8. Bücher/Magazine

Die Verlage für Bücher (und ebenso für Magazine) stehen nach der digitalen Revolution, die viele Printprodukte kostete, vor der nächsten Transformationswelle, diesmal angetrieben durch KI. Genau wie bei Film und Musik haben E-Book-Plattformen wie Amazon Kindle den Markt bereits durch personalisierte Empfehlungen und den On-Demand-Zugriff auf eine riesige Auswahl an Titeln durcheinandergewirbelt. Generative KI fügt nun eine neue Dimension hinzu, weil sie sich auch noch an die Inhalte macht. Ist dieses Buch das letzte, das ich noch selbst schreibe? Womöglich wird schon mein nächster Titel zum großen Teil aus synthetischen Inhalten bestehen, die in beliebigen Längen und Personalisierungen zu kaufen sind – selbstverständlich mit meiner Sprache und meiner Tonalität? Ich denke, eher nicht.

In Deutschland allein erscheinen jedes Jahr rund 70000 neue Bücher. Die wenigsten davon werden schon heute von genügend Menschen, von vorne bis hinten

Dagegen haben Online-Plattformen wie Amazon weniger Interesse an der Auswahl, sie wollen immer mehr: Ihre Selfpublishing-Funktionen ermöglichen es jedem Menschen und so manchem Bot, Inhalte zu vermarkten. Und so ist es kein Wunder, dass im Jahr 2023 unter den Amazon-Kindle-Bestsellern zeitweise der größte Teil der Bücher offensichtlicher KI-Trash war, mit Titeln wie «When the three attacks», «Apricot bar code architecture», «The journey to becoming enlightened is arduous», «Department of Vinh Du Stands in Front of His Parents’ Tombstone», «The God Tu mutters», «Ma La Er snorted scornfully», «Jessica’s Attention». Auch Sachbücher über essbare Pilze waren dabei, die gefährliche Fehler enthielten, wie der Guardian feststellte, etwa: Pilze am «Geruch und Geschmack» zu erkennen.

Ähnlich wie in der Musik spielt die Aneignung fremder Namen auch bei Büchern eine Rolle. So hatte die Autorin Jane Friedman größte Probleme, bei Amazon durchzusetzen, dass unter ihrem Namen veröffentlichte offensichtliche Fake-Bücher entfernt wurden. Amazon versichert, durch neue Limitierungen und Selbsterklärungen

Ein interessanter Sonderbereich sind automatische Übersetzungen. KI-Übersetzungstools haben das Potenzial, Literatur und andere Inhalte global zugänglicher zu machen – mit allen Nachteilen, die dies für den Handel von Autoren und Verlagen mit sogenannten Übersetzungslizenzen mit sich bringt. Ein Buch, das in einer Sprache verfasst ist, könnte automatisch und in Echtzeit in zahlreiche andere Sprachen übersetzt werden. Das hätte weitreichende Auswirkungen auf den globalen Buchmarkt und könnte dazu führen, dass Literatur und Wissen viel schneller und weiter verbreitet werden. Es könnte allerdings ebenso dazu führen, dass es eine unendliche Anzahl an unautorisierten und potenziell fehlerhaften Übersetzungen aus allen Sprachen in alle Sprachen gibt. Für uns Autorinnen und Autoren ist das ein Schreckensszenario, denn meist fehlen uns die Möglichkeiten und Mittel, einen solchen Missbrauch zu ahnden. Für Leserinnen und Leser hingegen steckt in dieser Möglichkeit ein interessantes Versprechen.