J oanna hatte eine strategisch gute Position ausgewählt. Eine Position, von wo aus sie die nähere Umgebung im Auge behalten konnte, ohne jemandem im Weg zu stehen.
Eigentlich hätte Murphy vor ihren Füßen sitzen sollen, doch der kleine Hund hatte so viel zu tun, dass er, den Kopf Richtung Boden geneigt, um Joanna herumlief. So viele fremde Gerüche. So viele Eindrücke. Fast zu viel für sein junges Hundeherz. Sein Schwanz stand nicht eine Sekunde still. Alles an dem kleinen Kerl war in Bewegung.
Von der Hoffnung getragen, den richtigen Treppenaufgang zu den Toiletten gewählt zu haben, heftete Joanna den Blick auf das unübersehbare Toilettenschild.
Männer, Frauen und Kinder kamen herauf, oder schlugen den Weg nach unten ein. Joannas aufmerksamen Blick entging nichts. Nur ganz kurz nach einer älteren Frau, die sich immer wieder besorgt umschaute, tauchte eine schwer bepackte Frau auf, die ungefähr in Joannas Alter war. Ob das Kira war? Oder war Kira womöglich schon vorbeigekommen, ohne das Joanna von ihr Notiz genommen hatte? Joanna runzelte die Stirn und behielt die Frau im Auge.
Die Frau trug einen Rucksack und einen Koffer. Hatte Kira nicht gesagt, dass sie mit Rucksack und Koffer unterwegs sein würde? Joanna löste sich ein Stück aus ihrer Deckung und folgte der Frau, die einen komplett überforderten und planlosen Eindruck machte.
Dass sie trotzdem Selbstbewusstsein ausstrahlte, gefiel Joanna. Joanna hatte ein Faible für selbstbewusste Frauen. Und … wenn sie nun doch nicht Kira war?
Verunsichert hielt Joanna inne. Schon so viele Frauen mit Rucksack und Koffer hatten vor ihr die Treppen erklommen. Bei keiner hatte Joanna das Gefühl, das sie bei dieser einen Frau hatte.
Joanna zog ihr Handy aus der Tasche, schaltete den Flugmodus wieder aus, und wählte Kiras Nummer. Nur wenige Meter entfernt klingelte ein Telefon. Die Frau, der Joanna schon seit ein paar Minuten mit Murphy an der Leine hinterhergelaufen war, griff in ihre Tasche und wollte das Gespräch annehmen. Joanna legte wieder auf und schaltete erneut in den Flugmodus.
Die andere Frau ließ das Handy sinken. Dann setzte sie sich auf ihren Koffer und barg den Kopf zwischen ihren Händen. Joanna schlug die Hand vor den Mund. Überraschen hatte sie Kira wollen, aber an irgendeiner Stelle war sie falsch abgebogen. Die Frau auf dem Koffer war fix und fertig.
»Oh mein Gott. Sie weint. Wegen mir. Was habe ich getan?«, murmelte Joanna und rannte los.
Murphy war von dem Spurt seines Frauchens hellauf begeistert. Er konnte locker mit ihr mithalten und umrundete mit seinen kurzen Beinen Koffer, Taschen und Menschen.
Joanna tippte der auf dem Koffer sitzenden Frau auf die Schulter. Die Frau fuhr herum. Und starrte sie an. In ihren Augen schwammen Tränen.
»Es tut mir so, so leid.«, stöhnte Joanna gequält.
Die andere Frau kniff die Augen zusammen. Dann sprang sie auf.
»Joanna?«, rief sie.
Die Gefühle rissen Kira so sehr mit, dass sie Joanna beinahe umgeworfen hätte. Joanna musste mit den Armen rudern, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Mit beiden Händen klammerte Joanna sich an Kira fest. Kira klammerte sich an Joanna fest. Endlos lange Minuten hielten die zwei Frauen sich gegenseitig fest. Murphy schaute sich das Spiel eine Weile an, doch dann hatte er die Schnauze voll. Mit Nachdruck schob er sich zwischen sein Frauchen und deren Freundin.
»Wuff.«, lamentierte er, weil er nicht die Aufmerksamkeit bekam, die ihm mit dem Tag seiner Geburt seiner Meinung nach eindeutig zustand.
Das Klopfen der Herzen zu hören, die Nähe und die Wärme hatten so gut getan, dass es Joanna und Kira ausgesprochen schwer fiel, sich voneinander zu lösen. Aber Murphy war nun mal auch noch da. Und er erwartete, mindestens genauso gebührend begrüßt zu werden wie sein Frauchen. Schwanzwedelnd sprang er an Kira hoch.
»Ich freue mich auch, dich kennenzulernen, mein Kleiner.«, sagte Kira sanft.
Sie fuhr mit der Hand in ihre Hosentasche und zauberte ein Leckerli hervor, das der junge Hund mit so großer Begeisterung annahm, dass man glatt meinen könnte, er habe seit Tagen kein Futter bekommen. Joanna schüttelte den Kopf, doch ihre Lippen waren zu einem Lächeln verzogen.
»Ab sofort bist du seine persönliche Heldin.«, stellte sie grinsend fest.
Kira richtete sich auf. Und schaute Joanna an. Der Blick aus Joannas dunklen Augen war so intensiv und voller Tiefe, dass es Kira regelrecht den Boden unter den Füßen wegzog.
»Bist du es wirklich?«, fragte Kira, immer noch um Fassung ringend.
»Ich bin es.«
Um Kira und Joanna herum liefen Männer, Frauen und Kinder kreuz und quer durcheinander. Einige hetzten, in der Hoffnung, den Zug in letzter Sekunde doch noch zu erwischen. Das heillose Durcheinander ging an Kira und Joanna komplett vorbei. Sie hatten nur noch Augen füreinander. Was um sie herum passierte, war unwichtig. Das einzige, was zählte, war der Augenblick. Und den hielten beide Frauen so lange fest wie möglich.
»Ich habe mir Sorgen gemacht. Dachte, dass dir etwas passiert ist. Weil du auf einmal weg warst und ich dich auch nicht mehr erreicht habe.«, erklärte Kira nach einer Weile, die Joanna und sie ausschließlich damit verbrachten, sich gegenseitig in die Augen zu schauen.
»Das tut mir leid. Ich hatte das Handy auf Flugmodus. Schließlich wollte ich dich ja überraschen.«
»Die Überraschung ist dir geglückt.«
Kira musste sich anstrengen, um Joanna nicht allzu offensichtlich anzustarren. Joanna sah so ganz anders aus als die Frau, die Kira sich in ihrer Phantasie ausgemalt hatte. Ihr Haar war viel seidiger. Außerdem sandte es einen Duft aus, der Kiras Sinne vernebelte.
Kira stand einfach nur da und schaute Joanna in die Augen. Wie viel Zeit verging, hätte sie im Nachhinein nicht sagen können. Keine Sekunde war verloren. Ganz sanft fühlte Kira sich von Joanna angezogen. Ihr Herz klopfte ein bisschen schneller. Es war schön, endlich nicht mehr länger nur Joannas Stimme zu hören.
»Wie geht es dir?«, fragte sie nach einer Weile.
»Ich bin schrecklich aufgeregt.«, gab Joanna zu.
»Ich hoffe, du bist nicht allzu enttäuscht von mir.«, hauchte Kira.
»Warum sollte ich enttäuscht sein? Solange du dich nicht als Arschloch entpuppst, gibt es keinen Grund für mich, enttäuscht zu sein.«
Kira öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, doch Joanna legte ihr den Zeigefinger auf die Lippen. Das war die Einladung für Kira. Erst hauchte sie zarte Küsse auf die weiche Haut von Joannas Zeigefinger. Dann jedoch wurde sie mutiger und fuhr mit der Zungenspitze über die Innenseite des Fingers und saugte dann an der Kuppe. Joanna schnappte nach Luft. Vorsichtig zog Joanna den Finger weg.
»Hör bitte lieber auf. Sonst falle ich an Ort und Stelle über dich her.«, jammerte sie auf hohen Niveau.
»Tu dir keinen Zwang an. Ich bin für fast jede Schandtat bereit.«
Joanna drehte sich um. Einige Leute hatten sie schon ins Visier genommen. Manche lächelten wohlwollend, andere verdrehten die Augen. Joanna blieb nichts anderes übrig. Sie konnte nur noch lächeln und nicht mehr damit aufhören.
Es war so unendlich schön, Kira endlich nahe sein zu dürfen. Ihre Nähe zu spüren und … überhaupt. Seit Wochen hatte sie sich immer mehr hoch gesteigert und versucht, sich auszumalen, wie es sich wohl anfühlte …
Sie machte einen Schritt auf Kira zu, legte beide Arme um sie und zog sie an sich. Woher sie den Mut auf einmal nahm, wusste sie selbst nicht. Es fühlte sich eben einfach richtig an.
Trotzdem war sie noch auf der Hut und jederzeit bereit, einen Schritt zurück zu machen, sollte sie spüren, dass sie zu forsch an die Sache heranging.
Kira kam ihr ein Stückchen entgegen. Sie waren sich so nah, dass sie die gleiche Luft einatmeten. Ihre Nasenspitzen berührten sich. Und dann …
Es war ein vorsichtiger Kuss. Mit viel Luft nach oben. Trotzdem reichte dieser verschwindend kurze Moment aus, um das Verlangen in Joanna in schwindelerregende Höhen zu katapultieren. Joanna atmete gepresst. Ihre Blicke glitten über Kiras rundliches Gesicht. Kira war da. So nah. Joanna nahm ihren Mut zusammen und streichelte mit ihren Lippen ganz vorsichtig über Kiras.
Es war aus. Aus und vorbei. Sollte sie jemals mit dem Gedanken gespielt haben, die letzten Wochen als netten Zeitvertreib abzutun, wurde sie nun eines Besseren belehrt. Der Kuss, den sie mit Kira erleben durfte, öffnete Tür und Tor. Zu Joannas Herz. Zu ihrer Seele. Und zu ihrem Körper. Joanna wollte mehr. All die Angst war auf einmal wie weggeblasen. Sie wollte nur noch eines. Kira spüren. Sie halten und von ihr gehalten werden. Und sie nie wieder loslassen.
Vor Wochen hatten Kira und Joanna den ersten Stein für ihre Zukunft gelegt und jeden Tag ein weiteres Steinchen hinzugefügt. Dass sie sich nun am Bahnhof in den Armen lagen und sich so selbstvergessen küssten, war ein weiterer Schritt.
In die richtige Richtung.
Joanna war so voller Vorfreude und Unsicherheit gestartet. Sie hatte Angst. Gleichzeitig trieben Nervosität und die Hoffnung auf eine glückliche Zukunft sie an, immer weiter zu fahren.
»Ich hatte so eine Angst.«, gab Kira offen zu.
»Frag nicht, wie oft ich überlegt habe, auszusteigen und den nächsten Zug zurück zu nehmen.«
»Das kenne ich. Aber jetzt bin ich überglücklich, dass wir beide hier sind.«
»Wuff.«, meckerte Murphy.
»Ich meine natürlich alle drei.«
Joanna fühlte sich von Kiras geschwungenen, leicht angefeuchteten Lippen wie magisch angezogen. Sobald sie Kira sah, oder ihre Stimme hörte, vergaß sie alles um sich herum. Sie wollte mehr von diesen Küssen. Viel mehr.
Denn jeder Kuss war wie eine Verheißung.
Das erste Mal in ihrem Leben glaubte Joanna daran, dass sie endlich die Chance erhielt, glücklich zu werden. Rundum glücklich.
Mit Kira.
Joanna und Kira hätten ewig so stehenbleiben können. Eng umschlungen die Welt um sich herum ausblendend. Aber sie waren nicht nur zu ihrem eigenen Vergnügen in diese Stadt gekommen. Nicht mal ganz zwei Stunden blieben den zwei Frauen bis sie beim Admin-Treffen antanzen mussten.
Jeder andere hätte sich spontan umentscheiden können. Kira und Joanna nicht. Sie gehörten zum Team der hauptamtlichen Chatmoderatorinnen, die der Verlag beschäftigte. Somit war ihre Anwesenheit keine Option.
Es fiel Kira unendlich schwer, sich aus Joannas Armen zu lösen. Joannas Körper fühlte sich so gut an. So weich. So weiblich. So … mhmmm …
Die neidischen Blicke der Männer aufzufangen, bereitete ihr größtes Vergnügen. Statt sich zu lösen, schmiegte sie sich noch enger an sie. Joanna roch so gut. Wie eine Blumenwiese im Frühling. Wenn die Krokusse anfingen zu blühen. Kira liebte Blumenwiesen. Noch ein Pluspunkt, den sie in Gedanken an Joanna vergab. Obwohl jede noch so unscheinbare Zelle in ihr in Aufruhr war, versuchte Kira ganz ruhig ein und aus zu atmen. Sie hatte sich vorgenommen, jeden Moment bewusst wahrzunehmen und mit allen Sinnen auszukosten, unabhängig davon, was die Zukunft für Joanna und sie auf Lager hatte.
Sollten sie nach diesem Wochenende feststellen, dass es keinen gemeinsamen Weg für sie beide gab, wollte sie wenigstens diese Momente in Erinnerung behalten und immer wieder abrufen können.
Allerdings spürte Kira bereits zu diesem Zeitpunkt, dass ihr Herz in tausende Stücke zerfallen würde, wenn sich tatsächlich herausstellen sollte, dass sie nichts als einem schönen Traum hinterhergejagt war.
Als Joanna und sie sich nach viel zu kurzer Zeit endgültig voneinander lösten und den Weg zu Joannas Auto einschlugen, lief Kira neben Joanna her. Sie war schweigsam und nachdenklich.
»Sagst du mir, worüber du nachdenkst?«, fragte Joanna.
Unbewusst rollte Kira mit den Augen. Sie hatte sich zwar darauf eingestellt, dass Joanna ein aufmerksamer Mensch war, fühlte sich aber trotzdem überrumpelt. Sie war es schlicht nicht gewöhnt, dass jemand sie fragte, was in ihr vorging.
»Och, so über dies und das.«, antwortete sie ausweichend und versuchte, eine offene Körperhaltung an den Tag zu legen.
Joanna fuhr herum. In ihren dunklen Augen funkelten Frust und Ärger. Joanna hatte bereits ein paar sehr passende Worte auf den Lippen, schluckte sie jedoch herunter und legte einen Zahn zu. Sie lief so schnell, dass die schwer bepackte Kira Mühe hatte, ihr zu folgen.
»So wird das nichts.«, knurrte Joanna ärgerlich.
»Ich bin nicht bereit, meine Zukunft damit zu verbringen, dir jedes Wort aus der Nase ziehen zu müssen.«
»Tut mir leid. Ich wollte doch nicht … Es tut mir wirklich leid.«, beeilte Kira sich zu versichern.
»Ich bin es doch nur nicht gewöhnt, dass jemand sich für mich interessiert.«
»Warum? Eigentlich dachte ich, dass ich dir während der letzten Wochen mehr als deutlich gezeigt habe, wie sehr ich mich für dich interessiere.«
»Hast du ja auch. Ich. Ich bin das Problem. Ich habe einfach Schiss.«
»Aber wovor denn, Kira? Was kann dir denn passieren?«
Kira zuckte mit den Schultern. Trotz aller Unsicherheit mogelte sich ein Lächeln in ihr Gesicht.
»Mein Herz könnte von Wolke sieben auf den Boden klatschen und für immer brechen.«
Joannas Blick änderte sich schlagartig. Sie machte einen großen Schritt auf Kira zu und legte beide Arme um sie. Ihr Gesicht kam Kiras Gesicht sehr nahe. Als Kira noch etwas sagen wollte, hob sie die Hand und legte ihren Zeigefinger auf Kiras Lippen.
»Das wird nur passieren, wenn du dich versperrst. Lass deine Ängste los. Ich bin doch da. Niemand wird dir etwas tun. Das verspreche ich dir.«
Joannas Worte waren so sanft und voller Wärme und Zuneigung, dass Kira anfing zu zappeln. Ihre Brust war zu klein für all die Gefühle, die ihr Herz immer weiter einnahmen.
»Sagst du mir jetzt bitte, worüber du vorhin nachgedacht hast?«
Kira runzelte die Stirn. Es würde nicht leicht werden. Gar nicht leicht. Joanna war ziemlich hartnäckig. Sie gab nicht so leicht nach. Aufgeben war für sie bestimmt ein Fremdwort.
Kira sah harte Zeiten auf sich zukommen. Sie würde sich verändern … müssen. Wenn sie einer Frau wie Joanna gerecht werden und sie glücklich machen wollte. Sie würde lernen müssen, sich zu öffnen und zu vertrauen. Sie würde an sich arbeiten müssen. Jeden Tag aufs Neue.
Joanna war eine ganz besondere Frau. Das hatte Kira schon während der ersten Tage, in denen sie mit ihr schrieb, festgestellt. Eine Frau wie sie ließ man nicht wieder ziehen. Wenn man nicht komplett blöd war zumindest. Kira war nicht blöd. Im Gegenteil. Sie war lediglich ein bisschen sehr vom Leben enttäuscht. Das hatte sie mitunter verbittert werden lassen.
»Ich habe darüber nachgedacht, dass ich jeden Moment, den du mir schenkst, aufsaugen möchte. Nur für den Fall, dass … «
Kira stockte. Joanna schaute sie aufmerksam an.
»Nur für den Fall, dass …?«, hakte sie nach, weil Kira nicht den Eindruck machte, ihren Gedanken weiter ausführen zu wollen.
»Nur für den Fall, dass du feststellst, dass ich total langweilig bin.«
Joanna schüttelte den Kopf.
»Du bist unmöglich.«, schimpfte sie und fragte sich ernsthaft, was sie noch sagen sollte.
Kira war so voller Zweifel und Ängste. Dabei sah doch alles so gut aus.
Joanna mochte sie. Ihr Herz schlug bereits sehr viel schneller als sonst. Joanna war drauf und dran, sich Hals über Kopf in Kira zu verlieben. Und Kira … bemerkte es nicht mal. Weil sie so sehr damit beschäftigt war, das Haar in der Suppe zu suchen. Aber es gab doch gar kein Haar. Statt auf Kiras Zweifel einzugehen, hob Joanna die Hand und streichelte sanft über Kiras Wange. Ihre Hand fing an zu kribbeln. Das war... Magie. Anders konnte es nicht sein.
Als sie den Kopf hob und Kira anschaute, funkelten ihre Augen. Kira fing ihren Blick auf. Ein Schauer jagte über ihren Rücken.
»Du brichst mir nicht das Herz.«, stellte Kira fest.
»Na endlich hast du es begriffen. Ich habe schon fast befürchtet, dass ich deine kleinen grauen Zellen ein bisschen ankurbeln muss.«
»Grrrr.«
Joanna lachte. Sie legte den Arm um Kiras Taille und schob die Hand in ihre hintere Hosentasche. Sie gab sich selbstbewusst, dabei war sie so nervös, dass es kaum möglich für sie war, zu denken.
Eng aneinander geschmiegt strebten Kira und Joanna dem Ausgang entgegen.
»Wow. Scheiße, ist das eine geile Karre!«, rief Kira als sie an Joannas Auto ankamen.
»Schau sie dir nur gut an. Lange werde ich sie mir wohl nicht mehr leisten können.«
»Wahnsinn. So ein Auto hätte ich auch immer gerne gehabt.«
»Willst du fahren?«, fragte Joanna und wedelte übermütig mit dem Schlüssel.
»Echt jetzt? Ist das dein Ernst? Gerne.«
Kiras Herz schlug einen harten Beat. Es schlug so kräftig, dass Kira das Blut in ihren Ohren rauschen hörte. Dass Joanna ihr den Schlüssel für ihren sportlichen Flitzer anvertraute, bedeutete ihr mehr als sie hätte sagen können. Joanna vertraute ihr … sogar ihr Auto an. Ein Auto, das vermutlich fast so viel kostete wie eine kleine Eigentumswohnung.
Joanna ging zur Beifahrertür und öffnete sie. Sie hob ihren Hund in den Fußraum und legte ihm den Gurt an.
Kira stand unschlüssig auf der Fahrerseite und schaute zu Joanna herüber.
»Brauchst du eine schriftliche Einladung?«, neckte Joanna, nahm den Schlüssel und warf ihn in Kiras Richtung.
Kira streckte den Arm und fing ihn lässig auf.
»Du meinst es wirklich ernst, kann das sein?«
»Sehe ich so aus, als würde ich Witze machen? Nun steig schon ein. Wir müssen langsam los.«
Eine weitere Einladung brauchte Kira nicht. So lässig es ihr in ihrer Aufregung möglich war, schwang sie sich hinters Steuer.«
»Du wirst den Schlüssel schon benützen müssen.«, neckte Joanna und schob den Schlüssel an den für ihn bestimmten Platz.
Vor Aufregung würgte Kira den Motor mehrmals ab, was Joanna mit vor Schmerz verzogenen Lippen zur Kenntnis nahm. Einen bissigen Kommentar ersparte Joanna sich jedoch. Kira war auch so schon nervös genug. Endlich, nach dem fünften oder sechsten Versuch klappte es.
Der Motor ließ sein tiefes, sportliches Brummen erklingen. Er war so stark, dass er den Sitz unter Kiras Hintern zum Vibrieren brachte.
»Das ist ja geil!« jauchzte Kira und wackelte ein bisschen mit dem Po.
»Wäre ich du, würde ich die ganze Zeit mit dem Auto in der Gegend herumfahren, nur weil der Sitz so geil vibriert. Da brauchst du echt keinen Vibrator mehr.«
Mit der flachen Hand schlug Joanna auf Kiras Oberschenkel.
»Du bist unmöglich!«, schimpfte sie.
»Ich weiß. Aber vor allem bin ich unmöglich hinreißend.«
»Das stimmt allerdings. Und nun mach schon. Ich komme ungern zu spät.«
Kira folgte den Anweisungen, die die nette Stimme aus dem Navigationsgerät vorgab. Ohne Navi wäre sie aufgeschmissen gewesen. Die Straßen waren verschachtelt. Außerdem gab es viele Einbahnstraßen. Einmal falsch abgebogen und man fuhr gemütlich eine Runde um die ganze Stadt.
Als sie endlich vor dem Hotel, in dem der Verlag ein Zimmer für sie gebucht hatte, ankamen, war Kira ganz schön platt. Aber zufrieden. Mit sich und ihrer kleinen Welt, die im Moment nur aus Joanna, Murphy und ihr selbst bestand.
Als Joanna die Tür öffnen wollte, fing Murphy an, einen Hampelmann zu machen. Er versuchte, zwischen ihren Händen hindurch zu springen, doch er hing immer noch am Gurt fest. Er schimpfte und bellte und strampelte mit den Beinen. Joanna hatte alle Hände voll zu tun. Kira beobachtete den kleinen Disput zwischen Hund und Frauchen aus sicherem Abstand. Ihr Hals kitzelte. Sie schluckte. Immer wieder. Nein. Sie würde nicht lachen. Ganz sicher nicht. Sie. Würde. Sich. Beherrschen.
Vielleicht.
Es gelang ihr ganz gut, ihre sich nach lautem Lachen anfühlenden Emotionen unter Kontrolle zu behalten. Bis sie sah, wie Joanna den strampelnden Vierbeiner auf den Gehweg setzte und sich wieder aufrichtete. Ihr Haar stand wirr in alle Richtungen ab. Das war zu viel. Zu viel für Kira.
Joanna sah so süß aus, mit ihrem zerzausten Haar und den nach Kampf aussehenden zerknitterten Klamotten, dass Kira nicht mehr anders konnte. Sie lachte. Einfach so. Weil es sich so gut anfühlte. Joanna starrte sie erst aus weit geöffneten Augen an. Doch dann … fing sie ebenfalls an zu lachen.
»Der Hund ist unmöglich. Immer muss er so einen Aufstand machen, wenn wir aussteigen.«, jammerte Joanna und ließ sich von Kira ganz fest in den Arm nehmen.
Kira senkte den Kopf und betrachtete Murphy, der ganz unschuldig neben seinem Frauchen stand und freudig mit dem Schwanz wedelte.
Joanna grinste.
»Unmöglich. Sag ich doch.«, brummelte sie.
Das Zimmer, das der Verlag für Joanna und Kira gebucht hatte, war nicht besonders groß, dafür aber umso gemütlicher.
»Joanna! Schau mal!«, jauchzte Kira und klatschte vor Begeisterung in die Hände.
»Im Bad ist eine Wanne!«
Joanna folgte der vor Begeisterung und Lebensfreude sprühenden Kira ins Bad. Ihre Begeisterung hielt sich durchaus in Grenzen. Im Bad war zwar tatsächlich eine Wanne untergebracht, allerdings hatte die ihre besten Tage schon eine Weile hinter sich. An einigen Stellen war die Farbe abgeblättert. Besonders einladend sah das nicht aus. Bevor sie die würde nutzen können, müsste sie erst Mal ordentlich geschrubbt werden. Trotz ihrer Vorbehalte teilte Joanna Kiras Begeisterung und freute sich auf ein ausgedehntes Vollbad am Ende des Tages. Falls sie zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch in der Lage war etwas anderes zu tun als ins Bett zu fallen und die Augendeckel hinunter zu klappen. Sie fühlte sich schon jetzt fix und alle und es lagen noch vier Stunden Arbeit und Konversation mit anderen Moderatoren vor ihr. Mindestens.
»Gehen wir in die Wanne?«, fragte Kira aufgeregt und beugte sich schon über die Wanne, um das Wasser aufzudrehen.
»Sorry, Süße. Ich will deine Freude nicht kaputt machen, aber … «
»Ich weiß. Die Zeit drängt. Musst du immer so gewissenhaft sein?«, stöhnte Kira.
»Japp. Nur so erreicht man etwas im Leben.«
»Oho. Frau Professor. Dann lass uns gehen, bevor ich es mir anders überlege und dich aufs Bett schmeiße.«
Die Deutlichkeit in Kiras Worten trieb tiefe Röte über Joannas Wangen. Das Blut rauschte durch ihre Adern. Joanna musste sich festhalten, um zu verhindern, dass sie einfach so umfiel. Sie war aber auch wirklich fertig. Dass das nur die halbe Wahrheit war, wusste Joanna ganz genau. Ihr desolater Zustand lag einzig und allein an Kira.
Kira war einfach … speziell.
Mit liebevollem Nachdruck schob Joanna Kira zur Tür hinaus und schloss die Tür hinter ihr. Vorsichtshalber drehte sie sogar den Schlüssel um. Nicht, dass Kira auf die Idee kam, noch einmal zurückzukommen.
Joanna musste pinkeln. Außerdem brauchte sie zwei oder drei Minuten, um sich zu sammeln. Kira fegte wie ein Orkan in ihr Leben. Das war ganz schön viel auf einmal. Auf dem Klo sitzend schloss Joanna die Augen und hörte tief in sich hinein. Kira gefiel ihr. Nicht nur optisch. Ihr Körper war nur die Zugabe für das, was Kira ausstrahlte. Joanna wusste es schon seit Wochen und nun hatte sie die Bestätigung. Kira wurde immer gefährlicher. Für Joanna. Und ihr bisher ziemlich beschauliches Leben. Bis zu ihrem Outing ein paar Wochen zuvor, war ihr Leben in den üblichen Bahnen verlaufen. Schule, Studium, Job im Architekturbüro ihres Vaters. Ein rundum langweiliges und träges Leben.
Nichts war davon geblieben. Joanna war auf dem Weg, ein anderer, ein neuer Mensch zu werden. Und Kira half ihr dabei. Ohne sich dessen so richtig bewusst zu sein. Sie hinterfragte sie an Stellen, an denen sie ihre Entscheidungen nicht nachvollziehen konnte und gab ihre Zustimmung in den Belangen, in denen sie ähnlich dachte. Sie nickte nicht alles ab, sondern gab Rückmeldung, egal ob ihr, Joanna, das gefiel. Kira nahm kein Blatt vor den Mund, es sei denn, es ging um sich selbst.
»Du machst mich fertig.«, wisperte Joanna lächelnd während sie den Knopf für die Spülung drückte.
Das Wasser rauschte durchs Klo hinunter und nahm nicht nur das Papier mit. Als hätte sie sämtliche Bedenken und Ängste gleich mit hinunter gespült, fühlte Joanna sich auf eigenartige Weise leicht und ausgeglichen. Nach dem Händewaschen öffnete sie die Badtür und stolperte über einen vor der Tür liegenden Schuh. Joanna rollte mit den Augen und blickte sich um. Der Inhalt von Kiras Koffer lag gleichmäßig verstreut auf dem Boden. Der vorhandene Kleiderschrank wurde anscheinend überbewertet. Das konnte ja heiter werden. Joanna war ein ordentlicher Mensch. Wenn sie etwas brauchte, räumte sie es nach dem Benutzen wieder an die gleiche Stelle. Kira sah die Sache offensichtlich sehr viel entspannter. Es störte sie nicht, dass ihre Klamotten irgendwo herumlagen.
Joanna öffnete den Mund, doch dann fiel ihr Blick aufs Bett. Murphy und Kira lagen ganz eng aneinander gekuschelt auf dem Bett in der Sonne. Joannas Herz öffnete sich ganz weit und hieß die chaotische Frau herzlich willkommen.
Kira lag auf dem Rücken und schnarchte so leise, dass es nur zu hören war, wenn Joanna angestrengt lauschte. Joannas Mundwinkel zuckten. Wie hatte Kira das nur geschafft? In so kurzer Zeit das Zimmer in einen Saustall zu verwandeln und sich dann hinzulegen und sofort einzuschlafen. Bewundernswert. Joanna blieb einfach in der Mitte des Raumes stehen und ließ das Bild auf sich wirken. Dass die fremde und doch so vertraute Frau mit Murphy im Bett lag und kuschelte, fühlte sich richtig an.
Vorsichtig zog Joanna das Handy aus der Tasche und schlich näher. Dieses Bild musste sie unbedingt festhalten. Ein Bild des Friedens. Ein Bild der Wärme. Ein Bild des Vertrauens. Und ein Bild der Liebe.
Murphy fragte nicht lange. Er sah Kira, bekam ein Leckerli und beschloss, dass die Frau in Ordnung war. Also kuschelte er sich zu ihr. So einfach konnte das Leben sein. Mit den Augen eines Hundes. Und mit seinem Herzen. Wäre es nicht schön, wenn das Leben immer so einfach wäre, wie für einen kleinen Hund? Vielleicht war das Leben ja wirklich so einfach und sie, Joanna, stand sich nur selbst im Weg. Murphy wirkte jedenfalls nicht unzufrieden, wie er an Kiras Bauch gekuschelt in der Sonne lag. Fehlte nur noch, dass er einen Pups absetzte. Wenn er besonders entspannt war, konnte er nicht anders und musste die ganze Zeit pupsen.
Und tatsächlich. Ein verräterischer Ton entwischte seinem kleinen schwarzen Hundepo.
Kira schoss hoch und hustete.
»Hui, hier riecht es wie faule Eier!«, stöhnte sie und wedelte sich mit der Hand vor der Nase.
»Ich entschuldige mich für meinen unerzogenen Hund. Er hat sein Po-Loch leider nicht ganz so gut unter Kontrolle.«
Joanna schickte ein liebevolles Lächeln in Kiras Richtung. Kira rümpfte die Nase.
»Phu. Ich hätte nicht gedacht, dass so ein kleiner Po solche Gerüche erzeugen kann. Wahnsinn.«
»Ein Gutes hat die Sache. Du bist wieder wach.«
»Ich habe doch gar nicht geschlafen. Ich habe nur ein bisschen Augenpflege betrieben.«
Kira zwinkerte Joanna zu und kam langsam auf sie zu. Bei jedem Schritt knarrten die Bretter des alten Dielenbodens.
»Du siehst übrigens zum Anbeißen aus.«, sagte Kira mit schief gelegtem Kopf.
»Müssen wir wirklich schon los?«
»Leider ja. Glaub mir bitte, wenn ich dir sage, dass ich mich auch viel lieber noch ein bisschen an dich kuscheln würde.«
Joanna schaute sich auffallend aufmerksam im Zimmer um.
»Sag mal ...«, nuschelte sie kichernd.
»Kannst du mir mal bitte sagen, was hier passiert ist?«
Kira zuckte mit den Schultern.
»So genau weiß ich das auch nicht. Ich habe das Fenster aufgemacht, um ein bisschen frische Luft reinzulassen. Da muss plötzlich ein Windstoß gekommen sein. Und schwupp lagen alle meine Sachen verstreut auf dem Boden.«
Joanna schlug die Hand vor den Mund.
»Du bist unmöglich.«, keuchte sie atemlos.
Der Dackelblick, den Kira ihr schenkte, war einfach … herzallerliebst.
Trotzdem musste sie zur Eile antreiben. Kira hatte eine Arschruhe.
»Wir brauchen höchstens zehn Minuten. Und wie viel Zeit haben wir noch? Zwanzig Minuten. Also … «, sagte sie lässig.
Während Joanna unruhig im Zimmer auf und ab lief, ging Kira in aller Ruhe auf die Toilette und machte ihre Haare. Als sie endlich wieder auftauchte, war Joanna bereits der Verzweiflung nahe. Es kostete sie alle innere Überzeugung, sich nicht die Haare zu raufen. Kira war so … Kira eben. Locker, lässig. Und tiefenentspannt. Während Joanna beinahe durchdrehte.
»Hey Süße. Mach dich mal locker. Wir haben doch alle Zeit der Welt.«
Kira trat auf Joanna zu und hauchte einen Kuss auf ihre Lippen.
»Außerdem können die sowieso froh sein, dass wir überhaupt aufschlagen. Mir würde da was viel Besseres einfallen.«
Sie strich sich mit der Zungenspitze über die Lippen. Eine Geste, die Joanna schier in den Wahnsinn trieb. Joanna brach der Schweiß aus. Verzweifelt rieb sie sich über die verschwitzte Stirn.
»Willst du nicht wissen, was mir Besseres einfallen würde?«, fragte Kira mit neckischem Augenaufschlag.
»Lieber nicht. Ich weiß nicht, was ich sonst mache.«
Kiras Augenbrauen zuckten. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen.
»Ich könnte mir wunderbar vorstellen, mit dir in die Wanne zu gehen. Ganz langsam würde ich dich einseifen.«
»Hör auf. Bitte.«, bettelte Joanna und hielt sich die Ohren zu.
»Erst würde ich deinen Rücken einseifen. Dann würde ich langsam meine Hände unter deinen Po schieben.«
Trotz der zugehaltenen Ohren hörte Joanna jedes Wort, was nicht unbedingt dazu beitrug, dass sie sich beruhigte. Kira kostete ihre Position in diesem Spiel sichtbar aus, während Joanna sich, wenn auch widerstrebend, eingestehen musste, dass die Worte und Kiras Gesten sie ziemlich scharf machten.
Wahnsinn, was Kira mit ihren Worten anzurichten vermochte. Joanna fragte sich ernsthaft, wie sie diesen Abend überstehen sollte. Bereits jetzt hatte sie das Gefühl, in ihrem Höschen davonzuschwimmen.
Mit zwei Schritten war sie bei ihrer Reisetasche, riss den Reißverschluss auf und zerrte ein schwarzes Höschen heraus. Drohend hob sie den Zeigefinger.
»Kein Wort!«
Kira kicherte.
»Nicht lachen! Lachen ist verboten! Und jetzt komm endlich!«
Mühsam schob sie die gackernde Kira vor sich her aus dem Zimmer. Murphy hatte keine Lust mitzukommen. Joanna brauchte mehrere Leckerlis, um ihn doch noch zu überzeugen.
»Kira!«, rief Joanna.
»Kannst du bitte Murphys Kissen mitnehmen? Oder nimm am Besten die Tasche. Da ist alles drin, was wir brauchen.«
Kira schulterte die voll gepackte Hundetasche und stapfte hinter Joanna und Murphy her.
Bis zum Parkplatz hatte sie aufgeschlossen. Mit einer Zigarette in der Hand rückte sie näher an Joanna heran.
»Dann würden meine Hände über deinen Bauch gleiten und ihn einseifen. Von dort würde ich … «
»Kira! Bitte hör auf! Wie soll ich das denn aushalten, wenn du mir so schöne Sachen erzählst?«
Grinsend zuckte Kira mit den Schultern. Nicht mein Problem., sagte ihr Blick. Doch. Es war sehr wohl auch Kiras Problem. Auch, wenn sie es niemals zugeben würde, hatte auch sie sich aufgeheizt. Allein die Vorstellung, Joanna einseifen zu dürfen, heizte sie so sehr auf, dass sie sich kaum aufs Laufen konzentrieren konnte.
Sicherheitshalber griff sie nach Joannas Hand. Die Hand war warm. Die Wärme sorgte nicht gerade dafür, dass Kiras Körper sich abkühlte. Im Gegenteil. Kira hatte Mühe, mit dem Atmen hinterher zu kommen. Sie keuchte und japste.
Joanna wirkte ganz ruhig. Sie lief einfach an Kiras Seite und machte den Eindruck als wäre es das Normalste auf der Welt Hand in Hand mit Kira zu laufen.
Irgendwie war es ja auch normal. Ein bisschen wenigstens. Für Kira bedeutete es allerdings viel mehr als Händchen halten. Sie kam sich vor wie ein verknallter Teenager, dem es unmöglich war, seine Hormone unter Kontrolle zu bringen. Hilflos wie ein kleines Kind, das gerade erst laufen lernte und seine ersten Schritte wagte, stolperte sie immer wieder über nicht vorhandene Steinchen oder ihre eigenen Füße.
Joanna schenkte ihr ein liebevolles Lächeln. Kiras Hand halten zu dürfen, fühlte sich gut an. Dass Kira mindestens genauso aufgeregt war wie sie selbst, gefiel ihr zunehmend. Es zeigte ihr, dass Kira nicht abgebrüht war und es nur darauf anlegte, sie ins Bett zu bekommen.
Joannas Herz würde brechen, wenn Kira sich doch noch als Arschloch entpuppen würde.
»Sag mal, wie machst du das eigentlich mit deinem anderen Job? Du wirst während der nächsten Tage ja vermutlich keine Zeit haben.«
Kira wackelte mit dem Kopf. Sie wand sich offensichtlich. Über den anderen Job zu sprechen war ihr unangenehm.
»Ich brauche sowieso einen neuen Job.«, gab sie zaghaft zu.
»Aber warum denn das?«
Kira fuhr herum. Ihre Augen funkelten wild.
»Meinst du, ich habe Lust, mir ständig durchlesen zu müssen, wie es gut bestückte Kerle mit mir machen wollen? Das ist so ekelig. Am Anfang dachte ich, dass ich es mit der nötigen Distanz hinbekomme, aber … ich schaffe es einfach nicht.«
»Geht es da wirklich so schlimm zu?«, fragte Joanna und schämte sich schon ein bisschen für ihre Naivität.
»Noch schlimmer. Frag nicht, was die Typen teilweise schreiben. Das ist der Wahnsinn. Echt. Es kommt mir so vor, als ob die von der Evolution her ein paar Jahrhunderte hinter uns her hinken.«
»Wie meinst du das?«
»Na ja. Du musst dir nur anschauen, was Frauen wollen und wo Frauen stehen. Dann schaust du dir an, was Kerle wollen.«
Kira entging der verständnislose Ausdruck in Joannas Augen nicht. Deswegen überlegte sie, wie sie das, was sie meinte, erklären sollte.
»Stell dir vor. Du siehst eine Frau und denkst: Wow, wie toll. Die sieht gut aus. Sie gefällt mir. Ein Kerl denkt: Die hat einen geilen Arsch und geile Titten. Ich will sie ficken.«
Unabsichtlich war Kira lauter geworden. Joannas entsetzter Blick brachte sie dazu, sich zu beruhigen. Joanna konnte schließlich nichts dafür. Sie hatte nur eben keine Ahnung, wie kalt und rau die Welt war.
»Aber es sind doch nicht alle so. Du kannst nicht alle Männer über einen Kamm scheren. Mein Bruder zum Beispiel. Er ist … lieb.«
»Ach … schau an.«, spöttelte Kira.
»Eine Kämpferin für die Männlichkeit.«
»Quatsch. Ich will nur nicht jeden Mann verurteilen, nur, weil er ein Mann ist. Es gibt auch andere.«
»Bestimmt gibt es die. Nur leider sind die meistens schwul.«
»Ha! Ha! Ha! Das war ja wohl ein Schenkelklopfer!«
»Und wenn schon. Woher willst du wissen, wie dein Bruder wirklich tickt? Du kannst ihm auch nur bis vor die Stirn schauen. Was in ihm vorgeht, wenn er eine Frau sieht, kannst du nicht mit Gewissheit sagen.«
»Felix ist anders.«
Joanna blieb bei ihrer Meinung, auch wenn sie zugeben musste, dass Kiras Worte sie aufwühlten. War es wirklich so, wie Kira behauptete? Waren die Männer wirklich so einfach gestrickt? War ihr Bruder so einfach gestrickt? Joanna konnte und wollte es sich nicht vorstellen.
»Ich will damit nicht sagen, dass dein Bruder jemand ist, der die Grenzen von Frauen nicht respektiert. Aber Männer und Frauen ticken eben grundsätzlich anders. Eine hetero Frau sieht einen Mann und findet ihn attraktiv. Weiter gehen ihre Vorstellungen erst mal nicht. Wenn aber ein hetero Mann eine Frau sieht … «
»Ich weiß, was du sagen willst. Und vielleicht hast du auch recht. Ich weiß es nicht. Allerdings bin ich sicher, dass es auch mehr als genügend Frauen gibt, die nur ans Ficken denken.«
»In dem Flirtchat, für den ich gearbeitet habe, war es so, dass es eigentlich nicht ums Flirten ging, sondern nur ums Ficken. Wer hat den längsten …, wer hat die dicksten … Verstehst du? Ich dachte, dass ich damit klarkomme, aber so ist es nicht. Ich finde es traurig, wenn sich alles nur um dieses eine Thema dreht. Persönlichkeit spielt überhaupt keine Rolle. Es kommt nur auf die Größe an. Egal, ob beim Mann oder bei der Frau. Das ist doch armselig. So kann und will ich nicht arbeiten. Das macht mich auf Dauer unglücklich.«
Joanna nickte verständnisvoll.
Als Kira ihr davon erzählte, dass sie einen Flirtchat betreute, ging Joanna in sich und dachte darüber nach, ob dieser Job nicht auch eine gute Möglichkeit für sie selbst gewesen wäre. Ganz schnell wurde ihr klar, dass so ein Job für sie nicht in Frage kam. Heimlich hatte sie Kira bewundert, doch jetzt bewunderte sie sie noch mehr. Kira war eine Kämpferin. Eine Kämpferin mit großem Herzen. Für halbe Sachen war bei ihr kein Platz. Das imponierte Joanna.
Sie fing an, sich zu wünschen, ein bisschen so wie Kira zu sein. Joanna verstärkte den Griff um Kiras Hand. Sie wollte ihr Halt geben und ihr zeigen, dass sie für sie da war, egal, was passierte. Sie würde Kira unterstützen. So gut es ihr möglich war.
Kira entspannte sich ein wenig. Das glühende Funkeln in ihren Augen ließ nach. Die heiße Leidenschaft ebbte ab. Kira wurde wieder ruhiger. Ihr Gang war federnd. Nicht mehr so aggressiv und aufgeheizt wie noch einige Minuten zuvor.
»Ich wusste ja gar nicht, dass du so abgehen kannst.«, neckte Joanna, um dem Ganzen den Ernst zu nehmen.
»Du hast ja keine Ahnung. Bring mich auf die Palme, dann darfst du mir dabei zusehen, wie ich mit Kokosnüssen werfe.«
Na, wenigstens lächelte Kira jetzt wieder. Joanna atmete tief durch. Eine kleine Portion von Kiras Kampfgeist würde ihr sicher gut stehen. Dann hätte sie ihrem Vater die Stirn geboten und dafür gesorgt, dass er ganz genau wusste, woran er bei ihr war. Aber so war Joanna eben nicht. Der Respekt vor ihrem Vater war viel zu groß, um sich gegen ihn aufzulehnen. Über die Jahre hatte er sie mürbe gemacht. Er hatte dafür gesorgt, dass sie sich oft viel kleiner fühlte, als sie eigentlich war. Den letzten Tritt gegen ihr Selbstbewusstsein hatte er ihr verpasst, als er sie aus der Firma schmiss. Und das nur, weil sie nicht so war, wie er es von ihr erwartete.
Ob Kira wohl auch immer wieder mit falschen Erwartungen konfrontiert war? Oder liebte ihre Mutter sie einfach so, wie sie war? Joanna überlegte, ob sie nachfragen sollte, doch dann entschied sie sich dagegen. So ein Thema besprach man nicht mal eben beim Spaziergang. Außerdem war es nicht mehr allzu weit bis zum Verlagshaus.
»Da vorne müssen wir links.«, erklärte Joanna und deutete auf die entsprechende Ampel.
»Ich war vor ein paar Stunden schon mal hier und habe mir den Weg angeschaut.«
»Du bist schon ganz schön speziell.«, neckte Kira.
»Wer macht denn so was?«
»Ich. Ich bin eben gerne vorbereitet.«
»Aber wofür gibt es denn ein Navi auf dem Handy? Das hätte uns doch auch geführt.«
»Dich mit deiner Arschruhe vielleicht. Ich will eben vorbereitet sein.«
Unwillig zuckte Joanna mit den Schultern und wich Kiras Blick aus.
»Na, das kann ja heiter werden. Wenn das so weitergeht, haben wir uns spätestens morgen zerfleischt.«
Joannas Hand krachte herunter. Sie blieb so abrupt stehen, dass Kira ins Straucheln geriet.
»War es doch keine gute Idee, dass wir uns hier getroffen haben?«
»Doch, natürlich.«, beeilte Kira sich zu entgegnen.
»Ich verstehe nur nicht, warum du so verkrampft bist.«
»Wäre ich wie du, würden wir zu spät kommen.«, konterte Joanna.
Doch dann … blickte sie Kira in die Augen und musste lachen. Kira verdrehte so unmissverständlich die Augen, dass das Weiß hervortrat. Das sah so … komisch aus, dass Joanna sich nicht wehren konnte. Sie lachte und gackerte.
»Kannst du bitte immer so was machen, wenn wir uns in die Wolle bekommen?«
»Klar. Kein Problem. Mit den Augen rollen kann ich.«
»Haben wir einen Fehler gemacht?«, fragte Joanna immer noch unsicher.
Kira schüttelte vehement den Kopf.
»Ganz sicher nicht!«, rief sie euphorisch.
»Ich habe mich noch nie einem Menschen so nahe gefühlt.«
Fraglich, ob Kira Angst hatte, das, was sie doch erst gefunden hatte, wieder zu verlieren, oder ob es daran lag, dass ihre Gefühle sie einfach überrumpelten. Mit einem schwungvollen Ruck zog sie Joanna an sich und überdeckte ihr Gesicht mit sanften Küssen. Joanna wehrte sich nicht. Im Gegenteil. Sie begann, zu genießen.
Und fragte sich im nächsten Moment, woher die Zweifel so plötzlich gekommen waren. Egal. Hauptsache, sie lösten sich wieder in Luft auf. Darauf kam es doch an.
Joanna schmiegte sich an Kira und genoss die Zärtlichkeit, die Kira zu geben vermochte. Kira war so … Kira eben. Eine wirkliche Beschreibung gab es nicht. Dafür war Kira zu speziell. Zu eigen. Und ganz bestimmt nicht artig.
Schrille Pfiffe wehten zu Joanna und Kira herüber. Die zwei Frauen fuhren auseinander und schauten erschrocken in die Richtung, aus der die Pfiffe kamen. Zwei junge Männer liefen auf der anderen Straßenseite und hatten sie ins Visier genommen. Sie pfiffen erneut.
»Dürfen wir mitmachen?«, rief der eine.
Der andere lachte.
»Kommt drauf an, was ihr zahlt!«, bellte Kira zurück.
Die Männer gingen lachend weiter. Joannas beschleunigter Atem brauchte eine Weile, bis er sich wieder beruhigte. Joanna war aufgewühlt.
»Idioten!«, schimpfte sie.
»Weißt du jetzt, was ich meine? Es geht immer nur ums Ficken.«
Joanna nickte und schmiegte sich noch enger an Kira. Sie brauchte Kiras Nähe. Ihren Halt. Und ihre Kraft. Kira war eine starke Frau. Vermutlich hatte sie schon sehr viel mehr gesehen als Joanna. Wenn Joanna das, was Kira ihr im Lauf der letzten Wochen offenbart hatte, richtig interpretierte, war ihr Leben ein immer wiederkehrender Kampf. Meistens ging es bei ihren Kämpfen darum, nicht unterzugehen und irgendwoher das Geld für die Miete zu nehmen.
Das war absolutes Neuland für Joanna. Noch nie hatte sie sich mit der Frage, wovon sie die nächste Mahlzeit bezahlen sollte, herum quälen müssen. Der ständige Kampf ums Überleben hatte Kira auf eine Weise hart werden lassen, die Joanna als extrem anziehend wahrnahm.
Einen verschwindend kurzen Augenblick gab sie sich die Zeit, sich in Kiras Augen zu verlieren und von ihrer Stärke zu kosten. Kira hielt sie ganz fest und streichelte ihr zärtlich über den Kopf.
»Komm.«, sagte sie nach einer Weile sanft.
Vorsichtig nahm sie Joanna die Leine aus der Hand. Murphy schaute sie skeptisch an, doch das Nicken seines Frauchens genügte ihm. Bereitwillig trabte er neben Kira her.
Als sie endlich beim Verlag ankamen, waren sie bereits zehn Minuten zu spät, was nur indirekt an Kira lag. Der Verlag hatte seine Räume in einem Haus bezogen, dessen Fassade alte Zeiten und die neue Zeit hervorragend zu präsentieren vermochte. Fachwerk wechselte sich mit einer hochmodernen gläsernen Front. Kira war beeindruckt.
»Wow. Sieht das cool aus.«, sagte sie offen.
Joanna lächelte liebevoll.
Im Gegensatz zu Kira ließ sie sich nicht so leicht von einer netten Fassade blenden. Dafür war sie zu sehr Architektin. Trotzdem musste auch sie sich eingestehen, dass das Haus durchaus ansprechend war.
»Sollen wir rein gehen? Oder doch lieber abhauen?«, fragte Kira.
»Was tust du, wenn ich abhauen vorschlage?«
»Dann haue ich mit dir ab, klaue mir ein Pferd und reite mit dir in den Sonnenuntergang.«
Kira besaß also eindeutig eine romantische Seite. Joanna schluckte. Und dachte tatsächlich darüber nach, einfach mit ihr abzuhauen. Doch dann besann sie sich, straffte die Schultern und ging zur offenen Tür. Kira hielt sie immer noch an der Hand. An der Tür angekommen, ließ sie sie jedoch los. Nicht, weil es ihr peinlich war, sondern weil sie sich selbst und Kira schützen wollte. Bei ihrem Arbeitgeber handelte es sich nicht um irgendeinen Verlag, sondern um einen christlichen mit sehr klaren Regeln und Normen. Wie die Kollegen und Vorgesetzten auf ein lesbisches Pärchen reagieren würden, wollte Joanna lieber noch nicht in Erfahrung bringen.
Sie schenkte Kira ein entschuldigendes Lächeln. Kira begriff. Trotzdem fühlte sie sich getroffen. Eine Spur zu trotzig schob sie die Hände in die Hosentaschen und folgte Joanna. Der Weg zum Admin-Treffen war ausgeschildert. Wegweiser, die völlig überflüssig waren. Joanna und Kira mussten einfach dem temperamentvollen Stimmengewirr folgen. Der große Tagungsraum im hellen Dachgeschoss des Hauses war voller Menschen.
An der Tür blieb Kira stehen. Sie fühlte sich unsicher. Und überfordert. Doch der kleine Murphy hatte kein Erbarmen. Er zog sie einfach weiter. Seinem Frauchen hinterher. Kira hatte keine andere Wahl.
»Hey!«
»Hallo!«
Joanna und Kira wurden von allen Seiten begrüßt. Da sie die Letzten waren, blieb ihnen keine andere Wahl. Sie mussten ihre Plätze weit voneinander entfernt einnehmen.
Die nächsten Stunden boten Kira jede Möglichkeit, Joanna ganz genau zu beobachten. Bei den Telefonaten, die sie mit Joanna während der letzten Wochen geführt hatte, entwickelte sich bei Kira ein Gefühl für die junge Frau. Allerdings musste sie feststellen, dass sie Joanna unterschätzt hatte. Wenn Joanna für etwas brannte, zeigte sie das Feuer auch. Ganz anders als am Telefon. Sie diskutierte leidenschaftlich und setzte sich für Themen ein, die ihr auf dem Herzen lagen. Kira fühlte sich immer mehr in ihren Bann gezogen.
»Was sagst du dazu, Kira?«, fragte der Vorsitzende des Chatteams.
»Äh … Also … «
Um das Kichern, das sich in ihr hoch arbeitete, zurückzuhalten, hielt Joanna die Hand vor den Mund. Es war offensichtlich, dass nicht nur ihr die starrenden Blicke, die Kira in ihre Richtung schickte, aufgefallen waren. Nun hatte Kira das, was sie am Wenigsten mochte. Die ungeteilte Aufmerksamkeit. Kira wand sich.
»Entschuldigung. Ich war kurz abwesend.«
Zur Bestätigung ihrer Worte gähnte Kira herzhaft.
»Ich bin schon seit vier Uhr auf den Beinen.«
»Okay. Ausnahmsweise lasse ich dir das durchgehen. Wer möchte für unsere Muschelkuschlerin kurz zusammenfassen, worüber wir gerade gesprochen haben?«
Ein junger Schweizer meldete sich und fing an zu sprechen. Kira mochte seinen Dialekt und die sehr spezielle Stimmfarbe. Ihm zuzuhören fiel ihr leicht. Obwohl sie seinen Ausführungen konzentriert lauschte, glitten ihre Blicke immer wieder in Joannas Richtung. Joanna spielte mit einem Kugelschreiber. Mit halb offenen Augen führte sie den Kugelschreiber zum Mund und öffnete ihre Lippen ganz leicht. Kira fielen fast die Augen aus dem Kopf. Und nicht nur ihr. Vor allem die männlichen Teammitglieder beobachteten Joanna wie gebannt. Joanna bekam davon nichts mit. Kira grinste in sich hinein und sehnte das Ende des ersten Abends herbei. Kira war ganz sicher keine Egoistin. Trotzdem wollte sie Joanna für sich allein haben. Wenigstens für ein paar Stunden.
Kira hatte an alles gedacht. Nicht umsonst war sie so schwer bepackt angereist. Außer ihrer Kleidung hatte sie Kerzen, eine Flasche Sekt und andere Leckereien eingepackt. Lauter Kleinigkeiten, mit denen sie Joanna verwöhnen wollte. Geschleppt hatte sie, doch das war es ihr wert gewesen. Kira wollte nichts dem Zufall überlassen.
Ähnlich wie ein kleines Kind Weihnachten entgegen fieberte, fieberte sie dem Ende des ersten Veranstaltungstages entgegen. Dass es Joanna nicht viel anders erging, war nicht zu übersehen. Sie atmete sichtbar schnell und flach. Gleichzeitig spielte sie immer noch mit ihrem Kugelschreiber und rutschte von einer Ecke des Stuhls zur anderen. Während der Schweizer weiterhin einen Rückblick über die letzten zwei Stunden gab, schaltete sie ab.
»Danke Reto. Da einige von euch heute länger unterwegs waren, denke ich, dass es vernünftig ist, an dieser Stelle zu schließen. Morgen um acht Uhr geht es weiter.«
Nach einem üppigen Abendessen waren Kira, Joanna und ihre Kollegen endlich entlassen und strebten dem Ausgang zu.
»Hast du eigentlich eine Ahnung, wie schlimm es für mich war, so weit von dir entfernt zu sitzen?«, fragte Joanna nachdem sie sich ein paar Meter von den anderen entfernt hatten.
»Nö.«, gab Kira fies grinsend zurück.
»Ich war voll und ganz damit beschäftigt, dich anzuschauen.«