Der Mörder von Lucia Castangia hatte keine Kosten und Mühen gescheut, um diesen Anlass gebührend zu feiern. Als Erstes hatte er sich einen Fernseher der letzten Generation zugelegt, der nun einen Großteil der Wohnzimmerwand bedeckte: Ultraflachbildschirm, mit einem revolutionären 4K-Prozessor, der das Licht in jedem einzelnen Bildpunkt verarbeiten konnte, Farben und Kontrast automatisch verstärkte und somit den realistischen Eindruck bis zum Äußersten trieb; die integrierten Lautsprecher analysierten den Ton jeder einzelnen Szene und potenzierten auch kleinste Geräusche, sodass man das Gefühl hatte, sich mitten im Geschehen zu befinden. Er hatte sich auch einen Fernsehsessel ausgesucht mit abgerundeten Linien und einem tiefen und weichen Sitz: Der Lederbezug garantierte absoluten Komfort und trug zusammen mit der hohen anschmiegsamen Lehne das Seine dazu bei, das Seherlebnis auf das Niveau der luxuriösesten Kinosäle zu heben. Kurzum, er hatte nicht gespart. Alles in allem hatte er für diese Privatvorstellung fast fünftausend Euro hingelegt, aber das hatte er leichten Herzens getan: Das Event verlangte nach diesem Rahmen.
Er drückte eine Taste der Fernbedienung, und auf dem Bildschirm übertrug sich die Aufnahme von der digitalen Videokamera, die er im Haus der Vincis’ gemacht hatte. Die Wiedergabequalität war so großartig, dass er jede einzelne Pore auf dem Gesicht des Kindes erkennen konnte, das auf der Wand fast in Lebensgröße zu sehen war. Um diese Momente noch besser nacherleben zu können, hatte der Mörder die linke Hand um den Griff der Waffe gelegt, die er benutzt hatte, um sich das Ehepaar gefügig zu machen. Es war, als wäre er in jene Wohnung zurückgekehrt.
Wenige Sekunden nach dem Verstreichen der Minute, die er Nicola Vincis vorgegeben hatte, stoppte er die Aufnahme bei einem Bild, in dem die verängstigten Augen des Mannes besonders hervorstachen. Er zoomte einen Ausschnitt so weit heran, bis die Pupillen riesig waren. Ihn erfüllte ein körperlicher Genuss, ein Gefühl von Ekstase, das ihn für all die Stunden entschädigte, die er in diesen Plan investiert hatte.
Er verbrachte fast eine Minute damit, diese Pupillen zu mustern, und seine Atmung setzte nahezu aus. Dann ließ er das Video weiterlaufen bis zum Epilog mit der Ermordung der Frau.
Als der Clip endete, war das hagere Gesicht des Mannes tränenüberströmt.
Das war nur der Erste, sagte er sich. Es gibt noch viel zu tun.
Er wischte sich die Wangen trocken und startete den Film erneut beim Anfang.