Montecristo hatte sich mit Angela Dimase im Ex Tipografia, einer Bar an der Ecke Largo Carlo Felice und Corso Vittorio Emanuele verabredet, dem Epizentrum von Cagliaris Ausgehszene. Er wartete an einem der Tische im Freien auf sie und genoss einen köstlichen Nikka – ein japanischer Whisky –, das einzige Getränk, das in der Lage war, nach einem Treffen des Dienstagskrimiklubs Ruhe in seine Gedanken zu bringen, die wie Flipperkugeln durch sein Hirn hin und her zu springen schienen. Aus den Boxen des Lokals ertönte ein fröhlicher Rockabillysong, aber Montecristo war zu abgelenkt, um der Musik zuzuhören: In seinem Kopf hallten noch die Worte der Dienstagsdetektive nach.
»Ich kann nur hoffen, dass ich jetzt nicht umsonst eine halbe Stunde Lebenszeit mit Parkplatzsuche verschwendet habe«, begrüßte Angela ihn.
Montecristo blickte hoch und erkannte sie kaum wieder. »Hast du dir die Haare wieder umgefärbt?«
Angela Dimase nahm ihm gegenüber Platz, schüttelte energisch ihre rabenschwarzen Haare aus der Stirn und trank einen Schluck von seinem Whisky.
»Köstlich«, stellte sie fest. »Aber das genügt nicht dafür, dass ich deinetwegen mein Sofa verlassen und die zigste Wiederholung von Der Tag des Falken verpasst habe, einem meiner absoluten Lieblingsfilme.«
»›Immer beieinander, doch ewig getrennt‹ … Das ist auch einer von meinen«, stammelte Montecristo, dem auffiel, dass an Angelas linkem Ringfinger nach wie vor kein Verlobungsring steckte. In seinem Herzen glimmte Hoffnung auf.
»Du bist ja ein Romantiker … Also?«
»›Die schwierigsten Fälle sind immer die banalsten‹«, rezitierte Montecristo, der sich in die Rolle des Detektivs hineinversetzte.
»Ist das ein Zitat aus einem deiner Heftchenkrimis?«, zog Angela ihn auf.
»Nein. Das hat Nunzia gesagt.«
»Wie geht es der Ärmsten denn?«
»Nicht gut. Doch sie hat einen ihrer seltenen klaren Momente gehabt und mir diesen Satz gesagt. Seit sie den ausgesprochen hat, muss ich immer daran denken. Und beim Treffen mit den anderen haben wir festgestellt, dass sie recht hat.«
»Geht das auch etwas genauer?«
»Gleich. Aber du trinkst besser vorher etwas …«
»Jetzt bin ich aber wirklich beunruhigt.«
Montecristo bestellte einen Whisky für Angela und wartete ab, bis der Kellner ihn brachte.
Als er das Glas erhob, runzelte Angela die Stirn und fragte ihn verärgert: »Worauf zum Teufel sollen wir anstoßen?«
Montecristo zuckte mit den Schultern. »Vielleicht darauf, dass wir auf dem besten Weg sind, euren Fall zu lösen?«
Die Sovrintendente stellte ihren Whisky hin, ohne einen Schluck davon getrunken zu haben, und fixierte Montecristo mit ihren tiefblauen Augen. »Sag mir, dass das kein Scherz ist.«
Montecristo lächelte nur und begann ihr seine Theorie darzulegen.