„L'art pour l'art“, die Kunst als Selbstzweck ist ein wunderbarer Gedanke und ein hoher Anspruch. Professionelles Netzwerken ist zwar auch eine Kunst – jedoch in weltlicheren Gefilden. Netzwerken nur um des Netzwerkens willen können sich die wenigsten leisten. Selbst Beratungseinrichtungen und Selbsthilfeorganisationen haben Vorgaben für ihr Tun. Ist Networking in ein Gefüge von Zielen und gemeinsamen Interessen integriert, ist es sehr wahrscheinlich, dass gegenseitige Hilfe jeden Beteiligten oder die Gemeinschaft als solche voranbringt.
Networking sollte so verinnerlicht sein, dass es quasi von selbst passiert. Dann bleibt genügend Raum für Spontaneität, den guten Rat nebenbei, das Herstellen eines Kontakts. Schwierig sind zeitintensive Engagements. Dafür sollten gute Gründe sprechen.
Um das Verhältnis von Geben und Nehmen im Lot zu halten, muss man zwischendurch innehalten und sein Tun reflektieren. Wenn Sie den Verteiler der Weihnachtskarten oder des Newsletters überarbeiten, Visitenkarten sortieren, könnten Sie ein, zwei Stunden für folgende Fragen einplanen – die Mühe lohnt:
Ist alles im Lot – bestens. Vielleicht entdecken Sie jedoch Aktivitäten und Kreise, die wenig bringen, und menschliche Zeiträuber und Energiefresser: die ewig jammernde Kollegin, der auf Ärger abonnierte Freund, nachlässige Mitarbeiter, sperrige Kunden, die z. B. durch unzureichende Informationen unnötigen Zeitdruck oder Fehler provozieren. Man muss manchmal aussortieren. Nicht schön, doch was ist die Alternative dazu? Üben Sie die unbequeme Sache des Neinsagens.
Stellen Sie fest, dass manches mit geeigneten Verbindungen zu bestimmten Kreisen, Branchen, Abteilungen, Verbänden oder zu Experten besser liefe, dann machen Sie sich bitte auf, das Defizit zu beseitigen – mit Strategie.
Ich könnte ständig helfen, Rat erteilen, Dinge für andere erledigen – was in gewissem Konflikt zu meinem Job als Berater steht. Als solcher werde ich genau für diese Tätigkeiten bezahlt. Dienstleister müssen gut überlegen, was bzw. wie viel sie für wen tun. Für Anwälte und Ärzte ist es zudem wegen der Haftungsrisiken heikel, zwischen Tür und Angel einen Fall zu lösen oder Krankheiten zu diagnostizieren. Bei allem, was über Allgemeingültiges hinausgeht, empfiehlt es sich, einen Beratungstermin anzubieten. Das schreckt Schnorrer ab.
Wenn man wüsste, wie sich Dinge entwickeln, könnte man beizeiten Grenzen aufzeigen. Da manches eine eigene Dynamik entwickelt, tut man plötzlich mehr als gewollt. Hat man längere Zeit als Ratgeber und Helfer in allen Lebenslagen fungiert und alle Belastungsspitzen für Kollegen aufgefangen, ist es schwer, einen neuen Weg einzuschlagen. Ein klärendes Gespräch ist dringend geboten, aber häufig nicht besonders angenehm. Man ist gezwungen, den anderen aus seiner Komfortzone zu vertreiben. Schnell wird der Vorwurf erhoben, man sei egoistisch, lasse den anderen hängen. Das muss man aus Gründen des Selbstschutzes aushalten. Entweder wird man dafür mit dem Lerneffekt des Gegenübers belohnt, oder die Beziehung geht auseinander, was sich zeitversetzt häufig als gut herausstellt.
Kann man persönliche Beziehungen zu Kollegen oder Geschäftspartnern nicht oder nicht sofort abbrechen, bedarf es einer Rückzugsstrategie, um nicht unnötig Porzellan zu zerschlagen. Es ist hilfreich, den Begegnungsturnus zu strecken, kürzer verfügbar zu sein, sich an neutralen Orten und ggf. nur in Gegenwart Dritter zu treffen, sich auf das Nötigste zu beschränken, Kollegen zu bitten, Termine wahrzunehmen. Dabei gilt es stets, mit der gebotenen Professionalität und Höflichkeit aufzutreten.
Einfach ist es, aus Vereinen auszutreten. Für wenig Exponierte reicht ein schlichtes Kündigungsschreiben, andere sollten sich Zeit für eine geschmeidige Begründung nehmen, denn man begegnet sich im Leben immer zweimal.
Handeln Sie nach dem Prinzip: Innehalten – evaluieren – reagieren: feinjustieren, entrümpeln und neues Ausprobieren.
Netzwerken, wie ich es verstehe und lebe, ist ein lebendiger Austausch, der zu vielfältigen Erleichterungen führt und das Leben in jeder Hinsicht bunter macht und bereichert. Machen Sie mit und vernetzen Sie sich mit mir auf den Social Media Plattformen. Ich freue mich auf Sie.
Auf den Punkt gebracht
Da alles im Fluss ist und Stillstand Rückschritt bedeutet, sollten wir bisweilen auch die Qualität unserer Netzwerke und der eigenen Vernetzungskompetenz hinterfragen, damit wir nicht uns selbst gegenüber betriebsblind werden. Oft hilft der Blick von außen bei der Feinjustierung oder Neuausrichtung. Was auch immer ansteht: Beginnen Sie sofort damit. Es lohnt sich.
Und nun lassen Sie die Theorie fürs Erste beiseite und legen Sie einfach los. Sofort! Wenn nicht jetzt, wann dann?!
Denken Sie an die drei Musketiere Aramis, Athos und Porthos, die den jungen Gascogner d'Artagnan unter ihre Fittiche nahmen, und deren Wahlspruch „Einer für alle, alle für einen“. Eine in der Weltliteratur verankerte Formel für ein funktionierendes Netzwerk. Oder kleben Sie ein Post-it mit der Aufschrift: Geben gibt! als Merkposten an den Badezimmerspiegel. Dieser Slogan des Deutschen Engagementpreises ist die kürzeste Zusammenfassung dessen, was starke Netzwerke ausmacht. Solche wünsche ich Ihnen.
Wenn Sie mögen, schreiben Sie mir eine E-Mail an haas@konzept-innovation.de – ich freue mich auf Ihre Erfolgsgeschichten!
Ihre
Martina Haas