13. Dezember
Eli wachte früh auf, der Geruch von Kaffee und Bacon drang in seine unruhigen Träume, in denen er durch die Flure der Juniper High gewandert war – zum Glück bekleidet, aber mit Schülern, die wissen wollten, warum er zurückgekommen war, wo er nicht erwünscht war. Zwei Footballspieler standen über ihm, als wäre er ein Kind und nicht ein schlanker Mann von ihrer Größe oder gar der schlaksige Teenager, der er einmal war. „Coach Harp ist nicht hier, um dich zu beschützen“, hatte einer geknurrt.
„Ja, er muss nicht so tun, als ob er sich nicht vor seinem eigenen Sohn ekelt“, fuhr ein anderer fort.
Dann hatte sein Magen geknurrt und die Szene war verschwunden, als er die Augen öffnete und blinzelte. Kaffee. Bacon. Das leise Brutzeln und Klappern seiner Mutter in der Küche.
Willkommen in Juniper, dachte er ironisch. Hoffen wir, dass die Realität freundlicher ist als deine eigenen verkorksten Träume.
Es war kein Wunder, dass er in der Nacht zuvor unruhig gewesen war und dass all seine Ängste ihn überfallen hatten, als er es endlich geschafft hatte einzuschlafen. Es war ein anstrengender Abend, auch wenn der Coach Eli so „akzeptierte“, wie er war. Es fühlte sich eher wie ein unbehaglicher Waffenstillstand als wie echter Frieden an, wobei Elis Mutter Überstunden machte, um eine Brücke zwischen ihnen zu schlagen.
Mit einem stürmischen Ausatmen stand er auf und ging in Boxershorts und einem Tanktop in den Flur.
Seine Mutter hielt das Haus die meiste Zeit über zu warm, und das wurde noch schlimmer, wenn sie anfing, ununterbrochen zu backen, weil Weihnachten näher rückte. Aber ohne ihre Zuckerplätzchen, Gewürzkuchen und Torten, die alle Oberflächen bedeckten, würde es sich nicht wie Weihnachten anfühlen. Er war schon so lange weg, aber erst jetzt wurde ihm klar, wie sehr er die Traditionen vermisst hatte, mit denen er aufgewachsen war. Er hätte seine eigenen Kuchen backen können – er war erwachsen und kochte schon seit Jahren für sich selbst –, aber er wusste, dass es nicht dasselbe sein würde. Stattdessen ging er mit Freunden auf Partys und versuchte, so zu tun, als ob er den Duft von Mehl und Muskatnuss, der durch sein Haus wehte, nicht vermisste. Ganz zu schweigen von der übertriebenen Dekoration. Es war ein Wunder, dass seine Eltern noch keinen Weihnachtsbaum aufgestellt hatten, aber sie waren ja auch mit der Operation von Coach beschäftigt. Das hatte seine Mutter nicht davon abgehalten, jede Oberfläche mit Weihnachtsfiguren zu schmücken, von Weihnachtsmännern über Schneemänner bis hin zu Rentieren. Ihre absoluten Lieblingsfiguren waren Engel. Sie hatte eine ganze Sammlung von ihnen, die über dem Kamin wachte, wo acht Strümpfe aufgereiht waren.
Das war etwas anderes. Eli schaute sich die Namen an, die mühevoll von Hand auf die Strümpfe gestickt worden waren.
Coach. Molly. Elijah.
Turner.
Elis Bauch kribbelte. Turner hatte seine eigene Familie, mit der er immer die Ferien verbracht hatte. Eli las sich die restlichen Namen durch, und seine Verwirrung wuchs.
Daisy. Das war die Mutter von Turner. Krystal. Seine ältere Schwester. Cassie und Anthony. Turners Nichte und Neffe. Warum sollten sie hier Strümpfe haben? Und Eli konnte nicht umhin zu bemerken, dass ein auffälliger Name nicht dabei war: Hal Williams, Turners Vater.
Haben sich Turners Eltern scheiden lassen? Was ist mit dem Ehemann seiner Schwester? Ist er auch gegangen? An die Alternative war nicht zu denken.
„Mom“, rief er und drehte sich von den Strümpfen weg.
„In der Küche!“
Richtig. Der köstliche Duft von Bacon und Kaffee umwehte ihn erneut, als er zu ihr ging. Sie schenkte ihm ein Lächeln. „Wie viele Pancakes möchtest du? Ich habe schon Bacon und Eier aufgetischt.“
Eli sah auf die große Portion, die sie ihm bereits hingestellt hatte. „Äh, nur einen. Was ich wirklich will, ist Kaffee.“
„Bedien dich“, sagte sie und summte leise ein Weihnachtslied, während sie arbeitete.
Eli nahm einen Becher herunter und goss den frisch gebrühten Kaffee aus der Kanne ein. „Warum hat Turner einen Strumpf hier? Und seine ganze Familie?“
Das fröhliche Brummen seiner Mutter verstummte. „Tja, Schatz, Weihnachten feiern wir jetzt schon seit ein paar Jahren mit ihnen.“
„Oh.“
Sie schaltete die Brenner aus und drehte sich zu ihm um. „Turners Vater ist gestorben und Daisy war ein Wrack, als es passierte. Es kam alles ziemlich plötzlich. Wenn ich mir vorstelle, dass das auch mit deinem Vater passiert …“ Sie legte eine Hand auf ihr Herz. „Sie war am Boden zerstört.“
„Ja, natürlich. Das wusste ich nicht.“
Seine Mutter nickte. „Vielleicht hätte ich es dir sagen sollen, aber du warst glücklich, und ich sah keinen Sinn darin. Es gab schon genug Traurigkeit. Warum sollte ich sie noch weiter verbreiten?“
„Ich verstehe“, sagte Eli. Er hatte sich so weit von Juniper – und von Turner – entfernt gefühlt, dass er nicht sicher war, wie er sich selbst gefühlt hätte. Wäre er zur Beerdigung zurückgekehrt? Vielleicht. Wahrscheinlich. Trotz der Distanz, die zwischen ihm und Turner entstanden war, waren sie seit ihrer Kindheit Freunde. In vielerlei Hinsicht waren sie wie Brüder, aber Eli konnte sich nie dazu durchringen, Turner auf platonische Weise zu betrachten. Das war einer der Gründe, warum er den Kontakt zu ihm nicht gehalten hatte.
Niemand brauchte einen schwulen Freund mit Dauerständer und der auch noch in einen verliebt war. Turner hatte neue Freundinnen, und Eli hätte nichts anderes tun können, als sich mit Turners Beziehungen zu beschäftigen, wenn er in Kontakt geblieben wäre. Irgendwann während des Colleges, als Turner mit einer kurvenreichen Rothaarigen zusammen war, löste Eli seine Freundschaft zu ihm, damit er nicht mit ansehen musste, wie sich sein glückliches, traditionelles Leben entwickelte.
Er hatte seinen Freund vermisst, aber er hatte nicht die erdrückende Eifersucht vermisst.
Eli schluckte. „Heißt das, dass Turner an Weihnachten hier sein wird? Mit seiner Familie?“
„Nun, ja, Eli. Turner hat nie –“
Das Geräusch der Eingangstür unterbrach sie. Sie hielt inne, legte den Kopf schief und lächelte dann. „Na, du wirst schon sehen.“
* * *
Turner fuhr in die Einfahrt vom Coach, die Reifen knirschten über den Schnee. Anhand der Reifenspuren zu seiner Rechten fragte er sich, ob Molly sich trotz seines Hilfsangebots ins Freie gewagt hatte. Sicherlich war Coach noch nicht in der Lage zu fahren.
Als er aus seinem Jeep ausstieg, sank er sofort in den Schnee und machte sich die Unterseite seiner Laufhosen nass. Er war bereits mit seinem eifrigen Border Collie zu ihrem regelmäßigen Morgenlauf aufgebrochen und hatte eine fünf Meilen lange Strecke zurückgelegt, die im Stadtgebiet größtenteils vom Schnee befreit worden war. Ihre bevorzugte Laufstrecke in einem waldreicheren Gebiet würde noch ein oder zwei Tage warten müssen.
Scout hatte Turner mit dramatischem Winseln und Wimmern geweckt, weil er unbedingt raus wollte, nachdem er sich am Abend zuvor mit einer mickrigen Runde im Garten begnügen musste. Turner ging oft mit Scout während der Leichtathletik- und Langlauftrainings raus und ließ ihn mit den Kids mithalten, aber im Moment gab es zwischen den Jahreszeiten diese teilweise auch wetterbedingte Zwangspause, und eben dieses Wetter und die Arbeit hatten Turner davon abgehalten, ihn auf eine richtige Joggingrunde mitzunehmen.
Wenn man bedachte, dass er das Laufen genauso sehr liebte wie seinen Hund, war er auch nicht glücklich. Laufen konnte für Turner eine Art Sucht sein. Scout mitzunehmen, hielt ihn davon ab, es zu übertreiben – wie er es früher getan hatte, zum Schaden seines Körpers –, denn er war überzeugt, dass sein Hund bis zum Umfallen laufen würde, wenn Turner ihn ließe.
Er öffnete die Beifahrertür und Scout sprang heraus und kläffte glücklich, während er seine Schnauze nach unten tauchte und Schnee in die Luft schleuderte. Turner hielt nur kurz inne, um seinen glücklichen Hund anzulächeln. Der nasse Schnee sickerte durch seine Laufschuhe und durchnässte seine Socken, also eilte er zur Veranda. Er würde sich ein paar Schneestiefel ausleihen und die Einfahrt freischaufeln müssen, während er hier war. Wahrscheinlich würde er Cassie dann zu spät abholen und zur Schule kommen, aber allein die Vorstellung, dass Coach beim Versuch, nach draußen zu gehen, stürzen würde, ließ ihn erschaudern.
Der Coach war ein harter Bursche, aber nur eine Woche nach einer Knieoperation war er immer noch etwas zerbrechlich.
Scout ging an ihm vorbei und drehte sich an der Haustür um, um ungeduldig zurückzuschauen, während Turner seine Schritte vorsichtig wählte, um nicht auszurutschen und auf den Hintern zu fallen. Turner machte sich nicht die Mühe zu klopfen. Er kam alle paar Tage vorbei, um Besorgungen zu machen und Molly mit ihrem streitsüchtigen Patienten zu helfen. Doch schon davor hatte er den Großteil seiner Kindheit damit verbracht, das Haus der Harps wie ein zweites Zuhause zu behandeln.
Er schnappte sich Scouts Halsband, um zu verhindern, dass er den Schnee über die Teppiche verteilte, und benutzte ein kleines Handtuch, das Molly neben der Tür aufbewahrte, um Scouts Pfoten und Unterleib abzuwischen, bevor er ihn losließ. Nachdem er seine eigenen nassen Schuhe abgestreift hatte, ging er ins Haus.
„Hallo, Süßer! Bist du nur gekommen, um zu betteln? Oh, diese traurigen Welpenaugen …“ Mollys Stimme drang aus der Küche, zusammen mit dem leisen Lachen eines Mannes. Der Coach musste heute früh aufgestanden sein.
Turner konnte Bacon und Kaffee riechen und sein Magen knurrte, weil der Müsliriegel, den er an diesem Morgen gegessen hatte, nicht genug war.
„Morgen, Molly“, rief er. „Habt ihr Salz zum Streuen da draußen? Ich kann die Einfahrt schaufeln, bevor ich –“
Seine Worte erstarben in seinem Mund. Molly war nicht allein. Mit einem breiten Lächeln wandte sie sich von der brutzelnden Pfanne ab.
„Turner, schau mal, wer da ist!“
Turner starrte. Er konnte nicht aufhören zu starren.
Eli, bekleidet mit Boxershorts und einem Tank-Top, das für ein Familienfrühstück unanständig eng war, schaute von unten hoch, wo er sich hingehockt hatte, um Scouts Ohren zu reiben. Seine grünen Augen unter den dunkelbraunen Haaren leuchteten noch genauso hell wie in Turners Erinnerung.
„Turner“, sagte er, seine Stimme war ein warmer Tenor, „was machst du hier?“
Turner, immer noch verwirrt von Elis plötzlichem Auftauchen, antwortete mit einem scharfen Ton in seiner Stimme: „Das ist eine komische Frage, wenn sie von dir kommt.“
Turner wollte die Worte sofort zurückrufen, sobald sie ausgesprochen waren. Acht Jahre Trennung – fünf Jahre ohne jeglichen Kontakt – und das war das Erste, was er sagte? Er hatte so viele Dinge, die er sagen wollte, über die er im Laufe der Jahre nachgedacht hatte, aber sie stauten sich hinter den Emotionen, die seine Kehle verstopften.
„Turner hilft uns seit der Operation deines Vaters“, erklärte Molly. „Er ist Trainer an der Schule, genau wie Dad.“
Turner würde nicht sagen, dass er genau wie Bill Harp sei. Er würde etwas ganz anderes sagen, nicht dass er Molly widersprechen würde. Die Harps waren sehr gut zu seiner Familie gewesen, und er respektierte sie beide, auch wenn er nicht immer mit der strengen Einstellung des Coachs zu seinem Job einverstanden war. Oder zu seinem Sohn, was das betraf. Aber Turner wusste, dass er zumindest eine Teilschuld an Elis Verschwinden trug. Er hatte Eli keinen Grund gegeben, nach Hause zu kommen, oder? Ein Kuss, der so kurz war, dass er vielleicht gar nicht stattgefunden hatte, und Turner hatte dann ihre Freundschaft zerstört, indem er Eli zurückwies und sich dem ersten Mädchen zugewandt hatte, das Interesse zeigte.
Eli gab Scout einen letzten Klaps auf den Kopf und richtete sich auf. Er war immer noch schlank, aber in den Jahren, seit Turner ihn gesehen hatte, war er in seinen Körper hineingewachsen. Er hatte seine schlaksigen, unbeholfenen Gliedmaßen verloren und war braun gebrannt. Schlank. Eines dieser lächerlichen Adjektive, die verdammt heiß bedeuteten.
„Nun, ich bin jetzt hier. Ich kann mich um die Dinge kümmern.“
„Es macht mir nichts aus, dir zu helfen“, sagte Turner und legte eine Hand auf Scouts Kopf, als er an seine Seite zurückkehrte, wahrscheinlich spürte er die wachsende Spannung im Raum.
„Vielleicht stört es mich.“
„Oh, Schatz, nicht doch“, sagte Molly und warf einen entschuldigenden Blick in Turners Richtung. „Turner ist so gut zu uns gewesen.“
Eli sah sie nicht an. Er hatte nicht ein einziges Mal von Turner weggesehen, seit er hereingekommen war.
„Tut mir leid“, sagte Eli und knabberte an seiner Unterlippe. Turner merkte erst in diesem Moment, dass Eli nervös und nicht wütend war. „Ich wollte nicht wie ein Arschloch klingen.“
„Eli, Sprache“, sagte seine Mutter.
Turners Lippen zuckten, als Eli den Kurs korrigierte. „Ein Idiot. Ich bin erst seit gestern hier und bin mindestens bis zu meiner dritten Tasse Kaffee schlecht gelaunt.“
„Es ist in Ordnung.“ Turner war schließlich derjenige, der die Feindseligkeit ausgelöst hatte. Er konnte es Eli nicht verübeln, dass er auch so reagierte.
„Ich meinte nur, dass du wahrscheinlich Besseres zu tun hast, als Besorgungen für meine Eltern zu machen.“
Turner sah ihm direkt in die Augen. „Wir sind alle wie eine Familie. Wir helfen uns gegenseitig. Du warst lange Zeit weg, vielleicht hast du das vergessen.“
Eli errötete und sah verdammt hübsch aus, weil seine Wangen rosa leuchteten. „Sieht so aus“, fing Eli wieder an. „Aber jetzt bin ich hier, also …“
Molly schob den letzten Bacon auf einen Teller und stellte ihn auf den Tisch. „Bleibst du zum Frühstück, Turner?“
Turner sah sich den Bacon an, dann Eli.
Verlockend.
„Nein, ich gehe lieber“, sagte er. „Ich bin ganz verschwitzt von meinem Lauf. Ich muss noch duschen und Cassie abholen.“
„Du bist bei diesem Wetter gelaufen?“, fragte Molly entgeistert.
Turner lächelte Molly an. „Ich laufe jeden Tag, wenn ich kann, egal ob es regnet oder scheint …“
„Oder Schnee“, fügte Eli hinzu.
„Irgendein Idiot könnte in dich hineingerutscht sein, und wo wärst du dann?“, sagte sie und sah besorgt aus.
„Im Krankenhaus, denke ich“, sagte Eli.
Molly flatterte mit den Händen. „Sag es nicht einmal!“
„Ich bin immer vorsichtig“, sagte Turner und starrte Eli an. Was zum Teufel dachte er sich dabei, seine Mutter so zu beunruhigen? Und warum war er nach all der Zeit plötzlich wieder da und lief in seiner Unterwäsche herum, als würde er hier wohnen?
In dem Haus, in dem er aufgewachsen ist. Seinem Elternhaus, nicht deinem. Reiß dich zusammen, Turner.
„Eli ist in den Weihnachtsferien zu Besuch. Er ist bis Neujahr hier“, sagte Molly strahlend. „Ist das nicht toll?“
„Ja“, antwortete Turner. „Toll.“
Eli sagte nichts und biss in ein Stück Bacon. Scout wurde schnell zu seinem besten Freund und stieß seinen Kopf gegen Elis nacktes Knie. „Kann ich Hooch etwas von dem Bacon geben?“
„Das ist nicht Hooch.“
Eli blickte stirnrunzelnd zu Boden. „Oh.“
„Dieser Bettler ist Scout. Er ist seit zwei Jahren bei mir.“
„Entschuldige“, sagte Eli. „Und das mit deinem Vater tut mir auch sehr leid. Mom hat es mir erst heute Morgen erzählt.“
Turner nickte heftig. „Dinge passieren. Das Leben geht weiter.“
Eli begegnete seinen Augen. „Ja, ich denke schon.“
„Aber klar, gib Scout einen Happen, wenn du willst. Dann gehe ich jetzt besser.“
Eli brach ein Stück Bacon ab, und Scout schluckte es von seinen Fingern und leckte sie dann zur Sicherheit ab. Eli grinste und blickte zu Turner auf. „Ich glaube, Scout und ich werden sehr gute Freunde.“
Eli sah umwerfend aus mit seinen morgendlichen Stoppeln und zerzausten Haaren, und der Anblick dieses Lächelns ließ Turner den Atem stocken. Er spürte, wie sein Herz schneller schlug, und verfluchte sich innerlich. War er wirklich so einfach gestrickt? Eli war fast ein Jahrzehnt lang verschwunden, und dreißig Sekunden in seiner Gegenwart machten Turner zu Brei?
Verärgert über sich selbst, machte er auf dem Absatz kehrt. „Vergiss nicht, die Einfahrt zu schaufeln“, sagte er. „Komm schon, Scout. Zeit zu gehen.“
Erst als Turner auf dem Weg war, um Cassie abzuholen, frisch geduscht und rasiert für die Schule, wurde ihm klar, dass er Molly nicht gefragt hatte, wie sie den Weihnachtstag gestalten wollte.
* * *
Eli war immer noch verwirrt, weil er Turner wiedergesehen hatte, als der Coach mit einer Gehhilfe in den Raum schlurfte. Seinen Vater so alt und gebrechlich zu sehen, war ein Schock für ihn, aber es dauerte nicht lange, bis die dröhnende Stimme seines Vaters ertönte, stark wie immer.
„Ich hasse dieses verdammte Ding“, sagte er. „Damit sehe ich aus, als wäre ich reif für das Altersheim.“
Eli biss sich auf die Lippe und schaute weg, weil er nicht in der Lage war, dem zu widersprechen. Es war aufschlussreich zu sehen, wie sein Vater einen Dämpfer bekam. Es stellte sich heraus, dass er nicht unbesiegbar war. Er hatte in Elis Leben immer eine so große Rolle gespielt, seine Enttäuschung war eine so schwere Last, dass es unwirklich war zu sehen, dass er doch ein Mensch war.
„Ich sehe, dass du grinst“, brummte der Coach, aber er klang nicht wütend. „Gefällt es dir, mich mit Schmerzen zu sehen?“
„Ehrlich, Bill. Natürlich gefällt es ihm nicht“, sagte seine Mutter und umarmte Coach kurz mit einem Arm, bevor sie ihm ein Glas Orangensaft reichte. „Jetzt trink aus, damit du eine Schmerztablette nehmen kannst. Wenn du nur gerufen hättest, hätte ich sie dir in dein Zimmer gebracht.“
„Ich bin es leid, da drin eingesperrt zu sein. Ich werde noch verrückt.“ Der Coach nahm den Saft und die Pille, die seine Frau ihm hinhielt, und hielt eine Hand auf der Gehhilfe, während er die Pille in den Mund schob und den O-Saft schluckte. „Kann ich jetzt etwas Bacon haben? Und Kaffee?“
Elis Mutter nickte. „Du solltest aber das Bein hochlegen.“
„Es ist schon eine Woche her. Ich muss es nicht ständig hochhalten“, brummte er, drehte sich um und schlurfte mit der Gehhilfe zurück ins Wohnzimmer.
Eli spülte seinen Teller ab und sah zu, wie sein Vater sich in seinem Sessel niederließ und seine Mutter ein paar Kissen hinzufügte, um sein Bein höher zu legen.
„Wie lange dauert es noch, bis du wieder in Kampfform bist?“, fragte Eli.
„Sechs Wochen Physiotherapie“, sagte seine Mutter.
„Das denken die “, konterte sein Dad. „Ich habe vor, es in drei zu tun.“
Seine Mutter rollte mit den Augen, bevor sie sich in die Küche zurückzog und mit einem Frühstücksteller und einer Tasse Kaffee zurückkam. Der Coach machte es sich bequem und stellte den Teller auf seinen Schoß. Eli stand nervös rum, unsicher, was er tun sollte. Er und sein Vater hatten schon vor ihrem Streit über seine Sexualität nicht viel gemeinsam. Der Coach wollte ein sportliches Kind, jemanden, den er in Sportteams einsetzen konnte. Eli war nach seiner ersten blutigen Nase beim Peewee-Football ausgestiegen. Er hatte sich hartnäckig geweigert, Fußball zu spielen, und hatte nur eine Saison Tee-Ball überlebt. Schlimm genug, dass er keinen Sport trieb, aber er hatte auch nie Lust gehabt zuzuschauen.
„Setz dich, Eli, es sei denn, du hast vor, für weitere acht Jahre wegzulaufen.“
„Bill, hör auf“, schimpfte Elis Mutter. „Eli ist jetzt hier, und wenn wir wollen, dass er zurückkommt, müssen wir alle daran arbeiten, uns besser zu verstehen.“
Eli setzte sich auf das Sofa, viel zu angespannt, um es sich in den Kissen gemütlich zu machen. Die emotionale Begrüßung seines Vaters am Abend zuvor war eindeutig eine Überraschung gewesen. Bei Tageslicht war er das gleiche ruppige Arschloch, das er schon immer war.
„So wie ich mich erinnere, war ich hier nicht willkommen“, sagte Eli leise. „Du hast mich vor die Wahl gestellt, und ich habe sie getroffen.“
„Um unter Menschen zu sein“, sagte sein Vater.
„Ich zu sein.“
„Eli, wir lieben dich“, sagte seine Mutter schnell. „Genau so, wie du bist.“ In ihrer Stimme lag ein Hauch von Stahl. „Stimmts, Bill?“
Sein Vater nickte. „Ich habe den Jungen immer geliebt. Das stand nie infrage.“
„Sah für mich anders aus“, murmelte Eli.
Die Augen seines Vaters wandten sich ihm zu. „Nun, ich wollte nie, dass du daran zweifelst“, sagte er. „Du bist mein Sohn, und du bist immer zu Hause willkommen.“
Eli nickte. „Okay. Danke.“
Seine Mutter lächelte. „Na, das ist schon besser. Ich muss jetzt in der Küche aufräumen.“
„Ich werde helfen“, sagte Eli.
„Nein, nein. Bleib. Verbringe etwas Zeit mit deinem Vater“, sagte sie. „Du hast bestimmt viel nachzuholen.“
Sie verließ den Raum und Eli und sein Vater tauschten einen unbehaglichen Blick aus.
„Fernsehen?“, fragte sein Dad.
„Ja“, stimmte Eli schnell zu. „Netflix?“
„Ich schaue normalerweise das NFL Network .“
Eli hätte fast nachgegeben, aber der Gedanke, den ganzen Morgen Sportmoderatoren beim Quasseln zuzusehen, gefiel ihm nicht. „Hast du jemals die Wiederholungen von Stargate gesehen?“
Sein Vater wurde hellhörig. „Ich habe schon seit Jahren nicht mehr an diese Sendung gedacht. Dann schau mal, ob du sie finden kannst“, sagte er und reichte ihm die Fernbedienung.
Eli entspannte sich schließlich so weit, dass er in die Kissen sinken konnte, während er die Knöpfe der Fernbedienung drückte. Er und sein Vater würden nicht von heute auf morgen auf derselben Wellenlänge sein. Aber vielleicht könnten sie einen Weg finden friedlich zusammenzuleben.