Markou ging langsam die steile Gasse zum Kreisverkehr hinunter. Eine dicke Katze, die vor einer Tür gemächlich ihre Pfoten leckte, sah ihn argwöhnisch an, bereit, sofort die Flucht zu ergreifen, sollte er sich ihr nähern. Da Markou ihr keine Beachtung schenkte, fuhr sie mit ihrer Toilette fort. Außer Katzen begegnete er niemandem. Er wusste nicht, ob es an der Uhrzeit, am starken Wind oder am Mord lag, dass in den engen Gassen kein Mensch zu sehen war. Chora wirkte wie eine Geisterstadt.

Schon aus der Ferne sah er Maroulas am Kreisverkehr unter einer Platane warten. Der Kadett hatte sein Motorrad neben Markous Roller abgestellt und schaute in Richtung Aghia Eleousa. Er hatte sich einen Helm unter den Arm geklemmt. Sie würden gleich zum Pirate’s Beach fahren, um sich in dem Haus umzusehen, das Lucy Davis gemietet hatte.

Noch vor einer Stunde hatte Markou keine Ahnung gehabt, wonach sie dort suchen sollten, abgesehen von Davis’ Handy, das nicht in ihrer Handtasche gewesen war. Jetzt war ihm jedoch klar, dass sie unbedingt ihr kleines schwarzes Notizbuch und ihren Laptop finden mussten.

Zwanzig Meter vor dem Kreisverkehr hörte er hinter sich eine schrille Frauenstimme.

»Hallooooo, Herr Policeman! Herr Policeman, halloooooo!«

Er drehte sich um, doch alles, was er im blendenden

»Warten Sie bitte!«, schrie sie. »Bin gleich da!«

Als sie näher kam, merkte der Kommissar, dass es eine kleine Frau in rotem Kaftan war, die beide Arme in die Höhe gereckt hatte. In einer Hand hielt sie einen geflochtenen Korb, und die Ringe, die an jedem ihrer zehn Finger steckten, glänzten in der hellen Sonne wie ihr rabenschwarzer Bubikopf. Die Schnelligkeit, mit der sie sich ihm näherte, lenkte Markous Blick unwillkürlich auf ihre roten Espadrilles, denn er fürchtete, sie könnte jeden Moment das Gleichgewicht verlieren und stürzen.

Als sie ihn wohlbehalten erreichte, stahl sich ein erleichterter Seufzer über seine Lippen. Halt suchend griff sie nach seinem Arm und küsste ihn ohne Vorwarnung auf beide Wangen. Als sie ihr Gesicht wieder zurückzog, sagte ihm ihr knallroter Lippenstift, dass jetzt zwei Schmatzer auf seinen Wangen prangten.

»Ich habe nicht viel Zeit, Herr Kommissar, weil ich um vier einen Friseurtermin habe. Und anschließend muss ich zur Mani-Pedi und zur Energy-Massage. Und wenn ich zu spät komme, bringt mich Fteria um«, stieß sie atemlos hervor.

Ihr starker amerikanischer Akzent erinnerte Markou an Vivian Leighs Südstaatenidiom in Vom Winde verweht. Ihr schlaffes, dick mit Make-up zugekleistertes Gesicht weckte Assoziationen mit einem Ballon, dem die Luft ausgegangen war, und auch die fast bis zu ihren dünnen Augenbrauen reichenden Wimpern konnten den Zahn der Zeit nicht verbergen. Nahm man dann noch den üppigen Schmuck dazu, der jede freie Körperstelle – Ohren, Handgelenke, Hals, Finger – und sogar ihren roten Kaftan zierte, sah diese Frau wie eine Karikatur aus.

»Ich werde zu Ihnen kommen!«

Bevor der Kommissar auch nur ein Wort sagen konnte, lief

Ohne sich wegen ihrer entblößten Pobacken, schrumpelig wie getrocknete Pflaumen, zu genieren, drehte sie den Kopf noch einmal zu Markou und rief ihm zu: »Ich weiß, wer’s war!«