JOHN SCHLIEF kaum einmal bis zum Klingeln seines Weckers, obwohl er ihn immer stellte. Das schwache, graue Licht der Morgendämmerung signalisierte die ersten Anzeichen von Bewusstsein, doch John wusste sofort, dass irgendetwas heute Morgen ganz anders war. Jemand lag mit ihm im Bett, dicht neben ihm. Er hörte Atemzüge, die nicht seine eigenen waren, und die Neigung der Matratze war anders. John hatte diesen Moment immer vermieden; neben einem anderen Menschen aufzuwachen war zu intim und machte ihn zu schutzlos.
Soweit hatte John gar nicht vorausgedacht: dass er neben David aufwachen würde.
Er schloss die Augen und lauschte auf das gleichmäßige Atmen hinter sich. Obwohl sie keinen Körperkontakt hatten, wusste er, dass David ihm nahe war. Plötzlich reichte ihm dieses Wissen nicht mehr. Er wollte sich umdrehen und David in seinem Bett schlafen sehen, nur wenige Zentimeter weit weg. Scheiße, warum musste ich unbedingt daran denken? John fluchte leise, als er spürte, wie Davids Körperwärme eine ganz eigene Art von Wärme in seinem Körper erzeugte. Er versuchte, ganz still zu liegen und seine zunehmende Erektion zu ignorieren. Oh Gott. Er wollte einfach nur still und leise seine Hand unter dem Kissen hervorziehen, sie an seinem Körper entlang nach unten gleiten lassen und sich anfassen. Als er sich zu bewegen begann, hatte er sich noch nicht entschieden, ob er seine Finger wandern lassen oder sich einfach anders hinlegen sollte, um etwas von der Anspannung loszuwerden, die sich so rasch in seinem Körper aufgebaut hatte.
David stöhnte leise im Schlaf, was John sofort erstarren ließ. Er stieß einen leicht zittrigen Seufzer aus. Verdammte Scheiße, der Mann vertraut dir. Benimm dich gefälligst nicht wie ein Scheiß-Teenager. Ernüchtert durch diesen Gedanken begann John sich zu fragen, was es bedeutete, dass David ihm vertraute; er musste zugeben, dass die Vorstellung ihn zugleich wärmte als auch erschreckte.
Er hatte keine Ahnung, was da zwischen ihm und David lief und wo das noch hinführen sollte. Nur eins wusste er ganz genau: Er wollte nicht, dass David wieder auf die Straße zurückging. Das Problem war nur, ihm gingen langsam die Gründe aus, um ihn zum Bleiben zu bewegen – und John war sich darüber im Klaren, dass David trotz seiner Lebensumstände ein stolzer Mann war und sich als Almosenempfänger nicht wohlfühlen würde. Ich könnte doch das ganze Laden-Gerümpel aus Jamies altem Zimmer rausräumen und ihm das anbieten. Vielleicht, wenn er im Laden helfen würde, damit es nicht wie ein Almosen wirkt? David rückte näher an ihn heran, und Johns Gedankengang brach augenblicklich ab. Davids Brust hob und senkte sich direkt an Johns Rücken. Davids Atem strich über seinen Nacken. Unwillkürlich drängte sich ein Stöhnen über Johns Lippen. Er erstickte es rasch, als Davids Atemrhythmus sich änderte. Scheiße, ich hab‘ ihn aufgeweckt.
John räusperte sich. „Morgen. Alles okay bei dir?“
Kaum hatte er die Worte ausgesprochen, wich David zurück und flüsterte: „Entschuldige, John.“
Sobald David den Kontakt unterbrach, tat es John leid, dass er überhaupt etwas gesagt hatte. Aber er konnte ja wohl kaum einfach nur daliegen wie ein notgeiler Teenager, bis der Wecker klingelte. Langsam drehte er sich um und lehnte sich in sein Kissen, doch David direkt in die Augen zu sehen war ihm peinlich. Daher konzentrierte er sich auf den langsam gelb werdenden Bluterguss. „Dein Veilchen verblasst schon.“
David hob kurz eine Hand an sein Gesicht und murmelte: „Das dauert nicht lange.“
„Es sollte gar nicht erst passieren“, sagte John mehr zu sich selbst als zu David. Er berührte vorsichtig die verfärbte Haut, dann stockte er mitten in der Bewegung und sagte etwas lauter: „Zeit zum Aufstehen, glaube ich.“
John wandte sich rasch von David ab. Er schaltete den Wecker aus, bevor er klingeln konnte, und schwang die Beine über die Bettkante. „Lass dir ruhig Zeit mit dem Aufstehen. Ich muss früh in den Laden und Papierkram erledigen.“
Als John nach der Pause, die er Jamie angekündigt hatte, wieder ins „Margins“ zurückkam, hatte er eine große weiße Einkaufstüte aus extrastarkem Papier mit Bastgriffen dabei, die Sorte, die eher aus einem Modegeschäft stammt als aus dem Gemüseladen. Jamie sagte kein Wort, beäugte die Tüte aber neugierig. John, der seinen Blick bemerkte, knurrte sofort: „Kümmere dich um deinen eigenen Kram.“
Jamie zog lediglich die Augenbrauen hoch wie ein Unschuldsengel und folgte John in die Küche. „Du willst mir deine neuen Klamotten doch unbedingt vorführen, du alter Schickimicki“, sagte er und steuerte grinsend auf die Tüte los.
John bekam einen feuerroten Kopf und entriss sie ihm rasch. „Sieh mal, Jamie, die sind nicht für mich. Lass es einfach, okay?“
Jamies Lächeln wurde sanfter. „Dachte ich mir schon, John. Ich weiß, dass die für David sind. Wollte nur sehen, ob du’s zugibst.“
John durchbohrte Jamie mit einem giftigen Blick und sagte in genervtem Ton: „Herrgott noch mal, Jamie! Mach mal halblang, ja?“ Er holte tief Luft, schaute seinen jungen Freund an und bekannte: „Ich tu‘ mir hier gerade ziemlich schwer. Okay, Jamie?“
Nach einem raschen, prüfenden Blick über die Schulter in den Laden ging Jamie von der Tür weg. Er nahm sich einen Stuhl und setzte sich zu John an den Tisch, wo er leise fragen konnte: „Was ist los, John? Stimmt was nicht?“
John stieß ein freudloses Lachen aus und schüttelte den Kopf. „Das ist ja das Problem, Kumpel. Eigentlich ist alles in bester Ordnung. Nur dass ich hier Neuland betrete und die Hosen gestrichen voll habe.“
Obwohl er sich nach Kräften bemühte, konnte Jamie ein Lächeln nicht unterdrücken. „Du warst noch nie so richtig verliebt, hab‘ ich recht, John?“
Johns Magen schlug einen uneleganten Purzelbaum und ihm war plötzlich ganz schwindelig, doch er schob das alles beiseite und sagte: „Red‘ kein Blech, Jamie, ich bin nicht verliebt. Er ist nur … ich mach‘ mir einfach Sorgen um ihn, das ist alles.“
Jamie stand auf, streichelte John über den Kopf und sagte mit einem freundlichen Lächeln: „Ja, ich weiß, John.“ Dann ging er wieder hinaus in den Laden.
JOHN JONGLIERTE gerade mit seinen Einkäufen und diversen Paketen voll Essen zum Mitnehmen herum, um nach dem Türgriff greifen zu können, als David die Wohnungstür öffnete. „Danke“, brachte John gerade noch heraus, ehe er David eine Pappschachtel mit dampfend heißen Nudeln in die Hand drückte. „Hier, nimm das mal. Weißt du, mit der Frau vom China-Imbiss bin ich jetzt per Du.“
David grinste, trug das Essen zum Tisch und half John dann mit den übrigen Schachteln. John schaute sich die Masse von weißen Behältern an und lachte leise. „Ich glaube, ich habe ein bisschen zuviel geholt.“
Davis zuckte die Achseln. „Vielleicht hast du beim Bestellen an Jamie gedacht?“
„Verdammt“, lachte John. „Ich staune immer wieder, wie er so viel essen und dabei so dünn bleiben kann. Na komm, setz dich. Sehen wir mal, wie weit wir kommen.“
John hatte David zwar noch nie so viel auf einmal essen sehen, aber nach drei Schachteln Nudel mussten sie sich schließlich geschlagen geben. David schaute auf die Überreste ihres Abendessens und begann Behälter einzusammeln, aber John schüttelte den Kopf. „Lass nur, das mach‘ ich später.“
Er bedeutete David, sich auf die Couch zu setzen und sagte: „Mach’s dir bequem; ich setz‘ mal Wasser auf.“
David saß schweigend da und wartete auf John, den Blick auf das Skizzenbuch auf dem Tisch gerichtet. Er nahm es in die Hand und drückte es behutsam an sich. „Das muss wichtig sein“, sagte John leise und setzte sich neben ihn. David nickte nur. John hätte nur zu gern mehr über die Zeichnungen gewusst, aber er wollte nicht zugeben, dass er sie sich schon angesehen hatte. Daher fragte er nicht, sondern wartete ab.
David schaute auf den zerrissenen Einband des Buches, holte tief Luft, schlug es auf und sagte sehr leise: „Diese Menschen sind mir wichtig.“ Nach einem kurzen Moment des Zögerns reichte er das Buch an John weiter.
John schaute auf eine Skizze des Teenagers hinab und fragte: „Ist das dein Sohn?“ David nickte, ohne die Augen von der Zeichnung zu nehmen.
„Wie heißt er?“, fragte John mit einem Seitenblick zu David. Hoffentlich würde er es diesmal erfahren.
David biss kurz die Zähne zusammen und versuchte zu entscheiden, ob er antworten sollte oder nicht. Schließlich sprach er den Namen aus, den er so lange für sich behalten hatte: „Adam.“
„Adam“, wiederholte John sanft, womit er David die Sicherheit zu geben hoffte, dass das hier okay war. „Wie alt ist er?“
David seufzte und sagte mit einem Kopfschütteln in ungläubigem Tonfall: „Er wird bald sechzehn.“
„Kriegst du ihn noch manchmal zu sehen?“
Davids Miene wurde wieder verschlossen, und so war John überrascht, eine Antwort zu bekommen. „Manchmal … manchmal, wenn ich genug Geld für eine Busfahrkarte habe, fahre ich zu seiner Schule. Ich zeige mich ihm nie, aber wenn ich zur richtigen Zeit da bin, sehe ich, wie er ankommt und sich mit seinen Freunden trifft. Er hat viele Freunde.“
Scheiße. John konnte sich nicht vorstellen, wie es wäre, einen Sohn zu haben und ihn nicht sehen zu können, wann immer er wollte. Er blätterte schweigend Seite um Seite um, bis er zu der mit seinem eigenen Bild kam. Dann schloss er leicht peinlich berührt das Buch und gab es David zurück. „Die sind wunderschön, David. Ich kann verstehen, warum du sie nicht hergeben wolltest. Sieh mal, äh ... ich weiß, dass du dein ganzes Zeug verloren hast, also hoffe ich, dass du nicht beleidigt bist, aber ich … äh … hab‘ dir ein paar Sachen besorgt.“
Er griff über die Armlehne der Couch nach der Einkaufstüte und stellte sie auf den Kaffeetisch. John versuchte das Auspacken so beiläufig wie möglich aussehen zu lassen, aber dennoch pochte sein Herz wie verrückt. Er war sicher, dass David es hören konnte.
David nahm jedes Stück mit sehr bewusster Sorgfalt entgegen und legte alles auf den Kaffeetisch: eine Jeans, zwei T-Shirts, zwei Paar Socken und Unterhosen. David bekam kein Wort heraus; er schaute die Unterhosen an und traute seiner Stimme nicht genug, um sich zu bedanken.
Von seinem Platz aus konnte John Davids Gesicht nicht erkennen und fragte sich allmählich, ob er das Falsche getan hatte. „Sind die Sachen okay, Dave?“
David nickte, doch er schlug sich die Hände vors Gesicht und verbarg seine Augen, bis er sicher war, sich wieder genug im Griff zu haben, um zu antworten. Mit dünner, gepresster Stimme sagte er: „Es tut mir leid, John. Es ist nur … Scheiße … ich bin so verdammt fertig.“ Er wandte sich rasch ab, um John nicht zu zeigen, welchen Effekt diese kleine, freundliche Geste auf ihn hatte.
John zögerte; er hätte ihn gern irgendwie getröstet, aber stattdessen stand er unbeholfen auf und ging daran, die leere Tüte aufzuräumen. Ehe er sie zerknüllen und in den Müll werfen konnte, drehte David sich wieder um und fragte sehr leise: „Kann ich die Tasche auch haben?“
John wunderte sich über die Frage, antwortete aber: „Äh, natürlich. Hier.“
David nahm die Tüte und murmelte dabei: „Ich hab keinen Rucksack mehr … muss mein Zeug irgendwie tragen.“
Es war, als hätte ein Vorschlaghammer John mit voller Wucht mitten auf die Brust getroffen; David würde weggehen. Es tat verdammt weh, aber John konnte ihn nicht davon abhalten. Er nickte und sagte in sorgfältig beherrschtem Tonfall. „Klar doch, David. Na komm; gönn dir wenigstens noch eine ruhige Nacht.“
DAVID ZOG sich rasch um und legte sich ins Bett, mit dem Rücken zu John.
Die Stille im Raum war bedrückend; John hätte so viel zu sagen gehabt, so viel zu fragen, doch die Barriere von Davids Rücken hielt ihn davon ab. Ganz offensichtlich hatte er irgendwas falsch gemacht, und deshalb wollte David jetzt fort, und wenn er sich ihn wieder auf der Straße vorstellte, krampfte sich John der Magen zusammen. Er drehte sich auf die Seite und schaute Davids Hinterkopf an; er konnte ihn nicht einfach so gehen lassen, ohne es wenigstens zu versuchen.
John streckte die Hand aus und ließ seine Fingerspitzen langsam über Davids Haar gleiten. Er spürte das anfängliche Zusammenzucken, dann schien David sich unter seiner Berührung zu entspannen.
„Du musst nicht gehen, Dave“, flüsterte John. „Ich kann verstehen, dass du nicht mit mir schlafen willst, aber ich kann doch einfach das Gästezimmer ausräumen. Im Moment wird es sowieso nur als Lagerraum für den Laden und für Maggies Möbel benutzt. Bitte bleib.“
David drehte sich um und sah ihn an. Sein Blick wanderte über Johns Gesicht, dann sagte er: „Ich möchte aber mit dir schlafen, John.“
Beide Männer lagen schweigend da; keiner von ihnen schien zu wissen, wie es weitergehen sollte. Dann umfasste Johns Hand sanft Davids Wange. Er beugte sich vor, bis seine Lippen Davids Mund streiften, rechnete halb damit, dass David zurückweichen würde. Stattdessen spürte er, wie Davids Mund sich sachte bewegte, sodass John seine Zunge zwischen die jetzt leicht geöffneten Lippen gleiten lassen und den Kuss vertiefen konnte. Das Blut rauschte John in den Ohren, als er näher an David heranrückte.
Er schob langsam eine Hand unter Davids T-Shirt und fuhr mit den Fingerspitzen den Wirbeln seiner Bauchhaare nach. David keuchte leise in den Kuss, als Johns Hand sich weiter nach oben bewegte, bis seine Finger auf eine bereits aufgerichtete Brustwarze trafen. Sanft unterbrach John den Kuss und wich zurück, um Davids Gesicht sehen zu können, während er den empfindlichen Nippel mit der Fingerspitze umspielte.
John war überwältigt, wie wunderschön David unter seiner Berührung war; seine Augen waren geschlossen, seine Lippen leicht geöffnet. John sehnte sich nach ihm. Als er seine Hand wegnahm, öffnete David die Augen. John begegnete seinem Blick und hielt ihm stand, als er nach dem Saum seines T-Shirts griff und es sich über den Kopf zog. David sah ihn unverwandt an; seine Atmung beschleunigte sich und er hob leicht den Oberkörper, sodass John ihm ebenfalls das T-Shirt ausziehen konnte.
John beugte sich vor und presste seine Lippen sanft auf Davids Brustbein, verstärkte den Druck, bis David nachgab und sich wieder hinlegte. John zog langsam einen Pfad aus Küssen bis zu Davids Halsansatz. Dort zögerte er, da ihm plötzlich bewusst wurde, dass seine Berührungen nicht erwidert wurden. Er stützte sich auf den Ellbogen, folgte der Spur seiner Lippen mit dem Handrücken und fragte: „Ist das okay?“
David nickte kaum wahrnehmbar, ohne auch nur einmal den Blick von Johns Augen zu wenden.
Mehr brauchte John nicht zu wissen. Mit dem Gesicht zu David legte er sich neben ihn, zog ihn an sich und stöhnte auf, als er plötzlich Davids warmen Körper an seiner Haut spürte. Er senkte den Kopf und fuhr mit der Zungenspitze an Davids Hals entlang bis zu seinem stoppeligen Unterkiefer.
Davids Hand schwebte mit gebeugten Fingern in der Luft, dann senkte sie sich plötzlich auf Johns Kopf herab und wühlte sich in sein Haar. Bei dem beinahe schmerzhaften Zerren an seinen Haaren durchfuhr John die Lust wie ein Blitzstrahl. Er stöhnte auf und stieß die Hüften vor, zischte an bereits schweißnasser Haut, als seine Erektion sich an Davids steifem Schwanz rieb. John war so hart, dass bei der plötzlichen Reibung Schockwellen durch seinen Schwanz gingen; er hob seinen Mund an Davids Ohr und keuchte: „Ich brauch dich … brauch dich jetzt sofort.“ Johns Hand begann ungeduldig am Bund von Davids Jogginghose zu nesteln. „Dreh dich um, Dave.“
John streckte sich nach dem Nachttisch und nahm ein Kondom aus der Schublade. Er musste kurz darin herumkramen, ehe er das Gleitgel fand. Als er sich wieder umdrehte, lag David auf dem Bauch, den Kopf auf seine verschränkten Arme gestützt, das Gesicht von John abgewandt. Die Blutergüsse verblassten bereits, waren aber auf der blassen Haut seines unteren Rückens noch deutlich zu erkennen. Ihre Realität dämpfte Johns Begierde. Nicht so … Er strich mit der Hand sanft über die verunstaltete Haut und sagte leise: „Auf die Seite, David. So könnte ich dir wehtun.“
David drehte sich schweigend um.
John zwang sich, langsam zu atmen und beugte sich vor; er küsste David zärtlich auf die Schulter und flüsterte: „Heb‘ die Hüften ein bisschen“, wobei er Davids Jogginghose vollends abstreifte. Rasch schlüpfte er aus seiner eigenen Hose und rückte ganz nahe an den nackten Rücken heran. Seine Hand umfasste beschützend Davids Hüftknochen, hielt ihn nur fest, während John sein Gesicht sanft an den bereits feuchten Nacken schmiegte.
„Du musst mir sagen, ob das okay ist“, hauchte John David ins Ohr. Er bekam lediglich ein leichtes Nicken zur Antwort; David schien lieber nicht sprechen zu wollen. Doch John zögerte. Das hier war kein schneller, flüchtiger Fick; er wollte mehr und brauchte die Bestätigung, dass David das auch wollte.
„Du musst es mir sagen, Dave. Ich muss dich hören.“
David hatte gelernt, dass Sex sich im Stillen abzuspielen hatte; entweder grob auf einer öffentlichen Toilette oder schnell mit seiner eigenen Hand, ehe er gesehen wurde. Aber unter Johns sanften Händen begann er sich sicher genug zu fühlen, um seine Stimme wiederzufinden. „Ja“, murmelte er und verlieh dem einzelnen Wort mit einem leichten Schubs nach hinten Nachdruck, wo er heiße Haut fühlte.
„Ja“, wiederholte John, dann gab er sich Gleitgel auf die Hand und drang sanft mit einem Finger in David ein. Als David ein leises Ächzen ausstieß, ging John langsamer vor und gab genau Acht, als er seinen Finger ganz hineinschob. Mit leichten Drehbewegungen seines Fingers löste sich der anfängliche Widerstand mühelos auf, und John nahm einen zweiten, dann einen dritten Finger hinzu. Seine Augen bewegten sich hin und her zwischen dem, was er von Davids Gesicht sehen konnte und der Hand, die sich jetzt in das Laken krallte.
John zog behutsam seine Finger heraus. Zu seiner Überraschung ließ David das Bettlaken los, packte ihn am Handgelenk und sagte atemlos: „Kondom, John. Ich bin vielleicht nicht sicher.“
„Schon okay, Dave. Ich hab‘ eins“, versicherte John und versuchte die Furcht zu verdrängen, die ihm plötzlich die Brust zusammenschnürte. Kümmere dich später darum. David wird nichts passieren.
John streifte das Kondom über und streichelte sich ein paar Mal, mehr aus Gewohnheit als aus Notwendigkeit. Er war bereits so steif, dass es wehtat. Er strich mit der flachen Hand über die glatte, feine Haut an Davids Hüfte und an seinem Schenkel entlang, drängte ihn sanft dazu, das Knie zu beugen und sein Bein vorzuschieben.
John wünschte sich das hier so dringend; seine Hand zitterte sichtlich, als er seinen Schwanz zwischen Davids Hinterbacken führte. Beim Sex verschwendete er normalerweise kaum einen Gedanken an seinen Partner oder seine Partnerin, doch das war diesmal anders. John betrat hier wirklich Neuland. Er drang vorsichtig, aber zielsicher weiter vor, nahm sich viel Zeit, die dicke Eichel durch den Ringmuskel zu zwängen und achtete auf Davids leises Stöhnen, als er schließlich hineinglitt. John hielt kurz inne, um einmal durchzuatmen, dann drang er vollends ein.
Tief in David vergraben war John vorübergehend zu überwältigt von einem Wirbel von Gedanken und Gefühlen, die um die Vorherrschaft über sein Begehren kämpften, um einfach bis zum Orgasmus zu vögeln. Er hakte sein Kinn über Davids Schulter und küsste die zarte Haut unter seinem Ohr. „Was brauchst du, David?“
David stöhnte auf bei der unerwarteten Frage, legte den Kopf zurück und flüsterte: „Mehr … bitte.“
John zog sich langsam zurück und beugte die Hüfte, um etwas kräftiger wieder hineinstoßen zu können. David schnappte nach Luft und spannte die Muskeln um ihn herum an. „Oh verdammt, fühlst du dich gut an“, murmelte John. „So gut.“ Er streckte einen Arm auf dem Kissen nach oben, fand Davids Hand und verschränkte ihre Finger miteinander, ehe er mit leichten, wiegenden Bewegungen zu stoßen begann.
Es war nicht das, was David von Sex zu erwarten gelernt hatte; es gab keinen Schmerz, kein Bedauern. Stattdessen empfand er nur Leidenschaft und Begehren. Sein Kopf sank nach hinten, bis er an ihren Armen lehnte; er konnte kaum sein Stöhnen unterdrücken, als Lippen und Zunge eine Spur an seiner Kehle entlang zogen.
Bei jedem Stoß fühlte John seine Entschlossenheit schwächer werden und wusste, er würde nicht mehr lange warten können. „Ich muss kommen, Dave“, keuchte er warnend, ehe er Davids Hüftknochen fest umfasste und in einen schnelleren Rhythmus aus tiefen, jedoch nicht brutalen Stößen verfiel.
Mit rastlos zuckenden Beinen begegnete David Johns Stößen; sein eigener Penis triefte auf die Laken und sehnte sich nach Berührung. Er wusste, dass er kurz davor war. Er wollte die Berührung von Johns Hand spüren, fasste sich jedoch stattdessen selbst zwischen die Beine. Er stöhnte auf; seine Finger schlossen sich fest um seinen Schwanz und begannen im Rhythmus von Johns Stößen an den Graten seines Schaftes entlang zu gleiten, bis eine andere Hand die seine umschloss und ihn zögern ließ. Doch die Berührung war genug, und mit einem Keuchen, das möglicherweise Johns Name war, kam er in seine Hand.
„Oh fuck, David …“, war alles, was John noch stöhnen konnte, dann presste er sein Gesicht an Davids Hals und gab sich zitternd und ächzend dem erlösenden Höhepunkt hin.
Sie lagen schweigend beieinander. John hatte seinen Arm immer noch eng um Davids Brust geschlungen, ihre Finger waren immer noch miteinander verschränkt. Er wusste, dass es mehr als nur Lust war; es war ihm wichtig gewesen, dass es für David auch schön war. Er wollte David unbedingt spüren lassen, dass John … dass er was? John scheute sofort vor diesem Gedankengang zurück, ließ David los und zog sich vorsichtig aus ihm zurück, wobei er das Kondom festhielt. Er zog es ab, dann stand er vom Bett auf und ging ins Bad.
Als er zurückkam, hatte David sich kaum bewegt. John setzte sich hinter ihm aufs Bett und wischte mit einem feuchten Waschlappen sanft die Überreste von Gleitgel und Sperma weg. Als sie beide sauber waren, warf John den Waschlappen auf den Fußboden, kuschelte sich von hinten an David und zog die Bettdecke um sie beide herum hoch.
Keiner von beiden sprach.
JOHNS ARM hielt ihn, und der regelmäßige Atem eines friedlichen Schlafs streifte sein Genick, doch David lag wach. Er konnte sich nicht erinnern, wann er je solche Lust und solche Freude empfunden hatte wie unter Johns Berührung, aber jetzt wuchs jener kleine Keim des Zweifels in seiner Brust.
John murmelte etwas im Schlaf und rieb abwesend sein Gesicht an Davids Hals. Oh Gott. David wusste, dass er diesen Mann liebte, und es war zu viel. David fand atmen plötzlich schwierig. Seine Lungen hatten keinen Platz, um sich auszudehnen. Er musste sich aufsetzen, musste Johns Berührung entkommen.
Behutsam, aber schnell glitt er unter Johns Arm hervor und setzte sich an die Bettkante. Er rieb sich krampfhaft Hände und Unterarme, die sich ganz taub anfühlten. Das Bedürfnis, aufzustehen, sich zu bewegen, wurde übermächtig.
David stand neben dem Bett und blickte auf John herab. Er wusste, dass er nicht bleiben konnte, nur um John sagen zu hören, dass er ihn nicht liebte.
In den frühen Morgenstunden schloss David leise die Tür hinter sich und ging weg.