DER ETWAS von der Straße zurückgesetzte Parkplatz war einfach genug zu finden, aber um aus dem Auto auszusteigen brauchte John mehr Mut, als er aufbringen konnte. Er hatte den Motor abgestellt und seinen Gurt gelöst, blieb aber still hinter dem Lenkrad sitzen, statt auszusteigen. Mit dem heutigen Tag fing sein neues Leben als Ladenbesitzer richtig an. Er schloss die Augen und drückte den Kopf an die Kopfstütze. Da rackert man sich ab wie ein Blöder, nur um dann hinter dem Ladentisch zu enden. Nur ein Jahr, Mac, nur ein Jahr.
Der Schlüssel glitt leicht ins Schloss und nach einer einfachen Umdrehung öffnete sich die Tür. John trat in den noch dunklen Laden, knipste das Licht an und gab den Alarmcode ein. Er holte tief Luft und ging zur Theke. Es kam ihm alles so vertraut vor, aber zugleich auch so fremd. Die geschäftliche Seite des Ganzen würde ihm leicht fallen, das wusste er. Aber der Rest …
John fuhr mit den Fingern über die vorsintflutliche Registrierkasse und ließ dann die Fingerspitzen leicht auf den Tasten tanzen; nicht fest genug, um sie zu bewegen, nur fest genug, um sie zu fühlen. Er hörte auf und blickte sich im Laden um. Es war still. Er verspürte ein leichtes ängstliches Flattern in der Magengrube und den gewohnten dumpfen Schmerz hinter den Augen. Ziellos schlenderte er an den soliden Regalen entlang, berührte hier und da flüchtig ein, zwei Bücher und ging dann weiter.
Es dauerte nicht lange, und er fand er sich in einem der Ledersessel wieder. Er ließ sich in das abgenutzte Leder sinken und schloss die Augen. Der Geruch nach Staub und alten Büchern war stark. Er lächelte, da er sich wieder fühlte wie damals, als er als kleiner Junge bei seiner Oma im „großen“ Sessel gesessen hatte. Sie hatte sich immer schon mit Büchern umgeben und John im Sessel seines Großvaters sitzen lassen, um sie zu lesen. John fühlte, wie seine Muskeln sich entspannten. Er fühlte sich sicher.
„Du siehst glücklicher aus heute Morgen.“
John sprang wie ertappt aus dem Sessel auf und bedachte Jamie, der mit den Händen in den Hosentaschen an einem der Regale lehnte, mit einem finsteren Blick. Es dauerte einen Moment, bis ihm das Herz nicht mehr bis zum Halse schlug, aber er schaffte es, zu knurren: „Wenn dir was an deinem Job liegt, dann schleich dich gefälligst nicht so an deinen Boss heran!“
John stapfte steifbeinig an Jamie vorbei zur Theke, wobei er das kaum unterdrückte Kichern ignorierte, mit dem der junge Mann hinter ihm her hüpfte.
DER MORGEN verging rasch und ohne größere Zwischenfälle. Die frühen Kunden neigten dazu, relativ introvertiert zu sein; sie schienen auch ohne seine Hilfe zu finden, wonach sie suchten. Jamie informierte ihn über die unterschiedlichen Kategorien von Kunden, die sie je nach Wochentag und Tageszeit hatten. „Die morgens kommen suchen meistens etwas Bestimmtes. Gegen elf tauchen dann die Studenten auf, und am Nachmittag sind es Mütter mit Kindern und Leute, die zum Stöbern kommen.“ Wie aufs Stichwort kam ein junges Pärchen herein und ging zielbewusst auf die Secondhand-Bücher zu, wobei sie sich lautstark unterhielten.
Jamie warf John einen triumphierenden Blick zu und stellte fest: „Typische Studenten. Es muss kurz vor elf sein.“
John lachte leise über Jamies selbstzufriedenen Gesichtsausdruck und konnte nicht widerstehen, Jamie ein wenig zu triezen, indem er fragte: „Und welche Uhrzeit ist für unseren ortsansässigen Nichtsesshaften reserviert?“
Jamies Lächeln verblasste. Er sagte leise: „Ich setz‘ mal Wasser auf“, verließ die Theke und ging in die Küche.
Ein Lachen machte John darauf aufmerksam, dass die „typischen Studenten“ wieder aus der Nische mit den Secondhand-Büchern aufgetaucht waren und auf ihn zukamen. John stählte sich mit einem mentalen „sei höflich!“ und fragte: „Was Interessantes gefunden?“
Der Junge warf ein Taschenbuch vor John auf die Theke und nuschelte: „Gibt’s das Lesezeichen zum Buch dazu?“
John runzelte die Stirn und nahm das Buch in die Hand, schlug es an der Stelle auf, wo ein leicht ausgefranstes rotes ledernes Lesezeichen lag. „Ähm, ich nehme an …“
Plötzlich erschien Jamie aus dem Hinterzimmer und schnappte ihm das Buch aus der Hand. Er schaute erst John, dann die Studenten an und sagte in sehr zögerlichem Tonfall: „Es tut mir leid. Das Buch hier ist nicht zu verkaufen.“
„Es stand im Regal!“, widersprach der Junge.
Jamie warf John einen weiteren Blick zu, dann stammelte er: „Ich … ich habe einen Fehler gemacht. Das hat vorhin jemand telefonisch bestellt und ich habe vergessen, es aus dem Regal zu nehmen.“
Der Junge sah nicht überzeugt aus, aber seine Freundin lächelte und sagte: „Hey, schon okay. Wir machen alle mal Fehler.“
Jamie lächelte und dankte ihr im Stillen dafür, dass sie ihm aus der Klemme geholfen hatte.
„Seht mal, wenn ich dasselbe Buch noch mal reinkriege, lege ich es für euch zurück, ja?“, sagte Jamie, wobei er das Taschenbuch fest umklammert hielt.
Das Mädchen schien zu merken, dass es hier um mehr ging. Sie dankte ihm höflich und zerrte ihren Freund aus der Tür. Nachdem sie draußen waren, stand Jamie nur da, schaute das Buch an und befingerte eine Ecke des Lesezeichens. Er versuchte Johns Blick auszuweichen, aber er wusste, dass die Frage unvermeidlich war.
„Was sollte das eben alles?“
Jamie seufzte. „Dieses Buch ist reserviert, John. Sozusagen.“
„Sollte es dann nicht hinter der Theke liegen, wenn es reserviert ist?“, fragte John mit gerunzelter Stirn. Es war ihm sehr wohl bewusst, dass Jamie sich um eine Antwort zu drücken versuchte.
„Ähm … ja. Mein Fehler. Ich lege es weg.“ Jamie vermied es, John direkt anzusehen und bückte sich, um das Buch hinter die Theke zu legen. Aber John hinderte ihn daran. „Jetzt sag mir schon, was hier wirklich los ist, Jamie“, verlangte er ruhig.
Jamie wand sich ein bisschen, als er merkte, dass John sich nicht ablenken lassen würde. „Mum hat David dieses Lesezeichen gegeben, damit wir immer wissen, welches Buch er gerade liest und es nicht versehentlich verkaufen, bevor er damit fertig ist.“
Schon wieder David! knurrte John innerlich, aber er schaute Jamie an und sagte: „Okay. Damit kann ich leben. Und natürlich wirst du mir Bescheid sagen, falls es sonst noch etwas gibt, was ich zu beachten habe.“
Mit fühlbarer Erleichterung sah Jamie zu, wie John wieder nach hinten in den Laden ging, um das Buch mit dem Lesezeichen ins Regal neben dem Sessel zurückzustellen. Es wird nicht einfach werden, aber wir kriegen das schon hin … das müssen wir. Er atmete tief durch und rief: „Ich geh‘ mal was zu essen holen. Willst du was Bestimmtes?“
„Mir ist alles recht.“ John kam lächelnd zurück zur Theke. „Solange es nicht dein vegetarisches Zeugs ist.“
„Okay, also für dich geschnittene Leiche auf Brot?“
„Klingt perfekt.“ John grinste und zog seine Brieftasche heraus. „Hier, nimm Geld mit.“
Jamie winkte ab und lachte, während er zur Tür flitzte. „Schon gut, Kumpel. Ich nehm’ mir immer was aus der Kasse.“ Zum Glück war er schon draußen, ehe John eine Reihe von sehr farbenfrohen Kraftausdrücken losließ.
John blätterte immer noch in den Kontoauszügen herum, als er die Glocke über der Tür hörte. Er wollte Jamie gerade auffordern, sich mit seinen leckeren toten Tieren zu beeilen, als er David hereinkommen sah. Beide Männer vermieden Blickkontakt; David hielt den Kopf gesenkt und John fand plötzlich eine Quittung faszinierend.
John hatte Jamie gar nicht in den Laden kommen sehen. Eine braune Papiertüte landete vor ihm auf dem Ladentisch. „Futter für den Fleischfresser.“
Erleichtert über die Ablenkung schnappte John sich die Tüte und ging in die Küche. „Willst du Tee oder Kaffee?“
Jamie ging weiter zum hinteren Teil des Ladens und rief dabei über die Schulter: „Kann ich zwei Tee haben, bitte?“
John runzelte die Stirn, während das Wasser in den Kessel rauschte. „Zwei Tee?“ Dann begriff er und stöhnte auf: „David.“
Mit zwei Tassen in der Hand ging John durch den Laden und fragte sich, wer zum Teufel hier eigentlich der Boss war. Er konnte die beiden Männer reden hören. Als er um das Regal herumkam, lachte Jamie gerade auf und strich David mit einer Hand übers Haar. Die Geste war ganz unschuldig, aber John erschauerte bei dem Anblick. Wie kann Jamie ihn in diesem Zustand bloß berühren?
David verstummte, als er John sah, und nahm dann die Tasse mit einem leisen „Dankeschön“ entgegen. Jamie warf John sein bestes Lächeln zu und sagte: „Danke, John. Komm, setz dich her und iss mit uns. Ich kann mich auf den Boden setzen.“ Jamie machte Anstalten aufzustehen, aber John winkte nur ab und ließ sie in Ruhe Jamies Mittagessen miteinander teilen.
JOHN WAR erleichtert, dass sein erster „echter“ Arbeitstag vorbei war, wobei er sich den, wie er zugeben musste, schlimmer vorgestellt hatte. Die Kasse stimmte – wenn man das Essensgeld einkalkulierte, das Jamie gemopst hatte – und die Tageseinnahmen sahen ganz ordentlich aus.
Jamie war in der Küche und spülte gerade ihre gebrauchten Teetassen aus. Somit blieb es John überlassen, vor dem Abschließen noch einmal durch den Laden zu gehen. Er rückte methodisch alle schiefstehenden Bücher gerade und überprüfte die Kinderbuchabteilung auf weggeworfene Bonbonpapierchen. Zuletzt kam er in die Secondhand-Abteilung. Davids Ecke, dachte er, und als ihm das klar wurde, grummelte er: „Verdammt noch mal, Jamie!“ Er bückte sich nach einem Stück Papier, das auf einem der Sessel lag. „Ohne dein Gejammer hätte ich ihn gleich am ersten Tag rausgeschmissen.“
John sah sich das Stück Papier genauer an. Anscheinend stammte es aus einem der billigen Skizzenblocks mit Wasserschaden, die sie neben der Theke liegen hatten. So einen hatte er in der Seitentasche von Davids Rucksack gesehen. Doch das Motiv der Skizze ließ ihn die Stirn runzeln. Die Zeichnung zeigte ihn, wie er an dem Ladentisch stand und die Abrechnung machte; er hatte das Kinn in die Hand gestützt, und seine Augen starrten blicklos in die Ferne.
Das Bild verschlug John den Atem. Sieht er mich etwa so? Das war eindeutig nicht das Gesicht, das er jeden Morgen im Spiegel sah. Er war immer noch dabei, die Skizze mit finsterer Miene zu studieren, als Jamie sagte: „Das ist schön.“
Erschrocken fuhr John zusammen und knurrte: „Himmel noch mal, Jamie. Schleich‘ dich gefälligst nicht immer so an!“
„Dann macht‘s doch keinen Spaß“, grinste Jamie. In seinen Augen blitzte der Schalk. „Immerhin hab‘ ich den Boss gerade dabei erwischt, wie er sich an seinem eigenen Bild aufgeilt.“
„Komm schon, du Schwachkopf. Ich fahr‘ dich heim“, lachte John und schubste Jamie an der Theke vorbei Richtung Tür. Allerdings verstaute er vorher die Zeichnung sorgfältig in seiner Aktentasche.
Noch ehe John rückwärts aus der Parklücke gefahren war, hatte Jamie schon an so ziemlich jedem Zubehörteil im Auto herumgefummelt. Schließlich entschied er sich dafür, in Johns CDs zu kramen. „Mann, du hast vielleicht einen beschissenen Musikgeschmack.“
John ignorierte ihn einfach, setzte den Blinker und bog in die Hauptstraße ein. Schon an der dritten Kreuzung galt Jamies Aufmerksamkeit eindeutig wieder mehr der Umgebung als dem Inneren des Wagens. Gerade, als John nachgeben und ihn fragen wollte, was er da draußen suchte, schnellte Jamies Kopf ruckartig herum. „Hey, halt mal an!“ John gehorchte augenblicklich und fragte, zu Jamie gewandt: „Was? Was ist denn los?“ Aber Jamie hing schon halb aus dem Fenster und brüllte: „Verpisst euch, ihr Wichser!“ Gleich darauf sah John ein paar Teenager davonrennen.
Dann kam David auf das Auto zu und Jamie zog den Kopf wieder ein. „Hey, Dave. Alles okay?“
„Ja. Das waren bloß ein paar Kids, die zuviel getrunken hatten“, sagte David leise und beugte sich zum Fenster hinunter. Seine Miene wurde jedoch rasch sehr zurückhaltend, als er den Fahrer des Wagens sah. Bei seinem Blick bekam John ein schlechtes Gewissen, ohne eigentlich zu wissen warum.
Davids Aufmerksamkeit richtete sich wieder auf Jamie, als dieser sagte: „Es ist kalt heute Nacht. Kannst du irgendwo hin?“
„Bin unterwegs zum Obdachlosenheim. Es ist noch früh; da gibt’s bestimmt noch Betten.“
Jamie sah ihn an und hoffte, dass es stimmte. „Pass auf dich auf, Mann“, flüsterte er. David lächelte leicht, zuckte die Achseln und ging auf den Eingang des Obdachlosenheims zu.
Jamie sank in seinen Sitz zurück. „Scheiße, ich mach‘ mir solche Sorgen um ihn …“
Darauf fiel John keine passende Antwort ein, also sagte er gar nichts, sondern fragte nur gelegentlich nach dem Weg. Als er vor dem kleinen Mehrfamilienhaus die Handbremse anzog, zögerte Jamie kurz, ehe er die Autotür öffnete. Er drehte sich um und sagte mit beinahe verlegener Miene: „Hey, danke fürs Heimfahren, Mann. Äh … magst du noch auf einen Kaffee mit raufkommen?“
John dachte darüber nach; er war in Versuchung, das Angebot anzunehmen, aber vielleicht interpretierte er die Einladung ja ganz falsch. Anstatt sich also zum Narren zu machen oder Jamie in Verlegenheit zu bringen, lächelte er lieber nur freundlich und sagte: „Ein andermal, okay?“
Jamie erwiderte das Lächeln und zwinkerte ihm beim Aussteigen zu. John schüttelte gutmütig den Kopf, winkte und fuhr los. Also, weißt du, McCann, da bittet dich ein umwerfend hübscher junger Mann auf einen „Kaffee“ mit rauf und du lässt ihn abblitzen. Vermutlich das Dümmste, was du in letzter Zeit getan hast. Bis er an der Kreuzung in der Nähe des Obdachlosenheims war, hatte John beschlossen, mit dem „andermal“ ernst zu machen. Vielleicht würde er morgen Abend mit Jamie essen gehen.
Während er an der Ampel auf Grün wartete, schaute er unwillkürlich zum Eingang des Obdachlosenheims. Die Türen waren inzwischen geschlossen. Nur ganz zufällig fiel ihm eine Bewegung ins Auge und er sah in einem nahen Hauseingang ein paar Gestalten kauern. Einige Männer, die sich auf platt gedrückten Pappkartons niedergelassen hatten. John stockte der Atem, als ihm klar wurde, dass einer davon David war.
John merkte gar nicht, wie die Ampel umsprang. Erst als die Fahrer hinter ihm ungeduldig hupten, schreckte er auf, nahm den Fuß von der Bremse und fuhr davon.
Bis er zuhause war, hatte er ein ganz übles, drückendes Gefühl tief in der Brust. Er nickte dem Pförtner zu und fuhr mit dem Fahrstuhl hinauf in seine Etage.
Anstatt sich beim Betreten der vertrauten Umgebung zu entspannen, fühlte John sich weiter aufgewühlt und zornig. Er warf seine Schlüssel auf den Tisch, schenkte sich einen Scotch ein und ließ sich auf die Couch sinken. Beim bloßen Gedanken an Essen drehte sich ihm der Magen um, und so saß er einfach nur in dem stillen Raum und rauchte eine Zigarette. Das befriedigende Gefühl von vorhin war komplett verflogen, und ihm war irgendwie schlecht. Er rieb sich die Augen. Scheiße! Das alles hier sollte doch eigentlich helfen. John stöhnte auf, als er den vertrauten Druck hinter den Augen verspürte. Ich bin nur müde; alles was ich brauche, ist ein Bett und Schlaf.
Er machte die Heizung nicht an und ignorierte beim Ausziehen seine Gänsehaut. Er redete sich angestrengt ein, dass es eigentlich gar keine so kalte Nacht war, und kroch unter die warme Eiderdaunendecke. Aber inzwischen fühlte er sich jämmerlich. Sein Magen war wie zugeschnürt und seine angespannten Muskeln drohten sich zu verkrampfen. Immer wieder sah er diesen Hauseingang vor sich und hörte Jamies leise Bitte: „Pass auf dich auf, Mann.“
„Oh, verdammte Scheiße“, fluchte John und schlug die Decke zurück. Er zog sich rasch an, schnappte sich seine Schlüssel und ging wieder hinunter in die Garage.
„Was zum Teufel mach‘ ich hier eigentlich?“, murmelte er beim Ausparken. „David ist doch kein verirrtes Hündchen, verdammt noch mal.“
John fand einen Parkplatz in der Nähe des Obdachlosenheims und ging auf den Ladeneingang zu. Er überlegte sich, was er sagen sollte. Wie sollte er erklären, warum er hier war und was hatte er David überhaupt anzubieten?
Als er endlich den Hauseingang erreicht hatte, setzte sein Herz einen Schlag aus. Niemand da. John stand ratlos in der kleinen, kahlen Nische und blickte sich um, als könnte er irgendwie einen Hinweis auf Davids Verbleib übersehen haben. Er entdeckte einen Polizisten, der ihn von der gegenüberliegenden Straßenseite aus beobachtete. John winkte und trabte über die Straße. „Entschuldigen Sie, Officer“, sagte er. „Haben Sie vielleicht vorhin einen Mann in dem Hauseingang da drüben sitzen sehen?“
Der Polizist musterte ihn neugierig und fragte dann: „Warum? Hat er was geklaut?“
„Nein!“ antwortete John rasch. „Nein, ich … ähm, ich suche nur nach ihm, das ist alles.“
„Hab‘ sie weiter geschickt, die dreckigen Gammler. Die stören hier nur, und wenn man sie festnimmt, gibt das bloß immer viel zu viel Papierkram.“
Bei der Einstellung dieses Polizisten drehte sich John der Magen um, aber er zwang sich, höflich zu bleiben. „Haben Sie eine Ahnung, wo sie hingegangen sein könnten?“
Der Polizist schaute John direkt an und sagte: „Könnten überall sein. Nadel im Heuhaufen. An Besten geben Sie’s auf und gehen nach Hause.“
John wusste, dass es sinnlos war, weitere Fragen zu stellen. Er ging zu seinem Auto zurück und fuhr eine weitere Stunde lang erfolglos in der Gegend herum. Die pochenden Kopfschmerzen wurden immer stärker und bald sah er nur noch verschwommen. Schließlich blieb ihm nichts anderes mehr übrig, als aufzugeben und nach Hause zu fahren.