Eine weitere gravierende Folge synthetischer Medien werden wachsendes Misstrauen und Verunsicherung gegenüber Medien und Medienschaffenden sein – und allen, die in diesen Nachrichten vorkommen. Der hässliche Vorwurf der sogenannten Lügenpresse lässt sich schnell erweitern auf Lügenmedien, falls es der eigenen Agenda nutzt. Wenn Falschinformationen nicht von der Realität zu unterscheiden sind, wenn kein Model in der Werbung noch eine reale Person darstellt, wenn ich mich bei jeder Produktbewertung fragen muss, ob ein Bot sie gerade für mich erfunden hat, stellt sich zwangsläufig bei jeder Mediennutzung die Frage: Was ist echt? Ist das Video vom Bundeskanzler mit einer Augenklappe echt? Ist das Zitat der Klimaaktivistin tatsächlich von dieser Person gesagt worden? Sind die Bilder vom Sturm auf das Capitol echt, oder hat sie ein demokratisches Komplott erfunden? Essen Chinesen Babys, wie ich es bei YouTube gesehen habe? Wurde der neue Song von Harry Styles von ihm gesungen? Ist die Stimme am Telefon wirklich mein Enkel? Ist Susanne am Schreibtisch, wie ihr Insta-Reel zeigt, oder ist sie am Strand?

Dieses ständige Zweifeln beeinflusst unser tägliches Leben und unsere Interaktion mit der digitalen Welt. Manche werden daran verzweifeln. Manche werden dem Echten, dem Authentischen hinterhertrauern. Und fast alle werden bereit sein, für die Wahrheit zu zahlen. Mit Zeit, Daten oder Geld.

Daneben werden auch schon seit einigen Jahren Algorithmen entwickelt, die insbesondere dabei helfen, Fake News zu erkennen. Zukünftig könnten solche Algorithmen auch gefakte Instagram-Posts, synthetische Bilder oder Videos kenntlich machen. Allein, es wäre gegen die wirtschaftlichen Interessen der Anbieter von Social-Media-Plattformen. Sie leben von Werbung. Und die lässt sich nur verkaufen, wenn sich möglichst viele Menschen möglichst

Social Media und Werbung sind damit die wichtigsten Treiber für die Überflutung unserer Medienwelt mit synthetischen Inhalten. Wenn Algorithmen gegen die Flut eingesetzt werden, dürfte dies entweder auf Druck der Gesetzgeber nach zähen Verhandlungen mit Technologiekonzernen geschehen. Oder wir finden es als Teil des Betriebssystems in unseren Geräten.

Wir werden uns also hauptsächlich selbst helfen müssen. Je einfacher eine Botschaft wirkt, je gefälliger, desto lauter sollten unsere Alarmglocken klingeln. In Taiwan, das ständig mit der Sorge chinesischer Einflussnahme lebt, sind solche Warnglocken normal. Menschen werden auf Dorfplätzen, in Schulen oder Bibliotheken regelmäßig darüber informiert, wie Desinformation erkannt werden kann. In einer Ära, in der uns generative Inhalte täglich

Ein kritischer Blick hilft dabei, eine versteckte Agenda zu erkennen. Außerdem müssen wir uns alle ein Repertoire an vertrauenswürdigen Ressourcen aufbauen: Das können beispielsweise Qualitätsmedien sein, die sich durch transparente Berichterstattung und einen nachprüfbaren ethischen Rahmen auszeichnen. Bei den meisten etablierten Medien gibt es Dokumentare oder Faktencheckerinnen, die akribisch Quellen und Belege suchen. Ein Teil deiner Strategie kann ein Abo sein für ein Medium, dessen Redaktion du besonders vertraust und bei der eine Journalistin fair dafür bezahlt wird, echte Arbeitszeit in das Prüfen von Fakten zu stecken. Das können Spenden oder Mitgliedsbeiträge für Organisationen sein, die im Dienste der Gemeinschaft Fakten prüfen. Nutzende profitieren dabei nicht nur von der Expertise ausgebildeter Fachleute, beispielsweise in der Recherche oder dem Factchecking, sondern auch von der Tatsache, dass Medien unter starker Beobachtung – auch untereinander – stehen. Verlagshäuser haben viel zu verlieren, wenn sie gegen diese Regeln verstoßen.

Rasmus Kleis Nielsen und MacKenzie F. Common vom Reuters Institute for the Study of Journalism, einer Denkfabrik an der Universität Oxford, haben für einen Report an die United Nations zusammengefasst, was ihrer Meinung nach besonders gegen die Verbreitung von Falsch- und Fehlinformation hilft: Faktenchecks, Medienkompetenz und die Kennzeichnung von Inhalten. Während wir alle dazu aufgerufen sind, Medieninhalte zu überprüfen und uns selbst immer weiter zu Medienexperten auszubilden, sehen die beiden Forscher auch Verantwortung bei der Politik: «Regierungen, die gegen Desinformation vorgehen wollen, sind gut aufgestellt (…) wenn sie Transparenzberichte in Auftrag geben, dokumentieren, wer sich an bewährten Verfahren beteiligt (und wer nicht), und wenn sie unabhängige Fakten-Überprüfung, Medienkompetenz und Nachrichtenmedien direkt oder indirekt finanziell unterstützen.»