VIELLEICHT WAR es die Verlagerung eines Gewichts auf der Matratze oder der kühle Luftzug an seinem Rücken, wo sich noch vor Kurzem ein warmer Körper befunden hatte, doch John erwachte und wusste sofort, dass David nicht mehr neben ihm lag. Aber das Bett war nicht leer, denn er fühlte David still an der Bettkante sitzen. John hätte gern gefragt, wartete aber schweigend und mit angehaltenem Atem. Die Matratze wippte ganz leicht, als David vorsichtig aufstand und John hörte ihn auf nackten Füßen leise durch das Schlafzimmer tappen. Sobald die Tür sich geschlossen hatte, drehte John sich zu der jetzt leeren Hälfte des Betts um und schlug die Augen auf. Er ist nicht gegangen, sagte ihm seine Vernunft. Er setzte sich auf und rieb sich müde mit einer Hand über das Gesicht. So sehr er sich das auch wünschte, er brauchte Gewissheit. John lehnte sich über die Bettkante, spähte in das Halbdunkel neben der Matratze und stieß einen erleichterten Seufzer aus. Seine Kleider sind noch da.
Kaum hatte er das gedacht, hörte er die Toilettenspülung rauschen; er legte sich rasch wieder hin, mit dem Gesicht zu Davids Seite des Bettes, und stellte sich schlafend. Durch die Wimpern hindurch konnte John gerade noch erkennen, wie die Schlafzimmertür langsam aufging. David trat ein und blieb im Türrahmen stehen; John hatte seine Lage verändert. David wartete und lauschte; er hoffte wohl, John nicht geweckt zu haben.
David kam leise ins Bett, setzte sich behutsam hin und schob seine Beine langsam unter die Bettdecke. Er legte sich dicht an der Bettkante auf die Seite.
John konnte ihn im Schatten des Bettzeugs kaum erkennen, doch er wusste, dass David ihn beobachtete. Er ließ seine Augen zufallen und versuchte ganz still zu liegen; ein beinahe unmögliches Unterfangen, wenn man beobachtet wurde. Nach ein paar Minuten täuschte John ein Strecken im Schlaf vor, um das Zucken seiner Beine zu verbergen, und wälzte sich mit einem leisen Stöhnen auf die andere Seite. Er hätte auch einfach zugeben können, dass er wach war. Aber als er fühlte, wie David ihm über die Matratze folgte und sich zaghaft an seinen Rücken schmiegte, da wusste John, dass er recht gehabt hatte.
DAS GRAUE Licht kroch bereits durch die teilweise offenen Vorhänge. John streckte den Arm aus und stellte den Wecker vor dem Klingeln ab. Er rieb sich mit dem Handballen schläfrig die Augen.
„Es ist fast Frühling“, sagte David leise. John blinzelte ein paar Mal und wandte sich dann der Stimme zu. David stand vor dem Fenster und schaute hinaus. „Der Frühling ist eine freundlichere Jahreszeit.“
John wollte nicht, dass er sich darüber weiterhin Gedanken machte. Fast hätte er das auch gesagt, aber dann nickte er nur und bemerkte: „Morgens wird es schon früher hell.“
Davids Blick schweifte vom Fenster zu John, als wüsste er nicht, was er jetzt sagen sollte. John lächelte ihn einfach nur freundlich an und fragte: „Gut geschlafen?“
Als David nickte und das Lächeln erwiderte, wurde John die Brust ganz eng. Ehe ihm bewusst wurde, dass er die Hand gehoben hatte, zeichneten seine Finger schon die Konturen von Davids Mund nach, verweilten kurz auf der vernarbten Lippe. David schloss die Augen, erlaubte der Berührung, zu einer Liebkosung zu werden.
John sah zu, wie seine Finger über Davids Unterlippe strichen, seinen Mund leicht öffneten. Er beugte sich vor, sodass ihre Münder sich fast – fast – berührten; seine Finger glitten über frische Bartstoppeln und blieben zart an Davids Kehle liegen. Weiche Lippen hatten seine gerade erst leicht gestreift, als Davids Magen ein lautes Knurren von sich gab.
David stieß ein leises, peinlich berührtes Lachen aus, aber John lehnte sich zurück und fragte mit ruhiger Stimme: „Wann hast du zum letzten Mal was gegessen?“
Verlegenheit vertiefte sich zu Scham bei der Frage und David versuchte, sie achselzuckend abzutun. „Mit Jamie.“
„Scheiße, Dave, das war ein halbes beschissenes Sandwich, und zwar vorgestern.“ Johns Zorn richtete sich nicht gegen David, doch er verfiel rasch in einen sanfteren Tonfall, als er die schuldbewusste Miene des anderen Mannes sah. „Na komm. Wir brauchen beide ein Frühstück.“
DIE SZENE in der Küche brachte David zum Lächeln. John hörte nicht auf zu reden, während er geschäftig Speck und Eier briet, Toast butterte und die Kaffeemaschine füllte. Es war, als ließe David zu viele Lücken im Gespräch und John hätte das Gefühl, sie ausfüllen zu müssen. Er hätte zwar gerne seine Hilfe angeboten, aber John hatte ihn angewiesen, sich an den Tisch zu setzen. Also begnügte David sich mit Zuschauen, während John mit viel Lärm und Gedöns Frühstück machte.
„Wie magst du deine Eier?“, fragte John mit einem Blick über die Schulter.
„Ich weiß nicht. Wie auch immer ich welche kriegen kann“, antwortete David ehrlich.
Die Antwort ernüchterte John; er hielt mitten in der Bewegung inne, mit einer Hand über der Bratpfanne, während das Eiweiß langsam über dem Eigelb opak wurde. Dann ließ er das Ei behutsam zu den knusprigen Speckstreifen auf den Teller gleiten, den er dann an den Tisch brachte.
Vom Duft des bratenden Specks zog sich Davids Magen knurrend zusammen, doch er wartete, bis John sich gesetzt hatte.
„Hau rein, Dave“, sagte John und versuchte dabei, sich Davids ständiges Bedürfnis nach Genehmigung nicht so zu Herzen zu nehmen. „Ich bin nicht der beste Koch, aber Eier mit Speck kann ich verdammt gut.“
„Und Suppe“, ergänzte David und warf John ein leichtes Lächeln zu, ehe er einen Bissen Speck in den Mund steckte.
Ein leichtes Erröten verriet Johns Freude, dass David sich daran erinnerte, doch noch deutlicher sagte es sein breites Grinsen, als er Davids Worte wiederholte: „Und Suppe.“
SATT UND sauber zu sein war immer noch ein ungewohntes Gefühl. Nachdem John die Treppe hinuntergegangen war, um den Laden aufzumachen, hatte David geduscht und die Jogginghosen angezogen, die John ihm gegeben hatte. Er wusste nicht, was er jetzt tun sollte; das hier war gänzlich außerhalb seiner normalen Routine. Er hatte zwar schon zuvor Zeit in der kleinen Wohnung verbracht, doch jetzt kam sie ihm irgendwie anders vor. John hat nur versucht zu helfen, überlegte David. Aber gestern Abend … hat er mich hierher zurückgebracht. Er schüttelte den Kopf bei der Richtung, die seine Gedanken eingeschlagen hatten und bei den Ängsten, die das in ihm weckte.
Nachdem er mehrere Minuten lang an der Badezimmertür gestanden hatte, wagte David sich hinüber zu dem massiven Bücherregal, das im Wohnzimmer fast eine ganze Wand einnahm. Ein Blick auf die Titel machte deutlich, dass die meisten der Bücher – wenn nicht alle – Maggie gehörten. Erst ganz am Ende der Reihe fand sich etwas von John. David blieb vor zwei schlichten, kleinen Bilderrahmen aus Silber stehen, die jeweils ein altes Foto enthielten. Behutsam nahm er einen davon in die Hand. Das Schwarz-Weiß-Foto zeigte eine junge Frau mit hellem Haar und einer Frisur, die einem lackierten Bienenkorb ähnelte. Sie saß auf einer alten, hölzernen Schaukel. Eine Hand hielt das verwitterte Seil, die andere stützte den kleinen Jungen auf ihrem Schoss. Das Kind sah kaum älter als zwei Jahre aus; die Kamera hatte beide lachend eingefangen. David strich mit der Fingerspitze über das glückliche Kind. Das andere Foto war jünger, in Farbe, aber mit einem leichten Rosastich wie ein Druck aus den Siebzigern. Sonntagsstaat. David lächelte den Teenager in blütenweißem Hemd und Krawatte an. John stand neben einem älteren Paar; ganz offensichtlich war es ihm unangenehm, fotografiert zu werden. Er hat sie sehr geliebt, sinnierte David, als er bemerkte, dass John die Hand seiner Großmutter fest umklammert hielt. Privatfotos. Plötzlich kam er sich vor, als würde er in Johns Privatsphäre eindringen, und stellte das Bild wieder hin.
Seine Hand hatte gerade den Rahmen losgelassen, als ein Klopfen an der Tür ihn erschreckte. Davids Herz begann zu rasen, und er machte instinktiv einen Schritt zurück, weg von dem Bücherregal. Das ist falsch. Ich sollte nicht hier sein.
Wieder klopfte es, diesmal mit etwas mehr Nachdruck.
„Hey, Dave. Ich bin’s, Mann. Äh, ich, Jamie.“
David spürte, wie etwas von der Anspannung aus seinen Schultern wich; rasch schloss er die Tür auf und öffnete.
Jamie lächelte ihn strahlend an und umarmte ihn. „Oh Mann, ist das schön, dich zu sehen. Verdammt, Dave, du hast uns vielleicht einen Schrecken eingejagt.“ Er ließ David aus seinem Griff und sagte mit einem Grinsen: „Na, du siehst ja ganz okay aus.“ Doch bei Davids offensichtlichem Unbehagen, sich nur in Jogginghosen sehen zu lassen, bereute Jamie die flapsige Bemerkung sofort.
Um die Verlegenheit gar nicht erst richtig einsetzen zu lassen, nahm er David an der Hand und führte ihn zur Couch. „Wie geht’s dir wirklich, Dave?“, fragte er und erzwang dabei direkten, jedoch nicht bedrohlichen Blickkontakt.
„Ich bin okay“, probierte es David mit seiner üblichen, ausweichenden Antwort. Jamie ging nicht darauf ein. Er wusste, dass er in diesem Fall einfach stillhalten und abwarten musste. Schließlich seufzte David und murmelte: „Ich weiß nicht … Verwirrt, glaub‘ ich.“
„Verwirrt wegen was genau?“, fragte Jamie sanft.
David zuckte die Achseln und deutete mit einer vagen Handbewegung auf das umgebende Zimmer. Als die Hand wieder zur Ruhe kam, umschloss Jamie sie mit beiden Händen und sagte leise: „John war ganz außer sich, als du weggegangen bist. Okay, ich kenne ihn noch nicht lange, aber es war verdammt noch mal glasklar, dass er dich zurückhaben wollte. Er will dich hier haben.“
David runzelte die Stirn. Er wollte akzeptieren, was Jamie ihm zu sagen versuchte, doch er war nicht bereit dazu. Jamie drückte ihm die Hand und sagte: „Wirst du bleiben?“
„Ich weiß nicht … ich will schon.“ David schaute auf Jamies Hände, die seine Hand festhielten. „Ich werd’s versuchen.“
„Gib dir Mühe, Dave. Bitte.“
Gib dir Mühe. Natürlich würde er sich Mühe geben, wenn das bedeutete, mit John zusammen zu sein. Doch David wusste, dass alle Mühe am Ende vielleicht nicht reichen würde. Sein Magen krampfte sich zusammen und er schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht mehr, wie das geht, Jamie.“
„Was meinst du damit, Dave? Was kannst du nicht mehr?“
David schüttelte erneut den Kopf und massierte sich mit seiner freien Hand zwanghaft das Genick; er konnte es nicht erklären.
Jamie sah, wie David sich abquälte. Scheiße. Er muss doch inzwischen wissen, dass John ihn liebt. „Du musst ihm vertrauen, Dave. Das Risiko eingehen. Obwohl, um ehrlich zu sein, ich glaube nicht, dass das Risiko so groß ist.“
David antwortete nicht. Jamie konnte unmöglich wissen, wie viel er da verlangte. Es hatte eine ganze Menge psychischer und körperlicher Verletzungen gebraucht, bis die „Mauern“ errichtet waren; John zu lieben würde ihn wieder so verwundbar machen wie am Anfang. Er konnte bereits spüren, wie es passierte – und es machte ihm Angst. Auf der Straße hatte er seine Routine: Er aß und schlief, wann er konnte, flüchtete sich so oft wie möglich in die Bücher, sah nach Adam … wobei das immer seinen Preis hatte.
Mit einem aufmunternden Lächeln setzte Jamie sich auf. „Das wird schon, Dave. Ich geh‘ besser wieder runter, ehe der Boss was mitkriegt. Hab mich rausgeschlichen, solange ihn die Pensionäre beim Wickel hatten. Wir sehen uns dann unten. Zieh deine neuen Sachen an, ja?“
Als Jamie ging, sah David ihm nach und atmete dann zittrig durch. Er ging ins Schlafzimmer und schaute auf die weiße Papiertüte, die immer noch voller ordentlich gefalteter Kleidungsstücke war. Sie riechen sauber, dachte David, als er die Sachen behutsam herausnahm. Er lächelte beim Anblick der schlichten weißen Unterhosen.
DAS BIMMELN der Glocke an der Ladentür ließ Jamie und John aufblicken. David kam herein; er wirkte ausgesprochen befangen. Er trug neue Jeans und ein schwarzes, langärmeliges T-Shirt. Nur seine schäbigen alten Stiefel verdarben das Bild.
„Hey, Dave! Toll, deine neuen Klamotten“, strahlte Jamie. „Sieht super aus. Oder, John?“ Jamie drehte sich zu John um und stöhnte: „Oh Scheiße … Stielaugen! Ihr zwei seid so langsam eine echte Plage, aber hallo!“
Peinlich berührt warf John Jamie einen vernichtenden Blick zu, allerdings völlig vergeblich, da Jamie David am Arm packte und ihn zu einem großen Karton mit Secondhand-Romanen zerrte, in dem sie dann gemeinsam herumzukramen begannen.
Der Tag verging rasch und problemlos, obwohl John viele Gründe zu finden schien, in den hinteren Teil des Ladens zu gehen. Er gab sich große Mühe, David nicht zu bedrängen und mischte sich auch nicht in Jamies und Davids Mittagessens-Ritual ein, wobei er trotzdem jede Gelegenheit wahrnahm, einen Blick in Davids Richtung zu werfen. Bis zum Spätnachmittag war John gründlich angewidert von seinem Bedürfnis, David zu sehen … nur um mich zu vergewissern, dass es ihm gut geht, redete er sich ein … und konzentrierte seine Gedanken und seine Energie darauf, das Bestellsystem abzugleichen.
Er bekam kaum mit, wie Jamie den letzten Kunden des Abends hinauskomplimentierte und schrak zusammen, als eine jubilierende Stimme seine Konzentration durchbrach: „Feierabend!“
„Herrgott noch mal, Jamie! Hör auf, dich immer so anzuschleichen. Du gehst mir heute so was von auf die Nerven.“
Jamie antwortete mit einem frechen Grinsen: „Pech für dich, alter Mann. Ich bin glücklich.“
John stand drohend auf und zu seiner Freude machte Jamie rasch einen Schritt zurück. John marschierte an ihm vorbei in den Laden und knurrte: „Übertreib’s nicht, Jamie. Ich bin immer noch dein Boss.“ Aber seine finstere Miene verschwand schnell, als er David an der Ladentheke stehen sah.
David sah ihm mit einem leichten, zögernden Lächeln entgegen. Obwohl er auf John wartete, nahm er nichts als selbstverständlich an; er war bereit, gute Nacht zu sagen und zu gehen, falls in Johns Miene auch nur der geringste Zweifel zu lesen wäre.
Jamie folgte John durch die Tür und hielt die Hand auf. „Gib mir die Schlüssel, John. Ihr zwei geht rauf und ich schließ‘ ab.“ Der Blick, den er John zuwarf, ließ nur eine Deutung zu: „Nimm ihn mit nach Hause, John“.
John dankte ihm und wandte sich an David. „Na komm, Dave. Wie wär’s, gehen wir was essen? Ich lad‘ dich ein.“
David wirkte leicht panisch, aber da mischte Jamie sich ein: „Du hast noch Bestellungen fertig zu machen, Boss, und Dave sieht hundemüde aus. Ich hab‘ ihn den ganzen Nachmittag Bücher sortieren lassen.“
John setzte zu einer Antwort an, erinnerte sich aber an eine frühere Gelegenheit, als er ein Essen auswärts vorgeschlagen hatte und sagte ruhig: „Ja, du hast recht. Ich bin selber ziemlich müde. Nacht, Jamie.“
David warf Jamie ein freundliches Lächeln zu, als sie beim Verlassen des Ladens an ihm vorbeigingen.
DIE BEIDEN Männer verbrachten ein ruhiges Abendessen mit Fish and Chips und sehr wenig Konversation. Als sie fertig waren, räumte John den Tisch ab und sagte: „Tut mir leid, Dave, ich muss wirklich Bestellungen fertig machen. Aber da steht der Fernseher, oder nimm dir ein Buch aus dem Regal.“ David nickte und begann die Bücher im Regal durchzumustern.
John machte sich an die Arbeit. Seine Augen huschten zwischen den säuberlich notierten Zahlen und seinem alten Taschenrechner hin und her.
David hatte sich einen Roman mit Hardcovereinband ausgesucht und saß mit untergeschlagenen Beinen an einem Ende der Couch, wo er nur den Kopf zu heben brauchte, um John am Tisch zu sehen. Es war ein Luxus, ein gebundenes Buch lesen zu können, doch David bereute bald seine Wahl, als ihn die Müdigkeit überwältigte und das Buch zu schwer zum Halten wurde. Er kämpfte verzweifelt gegen den Schlaf an; er wäre gern ins Bett gegangen, musste aber auf John warten.
Als John aufblickte, waren David die Augen zugefallen und das Buch lag offen auf seinem Schoß. John betrachtete ihn eine Zeit lang. Dabei wurde ihm bewusst, wie müde David immer wirkte, obwohl er oft in dem Sessel im Laden döste. Als Davids Hand zum zweiten Mal von der Kante des Buchs abrutschte, sagte John freundlich: „Du siehst müde aus, David. Geh ruhig schon mal ins Bett. Ich komm‘ in einer Minute nach.“
David hob ruckartig den Kopf. Er schien ein wenig verlegen zu sein, weil er eingedöst war, aber er nickte, klappte das Buch zu und machte sich langsam auf ins Schlafzimmer.
Entschlossen, die Bestellungen zum Aufgehen zu bringen, tüftelte John weiter mit dem Papierkram herum. Doch ganz gleich, wie sehr er sie verfluchte, die Zahlen wollten einfach keinen Sinn ergeben. Schließlich musste er sich geschlagen geben; er war mit dem Kopf ganz woanders. Er schlug das Hauptbuch zu, stand auf und knipste das Licht aus.
Die Nachttischlampe war schon aus, als John ins Schlafzimmer kam, und David hatte sich unter den Quilt gekuschelt. So leise er nur konnte, zog John sich aus und schlüpfte auf seiner Seite unter die Decke. Die Laken waren kalt auf seiner bloßen Haut, also rückte er dichter an David heran und spürte sofort die Wärme, die von ihm ausstrahlte. Ohne ganz auf Hautkontakt zu gehen, lag John eine Zeit lang nur da und lauschte den gleichmäßigen Atemzügen des anderen Mannes. Als David einen leisen Seufzer ausstieß, beugte John sich vor und streifte mit den Lippen ganz zart Davids Nacken. „Ich bin’s nur“, flüsterte er.
Schlaf, Dave. Bist in Sicherheit.