Dezember 17
Turner war nicht überrascht, als Desiree am Montag in der Mittagspause in seinem Büro auftauchte. Sie arbeitete als Sportlehrerin an der Juniper High . Sie hatten sich gelegentlich immer mal wieder für eine schnelle Nummer getroffen, wenn es ihnen passte, aber keiner von ihnen hatte den besonderen Funken gespürt. Es ging eher darum, dass jeder von ihnen den eigenen Druck in einer kleinen Stadt mit begrenzten Möglichkeiten etwas abbauen konnte.
„Hey, Mr. T“, sagte sie leichthin. „Darf ich reinkommen?“
Er klappte seinen Laptop zu und sah sie über seinen Schreibtisch hinweg an. „Klar.“
„Ich unterbreche doch nicht irgendwelche Pläne für einen Quickie?“, erkundigte sie sich.
Er schaute finster drein. „Du weißt, dass du das nicht tust.“
Obwohl er sich mit einer Lehrerin eingelassen hatte, hatte Turner nie auf dem Schulgelände rumgeknutscht. Das hätte nur Ärger bedeutet. Sie wusste, dass er das nicht tun würde, also war das nur ihre Art, nach Details zu fischen.
Des ließ sich auf einen Stuhl plumpsen und legte ihre langen Beinen auf seinen Schreibtisch. Sie trug eine Yogahose, die ihre schlanken Gliedmaßen umschmeichelte, und ein sportliches Tank-Top. Turner hob seinen Blick zu ihrem Gesicht, bevor er die Vorzüge ihrer figurbetonten Kleidung schätzen konnte. Desiree war wunderschön, witzig und lässig. Sie waren schon kurz nach ihrem Kennenlernen ins Bett gefallen und hatten eine Menge gemeinsam. Abgesehen vom Laufen mochten sie beide Hunde und die gleiche Art von Filmen. Aber trotz alledem fehlte ihnen eine wichtige Komponente. Turner hatte nie mehr als Zuneigung für sie empfunden.
„Sag es einfach“, sagte er.
„Du und Eli Harp“, sagte sie. „Diese Geschichte hast du mir nie erzählt.“
„Das habe ich tatsächlich“, sagte Turner. „Ich habe dir nur nie gesagt, dass er der Sohn vom Coach ist.“
Sie verschränkte ihre Arme vor der Brust. „Das ist also dein Erster? Der, der verschwunden ist, weil du nicht den Arsch in der Hose hattest, offen zu sagen, dass du bi bist?“
Turner schaute hinter sich auf die Flure, aber es war niemand zu sehen. Sein Büro war weit entfernt von den beliebten Essensplätzen in der Schule. „Das ist er.“
Plötzlich lachte sie. „Heilige Scheiße, du bist heiß auf den Sohn deines Chefs.“
Turner brachte sie aus Gewohnheit zum Schweigen. „Wir sind zusammen aufgewachsen. Beste Freunde.“
„Oh, das ist so richtig süß verträumt“, sponn sie. „Du verliebst dich in deinen besten Freund.“
Turner runzelte die Stirn. „Schön, dass du dich amüsierst, aber Tatsache ist, dass ich Eli seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr gesehen habe. Und ich weiß nicht, wie lange er noch bleiben wird, bevor er dann wieder weg ist. Es macht also nicht wirklich Spaß, ‚richtig süß verträumt‘ zu sein.“
Ihr neckisches Lächeln verschwand. „Es tut mir leid, Turner. Mir war nicht klar …“
„Er ist nur über die Feiertage hier. Er wird schon bald wieder nach Kalifornien zurückkehren.“
„Was wirst du tun?“, fragte sie.
Turner dachte an den Abend zuvor zurück, als Eli mit seinen Fingern an Turners Rücken und unter dem Hosenbund entlanggefahren war, bis Turner so tun musste, als sei ihm kalt, und sich eine Decke schnappen musste, um seinen Ständer zu verstecken. Das hatte Eli nur noch mehr ermutigt, seine Hand auf seinen Oberschenkel zu legen. Als er sich Turners Schwanz näherte, ergriff Turner seine Hand und hielt sie für den Rest des Films fest.
Mit einer Ausrede, um seine Hand zu halten – und endlich die Quälerei zu beenden – hatte Turner sich entspannt zurückgelehnt und gelacht, als Ralphie um sein Luftgewehr Red Ryder bettelte und sich mit seinem schrulligen Vater deshalb anlegte. Er hatte es genossen, Elis Hand zu halten und ihm einfach nahe zu sein, und so wie Molly sie angesehen hatte, war Turner sich ziemlich sicher, dass sie wusste, dass sie mehr als nur Freundschaft empfanden.
Aber das änderte nichts an der Realität. Eli wohnte nicht in Juniper, und Turner war – obwohl er Single war – durch familiäre Verpflichtungen gebunden.
„Ich weiß es nicht“, entgegnete er Desiree. „Ich mache das Beste aus der Zeit, die wir haben, wenn er mich lässt.“
„Er wäre ein Narr, wenn er es nicht tun würde“, kommentierte Desiree und stand auf, nachdem sie die gewünschten Informationen aus ihm herausbekommen hatte. „Außerdem weiß man nie, wie das Leben so spielt. Vielleicht fährt er zu sich nach Hause und ist so untröstlich ohne dich, dass er dir sofort wieder in die Arme läuft.“
Turner rollte mit den Augen. „Wir sind hier nicht in einem Hallmark -Film. Aber danke für den Vertrauensbeweis.“
* * *
Eli rutschte auf seinem Bett hin und her, seine enge Jeans drückte unangenehm. Turner hatte ihm eine Nachricht geschickt, um sich zu vergewissern, dass Eli immer noch Lust hatte, sich die Lichter anzuschauen – er hatte geantwortet, dass sich Turner nicht einfach so aus ihrer Vereinbarung verdrücken könnte, nur weil sie sich am Abend zuvor einen Weihnachtsfilm angesehen hatten – und jetzt zappelte er nervös auf seinem Bett, während er mit Barb sprach, die gerade rechtzeitig angerufen hatte, um Eli seine ganze Angst auszutreiben.
Turner hatte während des Films seine Hand gehalten, aber nur, um Elis lustvolles Streicheln zu stoppen. Er wusste nicht, was es bedeutete, wenn überhaupt. Eli hatte sich von dem Moment an, als Turner ihn geküsst hatte, entschieden, dass er Turner wollte, und zwar nicht nur auf eine freundschaftliche Art und Weise. Es war ihm egal, dass er nicht in Juniper bleiben würde. Spare in der Zeit, so hast du in der Not. Das war die Devise.
Aber er fühlte sich von Desiree seltsam gestört. Sie war schön und vollbusig, die perfekte Partnerin für Turner. Diejenige, zu der er wahrscheinlich gehen würde, sobald Eli weg war, wenn nicht schon vorher. Es war albern, eifersüchtig zu sein, wenn er nach dem Jahreswechsel nicht einmal mehr in Juniper bleiben würde, aber es war so. Er war eifersüchtig.
„Du solltest ihre Brüste sehen, Barb. Da kann ich nicht mithalten“, sagte er.
„Willst du dich mit ihr messen?“ , fragte Barb und brachte die Sache auf den Punkt. Deshalb hatte sie die große Kohle und Eli nur den Hackblock bekommen.
„Ich werde nicht in Juniper bleiben“, sagte er. „Ich kann keine Zukunft mit Turner haben. Aber ja, ich will zumindest mit ihm zusammen sein, solange ich hier bin.“
„Du bist nicht an einen Zeitplan gebunden, weißt du.“
„Klar, bin ich das. Die Ferien werden nicht ewig dauern.“
„Du hast keinen Job“, erinnerte sie ihn. „Du könntest in Juniper bleiben, bis du dir sicher bist, was du willst.“
Das brachte seine Handflächen zum Schwitzen. „Ich habe meine gesamte Highschool-Karriere damit verbracht, nur davon zu träumen, hier rauszukommen. Mein Teenager-Ich würde mir in den Arsch treten, wenn ich nach allem, was ich durchgemacht habe, wieder zurückziehen würde.“
„Prioritäten ändern sich“, sagte sie einfach. „Ich sage nur, dass du Zeit hast, um herauszufinden, was das Beste für deine Zukunft ist. Und was du mit deinem Freund willst.“
„Vielleicht.“ Er stöhnte. „Ich habe noch nicht einmal einen Blick auf meinen Lebenslauf geworfen.“
„Es tut mir so leid, dass ich deinen Job nicht retten konnte.“
„Nicht deine Schuld“, sagte Eli. „Es ist gut, dass ich hergekommen bin.“
„Wie läuft es denn mit deiner Familie?“, fragte sie und klang wirklich interessiert.
Eli brachte sie auf den neuesten Stand, einschließlich der schockierenden Enthüllung, dass der Coach, nachdem er zunächst wütend war, seinen schwulenfreundlichen Feiertagsgruß in seinem Vorgarten stehen ließ und offenbar bereit war, ihn für den Rest der Weihnachtszeit stehen zu lassen. Sie unterhielten sich über die Fusion, die sie gerade durchmachte, über seine Probleme mit seinem Mitbewohner in der Wohnung – „Ich wusste, dass er am Ende ein Problem sein würde“, sagte sie wenig hilfreich – und darüber, wo er nach den Feiertagen mit der Jobsuche beginnen sollte.
Er war so mit Plaudern beschäftigt, dass gar nicht bemerkt hate, wie die Zeit vergangen war, bis ein Klopfen an der Tür seine Aufmerksamkeit auf den fraglichen Mann lenkte. Turner stand in der Tür und sah in seinem kastanienbraunen Pullover und seinen Jeans umwerfend aus. Vergiss die Weihnachtsdesserts seiner Mutter, dachte Eli, das war das Köstlichste, was er je gesehen hatte.
„Tut mir leid, Barb, ich muss gehen“, sagte Eli. „Turner ist hier.“
„Okay, viel Spaß “, entgegnete sie. „Mach dir nicht so viele Sorgen um die Zukunft. Alles wird sich von selbst regeln.“
Na klar. Als ob es vorher so gut geklappt hätte. Aber Barb versuchte, ihn zu unterstützen, also sagte Eli das nicht. Er verabschiedete sich einfach und lächelte zu Turner hoch.
„Tut mir leid, ich bin aber schon fertig. Du siehst gut aus.“
Turners Blicke schweiften über ihn. Er hatte sich eine enge Jeans und ein langärmeliges T-Shirt angezogen, das, was in diesen Tagen einer Winterkleidung am nächsten kam. „Du auch“, sagte er. „Wie gehts dem Knöchel?“
„Viel besser. Die Schwellung ist zurückgegangen.“
Turner nickte. „Das ist großartig.“ Er streckte eine Hand aus. „Lass mich dir trotzdem zum Auto helfen. Du solltest es eine Weile ruhig angehen lassen.“
Turners starken Körper als Krücke benutzen? Ein solches Opfer.
* * *
Turner und Eli waren auf halbem Weg die Einfahrt hinunter, als Eli kurz anhielt. „Ich sollte fahren. Du hast mich schon oft genug herumgekarrt.“
Turner schüttelte den Kopf. „Das macht mir nichts aus. Ich würde lieber fahren.“
Eli schnaubte. „Na ja, vielleicht stört es mich. Ich bin nicht hilflos.“
„Komm schon, Eli. Dein Knöchel erholt sich noch und es ist besser, nicht zu fahren, wenn du auch nur leicht beeinträchtigt bist. Ich bin Fahrschullehrer. Ich weiß so etwas.“ Eli öffnete den Mund und Turner presste einen Finger auf seine vollen Lippen. „Gib es einfach auf. Auf einem Bein kann man nicht so gut stehen.“ Er zwinkerte. „Und das meine ich wörtlich.“
Eli kniff in die Spitze seines Fingers und Turner zog ihn zurück.
„Du bist nicht so lustig, wie du denkst“, sagte Eli. „Aber gut, da es deinem Ego so viel bedeutet, fährst du.“
Eli drehte sich um und ging ohne Turners Hilfe die Einfahrt hinunter. Seinem Knöchel ging es wirklich schon viel besser. Turner konnte nur ein leichtes Hinken feststellen, als Eli sich auf den Weg zum Jeep machte. Turner wollte ihm instinktiv die Tür öffnen, aber nach dem Gespräch, das sie gerade geführt hatten, sah er Eli lieber dabei zu, wie er seinen hübschen Hintern in den Autositz setzte.
„Wo sollen wir anfangen?“, fragte Eli, nachdem Turner den Wagen gestartet und den Gang eingelegt hatte. „Ist die Seacrest Lane immer noch so aufgemotzt wie früher?“
„Nicht mehr so. Ich fahre zuerst ins Hemingway und dann habe ich noch ein paar mehr im Sinn. Es sei denn, du hast besondere Wünsche?“
Eli schüttelte den Kopf. „Klingt gut.“
Während Turner fuhr, beobachtete Eli die Landschaft durch das Fenster der Beifahrertür. In der Stadt gab es vor allem Wacholder und Espen, aber die Stadt hatte auch Kiefern und Tannen sowie einige Ahorn- und Pappelbäume in einigen Parks gepflanzt. Während der Schnee auf den Straßen geschmolzen war, glitzerten die meisten Bäume noch immer mit einem Hauch von Frost.
„Ich hatte vergessen, wie schön es hier ist“, sagte Eli. „Es riecht auch immer so frisch nach den Tannennadeln. In Kalifornien ist das nicht so. In manchen Gegenden vielleicht schon, aber nicht in meiner Stadt.“
„Vermisst du auch den Geruch nach Hundefutter von der Brauerei?“, fragte Turner.
Vor allem in Sommernächten trug der Wind den Geruch der Brauerei am anderen Ende der Stadt mit sich. Aus irgendeinem seltsamen Grund roch es nach Hundefutter.
Eli kicherte. „Einige meiner schönsten Jugenderinnerungen sind, dass ich mit dir bei heruntergelassenen Fenstern gefahren bin, um diesen grässlichen Geruch zu riechen.“
„Und einen Jolly Rancher Fire Stix zu lutschen“, fügte Turner hinzu.
Eli war süchtig nach den Jolly-Rancher -Bonbons, die Turner in den Läden nicht mehr gesehen hatte. Es war eine Art Folter gewesen, in seinem Auto zu sitzen und so zu tun, als wäre er heterosexuell, während Eli mit seiner Zunge den Fire Stix befeuchtet und ihn dann langsam in seinen Mund geschoben hatte. Als er sich an das schlürfende Geräusch erinnerte, das Eli gemacht hatte, als er ihn mit rot gefärbten Lippen herausgezogen hatte, war Turner in seinem Sitz hin und her gerutscht.
Eli grinste ihn an. „Du hast es gehasst, als ich die gekauft habe.“
Er hasste sie dafür, wie er sich fühlte, als er Eli beobachtete. Gleichzeitig konnte er nicht widerstehen, ihn zu beobachten und sich vorzustellen, wie es wäre, diesen Mund auf sich oder besser um sich zu haben.
„Ich frage mich, ob sie sie an der Tankstelle verkaufen? Ich sehe sie in Kalifornien nicht mehr.“
Turner räusperte sich. „Das glaube nicht.“
Gott sei Dank. Er konnte Eli auf keinen Fall dabei zusehen, wie er an einem Fire Stix lutschte, ohne seinen eigenen Schwanz zu zücken und ihn als Leckerbissen anzubieten. Andererseits würde er sich selbst belügen, wenn er nicht zugeben würde, dass er das wahrscheinlich sowieso tun würde. Jeder Gedanke daran, Eli in der Freundschaftszone zu halten, war durch den heißen Kuss, den Eli ihm aufgedrückt hatte, verbannt worden. Er konnte sich zwar ein wenig wehren, aber wozu die Mühe? Er wollte Eli.
Turner verlangsamte den Jeep, als sie durch ein hell erleuchtetes Viertel fuhren. In diesem Teil von Hemingway arbeiteten die Bewohner zusammen, und Lichterketten verbanden ein Haus mit dem nächsten, ohne dass ein einziges dunkles Haus dazwischen lag. Bunte Lichterketten schlängelten sich um Bäume und Büsche. Rentiere und Schneemänner aus Drahtgestellen, die mit weißer Weihnachtsbeleuchtung umwickelt waren, schmückten die Vorgärten. Einige der Lichter blinkten, andere leuchteten gleichmäßig. Alles in allem war es ein hübscher Anblick – wenn auch ein ziemlich vorhersehbarer.
„Sieht genauso aus wie vor meiner Abreise“, murmelte Eli, dessen Gedanken offensichtlich in dieselbe Richtung gingen.
„Ja, diese Gegend ist ziemlich traditionell“, sagte Turner. „Man muss ihre Beständigkeit bewundern. Die Leute sind weggezogen und andere zugezogen. Trotzdem behalten sie die Tradition Jahr für Jahr bei.“
Eli sah ihn an, ein schwaches Lächeln auf dem Gesicht. „Es ist schön zu wissen, dass sich nicht alles ändert, auch wenn du weg bist.“ Er zögerte. „Manchmal habe ich mich gefragt, ob überhaupt noch jemand an mich denkt, nachdem ich gegangen bin.“
Turner sah ihm in die Augen. „Ich weiß, dass ich es getan habe.“
* * *
Eli konnte sehen, dass Turner es ernst meinte. Er hatte in den Jahren, in denen sie getrennt waren, an Eli gedacht. Vielleicht war er nur ein Freund, den er vermisst hatte, aber das war schon etwas. Das war eine Menge.
„Ich weiß, dass deine Eltern oft an dich gedacht haben“, fügte Turner hinzu, während er seine Aufmerksamkeit auf die Straße richtete und beschleunigte, als sie das Viertel verließen. „Es gibt ein paar coole neue Dekorationen, die aufgestellt wurden, seit du weg bist. Ich möchte dir eines zeigen.“
„Okay“, sagte Eli zögernd und hatte das Gefühl, dass der Moment vorbei war und er irgendwie seine Chance verpasst hatte, Turner zu packen und einen Moment zu teilen. „Danke, dass du das mit mir machst.“
„Ein Deal ist ein Deal.“ Er schaute zu Eli hinüber. „Ich bin gerne mit dir zusammen, egal, was wir am Ende machen.“
Eli wusste, was er wirklich gerne tun würde: Turner Williams nackt ausziehen und endlich diesen perfekten Körper küssen und lecken. Aber Weihnachtslichter anzuschauen war auch schön, also lächelte er. „Ja, ich auch.“
Turner verlangsamte den Jeep bis zum Stillstand und parkte am Bordstein. Mit einer Geste auf die andere Straßenseite sagte er: „Da drüben ist es. Die machen eine Lichtshow.“
Er griff nach vorne und stellte das Radio auf einen neuen Sender ein. Aus den Autolautsprechern ertönte Weihnachtsmusik. Ein neues Lied mit Variationen von Jingle Bells. Als Eli rübersah, bemerkte er, dass die Lichter im Takt der Musik leuchteten. „Oh, cool. So etwas hatten sie nie, als wir Kinder waren.“
„Ich wette, in Kalifornien haben sie ein paar coole Sachen.“
„Das haben sie, aber … es ist ein ganz anderes Gefühl. Es ist immer so sonnig und warm. Es war schwer für mich, die Feiertage jemals wirklich zu spüren. Nicht so wie hier.“
„Das macht Sinn“, sagte Turner. „Kein Ort ist wie zu Hause.“
„Ich glaube nicht. Ich habe mich so sehr auf die schlechten Erinnerungen konzentriert, dass ich vergessen habe, dass es auch gute gibt.“ Er begegnete Turners dunklen Augen und lächelte wehmütig. „In den meisten der guten Erinnerungen kommst du vor.“
„Ich wünschte, ich hätte sie alle gut für dich machen können.“
Eli nickte nur, bevor er seinen Blick wieder auf das Haus richtete. Er wollte nicht in der Vergangenheit schwelgen und schaute sich die Weihnachtsbeleuchtung an, bei der die Lichter von den Bäumen über die Rehe bis zu den Schneeflocken, die von Dach hingen, hüpften. Verschiedene Farben, verschiedene Geschwindigkeiten. Es war fast hypnotisierend. Eli dachte, er könnte wahrscheinlich stundenlang dasitzen und zusehen, wie die Lichter im Takt der Musik hüpften.
„Eli …“
Eli blickte zu Turner zurück. „Ja?“
„Wann gehst du zurück nach Kalifornien?“
Eli zuckte mit den Schultern. Er leckte sich nervös über die Lippen und gab zu: „Ich bin mir noch nicht sicher.“
„Musst du nicht zurück zur Arbeit?“
Eli runzelte die Stirn. „Sag es meinen Eltern nicht, aber ich wurde entlassen, kurz bevor ich nach Hause kam.“
„Sie haben dich kurz vor Weihnachten gefeuert?“
Eli gluckste. „Ja. Es klingt schlimm, aber es war nicht die Entscheidung meiner Chefin. Unser Heim hat mit einem anderen fusioniert, und plötzlich gab es keine Stelle mehr für mich. Sie war diejenige, die mich ermutigt hat, die Zeit zu nutzen, um nach Hause zu gehen. Sie war es auch, mit der ich gesprochen habe, als du heute Abend aufgetaucht bist.“
„Barb?“, fragte Turner.
Eli nickte. „Sie war meine Chefin, aber auch eine Freundin. Sie sorgt sich wirklich um diese Kids. Ihr eigener Sohn beging Selbstmord, nachdem ihr Mann ihn rausgeworfen hatte. Sie war am Boden zerstört.“
„Mein Gott“, sagte Turner und klang beunruhigt. Nicht gerade ein toller Auftakt für sexy Zeiten, stellte Eli fest. „Hat sie zugestimmt, dass ihr Mann ihren Sohn verleugnet?“
Eli schüttelte den Kopf. „Es passierte, als sie ihre Schwester besuchte. Als sie nach Hause kam, war ihr Sohn verschwunden und ihr Mann weigerte sich hartnäckig, ihr zu sagen, wohin er gegangen war. Das Nächste, was sie wusste, war, dass die Polizei an ihre Tür klopfte und ihr mitteilte, dass er tot sei.“
„Das ist ja furchtbar.“
„Ja“, sagte Eli leise. „Sie hat sich scheiden lassen und sich seitdem für die LGBT-Kids eingesetzt. Um sicherzustellen, dass ihnen so etwas nicht passiert.“
„Hast du jemals …“ Turner hielt inne und rieb sich mit einer Hand über das Gesicht. „Das hast du nicht, oder?“
Eli verstand die unausgesprochene Frage. „Nein“, sagte er leise. „Ich war ziemlich niedergeschlagen, aber ich war zu wütend, glaube ich. Ich dachte, wenn ich Juniper verlasse, finde ich das Glück und die wahre Liebe und beweise allen, dass Schwulsein eine gute Sache ist. Dass sie sich in mir getäuscht haben.“
Turner streckte seine Hand aus und ergriff sie. „Schwul zu sein ist eine gute Sache. Sie haben sich in dir getäuscht.“
Eli versuchte zu lächeln. „Danke. Aber es war nicht alles ein Märchen. Es hat sich herausgestellt, dass die Welt, auch außerhalb von Juniper, nicht nur aus Glitter und Einhörnern besteht.“
Turner tat so, als wäre er überrascht. „Du machst Witze!“
„Nein“, sagte Eli mit einem Lachen. „Kein Prinz Charming für diese Prinzessin.“
Turners Hand legte sich fester um seine. Er holte tief Luft und ließ sie wieder los, sagte aber nichts.
Das Schweigen dauerte so lange, dass Eli gerade vorschlagen wollte, in die nächste Nachbarschaft zu fahren, als Turner plötzlich herausplatzte: „Ich wollte dich unbedingt wieder küssen.“
Oh, danke, Weihnachtsstimmung.
„Mir geht es genauso.“
Turner beugte sich langsam vor und machte seine Absicht deutlich, Eli zu küssen. Eli war sofort Feuer und Flamme und hielt den Atem an, als Turner näher und näher kam, bis sich ihre Lippen berührten. Wieder hielt Turner den Kuss leicht, aber diesmal verweilte er länger und berührte ihre Lippen einmal, zweimal, dreimal, bevor er Elis Kiefer bis zu seinem Hals küsste. Als er ihn dort küsste, sagte Turner: „Ich muss nach Scout sehen. Willst du mit mir kommen?“
Eli spürte, wie sein Herz schneller schlug. „Zu dir nach Hause gehen?“
„Ja.“
„Nur um nach Scout zu sehen, oder …“
Turner lehnte sich zurück, seine dunklen Augen hielten Elis Blick fest. „Wenn du willst, könntest du auch eine Weile bleiben.“
Eli war willig . Gott, er war so was von willig. Er war bereit, willenlos zu sein. Aber er fragte sich, was Turners Meinung geändert hatte.
„Du hast vorhin gesagt, dass wir nur Freunde bleiben sollten, weil ich wieder abreise“, begann Eli.
„Das war, bevor du mich besinnungslos geküsst hast“, sagte Turner. „Ich kann nicht in deiner Nähe sein, ohne mehr davon zu wollen.“
Eli gluckste verlegen. „Tut mir leid. Ich dachte mir, wenn ich schon nur einen Kuss bekomme, dann sollte es einer sein, an den man sich erinnert.“
„Ich habe mich jede Nacht daran erinnert“, flüsterte Turner und warf ihm einen vielsagenden Blick zu, bevor er den Gang einlegte und vom Bordstein wegfuhr.
„Gott, ich auch“, gab Eli zu und spürte, wie ein große Welle an Lust durch ihn hindurchfuhr, jetzt, da er wusste, dass er sich nicht die ganze Nacht zurückhalten musste.
Turner blitzte ihn grinsend an. „Klingt, als wollten wir beide dasselbe.“
Heißes nacktes Fleisch von Turner Williams? Ja, bitte! Eli beschloss, an nichts mehr zu denken. Nur an die Dringlichkeit seines Schwanzes, der sich in seiner Jeans schnell verhärtete.
„Kannst du nicht noch schneller fahren?“, fragte Eli.
Turner lachte. „Ich bin ein Fahrlehrer“, erinnerte er Eli. Aber Eli bemerkte, dass Turner, sobald sie das Wohngebiet verließen und in eine Geschäftsstraße einbogen, das Gaspedal noch ein bisschen stärker durchdrückte. Fünf Minuten später bog er in seine Einfahrt ein und stellte den Motor ab.
Eli schnallte sich ab, warf sich auf Turner und küsste ihn heftig. Diesmal versuchte Turner nicht, den Kuss keusch zu halten, sondern verschlang Eli förmlich. Er griff mit den Fingern in Elis Haare und benutzte seine Lippen und Zunge, um Elis Mund zu verwöhnen, bis Eli wimmerte und verzweifelt nach mehr verlangte.
„Reingehen?“, fragte Turner zwischen zwei Küssen.
Eli stöhnte unter dem Ansturm und hielt sich an Turners Mantel fest. „Gott, ja, bitte.“
„Es sei denn, du willst hier im Auto ficken? Nach deiner Geschichte mit den Surfern …“
„Halt die Klappe“, sagte Eli, riss sich von Turners Körper los und griff nach dem Türgriff. „Das habe ich mir ausgedacht, um dich zu ärgern.“ Er betrachtete Turners gerötete Wangen und geschwollene Lippen. „Sieht aus, als hätte es funktioniert.“
„Das wirst du mir büßen“, knurrte Turner und öffnete seine Autotür. Dann sagte er im Gegensatz zu seiner Routine als harter Kerl: „Warte, ich helfe dir zur Tür. Ich will nicht, dass du dir den Knöchel verletzt.“
„So vornehm wie ein Gentleman“, stichelte Eli.
Turner half ihm aus dem Auto und flüsterte ihm ins Ohr. „Aber nicht für lange, Eli. Bald wirst du sehen, wie wenig vornehm ich sein kann.“
Eli schauderte bei diesen Worten. Er konnte es kaum erwarten es herauszufinden.