Aber ...«

»Lass gut sein, Liebes.« Der Bürgermeister legt seiner Frau eine Hand auf die Schulter. »Ich habe dir doch gesagt, dass du dir keine Sorgen machen musst.«

»Aber Xenos sind doch kein Umgang für ...«

Ich ziehe die Augenbrauen in die Höhe und mustere die Rothaarige lauernd. »Was wollten Sie sagen, Madam?«

»N-nichts«, antwortet sie schnell und weicht zurück.

»Bring Heather doch schon einmal in ihr Bett. Ich komme gleich nach«, sagt der Bürgermeister.

»Tschüss, Paula!«, ruft Heather und umarmt die Nymphe.

»Mach’s gut, Maus«, antwortet Paula lächelnd.

Selbst mir winkt das Mädchen fröhlich zu, was dafür sorgt, dass die umstehenden Erwachsenen vor Unglauben beinahe in Ohnmacht fallen.

Der Bürgermeister wartet, bis Frau und Tochter im Haus verschwunden sind, bevor er das Wort an mich richtet.

»Sie ist wirklich unversehrt?«

»Natürlich. Es gehört nicht zu meinen Hobbys, kleine Kinder zu quälen, auch wenn ihr Menschen Gegenteiliges erzählt.« Ich verschränke die Arme vor der Brust. »Heather weiß, warum sie bei uns war, und wollte die entführten Mädchen kennenlernen. Ich habe ihr diesen Wunsch erfüllt, sonst wären wir etwas eher hier gewesen.« Der Bürgermeister windet sich unter meinem Blick. »Passen Sie gut auf Ihre Tochter auf. Aus ihr könnte etwas werden, wenn sie nicht von den Unwahrheiten der Erwachsenen verdorben wird.« Ich sehe zu Paula. »Lass uns gehen.«

Als ich die Fahrertür öffne, drehe ich mich ein letztes Mal zu dem Menschen um.

»Ich halte mich an meine Versprechungen. Das sollten Sie auch tun, Herr Bürgermeister. Es wäre doch eine Schande, wenn die neue Abteilung der Polizei bald wieder geschlossen werden würde. Nach so einem großen Ermittlungserfolg wäre es das Mindeste, die Polizisten angemessen zu entlohnen.«

Der Angesprochene schluckt und nickt. »N-natürlich, Mister Black.«

Ich winke ihm zu, dann brausen wir in die Nacht davon.