In der gallischen Epoche lässt sich außerhalb der keltischen Monumente, der Dolmen und Menhire, kaum Ursprünglichkeit im Stil erkennen, und mit der römischen Herrschaft verschmelzen diese geringen pittoresken Relikte, die eher einem allgemeinen Zustand als einem Kunstgefühl geschuldet sind, mit dem kreativen Wesen der siegreichen Römer. Die Arenen, Theater und Badehäuser können ausnahmslos alle und ohne großartige Unterschiede den Römern zugeschrieben werden.
Die gallischen Möbel ähneln stark den in Rom verwendeten Möbeln. Ähnlich unbedeutend wie der gallische ist der fränkische Stil. Denn die Franken waren damit beschäftigt, zu kämpfen, und ihre zivilisierteren Perioden entwickelten sich erst in Friedenszeiten. Den Beweis für diese Zivilisation findet man in den neben den Gräbern der Heiligen errichteten christlichen Klöstern. Die Herrschaft von Clovis (Chlodwig I.; 466-511) hatte keine künstlerische Bedeutung, aber König Dagobert (608/610-639) hatte in Saint-Denis eine Abtei errichten lassen und einen seinen Namen tragenden Stuhl hinterlassen, der nur sehr schwer von einem kurulischen Stuhl zu unterscheiden ist. Aus der Zeit Karls des Großen (747/748-814) wurden Gold- und Silberarbeiten mit einem überwiegend byzantinischen Geschmack gefunden. Truhen aus der Karolingerzeit, die mit Elfenbeinintarsien, Elfenbeintäfelchen und mythischen Tieren und verschiedenen farbigen Hölzern verziert sind, waren womöglich von italienischen Handwerkern inspiriert.
Im Westen hatte seit Langem unter dem Einfluss neuer religiöser Bestrebungen eine andersgeartete Kunst begonnen. Die Geburtsstätten dieser christlichen Kunst, die sich vom alten Denken wegentwickeln sollte, waren die Katakomben, in denen die frühen Christen Zuflucht vor den Verfolgungen durch die römischen Kaiser fanden. Heißwachsgemälde, reich geschnitzte Sarkophage und eine Fülle von Behältern, Werkzeugen usw. zeugen von der Dynamik dieser neuen Weltsicht. Sie entlehnten ihre verwendeten Symbole und Allegorien insbesondere aus dem Heidentum. Betrachtet man jedoch die raue Ausführung ihrer Arbeiten, so sind diese von minderer Qualität als diejenigen in römischen öffentlichen Gebäuden und kaiserlichen Palästen. Während das große Römische Reich es leid war, Märtyrer zu schaffen und neue Formen der Folter zu erfinden, begannen seine Gegner, ihren Glauben in Bildern der Einheit, der Freude, des Friedens und der Hoffnung auszudrücken. Sie nahmen den neuen Glauben und die in den Katakomben geschaffenen Bilder mit, um damit die Wände ihrer Kirchen und Basiliken zu schmücken. Bis zum Beginn der Regentschaft Konstantins (270/288-337) beruhten diese Bilder aber nicht auf einer gänzlich eigenen Identität. Danach konnte sich die christliche Kunst in ihren religiösen Gebäuden jedoch sicher und eigenständig entwickeln.
So entstanden an dieser Stelle in der Malerei (Skulpturen war eher selten, wurden jedoch in Form von Reliefs auf Sarkophagen gefunden und ähnelten in ihren Themen sehr der dekorativen Malerei) Bilder zu historischen Themen, darunter Christus, die Jungfrau Maria, die Apostel, Abraham und Moses, Jona und Daniel. Ähnlich hatten die Künstler der Antike Perseus, Theseus und Herkules dargestellt. Bereits bevor Basiliken die profanen Gebäude endlich ersetzten, verwendeten die Christen Bilder, um ihre Religion zu feiern und den Sieg ihrer Märtyrer darzustellen.
Der römische Kaiser Justinian (um 482-565) griff auf griechische Künstler zurück und führte im Westen einen Architekturstil ein, der eine Hommage auf Konstantinopel war und etablierte so den byzantinischen Stil. Dieser Stil ist im Wesentlichen ein östlicher Stil. Er erzählt von Indien, Persien, Syrien und natürlich von Asien und feiert den Detailreichtum und die Pracht der Dekoration. Trotz der Fülle an weniger geschmackvollen Dekorationen im byzantinischen Stil zeugt er jedoch von großem Charakter. In der Malerei zeichnen sich die Figuren vor einem goldenen Hintergrund ab, und Mosaikarbeiten verbreiteten sich nie mehr als zu jener Zeit.
Genauso typisch waren die hochwertigen Stoffe aus Asien, die bemalt, bestickt oder mit Gold- oder Silberfäden, mit Edelsteinen, Cabochons und großen Metallstücken bedeckt wurden. Die beliebtesten Motive waren Blumen, Tiere und Episoden aus dem Leben Christi. So konnten sich auf einem Umhang oder einer Tunika bis zu sechshundert Figuren befinden. Betten, Truhen, Behälter, Sitzmöbel usw. wurden mit fein gearbeitetem Ebenholz, mit Elfenbein, Gold, Silber und Bronze verziert. Diese verführerische Betonung auf Luxus beschädigte nachhaltig den Geschmack und spiegelte die ungewöhnlich freien und genussorientierten Sitten von Byzanz wider. Es war eine Zeit, in der Reichtum ein Tor zu Unmoral war und in der die byzantinische Kunst vom Pomp und der erhaltenen Pracht profitierte.
Die östlichen Völker des Altertums ähnelten den moderneren östlichen Völkern in dem Sinne, dass sie sich mit einer kleinen Auswahl an Möbeln zufriedengaben. Luxusgegenstände waren für sie die feinen, in Gurte und Riemen gefassten Textilien, die ihre Schlafmöbel bedeckten. Es gab, außer in den königlichen Palästen, keine Stühle, Tische oder anderen Möbelstücke, wie wir sie heute benutzen. Stattdessen wurden kleine Truhen und Schränke eingesetzt. Das Fehlen von Möbeln war auf die Schwierigkeit bei der Holzbeschaffung, auf das einfachere Alltagsleben jener Zeit und auf die kleine Mittelschicht zwischen Armut und extravagantem Reichtum zurückzuführen.
Im Gegensatz dazu haben die Einrichtungen der königlichen Paläste, zumindest nach den Darstellungen auf den Resten von Fresken und Mosaiken zu urteilen, prächtig ausgesehen. Es gab schwere, solide Throne mit zylinderförmigen, aus einer Reihe von Kreisen zusammengefügten Rückenlehnen und quadratische Sitzmöglichkeiten mit runden, schweren Beinen. Die Dekorationen waren hieratisch, in grellen Farben und stellten verschiedene Motive dar. Es gab auch Fresken und Mosaike und eine Fülle von Kandelabern, Kronleuchtern und fein ausgearbeitete Geländer. Der byzantinische Stil war, fasst man alles zusammen, sehr majestätisch. So wurden die griechischen Ideen verwendet, wobei allerdings die anspruchsloseren Ideen abgelehnt wurden. Dieser mit einem Risiko verbundene Unterschied gab den Gegenständen ihre anziehende Schönheit. Die stilisierten Dekorationen ahmten die Natur durch Routine und Wiederholung nach und sind beispielhaft für wahre Schönheit in einem ornamentalen Stil.
Die Truhe ist eine Erfindung des Mittelalters. Ihre Form, Größe, ihr Reichtum und die Qualität der Verzierungen sind abhängig von der jeweiligen Zeit, in der sie hergestellt wurde. Kommoden konnten aus Holz oder komplett lackiert oder mit Stoff oder Leder bespannt sein. Zusammen mit der Truhe war der Kleiderschrank ein anderes essenzielles Möbelstück und ein Besitz, den nur Menschen mit einem bestimmten Status hatten. Er wurde aus massivem Holz mit Metallbeschlägen gefertigt, und seine Türen waren mit einer Reihe fester Schlösser versehen, die ihm das trostlose Aussehen einer Miniaturfestung verliehen.
Zunächst stellten Tischler und Zimmerleute die Möbel her. Später wurde die Aufgabe den Holzschnitzern übertragen, aus denen dann Möbelschreiner wurden, die feinere und differenziertere Holzarbeiten schufen. Möbelstücke konnten immer mitgenommen werden und bestanden aus den wenigen Erzeugnissen wie Bett, Stuhl, Truhe und Kleiderschrank, die dann allerdings unter Zuhilfenahme einiger Kissen für eine Fülle unterschiedlicher Verwendungszwecke umfunktioniert werden konnten. Nicht verrückbare Möbel gab es erst ab dem 15. Jahrhundert. Diese Bänke, Betten, Tische, Truhen und Kommoden mit Regalen wurden auf Burgen und in Schlössern verwendet und nach ihrer Fertigstellung mit Lasttieren oder auf Karren dorthin transportiert. In den Truhen wurden Kissen und Wandbehänge, bemalte Leinwände oder Tapisserien gelagert. Das zum Verschönern von Tischen und Textilien benutzte Gold und das als Bodenbelag verwendete Stroh oder Pflanzen waren nicht mehr in Mode.
Um dieses Kapitel abzuschließen, sollten noch die Schmuckstücke erwähnt werden. Die eindringenden Barbaren waren auf die Verarbeitung von Edelmetallen spezialisiert. Insbesondere die Goten schufen in Spanien wunderbare Gold- und Silberarbeiten. Allerdings arbeiteten die Künstler im Mittelalter fast ausschließlich für die Kirche. Natürlich folgten die mittelalterlichen Schmuck- und Goldschmiedearbeiten den Stilvorgaben der Skulptur und der Architektur. Dabei wurde die Champlevé-Emaillierung ebenso verwendet wie Edelsteine, das Metall wurde aber bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts abgerundet. Die solide, schwere romanische Kunst widerstand in ihren Schmuckstücken der Feinheit, während diejenigen der gotischen Kunst ihrem Ruf für zarte, elegante und filigrane Ausführung nicht gefolgt wären, wenn diese nicht auch in der Goldschmiedekunst sowie in der Architektur triumphiert hätten. Dies wäre allerdings nur dann überprüfbar, wenn mehr Schmuckstücke aus der gotischen Zeit überdauert hätten, denn dann bestünde auch die Möglichkeit, nach Hoch-, Mittel- und Spätgotik zu unterscheiden, so wie das für die entsprechenden Baustile möglich ist.
Abschließend muss man sich einfach daran erinnern, dass im Mittelalter die Kunst der Schmuckherstellung vor allem zur Verschönerung von Reliquien verwendet wurde, beispielsweise für Kreuze, Schreine, Bischofsmützen und Bischofsstäbe. Es ist bekannt, dass diese Objekte mit Emaille überzogen waren und dass das einfache Volk nicht berechtigt war, Schmuck zu tragen.
Dieser letzte Punkt, der vielleicht in ästhetischer Hinsicht verständlich sein mag, obwohl er durchaus undemokratisch ist, eröffnete wahrscheinlich den Weg für den häufig fürchterlichen nachgebildeten Schmuck, der seitdem so sehr in Mode ist.