Angela hatte ihn inständig gebeten, sich noch einmal mit Lorenzo zu treffen. Eigentlich hätte sie ihn gar nicht so drängen müssen, da Montecristo auf Anraten der Dienstagsdetektive ohnehin schon geplant hatte, um ein weiteres Gespräch mit dem Jungen zu bitten. Er sollte herausfinden, ob der Junge sich an einige neue Details erinnerte, nachdem der Schock, wie sie hofften, bei ihm abgeklungen war.

Wenn der Mörder tatsächlich aus Rache gehandelt hatte, wie Fra Raimondo meinte, war es wirklich seltsam, dass er nichts gesagt hatte, bevor er seine Opfer erschoss – es sei denn, derjenige tötete im Auftrag eines Dritten, dachte Montecristo, während er dem Polizeibeamten in Zivil in die geschützte Einrichtung folgte. Weder Lorenzo noch Silvana hatten in ihren Aussagen etwas Derartiges erwähnt. Doch es bot sich an, einen neuen Versuch zu wagen, da nun einige Tage seit den Morden vergangen waren.

Der Beamte führte ihn in ein Wohnzimmer, wo Lorenzo mit Hendrix, seinem Boston Terrier, spielte. Als er sah, dass der Junge wenigstens ein wenig lächelte, ging Montecristo das Herz auf: Natürlich lachte Lorenzo nicht befreit, aber dieses Lächeln bedeutete schon einen Fortschritt gegenüber der starren Maske der Verzweiflung auf dem Gesicht des Jungen, die er bei seinem letzten Besuch beobachtet hatte.

»Ciao, Lori. Stellst du mir deinen Freund vor?«

In den Augen des Jungen blitzte Freude auf. Er umarmte

»Wie heißt er denn?«

»Hendrix. Papa fand diesen Musiker richtig toll, deshalb hat er ihn so genannt.«

Montecristo nickte. »Wirklich ein netter kleiner Hund.«

»Guten Tag, Marzio. Möchten Sie einen Kaffee?«

»Guten Tag, Ilaria, sagen wir doch bitte Du«, bat er die Psychologin und gab ihr die Hand.

»In Ordnung. Du bist im richtigen Moment gekommen.«

Montecristo sah sie fragend an.

»Nächste Woche muss ich wieder in die Schule«, erklärte Lorenzo, während er seinen Hund streichelte. »Und ich muss eine Menge Hausaufgaben nachholen. Italienisch und Geschichte habe ich schon gemacht … Aber Mathe …«

»Verstanden. Hol dein Heft und dein Lehrbuch. Ich helfe dir«, sagte der ehemalige Lehrer augenzwinkernd. »Ein bisschen davon müsste ich noch in Erinnerung behalten haben.«