Montecristo ließ gerade die Rolltür an seiner Buchhandlung herunter, als er hinter sich die Stimme von Angela Dimase hörte.

»Ihr versucht also wieder mal, uns arbeitslos zu machen?«

Er drehte sich lächelnd zu ihr um. Angela saß auf seiner Moto Guzzi. Die lila gefärbten Haare hatte sie zu einem französischen Zopf geflochten, so straff, dass sich ihre Stirnhaut spannte und ihre blauen Augen noch mehr auffielen. Montecristo fühlte sich ein wenig unwohl, weil er noch seine Arbeitsklamotten trug. Und er musste auch ziemlich fertig aussehen, nachdem er den ganzen Tag gearbeitet und nach Ladenschluss noch ein Treffen mit dem Leseklub gehabt hatte.

»Das könnten wir, wenn wir wollten«, antwortete er und schloss ab. »Aber wir möchten euch ja nicht ständig demütigen, indem wir euch als inkompetent vorführen.«

»Na klar … Bist du zu müde oder hast du Lust auf einen Drink, um den Arbeitstag herunterzuspülen?«

»Kommt darauf an. Ist das ein Angebot ohne Hintergedanken oder willst du mich um noch einen Gefallen bitten?«

»Nein, ich möchte mich nur dafür revanchieren, was du heute für uns getan hast. Das war wirklich sehr wichtig.«

Das habe ich nicht für euch getan, sondern für dich, korrigierte er sie stumm, zuckte aber nur mit den Schultern, als sei das eine Kleinigkeit gewesen.

»Also ist das ein Ja … Nein, sag du, wo du hinwillst.«

»Ist Fabrizio nicht eifersüchtig?«

»Mal abgesehen davon, dass nichts dabei ist, wenn man mit einem alten Freund etwas trinken geht – Fabrizio und ich sind nicht mehr zusammen. Wir haben uns vor ein paar Tagen getrennt.«

Montecristo spürte, wie ihm ein angenehmer Schauer den Rücken hinunterlief. »Das tut mir leid«, heuchelte er. »Ich habe aber nur einen Helm. Zeigst du mich an, wenn ich ohne fahre?«

»Dieses eine Mal könnte ich ein Auge zudrücken.«

»Ich habe schon immer davon geträumt, einen Cop zu korrumpieren«, scherzte Montecristo.