Der Code des Bösen

»Warum die Hölle im Jenseits suchen?
Sie ist schon im Diesseits vorhanden,
im Herzen der Bösen.«

Jean-Jacques Rousseau

Da das Böse nur schwer beschrieben und nicht wirklich erfasst werden kann, wäre es vermessen, den Code des Bösen gleichsam entschlüsseln zu wollen. Dennoch können vonseiten der Kriminalpsychologie und -psychiatrie Verhaltensweisen, Bilder und Szenarien beschrieben werden, welche dem Bösen weitgehend entsprechen. Es muss sich dabei um Täterpersönlichkeiten und Taten handeln, die weit aus dem Normalen herausfallen, die Hemmschwelle für destruktives Verhalten auf einer sonst nicht gekannten Stufe überspringen und einen hohen Planungsgrad aufweisen. Dies setzt aufseiten der Täter einen psychopathischen Charakter mit fehlendem Einfühlungsvermögen und hochgradigem Sadismus sowie den Willen zur Beherrschung und Entmenschlichung anderer voraus. Es dürfen aber keine so schweren psychischen Störungen oder Erkrankungen vorliegen, als dass eine freie Willensbildung nicht mehr möglich wäre. Das heißt, Entschluss und Durchführung der bösen Tat müssen so gewollt sein und dürfen nicht auf krankhaften Beeinträchtigungen von Verstand und Willen beruhen. Aufseiten der Taten geht es um die Art der Aggression und die Schwere der Folgen für die Opfer. Aus kriminalpsychiatrischer Sicht sind in einer durch und durch bösen Tat folgende Elemente, die den Code des Bösen bilden könnten, enthalten:

Fehlende Empathie

Einseitige Machtverteilung

Psychopathische Charakterstruktur (Sadismus, Maligner Narzissmus)

Entwürdigung der Opfer

Planungsgrad

Schwere der Folgen für die Opfer

Missachtung des Moralinstinktes

Basis aller menschlichen Destruktivität ist der Mangel an Empathie, an der Fähigkeit, sich in andere einzufühlen. Empathie bezeichnet das Vermögen, das Denken, Fühlen und Wollen anderer Personen zu erkennen, zu verstehen und darauf im wahrsten Sinn des Wortes mitleidend »zu reagieren«. Echtes Verständnis und nicht wertendes Eingehen auf die Mitmenschen in ihrer Gesamtheit, sensibilisiert sie für die Gefühlslage anderer. Die heutige Bedeutung hat der Empathiebegriff, der vom griechischen Wort für »Leidenschaft« oder »intensive Gefühlsregung« herstammt, im Wesentlichen durch Sigmund Freud (1856–1939) erhalten. Großen Aufschwung erhielt das Empathiekonzept durch den amerikanischen Psychotherapeuten Carl Rogers (1902–1987), welcher die humanische Psychologie begründete. Aber erst als der frühere US-Präsident Barack Obama 2006 in einer Rede von einem »Empathiedefizit unserer Gesellschaft« gesprochen hat, hat sich die Thematik in Pädagogik, Marketing, Management und auch in der Kriminologie etabliert. Mangelnde Empathiefähigkeit gilt als eine der wichtigsten Eigenschaften krimineller Menschen, wobei es allerdings um die »richtige« Empathie, das konstruktiv–positive Mitleiden, geht. Denn auch ein Sadist oder grausamer Mörder kann empathisch sein, wenn er z. B. nachfühlt, welche Qual ein Opfer am meisten trifft.

Die herausragende Bedeutung der Empathie für die Menschheit, auch außerhalb der Kriminologie, wird in jüngster Zeit von einer Seite betont, von der man dies nicht vermutet hätte. Der im März 2018 verstorbene berühmte britische Physiker und Kosmologe Stephen Hawking erwähnte in einem seiner letzten Interviews, dass nur die Empathie die Zukunft der Menschheit sichere. Denn das rechte Einfühlungsvermögen bringe die Menschen in einen ruhigen und friedlichen Zustand, somit in eine Verfassung, in der das Böse keinen Platz hat.

Gerade Menschen mit psychopathischem Charakter ist dies nicht möglich, da sie selbst keine warme Emotionalität haben. Sie haben in der Kindheit, in der sie selbst Opfer von Gewalt geworden sind, ihre Gefühlswelt abgetötet. Sonst hätten sie die Qualen nicht ertragen können. Später fehlt ihnen jegliche Empathie, sodass sie ihren Mitmenschen mit Gleichgültigkeit, Unverständnis und Rücksichtslosigkeit begegnen und sich diesen gegenüber unbarmherzig, ausbeuterisch, destruktiv und letztlich sadistisch zeigen. Wegen ihres emotionalen Analphabetismus’ ertragen sie keine Nähe. Jegliches Gefühl der Geborgenheit und Intimität ist ihnen unvertraut und flößt ihnen Angst ein, weshalb sie darauf mit panischer Aggressivität reagieren.

Ein zweites, ganz wesentliches Element im Code des Bösen ist die einseitige Machtverteilung. Die Täterschaft befindet sich in einer unangreifbaren, narzisstischen Position, dominiert die Opfer vollkommen und bestimmt über deren Schicksal. Die Opfer hingegen haben alle Rechte und die menschliche Würde verloren, sie sind hilflos ausgeliefert und haben nicht die geringste Chance. In schrecklich, klassischer Form findet man diese Konstellation bei Massenhinrichtungen, Terroranschlägen, Bombenangriffen oder, zuletzt aktuell bei Enthauptungen von völlig unschuldigen Journalisten oder Sozialhelfern durch IS-Terroristen – dies vor laufender Kamera.

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Fragen wir uns im nächsten Schritt, was jenseits der Normalität des Bösen eine destruktive Charakterstruktur ausmacht. Am ehesten ist dieser unter dem, was man als »Psychopathie« bezeichnet, zu finden. Man meint damit extrem ausgeprägte Persönlichkeitszüge, unter denen der Betroffene oder seine Umgebung leidet. Der Psychopath hat wenig moralisches Verantwortungsgefühl, handelt gewissenlos, zeigt oft kein Einfühlungsvermögen und ist in seinem gesamten Fühlen extrem auf die eigene Person fixiert. Einige Psychopathieformen weisen eine starke Nahbeziehung zu delinquentem, verbrecherischem und damit auch bösem Verhalten auf, und zwar die asoziale, die impulsiv-aggressive, die fanatische und die extrem egozentrisch-narzisstische Form. Darüber hinaus gibt es eine Persönlichkeitsform, welche am ehesten geeignet ist, das »Böse« zu beschreiben. Diese wurde von dem aus Österreich stammenden, weltweit führenden Psychoanalytiker Prof. Otto F. Kernberg als »Maligner Narzissmus« bezeichnet. Er versteht darunter eine Kombination aus narzisstischer Persönlichkeitsstörung, antisozialem Verhalten, sadistischer Aggression sowie extrem misstrauischer Grundhaltung. Der durch die Beschreibung der Skala des Bösen bekannt gewordene Dr. Michael Stone kam nach langjährigen Forschungen und dem Studium aller verfügbaren Quellen über sadistische Sexualtäter zur Meinung, dass man bei vielen von ihnen diesen bösartigen Narzissmus nachweisen könne. Worin besteht nun diese gefährliche Abnormität? Aus welchen Elementen setzt sich der Code des bösen Charakters im Einzelnen zusammen?

Hauptelement dieses beklemmenden Persönlichkeitsbildes ist die starke Neigung zu sadistischen Aggressionen. Aggressionen gehören zu den Urtrieben des Lebens und stellen jene Kraft dar, die das Überleben sichert und Fortschritt bedeutet. Aggressionen zwischen den Menschen dürfen sich aber nicht in ihrer reinen, primitiven Urform entladen, sondern sollen sich in eine höhere, kultiviertere Form verwandeln lassen, etwa in Leistung und Wettbewerb, in Sport und Kreativität oder – pauschal ausgedrückt – in Zivilisation und Kultur. Bei bösen Taten erfolgt keine Veredelung und Sublimierung der Aggression mehr, sondern sie wird in ihrer ursprünglichen, destruktiven Form eingesetzt. Je unmittelbarer und direkter die Aggression, desto böser die Tat. Besonders verheerend ist aggressives Verhalten dann, wenn es beim Täter Lust erzeugt, also Lust durch das Quälen anderer Menschen. Der berühmte Sexualforscher Richard von Krafft-Ebing hat dafür den Begriff des »Sadismus« geprägt. Unter dieser nach Marquis de Sade benannten Störung versteht man die Tatsache, dass manche Menschen Befriedigung oder sexuelle Lust erleben, wenn sie andere Menschen demütigen, unterdrücken oder quälen. Beim bösen Charakter kommt es also nicht nur auf die Aggressivität allein, sondern auf deren lustvolle Ausführung an. Der Krieg, in welchem sich alle Psychopathen austoben, liefert unzählige Beispiele für Aggressivität in ihrer bösesten Form, so auch das dem Bericht des KZ-Insassen Heinz Heger entnommene:

Auf den berühmten »Bock« wurde das Opfer so gebunden, dass sich »das Gesäß als höchste Stellung emporwölbte«. Wurde ein Häftling zur Prügelstrafe verurteilt, die auf dem »Bock« durchgeführt wurde, so mussten alle Häftlinge des Blockes antreten und der Bestrafung zusehen. Wurde die Bestrafung auf dem Appellplatz durchgeführt, musste das ganze Häftlingslager dabei sein. Bei jedem Schlag hatte der Delinquent laut mitzuzählen und wenn er vor Schmerzen nicht rechtzeitig die Schlagzahl rief oder nicht laut genug, so zählte dieser Schlag nicht. Dadurch kam es oft vor, dass der Geprügelte fast die doppelten Schläge erhielt. Die Ausführenden bestimmte der Lagerführer, »doch fanden sich meist sadistisch veranlagte SS-Ober- und Hauptscharführer, die gerne freiwillig diese Arbeit übernahmen«, schreibt Heger, der, wie man erraten kann, sich homosexuell »veranlagt« fühlt:

»Indessen stand der SS-Lagerführer ganz in der Nähe des Blockes und schaute mehr als interessiert der Exekution zu. Bei jedem Schlag leuchteten seine Augen auf und schon nach wenigen Schlägen war sein ganzes Gesicht rot vor Aufregung und Wollust. Er hatte seine Hände in den Hosentaschen vergraben und man konnte mehr als deutlich erkennen, dass er während der Austeilung der Schläge onanierte, und dies völlig ungeniert vor uns Angetretenen. Nachdem er sich selbst ›fertig gemacht‹ und befriedigt hatte, verschwand das perverse Schwein plötzlich; er war an der weiteren Ausführung der Prügelexekution nicht mehr interessiert.

Ich habe mehr als dreißigmal selbst mitangesehen, wie der SS-Lagerführer bei Prügelexekutionen, die am Bock durchgeführt wurden, sich selbst befriedigte …

Einmal schrie ein geschlagener Häftling nicht. Das brachte den SS-Lagerführer offensichtlich um einen Teil seiner perversen Freuden, also schrie er den Häftling an: ›Du schwules Dreckschwein, warum schreist du nicht? Wahrscheinlich hast du Arschficker noch einen Genuss dabei!‹«

Eindrücklicher ist die böse aggressive Lust, die nicht nur zur Qual, sondern zur völligen Entwürdigung anderer führt, nicht zu beschreiben.

Ein weiteres Element der bösartigsten Form eines menschlichen Charakters ist der Narzissmus. Gemeint ist damit nicht die uns allen gemeine Selbstverliebtheit oder das kecke Hervorheben der eigenen Bedeutsamkeit, sondern die umgekehrte, bösartige Form. Vereinfacht ausgedrückt könnte man sagen, dass sich der normale oder gutartige Narzisst selbst über andere erhöht. Er schöpft seinen Selbstwert aus seinem Gefühl der Überlegenheit seines Aussehens, seines Charmes und Esprits oder seines beruflich-wirtschaftlichen Erfolgs. Der negative Narzisst hingegen bleibt durchschnittlich, verschafft sich aber dadurch eine herausragende Position, dass er die anderen unterwirft. Je mehr er jemanden erniedrigt und entwürdigt, desto überlegener und grandioser fühlt er sich selbst. Ein unauffälliger Durchschnittsbürger, der ein Kind in seine Gewalt bringt und vergewaltigt, ist diesem hilflosen Wesen in seiner Schrecklichkeit überlegen. Der Sexualtäter hebt sich aus seinem langweiligen, höchst durchschnittlichen Leben weit heraus, wenn er zum gefürchteten Despoten, der über das Schicksal eines anderen Menschen bestimmt, emporgehoben wird. Machtausübung ist für ihn von zentraler Bedeutung und bedeutet höchste Befriedigung.

Der narzisstische Mensch versteht es aber, diese negativen Tendenzen zu überspielen und präsentiert sich nach außen als verständnisvoll, anpassungsfähig, kritisch und loyal. Bösartige Narzissten werden von der Umgebung nicht leicht erkannt. Im Gegenteil, sie gelten als sehr charmant. Wir Psychiater sprechen gern vom »Charme des Psychopathen«. Ted Bundy, welcher möglicherweise mehrere hundert junge Frauen brutal umgebracht hat, ist dafür ebenso ein Beispiel wie der österreichische Serienkiller Jack Unterweger, welcher weit über seinen Tod hinaus von vielen Frauen umschwärmt war.

Als Nächstes ist bei der Beschreibung des malignen Narzissmus die Neigung zu antisozialem Verhalten zu nennen. Dieses manifestiert sich schon in der Kindheit durch Weglaufen, Schulschwänzen, Tierquälen, Brandlegen oder frühen Missbrauch von Alkohol und Drogen. Antisoziale Menschen brechen die Berufsausbildung vorzeitig ab, wechseln den Arbeitsplatz sehr häufig oder gehen überhaupt keiner Beschäftigung nach, können keine partnerschaftlichen Beziehungen führen und werden bald straffällig. Zu unterscheiden sind zwei Formen des antisozialen Verhaltens: Die aggressive Form macht sich durch häufige Verurteilungen aufgrund von Körperverletzung, Sachbeschädigung, Raubüberfall oder gar von Tötungsdelikten bemerkbar. Bei der ausnützerisch-parasitären Form dominieren Lügen, Stehlen, Einbrechen, Fälschungen, Betrug und Prostitution.

Die besondere Gefährlichkeit der Täter mit der genannten Charakterstruktur resultiert aus ihrer misstrauischen Grundhaltung. Sie sehen in anderen Menschen Feinde oder Narren, fühlen sich von überall her beobachtet und rechnen ständig mit den unwahrscheinlichsten Situationen. Dadurch agieren sie mit höchster Vorsicht, begehen kaum Fehler und werden nur schwer erwischt. Die ihre Psyche beherrschende Kombination aus asozialer Grundhaltung, sadistischer Lust und höchst paranoidem Denken befähigt sie, detaillierte Pläne für böse Taten zu entwerfen, Pläne, die man tatsächlich als »teuflisch« bezeichnen kann.

Bei Betrachtung dieser Charakterzüge wundert es nicht, dass die Taten von Psychopathen nach allen wissenschaftlichen Untersuchungen viel brutaler und grausamer als jene von Nicht-Psychopathen sind. Psychopathen planen ihre Tat viel genauer, führen sie willkürlich durch und bringen sie eher durch die Tötung zu Ende. Sie neigen zu instrumenteller Gewalt und setzen diese bewusst zur Erreichung eines Zieles ein, sie werden auch schneller und häufiger rückfällig. Dies heißt aber nicht, dass nur Psychopathen oder bösartige Narzissten zu bösen Taten fähig sind, sondern lediglich, dass bei ihnen das Risiko viel höher ist als beim Durchschnittsmenschen. Aber auch unauffällige normale Persönlichkeiten können durchaus extrem Böses tun. Der Code des Bösen muss sich deshalb überwiegend auf die äußeren Kennzeichen einer Tat beziehen.

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Die nächste Ziffer im Code des Bösen nach jener der psychopathischen Persönlichkeitsstruktur ist die Entwürdigung und Entmenschlichung anderer Personen oder Lebewesen. Der Sexualmörder sieht in seinem Opfer kein menschliches Wesen, sondern ein reines Lustobjekt. Der Killer zielt nicht auf Menschen aus Fleisch und Blut, sondern auf seelenlose Gebilde, die es genau zu treffen gilt. Den Höhepunkt – oder besser gesagt den Tiefpunkt – haben Entwürdigung und Entmenschlichung in den genau geplanten Deportationen und im Genozid sowie in jenen Maßnahmen, die man unter Vermeidung des wahren Ausdrucks als »Säuberung« bezeichnet. Der Genozid wird gegen eine vermeintlich »mindere Rasse«, die »Euthanasie« gegen angeblich »lebensunwertes Leben« geführt. Sadismus und Entwürdigung zeigen sich hier in ihrer schlimmsten Form, wie aus den Prozessprotokollen gegen einen NS-Verbrecher zu entnehmen ist:

»Noch bevor die Erschießungen begannen, hatte sich Oberleutnant Gnade etwa 20 bis 25 ältere Juden herausgesucht. Es waren ausschließlich Männer mit Vollbärten. Diese alten Männer ließ Gnade auf dem Platz vor der Grube robben. Bevor er ihnen den Befehl zum Robben gegeben hatte, mussten sie sich entkleiden. Während die Juden nun völlig nackt robbten, schrie Oberleutnant Gnade in die Gegend: ›Wo sind denn meine Unterführer, habt ihr noch keinen Knüppel?‹ Daraufhin sind dann die Unterführer an den Waldrand gegangen, haben sich Knüppel geholt und schlugen nun kräftig mit diesen Knüppeln auf die Juden ein.«

Es war den Nazi-Sadisten nicht genug, die unschuldigen alten Menschen hinzurichten, es musste auch noch auf eine besonders grausame Art geschehen.

Eine besondere Form der Entwürdigung der Opfer ist der Kannibalismus. Das Verzehren eines Menschen durch Menschen gilt als ultimativer Angriff auf dessen Person. Heute wird der Kannibalismus, welcher eine reiche geschichtliche Tradition hat, in allen Ländern und Völkern mit einem strengen Tabu belegt. Historische Hinweise belegen, dass im alten Rom frisches Gladiatorenblut gegen Epilepsie verabreicht wurde, dass die christlichen Kreuzritter nach dem Massaker von Maarat an-Numan im Jahr 1098 nach einer Hungersnot zum Leichenfleisch griffen oder dass sich in Dänemark noch 1896 psychisch Kranke bei einer Hinrichtung mit einer Tasse in der Hand um das Schafott drängten, um aus den zitternden Körpern quellendes Blut aufzufangen und zu trinken. Der medizinische Kannibalismus, durch welchen Leichenteile an das Volk verkauft und für Behandlungszwecke genutzt wurden, war ebenso verbreitet wie der rituelle Verzehr von Menschenfleisch, wodurch die Kräfte der Getöteten erlangt werden sollten. Bei religiösen Schlachtfesten der Azteken sollen bis zu 14 000 Opfer verspeist worden sein. In Extremsituationen, etwa während der von 1941 bis 1944 dauernden Leningrader Blockade oder nach einem Flugzeugabsturz in den chilenischen Anden, wurde Kannibalismus immer wieder praktiziert.

In der modernen Kriminalgeschichte spielt Kannibalismus eine zunehmende Rolle. Der durch den Film Der Totmacher mit Götz George bekannt gewordene Fall des Fritz Haarmann bezieht sich auf einen der berüchtigtsten Serienmörder des 20. Jahrhunderts, welcher zwischen 1918 und 1924 insgesamt 24 Jungen durch einen Biss in den Hals getötet, ihre Körper anschließend zerstückelt und die Leichenteile zu Wurst verarbeitet haben soll. Der 1992 wegen vielfachen Mordes hingerichtete Andrej Tschikatilo soll 52 Frauen und Kinder ermordet und ihre Leichen teilweise aufgegessen haben. Am meisten Aufsehen erregte der Fall des Armin Meiwes aus Rotenburg, welcher im Jahr 2001 über das Internet einen Mann aus Berlin fand, der sich als Opfer für ein kannibalisches Essen zur Verfügung stellte. Meiwes tötete den Mann vor laufender Kamera und aß Teile seines Körpers auf, wofür er im Revisionsverfahren zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Im Jahr 2007 wurde der grauenhafte Fall eines zur Sekte der Gralsbewegung gehörenden Ehepaares aus Tschechien bekannt, welches die beiden Söhne im Keller folterte, eines der Kinder häutete und es dann teilweise verspeiste.

Manche mögen bei Überlegungen zur Entwürdigung und völligen Entwertung nicht nur an Menschen, sondern auch an die anderen Lebewesen denken, denen in der modernen Nahrungsmittelindustrie, in den Großschlächtereien und industriellen Tötungen jeder Rest des »Wesenhaften« genommen wird.

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Der Schweregrad einer bösen Tat wird weiters, und dies ist eine weitere Ziffer des Codes, durch deren Planungsgrad bestimmt. Je unüberlegter und spontaner eine Handlung ausgeführt wird, je weniger der Ablauf überlegt und die Folgen bedacht werden, je mehr sie von heißen Emotionen als von kaltem Verstand gelenkt wird, desto geringer ist ihr Grad an Bösartigkeit. Umgekehrt zeichnet sich das Böse dadurch aus, dass der Planungsgrad eines Verbrechens sehr hoch und detailliert ist, die Folgen genau abgeschätzt werden und die Durchführung mit großer Selbstkontrolle erfolgt. Das kalte Planen und Handeln eines Profikillers ist viel böser als das Zuschlagen eines Berauschten in einer hitzigen Wirtshausschlägerei. Innerhalb der Aggressionen wird zwischen emotionaler und instrumenteller Gewalt unterschieden, das heißt, die Aggressionsausübung kann durch tatsächliche Tätlichkeiten oder durch Machtausübung über die Gefühlswelt erfolgen. Nach einer Faustregel neigen Männer eher zu tätlicher, Frauen zu emotionaler Gewalt. Oft wird darüber spekuliert, welche Form die schwereren Folgen hat und ob das subtile Böse, wie es zum Beispiel im Mobbing umgesetzt wird, nicht gravierendere Auswirkungen hat als die direkte, »ehrlichere« Aggressivität. Da die Entwicklung der Emotionalität aber in der Evolution höher anzusiedeln ist als die rohe Aggressionstat, kann man den Code des Bösen auch vom Instrumentalisierungsgrad der Gewaltausübung abhängig machen.

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In unmittelbarem Zusammenhang damit stehen die Konsequenzen für die Opfer. Emotionale Gewalt kann sehr wohl zu schweren Beeinträchtigungen führen, insbesondere dann, wenn sie bereits auf einer frühen Entwicklungsstufe des Opfers eingesetzt wird, wenn sie die Prägung des Menschen maßgeblich bestimmt und wenn sie über einen langen Zeitraum dauert. Dann kann emotionale Gewalt zu Verunsicherung, Selbstwertzweifeln, Ängstlichkeit, mangelnder Lebensfreude und Erschütterung des Urvertrauens führen. Noch schwerwiegender sind aber die Folgen der instrumentellen Gewalt, welche in unendlicher Vielfältigkeit, mit immer neuen Raffinessen und immer schwerwiegenderen Auswirkungen zur Anwendung kommt. Gewalt durch Messer hat meist schwerere Folgen als jene durch Fäuste, Amokläufe ohne Schusswaffen und Terroranschläge ohne Bomben hätten keine so dramatischen Auswirkungen, Kriege ohne hochentwickeltes Instrumentarium hätten trotz aller Wunden und allen Leidens niemals diese verheerenden Folgen. Wenn man bedenkt, dass die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki neben den unmittelbar getöteten 230 000 Personen heute noch pro Jahr 2500 Menschenleben durch Spätfolgen fordern, kann man Heinrich Böll nur zustimmen: »Der Krieg wird niemals zu Ende sein, solange noch eine Wunde blutet, die er geschlagen hat.«

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Schließlich setzt die Verwirklichung des Bösen die Missachtung des »Moralinstinkts« voraus. Man meint damit zunächst, dass jemand Taten begeht, die zu jeder Zeit und in jeder Kultur als moralisch untragbar und sündhaft gelten. Verbrechen wie Mord, Vergewaltigung oder Raub werden als delicta mala per se bezeichnet. Das heißt, sie gelten unabhängig von jeder rechtlichen, kulturellen und religiösen Wertung von sich aus als verwerflich, sie sind nach dem Gefühl jedes Menschen einfach böse. Der Moralinstinkt meint aber noch mehr, nämlich die Einhaltung von bestimmten sozialen Regeln, die für ein Zusammenleben von Menschen unabdingbar sind, ferner die Achtung der Rechte des anderen und die Eindämmung eigener egoistischer Ansprüche, vor allem aber die Verhinderung der Zerstörung menschlichen Lebens. Wissenschaftler aus den Bereichen Biologie, Psychologie und Philosophie, die sich mit der Frage eines angeborenen Moralinstinkts beschäftigen, kommen zu dem Schluss, dass die zentralen Maßstäbe der Moral und anderer Werte global vergleichbar und keine Frage der jeweiligen Kultur seien. Ob das Gewissen tatsächlich in den Genen steckt, ob wir mit einem Sinn für das Gerechte auf die Welt kommen und uns die Unterscheidung zwischen Gut und Böse in die Wiege gelegt wird und wie diese »Vernunft der Natur« angelegt ist, ist allerdings wie so vieles in der Forschung über das Böse noch nicht geklärt. Abermals können wir aus dem Mund eines Verbrechers viel treffender als aus einem Lehrbuch erfahren, wie sich das Übergehen des Moralsinns darstellt. Ted Bundy, einer der berüchtigtsten Serienkiller der Menschheit, antwortete auf die Frage, ob er so etwas wie Schuld oder Reue empfinde: »Schuldbewusstsein? Das ist der Mechanismus, mit dem Menschen gesteuert werden. Es ist eine Illusion. Es ist ein gesellschaftlicher Kontrollmechanismus – und er ist sehr ungesund.«

Die genannten Komponenten des Bösen werden durch Gruppeneffekte und massenpsychologische Abläufe potenziert. Es gehört zur Dynamik einer Gruppe, dass Meinungen primitivisiert, Emotionen hochgeschaukelt und destruktive Kräfte in elementarer Form freigesetzt werden. Unter dem Schutz der Gruppe traut sich plötzlich auch der Schüchternste, seinen »Mut« zu zeigen, fühlt sich der Schwache plötzlich stark und lässt der Kontrollierte seinen Aggressionen freien Lauf. Wolfgang Sofsky schrieb dazu den erschreckenden, aber wahren Satz: »Die Anführungskraft der Meute ist nicht zu unterschätzen. In ihrer Mitte darf noch der Kleinmütigste plötzlich alles.«

Die die Sprengkraft des Bösen verschlimmernden Effekte der Gruppe werden durch die Masse bis zur »Psychose« verstärkt. Nach Gustave Le Bon ist die »Psychologie der Massen« – wie der Titel seines berühmten Werkes lautet – durch Wegfall von Hemmungen, Erlöschen der Kritik, Nivellierung der seelischen Vollzüge, Hysterie und Entpersönlichung gekennzeichnet. Wir finden in der Masse also den Code des Bösen in Reinkultur.

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Wenn wir uns fragen, wo dieser Code des Bösen, von der direkten Aggression und fehlenden Empathie bis zur Entwürdigung anderer und zum hohen Planungsgrad reichend, am unmittelbarsten angetroffen werden kann, landen wir unweigerlich beim Krieg. Der Krieg ist der Vater aller Dinge und die Zusammenballung, die Summe und Potenzierung des Bösen, die nicht einmal als Verbrechen, sondern als legitime Auseinandersetzung gesehen wird. Er ist jene Macht, die alle bösen Kräfte freisetzt, die schlimmsten Formen der Umsetzung ermöglicht und die folgenschwersten Auswirkungen hat. Der Krieg resultiert aus vorbestehenden Konflikten und aggressiven Reaktionsbereitschaften und nimmt durch eine böse Idee Gestalt an. Diese enthält eine vereinfachte, undifferenzierte Botschaft, begeistert die Eiferer und Fanatiker und spricht die primitiven Bedürfnisse der Massen an. Besonders Individuen mit geringem Selbstwertgefühl und starken Sicherheitsbedürfnissen lassen sich durch die Begeisterung und Kraft der Gruppen und Massen vereinnahmen und werden so Teil eines immer machtvolleren rücksichtslosen Systems. Neben den gruppen- und massenpsychologischen Kräften anderer Art sind die in der Vorbereitungsphase des Krieges aufflackernden Emotionen am gefährlichsten und am wenigsten berechenbar. Emotionen geraten leicht außer Kontrolle, können eine ganz andere Richtung als ursprünglich geplant einschlagen, kochen über und haben einen zerstörerischen Effekt. Sie sind gleichsam die Energie, der elektrische Strom, der das Räderwerk des Krieges antreibt.

Im Krieg wirkt somit die ganze Palette des Bösen zusammen: eine rücksichtslose, fanatische oder kranke Idee, die negative Identifizierung der Massen, die außer Kontrolle geratenen Kräfte der Gruppe, das unberechenbare Feuer der Emotionen und die Entbindung des Einzelnen von seiner Verantwortung. Dazu kommt ein weiterer, für die Entwicklung des Bösen wichtiger Faktor, und zwar die Autorisierung der Aggression: Das bedeutet, das gewalttätige Verhalten wird von oben, von einer höheren Macht, vorgegeben und gerechtfertigt. Der Krieg beschwört einen Zustand herauf, in dem sich der Mensch mit seinem Moralinstinkt nicht mehr auseinandersetzen muss. Unter Delegierung des Gewissens an eine Idee oder Obrigkeit kann er all das bislang gezähmte oder kultivierte Böse in seiner primitiven Form ausleben.

Kriege werden meist aus wirtschaftlichen und ideologischen Gründen geführt. Es geht um Nationalismus und ethnische Konflikte, um religiösen Fanatismus und kulturelle Konflikte, um wirtschaftliche Vorteile und Machtstreben, um Einfluss und sozialen Ausgleich. »Es ist die wachsende Masse der Nachbarn, der man im Kriege entgegentritt. Ihre Zunahme ist an sich beängstigend. Ihre Drohung, die im Wachstum allein schon enthalten ist, löst die eigene aggressive Masse aus, die zum Krieg drängt … Man will die größere Masse von Lebenden sein. Auf der gegnerischen Seite aber sei der größere Haufen von Toten. In diesem Wettbewerb der wachsenden Massen liegt ein wesentlicher, man möchte sagen, der tiefste Grund zu Kriegen«, schreibt Elias Canetti in seinem bedeutsamsten Werk Masse und Macht.

Jeder Krieg ist mit Zerstörung, Leid und Tod verbunden, die natürliche Hemmschwelle geht ebenso wie der Moralinstinkt verloren. Der Krieg ist die Mutter der Misshandlung, der Folter, der Vergewaltigung, der Gräueltat und des Terrors. Der Krieg, von Staaten oder Volksgruppen geführt, ist eine Spielwiese für Freischärler, Partisanen, Guerillas oder Milizen. Der Krieg ist das absolut Böse, ein universelles Leid, hinter dem das Schicksal des Einzelnen niemanden interessiert.

Der Krieg ist nicht nur eine Verdichtung des Bösen, er lässt auch das Böse in all seinen Formen zu. Der Krieg setzt ungezügelte Aggressionen, mörderische Kräfte, eine durch und durch zerstörerische Energie, die wir im zivilen Alltag unterdrücken, frei.

Glauben wir ja nicht, dass das Zeitalter der Kriege seit Ende des Zweiten Weltkrieges vorbei ist. Allein in der Zeitspanne 1945 bis 2000 wurden weltweit etwa 200 Kriege geführt, bei denen zwölfeinhalb Millionen Menschen getötet worden sind. Nach einer im Fachmagazin British Medical Journal im Jahr 2008 veröffentlichten Studie von Ziad Obermeyer vom Institute for Health Metrics and Evaluation in Seattle seien in den Kriegen der letzten 50 Jahre drei Mal so viele Menschen ums Leben gekommen, wie bislang angenommen wurde. Allein der Vietnam-Krieg forderte drei Millionen Menschenleben. Die naive Meinung, dass technologisch »saubere« Kriege nur eine kleine Zahl ziviler Opfer forderten, ist nicht zu halten. Dem Menschengeschlecht ist es nie gelungen, kriegerische Auseinandersetzungen zu verhindern oder den Krieg zu ächten, er wird nicht einmal kriminalisiert.

Selbst die größten Denker der Menschheit finden keine befriedigende Antwort auf die Frage, wie man Krieg vermeiden und damit die schlimmste Verwirklichung des Bösen verhindern könnte. Auf Anregung des Internationalen Instituts für geistige Zusammenarbeit des Völkerbundes in Paris befassten sich im Jahr 1932 repräsentative Vertreter des Geisteslebens mit dem Thema »Warum Krieg?«.

Albert Einstein warf in einem Brief an Sigmund Freud die Frage auf: »Wie ist es möglich, dass sich die Masse durch die genannten Mittel bis zur Raserei und Selbstaufopferung entflammen lässt« und gibt die Antwort: »Im Menschen lebt ein Bedürfnis, zu hassen und zu vernichten. Diese Anlage ist in gewöhnlichen Zeiten latent vorhanden und tritt dann nur beim Abnormalen zutage«. Sie könne aber leicht geweckt und zur Massenpsychose gesteigert werden.

Aus der Antwort Freuds, welcher den allgemeinen Überlegungen Einsteins zustimmt, erfahren wir viel vom tiefenpsychologischen Verständnis des Bösen: »Interessenkonflikte unter den Menschen werden also prinzipiell durch die Anwendung von Gewalt entschieden. So ist es im ganzen Tierreich, von dem der Mensch sich nicht ausschließen sollte; für den Menschen kommen allerdings noch Meinungskonflikte hinzu, die bis zu den höchsten Höhen der Abstraktion reichen und eine andere Technik der Entscheidung zu fordern scheinen. Aber das ist eine spätere Komplikation. Anfänglich, in einer kleinen Menschenhorde, entschied die stärkere Muskelkraft darüber, wem etwas gehören oder wessen Wille zur Ausführung gebracht werden sollte. Muskelkraft verstärkt und ersetzt sich bald durch den Gebrauch von Werkzeugen; es siegt, wer die besseren Waffen hat oder sie geschickter verwendet. Mit der Einführung der Waffe beginnt bereits die geistige Überlegenheit, die Stelle der rohen Muskelkraft einzunehmen; die Endabsicht des Kampfes bleibt die nämliche, der eine Teil soll durch die Schädigung, die er erfährt, und durch die Lähmung seiner Kräfte gezwungen werden, seinen Anspruch oder Widerspruch aufzugeben. Dies wird am gründlichsten erreicht, wenn die Gewalt den Gegner dauernd beseitigt, also tötet. Es hat zwei Vorteile, dass er seine Gegnerschaft nicht ein andermal wieder aufnehmen kann und dass sein Schicksal andere abschreckt, seinem Beispiel zu folgen. Außerdem befriedigt die Tötung des Feindes eine triebhafte Neigung …«

Als zentralen Grund des Bösen sieht Freud – ebenso wie Einstein – einen Trieb zum Hassen und Vernichten, den er »Destruktionstrieb« nennt. Freud führt aus, dass die Triebe des Menschen von zweierlei Art sind: »Entweder solche, die erhalten und vereinigen wollen, die erotischen, und andere, die zerstören und töten wollen, also die Aggressions- und Destruktionstriebe«. Beide Triebe seien unerlässlich, aus dem Zusammen- und Gegeneinanderwirken der beiden gehen die Erscheinungen des Lebens hervor. Selten kann sich ein Trieb bei einer Art isoliert betätigen, er ist immer mit einem gewissen Beitrag von der anderen Seite verbunden, der sein Ziel modifiziert oder ihm unter Umständen dessen Erreichung erst möglich macht. So sei zum Beispiel der Selbsterhaltungstrieb erotischer Natur, bedarf aber der Verfügung über die Aggression, wenn er seine Absicht durchsetzen soll.

Nach Freud arbeitet der Destruktionstrieb innerhalb jedes lebenden Wesens und hat das Bestreben, es zum Zerfall zu bringen, das Leben zum Zustand der unbelebten Materie zurückzuführen. Er verdiene deswegen den Namen eines Todestriebes, während die erotischen Triebe die Bestrebungen zum Leben repräsentieren. Der Todestrieb werde zum Destruktionstrieb, indem er mithilfe besonderer Organe nach außen gewendet werde. Das Lebewesen bewahrt sozusagen sein eigenes Leben dadurch, dass es Fremdes zerstört. Die Wendung der Aggression nach innen dürfe sich nicht in großem Ausmaß vollziehen, während die Wendung dieser Kräfte zur Destruktion in der Außenwelt das Lebewesen entlaste und dadurch wohltuend wirken müsse. In diesem Punkt stehen die Ansichten Freuds dem Gedankengut von Konrad Lorenz, wonach das sogenannte Böse nichts anderes als der das Überleben sichernde Aggressionstrieb der Arten und Rassen sei, sehr nahe.

Wenn Freud zur Erkenntnis kommt, dass das Böse nur durch die Kultur zurückgedrängt werden könne, drückt er genau das aus, was der chinesische Philosoph Hsün Dse schon im Jahr 220 v. Chr. gesagt hat: »Der Mensch ist von Natur aus böse; wenn er dennoch gut ist, so ist dies die Frucht der Kultur.«