14.

J oanna erhob sich ächzend. Sie spürte ihre Knochen ziemlich deutlich. Das viele Sitzen während der letzten Monate hatte sie einrosten lassen. Ihre Knochen knackten. Sie fühlte sich alt. Aber glücklich. Überglücklich sogar.

Ihre lange Reise auf der Suche nach sich selbst und nach einer Frau, die sie so liebte, wie sie war, hatte endlich ein Ende gefunden.

Joanna reichte Kira die Hand und half ihr hoch.

Dann … hatte sie es plötzlich sehr, sehr eilig. So sehr sie sich all die Tage, Wochen und Monate versperrt hatte, so sehr wollte sie es nun. Sie wollte Kira spüren. Sie wollte ihr nahe sein und ihr all das geben, wonach sie selbst sich so sehnte.

Sie wollte mit Kira schlafen.

Bevor der Mut sie verlassen konnte, griff sie nach dem Saum von Kiras Oberteil und zog das Shirt über Kiras Kopf. Doch dann … bremste sie sich und hielt inne. Es war ihr erstes Mal. Zusammen. Und Joannas erstes Mal überhaupt.

Joanna verzehrte sich nach Kira. Kira verzehrte sich nach Joanna. Trotzdem mussten noch ein paar Vorkehrungen getroffen werden. Joanna hielt sich selbst nicht für besonders romantisch. Romantik war eher Kiras Baustelle. Trotzdem … Joanna gab sich Mühe. Sie ging in die Küche und holte eine Flasche Weißwein und zwei Gläser. In einer Schublade im Flurschränkchen fand sie noch ein paar Kerzen, die sie im Schlafzimmer verteilte.

Kira schaute ihr zu. Immer wieder fiel ihr Blick auf den Ring am rechten Mittelfinger. Dann umspielte ein Lächeln ihre Lippen.

»Willst du nicht langsam zu mir kommen? Oder hast du vor, deine zukünftige Frau noch länger warten zu lassen?«, rief sie als ihre Vorbereitungen abgeschlossen waren und der Raum im flackernden Licht der Kerzen erstrahlte.

Kira setzte sich in Bewegung und ging mit kleinen Schritten aufs Bett zu.

»Ich will dich so sehr. Ich will dich endlich spüren. Ich will, dass du endlich mit mir schläfst.«, hauchte Joanna.

»Was … hat sich geändert?«, fragte Kira zurückhaltend, den Blick auf Joannas nackten Körper geheftet.

»Wir sind ein Paar, du und ich. Wir werden heiraten. Das hat sich geändert. Außerdem will ich nicht mehr warten.«

Schüchtern schlug Joanna die Augen nieder. Kiras Herz quoll über. Mit einem lauten Jauchzen schmiss sie sich aufs Bett und kugelte in Joannas Richtung.

Joanna zitterte. Wie groß ihre Aufregung war, war nicht zu übersehen. Kira nahm sich ganz fest vor, sich zurückzunehmen und Joanna und sich alle Zeit zu lassen, die Joanna brauchte. Kira brauchte keine Zeit. Jede Faser ihres Körpers sehnte sich nach Joannas Berührungen. Doch für Joanna war körperliche Nähe noch Neuland. Grund genug, sich zu bremsen.

Um sie nicht zu überfordern, rollte Kira wieder ein Stück von ihr weg und goss den Wein in die Gläser. Statt eines der Gläser an Joanna weiterzureichen, nahm Kira einen großen Schluck und robbte mit dem Wein im Mund auf Joanna zu. Joanna legte beide Arme um Kira und öffnete erwartungsvoll die Lippen. Kira kam ihr näher. Ganz sanft legte sie ihre Lippen auf Joannas und öffnete sie gerade so weit, dass der Wein aus ihrem Mund in Joannas rieseln konnte.

Joanna war so aufgeregt, dass der Schluck in die falsche Röhre rutschte. Sie hustete und röchelte. Tränen liefen ihr über die Wangen. Hektisch schluckte Kira ihren Wein und kam Joanna zur Hilfe. Sie klopfte ihr immer wieder sanft auf den Rücken und streichelte zärtlich ihr Haar. Es dauerte eine Weile, bis Joanna sich beruhigte.

»Tut mir leid.«, stammelte Kira.

Dann beugte sie sich vor und küsste die Tränen von Joannas Wangen. Joanna lehnte sich an sie. Sie atmete hektisch.

»Bitte quäl mich nicht allzu lange.«, bat sie kaum hörbar.

»Ich halte es doch kaum noch aus.«

»Ich weiß.«, wisperte Kira und fügte in Gedanken »Geht mir nämlich ganz genauso.« hinzu.

Ihre Gedanken behielt sie für sich. Lediglich ein leichtes Schmunzeln umspielte ihre Lippen.

»Das mit dem Wein lassen wir wohl lieber.«

»Besser ist das. Obwohl es ein … geiles Gefühl war.«

Kira gab sich einen Ruck und beugte sich vorsichtig über Joanna. Ihre Nippel berührten Joannas. Diese Berührung jagte förmlich Blitze durch die Körper der zwei Frauen. Vor der Tür winselte es. Außerdem drangen deutlich wahrnehmbare Kratzgeräusche in Joannas und Kiras Bewusstsein.

»Mist!«, grummelte Joanna.

»Der wird erst aufhören, wenn ich die Tür aufmache. Soll ich kurz bei den Lindners fragen, ob sie ihn für eine Weile übernehmen?«

»Ich weiß nicht. Sieht das nicht komisch aus?«

Joanna zuckte mit den Schultern.

»Wir können ihn doch auch rein lassen.«, schlug Kira vor.

»Damit er mitmacht? Er wird denken, dass wir spielen und dann … «

Gespielt gequält stöhnte Joanna auf. Sie kniff ein Auge zusammen, stand auf und zog sich schnell ein paar Klamotten über. Dann hechtete sie mit einem letzten Blick auf die nackte Kira zur Tür und verschwand. Kira sank auf die Matratze. Sie unterdrückte ein frustriertes Stöhnen.

Da war Joanna endlich bereit, mit ihr zu schlafen und dann spielte ihr Hund verrückt. Kira liebte den Kleinen, aber für den Moment wünschte sie ihn sich weit weg. Sehr weit weg. Hoffentlich waren die Lindners da und bereit, Murphy zu übernehmen. Sonst würde Kira dringend duschen müssen. Eiskalt. Wie so oft in letzter Zeit.

Kira wünschte sich so sehr, dass die Zeit der Enthaltsamkeit bald vorüber war. Sie liebte Joanna. Mit jeder Faser ihres Herzens. Mit jeder Faser ihres Körpers. Mit ihrem ganzen Sein. Sie liebte sie so sehr, dass es mitunter schmerzte.

Obwohl manchmal ordentlich die Fetzen zwischen ihnen flogen, war Joanna genau die Frau, die Kira sich immer an ihrer Seite gewünscht hatte. Joanna war organisiert. Kira war impulsiv. Das glich sich hervorragend aus.

Joanna tat Kira gut. Ob es anders herum auch so war, konnte Kira nur hoffen.

»Murphy! Komm her!«, hörte Kira Joanna rufen.

Murphy schien sich nicht recht entscheiden zu können, ob er seinen Platz vor der Schlafzimmertür verlassen, oder doch lieber weiter warten sollte, dass er endlich hinein gelassen wurde. Mehrmals rief Joanna nach ihm. Schlussendlich klapperte sie mit der Box, in der sie die Leckerlis aufbewahrte. Der junge Hund schnaufte gut hörbar. Dann waren nur noch seine Krallen auf dem Parkettboden zu hören.

»Wuff!«, kommentierte er.

Kira lächelte sanft. Sie verschränkte die Arme hinter dem Kopf und schloss die Augen. Ihre Gedanken drifteten ab. Während der letzten Wochen hatte sie viel Zeit damit verbracht, Joannas verschiedene Fassetten kennenzulernen.

Joanna und sie nahmen sich viel Zeit zum Kuscheln. Joanna liebte es, wenn Kira sie streichelte. Egal wie gestresst sie auch war, sobald Kiras Fingerspitzen über ihre Haut glitten, kam sie zur Ruhe und fand die Entspannung, die sie so dringend brauchte.

Für Kira waren diese speziellen Momente ihres Zusammenseins die schönsten, die sie jemals erlebt hatte. Und gleichzeitig die schmerzhaftesten.

Es fiel Kira alles andere als leicht, Joanna zwar berühren, jedoch nicht mit ihr schlafen zu dürfen. Ihre Selbstbeherrschung wurde regelmäßig auf eine harte Probe gestellt.

Hoffentlich waren die Lindners Zuhause.

Joanna stapfte, Murphy auf dem Arm, die Treppe hinunter. Murphy schmiegte sich an sie und leckte ihre Hand, die vermutlich noch ein bisschen nach den Leckerlis schmeckte, mit denen sie ihn kurz zuvor bestochen hatte. Anders war es ihr nicht möglich gewesen, ihn zu überreden, endlich seinen Platz vor der Schlafzimmertür aufzugeben und zu ihr zu kommen. Murphy liebte es, sich im Bett breit zu machen. Vorzugsweise legte er sich genau zwischen Joanna und Kira. Nicht mal das genervte Stöhnen der zwei Frauen beeindruckte ihn in so einem Moment. Er liebte eben beide Frauen und konnte sich grundsätzlich nicht für eine Seite entscheiden, auf der er liegen wollte. Extra für solche Zwecke bewahrte Joanna ein paar Leckerlis in ihrer Nachttischschublade auf. Ein Hoch auf die Tiernahrungsindustrie, die diese kleinen Hilfsmittel produzierte.

Wie sonst auch immer kündigte Joanna sich mit geräuschvollem Klopfen bei den Lindners an. Allerdings nahm sie sich diesmal nicht die Zeit, den Rhythmus zu klopfen, den sie sonst auswählte. Sie pochte einfach dreimal an die Tür und wartete mit angehaltener Luft ab.

»Hallo Joanna.«, hörte sie Anneliese Lindner rufen.

»Warte kurz. Ich bin gleich da.«

Murphy bellte.

»Hey Murphy.«, sagte Anneliese beim Öffnen der Tür freundlich.

Sie hatte ein Lächeln auf den Lippen. Und ein Leckerli in der Hand, das sie Murphy unter die Nase hielt.

»Wie kann ich dir helfen?«, fragte sie schmunzelnd.

Natürlich waren ihr die geröteten Wangen ihrer Nachbarin sofort aufgefallen.

»Darf ich Murphy für eine Weile bei euch parken?«, fragte Joanna mühsam darum bemüht, sich und ihren Zustand nicht durch allzu aufgeregte Stimme zu verraten.

»Na klar. Kein Problem. Du weißt doch, wie gerne wir Murphy bei uns haben. Hast du einen Termin vergessen?«

Joanna schüttelte den Kopf.

»Oh. Das ist aber ein schöner Ring.«, stellte Anneliese mit Blick auf Joannas Hand fest.

»Ist der von Kira?«

Joanna schüttelte den Kopf.

»Ich habe Kira einen Antrag gemacht. Und das möchte ich gerne … «

»Hans! Komm schnell her!«, rief Anneliese aufgeregt.

»Was ist denn los?«, donnerte Hans Stimme durch die Wohnung.

»Frag nicht! Komm her!«

Hans kam aus der Küche. Ein Grinsen breitete sich in Joannas Gesicht aus. Seine Hosen waren an den Knien ausgebeult. An seinem alten schlabbrigen Karo-Hemd klebte Farbe. Auf seinem Kopf thronte ein Hut aus Papier. Anscheinend war er gerade damit beschäftigt, die Küche zu streichen.

»Hey Joanna. Hallo Murphy. Schön, euch zu sehen.«, sagte Hans freundlich und schenkte seiner Nachbarin ein Lächeln.

»Tut mir leid, dass ich dich nicht umarme, aber es ist wohl besser, wenn wir heute mal darauf verzichten.«

Grinsend hob Hans die Hände.

»Sagt ihr mir jetzt, warum hier so eine Aufregung herrscht?«

»Schau doch nur Joannas Hand an.«, war die einzige Erklärung, die er von seiner Frau bekam.

»Oh. Das ist aber ein schöner Ring. Ist der von Kira?«

»Nein. Joanna hat Kira einen Antrag gemacht!«

»Oh. Das ist doch … wundervoll! Das müssen wir feiern. Aber warum hast du denn deine Zukünftige nicht mitgebracht? Na, egal. Ich gehe kurz … «

Hans machte auf dem Absatz kehrt und wollte in die Küche entschwinden um etwas Alkoholisches zu holen. Seine Frau erwischte ihn gerade noch so und hielt ihn fest.

»Hiergeblieben. Mein Gefühl sagt mir, dass die jungen Leute ihr Glück erst mal miteinander feiern wollen. Ist doch so. Richtig?«

Joanna nickte heftig. Ihre Wangen heizten sich auf. Peinlich berührt trat sie von einem Bein aufs andere. Murphy fing an zu zappeln. Er wollte endlich hinunter gelassen werden. Die Wohnung der Lindners roch so ganz anders als sonst. Da musste er doch unbedingt nachschauen, was da los war. Warum begriffen die Menschen das nicht?

»Oh. Okay.«, murmelte Hans und strich sich durchs kaum noch vorhandene Haar.

»Aber nachher kommt ihr beide runter und dann feiern wir.«

»Jetzt lass das junge Glück doch erst mal in Ruhe. Uns bleibt noch genug Zeit, um mit den Zweien zu feiern. Na los, Joanna. Mach dich davon. Bis später und … «

Anneliese hielt kurz inne und schaute ihren Mann an.

»Viel Spaß!«, riefen die älteren Leute wie aus einem Mund und zwinkerten Joanna zu.

Es war Joanna höchst peinlich, dass sie so leicht zu durchschauen war.

Als Anneliese die Tür hinter ihr geschlossen hatte, atmete sie mehrmals tief durch und versuchte, sich zu sammeln. Dann jedoch lief sie los. Sie flog die Treppe förmlich hinauf. Immer zwei Stufen auf einmal nehmend.

Ihre Schuhe zog sie gleich hinter der Wohnungstür aus. Hosen und Oberteil folgten. Nackt schlich sie auf Zehenspitzen durch die Wohnung. Ganz vorsichtig drückte sie den Griff der Schlafzimmertür und trat ein. Kira hatte ihr den Rücken zugedreht. Ihr Körper war nur mäßig bedeckt. Kira hatte die Decke so um sich geschlungen, dass ihr nackter Po offen sichtbar war. Eine Einladung für Joannas Phantasien, die schon seit einer Weile immer wieder sehr eindrucksvolle Bilder produzierten. Genau genommen, seit Joanna Kira das erste Mal live und in Farbe zu sehen bekam. Joanna schluckte. Mehrmals atmete sie tief durch.

Kira rührte sie nicht. Sie hatte, als Joanna ins Schlafzimmer kam, tief Luft geholt. Seitdem hatte sie sich nicht mehr zu atmen gewagt. Zitternd wartete sie ab. Nun lag das, was passieren würde, in Joannas Hand.

Joanna wusste nicht recht, was sie tun sollte. Sie kam sich vor wie ein Idiot. Hilflos hob sie die Arme und quetschte das letzte Schlückchen Luft aus ihren Lungen. Dann machte sie den ersten Schritt. Und dann den zweiten. Das Bett kam immer näher und damit Kiras nackter Po. Unsicher streckte Joanna die Hand aus. Ganz kurz vor Kiras Po hielt sie inne. Ihre Hand hing in der Luft. Was sollte sie tun? Sie selbst hatte schon so oft Kiras Zärtlichkeit genossen, doch selbst hatte sie sich nicht getraut, Kira anzufassen. Irgendetwas hatte sie immer gebremst. Dabei liebte sie Kira. Und wollte sie eigentlich mit der gleichen Liebe und Zärtlichkeit beschenken, die sie von Kira erhielt.

Im letzten Moment verließ sie jedoch oftmals der Mut. Doch diesmal … diesmal würde sie es hinbekommen. Ganz sicher. Irgendwie.

Kira lag ganz ruhig. Es sah sogar ein bisschen so aus, als würde sie schlafen. Aber sie schlief nicht. Das wusste Joanna ganz genau.

Vor dem Einschlafen zog Kira die Decke immer bis unters Kinn und strampelte sich erst im Laufe der Nacht frei. Meistens, weil sie Hitzewallungen hatte. Kiras frei liegender Po war also als eindeutiges Zeichen zu werten. Kira war hellwach. Doch anscheinend hatte sie nicht vor, ihr zu helfen. Joannas Atmung setzte kurz aus. Kira wollte verführt werden. Aber wie ging das? Die Frau, die man liebte, zu verführen?

Als Joanna sich aufs Bett kniete, gab die Matratze nach unter ihrem Gewicht. Joanna musste all ihren Mut zusammennehmen. Sie streckte die Hand erneut aus und dieses Mal … schaffte sie es. Ganz sachte berührte sie Kiras Po. Kira zuckte zusammen. Joanna erschrak so sehr, dass sie die Hand zurückzog und am Liebsten aus dem Bett gehüpft und geflohen wäre. Doch sie riss sich zusammen und legte die Hand noch einmal auf Kiras Po. Mit den Fingerspitzen fing sie an, die nackte Haut zu streicheln. Anscheinend gefiel es Kira. Kira gab leises Seufzen von sich, wodurch Joanna sich animiert fühlte, den Druck ihrer Berührungen zu erhöhen.

Das Seufzen wurde lauter.

»Magst du das?«, fragte Joanna unsicher.

Joanna konnte es selbst nicht leiden, wenn sie so unsicher war. Was sollte schließlich passieren? Kira wusste, dass sie noch … Jungfrau war und keine Ahnung hatte von dem, was sie da tat.

Kira fuhr herum und starrte Joanna an.

»Machst du Witze?«, fragte sie mit funkelnden Augen.

»Ich liebe es.«

Kira legte den Arm so, dass Joanna sich an sie kuscheln konnte. Mit der freien Hand fing sie an, Joanna zu streicheln. Ganz zärtlich und immer darauf bedacht, Joanna ganz genau zu beobachten. Jede noch so kleine Reaktion nahm sie wahr. Jedes Zittern. Jedes Beben ihrer Lippen.

Kira war scharf. Es fiel ihr schwer, sich zurückzuhalten. Und doch … ging es nicht anders. Für Joanna war es das allererste Mal. Das sollte zu etwas ganz Besonderem werden. Dieses eine Mal sollte sie nie wieder vergessen.

»Kannst du bitte einfach machen?«, jaulte Joanna.

»Ich halte es nicht mehr länger aus.«

»Schschsch … Lass dir Zeit.«, gab Kira, tief in Joannas Augen blickend, zurück.

Dass in Joannas Augen ein Feuer loderte, gefiel ihr. Joannas Bewegungen wirkten hektisch, ein bisschen so, als würde sie das erste Mal endlich hinter sich bringen wollen. Doch danach stand Kira nicht der Sinn. Schnell-schnell war nicht das, was sie wollte.

Sie robbte ans Ende des Bettes und holte ihr Weinglas vom Nachtschränkchen. Mit vollem Mund robbte sie zurück und beugte sich über Joanna. Joanna öffnete erwartungsvoll die Lippen, doch Kira schüttelte den Kopf.

Statt den Wein in Joannas Mund rieseln zu lassen, widmete Kira sich Joannas Brust. Joannas Nippel reckte sich ihr entgegen. Kiras Herz pochte schneller. Viel schneller.

Sie konnte sich nicht erinnern, jemals etwas so sehr gewollt zu haben.

»Uuuuh! Kalt!«, jammerte Joanna als Kira die Lippen um den festen Nippel öffnete und ihn sanft mit Zunge und Wein streichelte.

Joanna atmete abgehackt. Das, was sie fühlte, war so widersprüchlich. Auf der einen Seite verpasste der kalte Wein ihr einen Schreckmoment. Andererseits heizte Kiras Zunge ihr ein. Joanna stöhnte. Sie bog den Rücken durch und hob sich Kira entgegen.

Kira hockte neben ihr und schaute sie an. Ihr Blick war klar. Voller Liebe und Verlangen. Zu sehen, wie sehr Kira sie begehrte, machte Joanna Mut. Es gab nichts, was sie falsch machen konnte. So war es doch, oder?

Das zärtliche Spiel von Kiras Händen und Lippen gefiel Joanna so sehr, dass das Verlangen nach ihr sich immer weiter steigerte. Joanna war feucht. So feucht wie noch nie zuvor. Wenn sie selbst Hand angelegt hatte, war es immer ganz schnell gegangen. Aber so richtig feucht … war sie nie.

»Bitte hör auf, mich zu quälen.«, flehte sie, als sie nach einer Weile spürte, dass sie innerlich kurz vor dem Zerfließen stand.

Kira nahm sich so viel Zeit, um ihren Körper in Ruhe zu erforschen und merkte anscheinend nicht, was sie damit anrichtete. Joannas Körper reagierte so heftig, dass Joanna einen Herzkasper befürchtete. Sie atmete schnell. Und hektisch. Ihr Stöhnen war mittlerweile so laut, dass es gut hörbar gewesen wäre. Gott sei Dank war das Haus nicht besonders hellhörig. Wenigstens ein Vorteil, den Joannas Wohnung bot.

Als Kiras Hand wie zufällig über ihren Hügel glitt, schloss Joanna die Augen.

»Ich sterbe.«, jammerte sie.

»Wenn du nicht endlich … «

»Schschsch. Lass dir Zeit.«

Kira zog die Hand zurück. Ihre Lippen suchten Joannas. Joannas Kuss war wild und schmeckte nach Verlangen und Sehnsucht.

Kira konnte sich kaum noch beherrschen. Sie war so scharf, dass sie fürchtete zu tropfen. Um Joannas Aufmerksamkeit nicht komplett auf sich zu ziehen, beugte sie sich über sie und übersäte Joannas hübsches Gesicht mit zärtlichen Küssen.

Kira konnte sich nicht erinnern, sich jemals so viel Zeit gelassen zu haben. Wenn sie sonst mit Frauen geschlafen hatte, lief es in erster Linie darauf hinaus, zu kommen. In diesem Fall war es anders. Sie wollte Joanna glücklich machen. Sie wollte sie lieben und ihr all das von sich geben, was sie zu geben hatte.

Ihre Blicke glitten über Joannas nackte Haut. Rund um die vollen Brüste und auch an Hals und Bauch zeigte die Haut sanfte Rottöne. Joanna war heiß.

Der Tag neigte sich allmählich dem Ende entgegen. Das helle Sonnenlicht ging in die Abenddämmerung über. Die überall im Raum verteilten Kerzen warfen ihr flackerndes Licht auf Joannas und Kiras nackte Körper.

Kira hörte nicht auf, Joanna zu streicheln.

»Autsch.«, keuchte Joanna als Kira sie sanft in die Schulter biss.

»Sorry.«, murmelte Kira, knabberte jedoch weiterhin liebevoll an Joanna.

Joannas Haut schmeckte … salzig. Sie schwitzte. Kira schwitzte auch. Und wie. Dieses Gefühl war heftiger als an einem Hochsommertag mit Temperaturen um die vierzig Grad.

»Das war es schon?«, fragte Joanna zweifelnd als Kira sich neben sie legte, den Kopf mit der Hand abstützte und sie anschaute.

»Reicht es dir schon?«, neckte Kira und umkreiste mit den Fingerspitzen der freien Hand Joannas Nippel.

Joanna schüttelte den Kopf.

»Nicht wirklich.«

»Ich hatte gehofft, dass du das sagst.«

Auch wenn Kira wusste, wie sehr sie Joanna quälte, gefiel ihr das Spiel mit dem sie Joannas Verlangen ins Unermessliche zu steigern vermochte. Joannas Stöhnen war kaum noch zu hören. Ein kleines Päuschen und ein Schlückchen Wein sollten ihr die Kraft zurückgeben.

Kira beugte sich zur Seite und reichte Joanna eines der Weingläser. Das andere Glas behielt sie. Die Gläser klirrten. Joanna nahm einen Schluck. Das Glas war fast leer. Kira lachte leise.

An Joannas Oberlippe hatte sich ein feuchtes Bärtchen gebildet. Kiras Herz schlug schneller. Unbewusst leckte sie sich über die Lippen.

»Kannst du mir mal bitte sagen, warum du mich so quälst?«, jammerte Joanna.

»Weil ich möchte, dass das erste Mal etwas ganz Besonderes für dich wird.«

»Aber das ist es doch jetzt schon.«

Joanna legte ihren Zeigefinger unter Kiras Kinn und zwang Kira, sie anzuschauen. Joannas Blick war ernst. Und voller Liebe.

»Noch nie hat mich jemand so zärtlich und liebevoll behandelt wie du. Aber bitte … «

Kira nickte verständnisvoll. Sie selbst konnte es doch auch kaum noch aushalten.

»Bitte hör auf, mich zu quälen. Sonst … «

Nun umspielte ein Grinsen ihre Lippen.

»Sonst?«, fragte Kira.

»Sonst muss ich mich dir an den Hals werfen und dafür sorgen, dass du endlich das machst, was ich möchte.«

Da Kira keine Anstalten machte, ihre Position zu verändern und stattdessen in aller Seelenruhe an ihrem Weinglas nippte, riss Joanna ihr das Glas aus der Hand und stellte es auf das Nachtschränkchen. Ihres stellte sie daneben. Dann schmiss sie sich auf Kira und rang sie nieder.

Joannas heißen und schwitzenden Körper auf ihrem war zu viel für Kira. Ihr brach der Schweiß aus allen Poren. Sie keuchte. Und stöhnte.

Dass nun Joanna die Regie übernahm, war … irgendwie nicht die Richtung, die Kira einschlagen wollte. Kira wollte doch Joanna verwöhnen.

So fordernd, wie sie sich jetzt verhielt, kannte sie Joanna gar nicht. Joanna war mutig. Hektisch glitten ihre Finger über Kiras nackte Haut.

Auf Kiras Armen und ihrem Bauch bildeten sich kleine Pünktchen.

»Du hast ja eine Gänsehaut. Ist dir kalt?«, fragte Joanna und griff bereits nach der Decke, um sie über Kira und sich zu ziehen.

Kira hielt sie zurück.

»Mir … ist … nicht kalt.«

Ein Funkeln schlich in Joannas Augen.

»Dann gefällt dir das, was ich mache?«

Kira nickte. Zu mehr war sie nicht mehr in der Lage, da Joannas Hand just in diesem Moment über ihren Hügel und zwischen ihre Lippen glitt. Gleichzeitig streichelten ihre heißen Lippen Kiras. Joanna wurde von einer Welle getragen, die es ihr unmöglich machte, sich zu zügeln. Joannas Kuss war wild. Und fordernd. Ohne Scheu nahm sie Kiras Mund ein. Ihre Finger teilten Kiras Lippen. Ohne Druck rutschte ihr Mittelfinger in Kira hinein. Kiras Stöhnen war tief und laut. Fahrig kratzte sie über Joannas Rücken.

Kira wand sich unter Joanna. Die Hitze in Kiras Venen wurde immer unerträglicher. Sie war so heiß, dass es nicht viel brauchte. Wie selbst vergessend glitt Joanna tief in sie hinein. Und wieder hinaus. Kira griff nach unten und hielt Joannas Hand fest.

Mit einem Ruck führte sie Joannas Finger zu ihrem empfindlichsten Punkt.

»Bitte.«, stöhnte sie.

Joannas Finger zuckte über Kiras empfindlichsten Punkt. Ein lautes Stöhnen. Tiefes Seufzen. Dann erstarrte Kira.

Lächelnd beugte Joanna sich über Kira und streichelte zärtlich ihren Bauch. Selbst diese noch so kleine Berührung brachte Kira zum Zucken.

Joannas Herz lief über vor Liebe. Kira sah wunderschön aus. So entspannt. Und zufrieden. Ihre Haut leuchtete rötlich. Der Schweiß glitzerte wie lauter silbrige Perlen.

Kira war sich bewusst, wie angespannt Joanna sein musste. Deswegen gab sie sich nicht viel Zeit. Ein paar Mal tief durchatmen, dann war sie wieder so weit fit, dass sie Joanna ihre volle Aufmerksamkeit schenken konnte.

Joanna zappelte. Sie war so durch den Wind, dass es unmöglich war, ruhig zu liegen und einfach abzuwarten, was als Nächstes passieren würde. Da sie nicht bereit war, sich länger zurückzuhalten, zog sie Kira auf sich und schob sie in die Position, in der sie sie haben wollte. Kira wusste, dass sie Joanna jetzt nicht länger quälen durfte. Deswegen rutschte sie gerade so weit an Joanna herunter, dass ihre Lippen Joannas einnehmen konnten. Ihre Fingerspitzen glitten über Joannas Brüste, den Bauch und den sanften Hügel.

Joanna öffnete die Schenkel. Heiße Feuchtigkeit hieß Kira willkommen. Sanft strich Kiras Mittelfinger durch das feuchte Tal zwischen Joannas Lippen. Joanna keuchte. Und stöhnte. Sie war so scharf, dass sie Kira um ein Haar angesprungen hätte.

Kira war unglaublich zärtlich. Sie behandelte Joanna beinahe wie ein rohes Ei.

Vor dem Eingang zu Joannas Innerstem hielt sie inne.

»Es kann sein, dass es weh tut.«

»Mach einfach. Bitte.«, bettelte Joanna.

Ihre Stimme brach, so aufgeregt war sie.

Joanna ließ sich fallen und gab sich voller Vertrauen ganz Kira hin. Und Kira hielt sie ganz fest. Sie umspielte die feuchte Höhle und drang ganz vorsichtig mit dem kleinen Finger vorwärts.

»Mehr.«, stöhnte Joanna und presste sich so eng an Kira, dass Kira kaum noch in der Lage war, sich zu bewegen.

Kira zog den kleinen Finger aus Joanna heraus und nahm stattdessen den Mittelfinger. Sie bewegte sich noch vorsichtiger als zuvor und behielt Joanna ganz genau im Auge. Sollte sie auch nur den Eindruck vermitteln, dass ihr weh tat, was Kira machte, würde Kira sich zurücknehmen. Kira spürte einen Widerstand. Sie hielt inne und wagte nicht, weiter vorzudringen. Doch Joanna griff sich zwischen die Beine und drückte gegen Kiras Hand.

Ein unterdrückter Schrei schlüpfte über Joannas Kehle.

»Hör jetzt nicht auf.«, bettelte sie trotz des kurzen Schmerzes und hielt Kiras Hand fest.

Joanna war so feucht, dass Kira ganz locker in sie vordringen konnte. Ein kurzer Blick auf Joannas Gesicht zeigte ihr, dass Joanna gefiel, was sie mit ihr machte. Lauter kleine Schweißperlen hatten sich auf ihrer Stirn, der Oberlippe und um die Brüste herum gebildet.

Kira glitt hinein und hinaus. Als sie spürte, dass Joanna nicht mehr lange brauchte, legte sie den Daumen auf Joannas empfindlichsten Punkt. Das Spiel des Mittelfingers in ihr und des Daumens auf ihr, führte Joanna bis an den Rand der Klippe. Sie ließ alles los und stürzte ins Bodenlose. Kira fing sie auf. Sie war da für sie und sorgte dafür, dass die Wellen nicht so schnell wieder abebbten.

»Du bist so wundervoll. Können wir das bitte öfter machen?«, wisperte Joanna als sie nach einer Weile wieder in der Lage war zu sprechen.

Kira schenkte ihr ein liebevolles Lächeln.

»Alles, was uns Spaß macht, mein Schatz.«, flüsterte sie.

E ine Weile genossen Kira und Joanna ihre Zweisamkeit. Sie lagen einfach dicht nebeneinander und streichelten sich.

»Hör lieber auf.«, brummelte Joanna.

»Warum?«, fragte Kira mit unschuldigem Augenaufschlag.

»Weil … ich … Na, weil halt.«

Kiras liebevolles Kichern überhörte sie geflissentlich. Sie war platt. Müde und ausgelaugt. Aber überglücklich. Außerdem fühlte sie sich bestätigt. Es hatte sich gelohnt, auf den einen Menschen zu warten, der in der Lage war, sie in jeder Hinsicht glücklich zu machen.

Das, was sie mit Kira geteilt hatte, war nicht nur das miteinander erleben körperlicher Lust, sondern so viel mehr. Die Verbindung, die sie schon die ganze Zeit gefühlt hatte, wurde noch tiefer. Joanna öffnete sich nicht nur körperlich, sondern erlaubte Kira auch einen Blick in ihr tiefstes Innerstes. Es gab keine Geheimnisse, keine unausgesprochenen Gedanken und Ängste mehr. Keine Sorgen. Nur Liebe. Und Lust. Und den Wunsch, nie wieder auf Kira verzichten zu müssen.

Joannas Herz schlug einen gleichmäßigen ruhigen Takt, was ausschließlich an Kiras Anwesenheit lag. Joanna fühlte sich Zuhause. An Kiras Seite. Nie wieder wollte sie woanders sein. Nicht einen Tag wollte sie noch auf Kira verzichten.

Kira war der Mensch, nach dem sie ihr ganzes Leben lang Ausschau gehalten hatte.

»Du bist so … toll.«, murmelte Joanna schläfrig und kuschelte sich noch etwas enger an Kira.

Liebevoll lächelnd streichelte Kira Joannas Seite.

»Weißt du was, du bleibst jetzt einfach liegen und ruhst dich aus und ich hole Murphy von den Lindners.«

»Ach du scheiße … Murphy. Den habe ich fast vergessen. Dabei habe ich mich noch gewundert, dass es so ruhig ist.«

Lachend wand Joanna sich aus Kiras Umarmung und hechtete aus dem Bett.

»Komm schon, lahme Schnecke. Unser Kleiner wartet im Spielparadies.«

Statt aufzustehen, zog Kira die Decke über den Kopf und brummelte ein paar unverständliche Worte vor sich hin. Das Bett war so schön warm. Und weich. Vor allem aber roch die Decke nach Joanna. Und nach leidenschaftlichen Stunden, die sie miteinander verbracht hatten. Nach Stunden voller Liebe und Hingabe. Nach Stunden, die das, was Kira vom ersten Augenblick an gewusst hatte, bestätigten. Joanna war die Frau, mit der sie den Rest ihres Lebens verbringen wollte.

Jeden Abend in ihren Armen einschlafen und am nächsten Morgen neben ihr wieder aufwachen zu dürfen, war das größte Geschenk.

Mit dem Zeigefinger hob Kira die Decke gerade so weit an, dass sie durch einen schmalen Spalt unter der Decke hervorschauen konnte. Joanna stand vor den Kleiderschrank. Mit in die Seiten gestemmten Händen fixierte sie den Deckenberg auf ihrem Bett. Ihr Blick war ein bisschen finster. Kira hatte Mühe, ein Lachen zu unterdrücken. Joanna sah aber auch wirklich zu süß aus. Zum Anbeißen. Wie sie da stand und ihre Blitze in Kiras Richtung abfeuerte. Süß.

»Du musst nicht mitkommen.«, brummte Joanna.

»Ich kann auch alleine mit den Lindners feiern.«

Feiern? Hatte Kira etwas von Feiern gehört? Kira schmiss die Decke von sich und hechtete mit einem Satz aus dem Bett. Mit wippenden Brüsten kam sie neben Joanna zum Stehen. Joanna wandte sich ab. Ein Blick, auch wenn er noch so kurz war, reichte vollkommen aus, um das, was durch ihre Adern und Venen rauschte, in glühende Lava zu verwandeln. Kiras Körper war … eine Verlockung. Erstaunlich, dass Joanna es so lange geschafft hatte, sich zurückzuhalten.

Mittlerweile wusste sie selbst nicht mehr, warum. Aber es war eben so. Und es war vorbei. Gott sei Dank.

Mit Kiras Hilfe hatte Joanna eine Tür zu einem Teil von sich geöffnet, den sie bisher nicht kannte. Doch nun wusste sie, wie schön es war, sich Kira hinzugeben, sie zu lieben und von ihr geliebt zu werden. Joannas Herz geriet aus dem Takt, was einzig Kiras Verdienst war. Kira war hinter sie getreten. Ihre Brüste schmiegten sich an Joannas Rücken.

»Soll ich etwas Spezielles anziehen?«, hauchte Kira ihr ins Ohr.

Der warme Atem kitzelte die empfindliche Haut. In Windeseile nahmen lauter kleine Pünktchen Joannas Körper ein. Joannas Atem beschleunigte sich. Joanna schüttelte den Kopf.

»Dann ist es also in Ordnung, wenn ich so gehe, wie ich bin?«

Joanna nickte.

»Nackt?«

Joanna nickte erneut.

»Wunderbar. Dann können wir eigentlich los.«

Kira verschwand mit einem breiten Grinsen auf den Lippen und ließ Joanna vor dem Kleiderschrank zurück. Kopfschüttelnd schlüpfte Joanna in ihre Klamotten und machte sich auf den Weg zur Wohnungstür. Dort stand Kira. Splitterfasernackt.

Sie hatte den Türgriff schon in der Hand und drückte ihn genau in diesem Moment herunter.

»Bist du … ? Mach die Tür zu!«

»Aber du hast doch gesagt, dass ich so gehen kann, wie ich bin.«, säuselte Kira mit einem Ausdruck im Gesicht, der Joanna ihre absolute Unschuld vor Augen führen sollte.

Joanna schüttelte den Kopf.

»Du bist unmöglich. Was sollen die Lindners von uns denken?«

»Dass wir gerade den besten Sex meines Lebens hatten? Dass ich immer noch geil bin? Dass … «

»Ab ins Schlafzimmer.«, ordnete Joanna an.

»Okay. Aber nur, wenn du mitkommst.«

Für diesen Kommentar kassierte Kira einen sanften Klaps auf den Po. Joanna griff nach Kiras Schultern und schob sie Richtung Schlafzimmer.

Statt zum Kleiderschrank zu gehen, hockte Kira sich aufs Bett und zog Joanna mit sich.

»Nur noch einen gaaaaaanz kleinen Kuss.«, jammerte Kira.

»Okay. Aber dann ziehst du dich an. Die Lindners warten auf uns.«

»Okay. Okay. Aber ich kann nicht versprechen, dass ich meine Finger von dir lassen kann.«

»Ich bitte darum, dass du sie nicht von mir lässt. Nur … übertreibe es nicht. Okay?«

»Jawoll, Chefin!«

Kichernd zog Kira Joanna auf sich und küsste sie leidenschaftlich. Ein Fehler, wie sie innerhalb weniger Sekunden merkte. Joanna schien es ähnlich zu ergehen. Stöhnend löste sie sich von Kira und brachte hektisch den größtmöglichen Abstand zwischen Kira und sich. Sie atmete gepresst.

»Oh, mein Gott.«, stöhnten Joanna und Kira synchron.

»Zieh dir bitte was an. Sonst kann ich für Nichts garantieren.«

Das klang so vielversprechend, dass Kira diesen Moment als perfekt erachtete, Joanna ein bisschen zu ärgern. Den Blick fest auf Joanna geheftet, ließ sie ihre Hand über ihre Brust gleiten und spielte mit dem Nippel. Der Nippel reagierte sofort. Joanna stöhnte gequält. Ihre Blicke folgten Kiras Hand bis zu dem Hügel, der sich sanft unterhalb von Kiras Bauch erhob.

Joanna fluchte.

»Zieh dich an!«, schimpfte sie.

Schlagartig wusste Kira, dass der Moment doch nicht so perfekt war, um Joanna zu ärgern. Sie stand auf und ging auf Joanna und den offenen Kleiderschrank zu. Ihr Blick wirkte reumütig.

»Tut mir leid.«, stammelte sie.

»Schon gut. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte es mir ganz sicher gefallen.«

Ohne Kira anzuschauen, zerrte Joanna ein paar Kleidungsstücke aus dem Schrank und reichte sie an Kira weiter. Kira schlüpfte in die Klamotten. Erst, als sie vollständig angezogen war, drehte Joanna sich wieder zu ihr um.

»Du machst mich wahnsinnig.«, stöhnte Joanna.

»Hör bitte nie auf, so süß zu sein.«

Ein einzelnes Tränchen kullerte über Joannas Wange und obwohl Joanna versuchte, es unauffällig wegzuwischen, entging Kira die feuchte Spur nicht. Kira neigte sich vor und küsste Joanna auf die Wange.

»Ich werde immer ich selbst sein. Das verspreche ich dir.«

Gut gelaunt reichte Kira Joanna die Hand und führte sie aus der Wohnung und die Treppe hinunter. Vor der Tür der Lindners blieben die zwei Frauen stehen. Kira lehnte sich an die Wand und wartete, dass Joanna die Einladung annahm. Joanna ließ sich nicht lange bitten. Sie lehnte sich vor. Ihre Nase berührte Kiras. Der darauf folgende Kuss war sanft. Voller Liebe, Wärme und Zärtlichkeit.

»Ich liebe dich.«, hauchte Joanna ergriffen.

K ira und Joanna mussten nicht lange warten. Schon nach dem ersten Klopfen riss Anneliese die Tür auf und zog erst Joanna und dann Kira überschwänglich in ihre Arme.

»Ich freue mich so für euch beide!«, jauchzte sie.

Murphy stand an der offenen Wohnzimmertür. Als er sah, um welche Gäste es sich handelte, machte er auf dem Absatz kehrt und trabte an den Ort, an dem er gerade noch so schön gekuschelt hatte, zurück. Hans Lindner streichelte ihm zärtlich über den Rücken.

»Sind das Joanna und Kira?«, rief Hans.

»Wer sollte es denn sonst sein?«

Hans stand auf. Seine Knochen schmerzten. Dafür war die neue Küche ein Traum. Immerhin. Die harte Arbeit der letzten Tage hatte sich gelohnt. Mehr als gelohnt. Die Küche sah toll aus. Seine Frau war glücklich. Das Strahlen in ihren Augen war jeden schmerzenden Muskel und Knochen wert.

»Hallo ihr zwei. Kommt mal mit. Ich muss euch etwas zeigen.«

Hans Junghans war so aufgeregt, dass er zappelte wie ein kleines Kind. Er führte seine Nachbarinnen in die neue Küche.

»Wir haben sogar einen Amerikanischen Kühlschrank gekauft.«, erklärte er voller Stolz.

»Und ein … Schatz, wie heißt das Ding?«

»Einen Herd mit Induktionskochfeldern.«

Joanna und Kira schauten sich um. Die Küche der Lindners wirkte viel größer als zuvor.

»Sieht schick aus.«, lobte Kira.

»Wenn dir in der nächsten Zeit mal langweilig werden sollte … unsere Küche würde sich auch freuen.«

Anneliese und Hans fielen in Kiras Lachen ein. Nur eine … lachte nicht. Joanna.

Joanna richtete den Blick Richtung Boden. Sie fühlte sich nicht gut.

»Alles in Ordnung?«, fragte Kira alarmiert.

»Ja. Ja.«, brummelte Joanna.

»Mir ist nur ein bisschen dusselig im Kopf.«

»Das Problem können wir schnell beheben. Hans? Machst du den Sekt auf? Wir müssen doch auf unser junges Glück anstoßen.«

Es wurde ein feuchtfröhlicher Abend in dessen Verlauf sich auch Joanna wieder ein bisschen entspannte. Trotzdem kreisten Joannas Gedanken. Sie musste mit Kira reden. Und mit den Lindners. Und zwar so schnell wie möglich.

»Ich muss euch etwas sagen.«, platzte sie heraus.

»Was ist los?«

»Ich … äh … also wir … Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll.«

»Einfach gerade heraus.«, ermutigte Anneliese ihre jüngere Nachbarin.

»So wie immer.«

»Okay. Also, eigentlich hatte ich vor … aber das ist nicht mehr relevant. Wir können hier nicht wegziehen.«

»Du wolltest wegziehen?«

»Eigentlich schon. Mit Kira und Murphy. Das Haus sollte mein erstes Projekt als selbständige Architektin werden.«

»Haus? Welches Haus?«

Die Farbe wich aus Kiras Gesicht. Ein Haus war doch eine ziemlich teure Anschaffung. Selbst wenn Joanna die komplette Planung übernahm, kämen Kosten auf sie beide zu, die ihre Möglichkeiten bei Weitem überstiegen.

»Ja. Also … Das ist so.«

Joanna stotterte und stammelte. Die Buchstaben purzelten kreuz und quer und sorgten für ein heilloses Durcheinander in Joannas Kopf. Mehrmals musste Joanna tief einatmen, bevor es ihr gelang, einigermaßen die Kontrolle zurückzuerlangen.

»Also … nach langem Hin und Her habe ich beschlossen, dass ich mich doch als Architektin selbständig machen werde. Der Job als Chatmoderatorin wird mich auf Dauer nicht glücklich machen. Ich bin nun mal mit Leib und Seele Architektin.«

Joanna suchte Kiras Blick.

»Ich weiß, dass ich mit dir hätte reden sollen. Aber … ich wollte mir erst ganz sicher sein. Und dann hat es sich angeboten, weil doch ein Neubaugebiet ausgeschrieben worden ist. Na ja. Und dann ging es irgendwie Schlag auf Schlag. Ich hatte mich gefreut. Ein eigenes Haus. Nur für Kira, Murphy und mich. Aber dann … habe ich gemerkt, dass wir hier nicht weg können. Wir gehören hierher.«

Joanna war so aufgeregt, dass sie sich unabsichtlich in Rage redete. Die Worte schossen nur so aus ihr heraus. Joanna kam mit dem Luft holen kaum noch hinterher. Ihre Wangen nahmen einen zartrosa Farbton an, der in rasender Geschwindigkeit in einen tiefroten Ton überging. Joanna schnappte nach Luft.

»Versteht ihr?«, fragte sie nach einer Weile und wartete auf bestätigendes Nicken.

»Jetzt habe ich das Grundstück gekauft und will aber gar nicht mehr weg von hier.«

Während sie sprach, entwickelte sich eine Idee. Ihre schlechte Laune wandelte sich in gute. Was für ein Geniestreich. Auf diese Weise könnte sie doch gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Sie war ein Genie. Eindeutig.

»Dann würde das Haus also leer stehen?«, hakte Kira nach, der die Idee immer noch nicht ganz geheuer war.

»Nicht ganz. Mit ein bisschen Glück hätte ich zwei potenzielle Mieterinnen.«

Diese Eröffnung änderte den Blickwinkel. Mit zwei Mieterinnen ließen sich wenigstens ein Teil der Kosten decken. Kira versuchte sich an einem Lächeln.

»Aber du hättest trotzdem mit mir reden sollen.«

»Ich weiß. Und es tut mir auch leid, dass ich es nicht gemacht habe. Aber diese Chance … ich konnte sie mir einfach nicht entgehen lassen.«

»Also wegen uns braucht ihr nicht auf das Haus verzichten. Ich meine … du träumst doch schon seit längerer Zeit von einem eigenen Haus mit Garten und so.«, erklärte Hans nachdenklich.

»Ihr wärt auch weiterhin bei uns willkommen und Murphy sowieso.«, pflichtete Anneliese ihm bei.

Kira blieb ganz still. Sie dachte nach. Auch wenn ein Hauskauf ihren finanziellen Rahmen massiv an die Grenzen bringen würde, gefiel ihr der Gedanke, ein eigenes Haus mit Joanna zu haben. Gleichzeitig mochte sie die Wohnung, in der sie aktuell zusammen lebten. Aber vor allem mochte sie die Lindners, die sie nach anfänglicher Zurückhaltung mittlerweile wie ein Familienmitglied behandelten.

»Müssen wir jetzt darüber reden?«, fragte sie.

»Nicht wirklich. Allerdings … würde ich gerne die potenziellen Mieter fragen, ob sie Interesse haben. Also müsste die Entscheidung möglichst bald fallen.«

»Ich weiß nicht, ob ich hier weg will. Außerdem habe ich immer noch meine Sachen in meiner alten Wohnung.«

Joannas Mundwinkel zuckten. Sie senkte den Kopf.

»Die Wohnung ist immer noch nicht gekündigt.«

Joanna musste sich ein Grinsen verkneifen, doch irgendwie gelang es ihr, einen neutralen Gesichtsausdruck zu erzeugen.

»Das bekommen wir noch irgendwie geregelt.«

Als Kira, Joanna, Murphy und die Lindners gute zwei Stunden später von der etwas verspäteten Abendrunde mit Murphy zurückkehrten, war das Thema Hauskauf so weit in den Hintergrund gerückt, dass die Stimmung ziemlich locker war.

»Wer sind eigentlich deine potenziellen Mieter?«, fragte Kira als sie endlich im Bett lagen.

Joanna legte ihren Zeigefinger auf Kiras Lippen.

»Frag nicht so viel.«, säuselte sie.