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DIE BEIDEN jungen Mütter verstummten, als sie aus dem Bus stiegen und den stillen Mann sahen, der im Buswartehäuschen in der Ecke saß. Eine machte mit gedämpfter Stimme eine Bemerkung, zu der die andere den Kopf schüttelte, und sie zerrten ihre Kinder ein wenig schneller weg. David senkte den Kopf und schloss die Augen. Nicht mehr lange.

Ihm tat alles weh und in seinem Kopf pochte es, aber nichts davon spielte jetzt noch eine Rolle. Er war hier und würde ihn bald sehen. Das war es wert.

Einige Jungs im Teenageralter quollen aus einem alten Auto. Sie lachten und schubsten sich gegenseitig auf die niedrige Ziegelmauer vor der Schule zu, wo sie sich dann niederließen. David zog sich tiefer in den Schatten des Wartehäuschens zurück. Er hatte aus Erfahrung gelernt, Teenager in größerer Anzahl zu meiden. Er hörte ein weiteres Auto anhalten. Die Jungs begannen zu jubelnd und einer schrie: „Hey, Robinson!“ David beugte sich weit genug vor, um Adam auf der Fahrerseite aus einem neuen Auto mit Fahranfänger-Kennzeichen aussteigen zu sehen. Von seinem Versteck aus sah David zu, wie die anderen Jungs seinen Sohn umringten, der ihnen stolz das kleine, blaue Auto vorführte, bis die Schulglocke läutete.

Als die Jungs sich zerstreut hatten und im Schulgebäude verschwunden waren, flüsterte David traurig: „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Adam.“

 

 

EIN LEICHTER Atemhauch im Nacken war das erste, was John wahrnahm, als er aus unruhigem Schlaf erwachte. David. Aber die Realität der vergangenen Nacht drang bald in diesen Gedanken ein und eine leere Übelkeit überkam ihn. Er streckte sich nach dem Nachttisch und schaute auf sein Handy. John wusste, dass es keinen Anruf gegeben hatte, aber er musste trotzdem nachsehen. Keine Nachrichten. Er drehte sich auf den Rücken und massierte sich mit Daumen und Zeigefinger die Nasenwurzel; seine Augen brannten, und das bisschen Schlaf, das er gefunden hatte, hatte seine Kopfschmerzen auch nicht besser gemacht.

Es war noch früh, aber John wusste, dass er nicht mehr im Bett bleiben konnte. Es kam ihm falsch vor. Doch gleichzeitig fehlte ihm die Energie zum Aufstehen.

Die Bewegung im Bett weckte Jamie und er setzte sich auf, vorübergehend ganz durcheinander wegen der Umgebung; es war schon sehr lange her, seit er in diesem Zimmer zu seinen Eltern ins Bett gekrochen war. Er sah auf John hinab, und obwohl beide Männer voll bekleidet waren, fühlte er sich etwas befangen und wusste nicht, was er sagen sollte. John nickte ihm kurz zu, entzog sich aber jeglicher Unterhaltung, indem er sich ebenfalls aufsetzte und die Beine aus dem Bett schwang. Als Jamie zu einem einfachen „guten Morgen“ ansetzte, hob John die Hand, um ihn zum Schweigen zu bringen, stand auf und ging in die Küche.

Nach einem Abstecher ins Badezimmer raffte Jamie sich auf und betrat die Küche, wo John gerade Geschirr in den Schrank räumte. Jamie sah ihm eine Zeit lang dabei zu, bis er den Mut fand, zu fragen: „Bist du okay?“

„Mir geht’s gut“, antwortete John in einem Tonfall, der weitere Nachfragen verbot. Aber Jamie ignorierte diesen Ton, da er Johns Verteidigungsmechanismen verstand, und schlug vor: „Wir können noch mal nach ihm suchen.“

„Er ist weg, Jamie“, fauchte John, entschlossen, die dicht unter der Oberfläche brodelnden Emotionen nicht ausbrechen zu lassen.

„Letztes Mal hast du ihn auch gefunden“, sagte Jamie still.

John knallte die Schranktür zu und wirbelte herum. „Wie oft muss ich ihn denn noch finden? Sag mir das mal.“

Das überraschte Jamie; die Antwort schien so offensichtlich. „Bis er bleibt.“

Johns Entschlossenheit bröckelte und er ließ sich auf einen Stuhl fallen. Barbaras Worte gingen ihm durch den Kopf. Ich will Ihnen nichts vormachen, John. Das wird nicht einfach werden, und es könnte auch schief gehen. Also müssen Sie entscheiden, ob er das alles wert ist. Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare und schaute aus dem Fenster statt zu Jamie.

„Ich kann das „Margins“ aufmachen, wenn du willst“, bot Jamie an und setzte sich John gegenüber an den Tisch. Er fummelte am Griff eines leeren Kaffeebechers herum, der noch auf dem Tisch stand.

John schüttelte den Kopf und seufzte. „Lass heute zu …“

„Aber was, wenn er in den Laden kommt? Wir müssen offen haben. Ich bleib‘ im Laden, wenn du dich noch mal auf die Suche machen willst. Vielleicht kann dir die Frau aus dem Obdachlosenheim heute helfen?“

John nahm Jamie sanft den Becher weg und drehte ihn in den Händen. Er konzentrierte sich auf die Namen der Schriftsteller, die sich in einer kupferstich-artigen Schrift darauf mehrmals wiederholten – offensichtlich ein Werbegeschenk von einem Verlag. Er stellte den Becher bedächtig wieder auf den Tisch und sah Jamie an. „Du hast recht. Ich gebe zu leicht auf“, sagte er mit leiser, aber entschlossener Stimme.

„Natürlich habe ich recht. Ich hab‘ immer recht, stimmt‘s?“, grinste Jamie, war augenblicklich aufgestanden und schon auf dem Weg zur Tür. „Dann komm schon. Geh los und finde ihn.“ John konnte nicht anders als das Lächeln des jungen Mannes zu erwidern, der ihn buchstäblich zur Tür hinaus schubste.

 

 

JOHN KRATZTE abwesend an den Bartstoppeln auf seinem Unterkiefer, während er die Hauptstraße entlang fuhr. Er fühlte sich schmutzig und unbehaglich in den Kleidern von gestern, in denen er auch geschlafen hatte. Eine einzige beschissene Nacht, und schon bin ich am Jammern. Er bog in eine Seitenstraße in der Nähe des Obdachlosenheims ein und stellte den Motor ab. Jamies Optimismus hatte ihn auf dem ersten Teil der Fahrt begleitet, doch jetzt blieb John auf dem Fahrersitz sitzen und schreckte davor zurück, sich der Wirklichkeit außerhalb des Autos zu stellen. Was, wenn er nicht da ist? Was dann? Das drohende Gefühl des Verlusts war so stark, dass es ihn geradezu lähmte. Er konnte das nicht, konnte da nicht noch mal reingehen und ihn dann unter all den verlorenen Seelen nicht finden.

Ein Klopfen am Fenster schreckte ihn auf. John öffnete die Augen und sah Barbara an der Bordsteinkante stehen. Er drehte das Fenster herunter und lächelte sie an, wenn auch nicht sonderlich überzeugend.

„John, nicht wahr? Was führt dich hierher?“

John stieg aus dem Auto und erzählte ihr so kurz wie möglich, was seit ihrem letzten Gespräch passiert war. Barbara stand einfach nur da, hörte zu und nickte gelegentlich einmal. Als er geendet hatte, sagte sie: „Um ehrlich zu sein, John, ich weiß nicht, was ich sagen soll. Fangen wir doch erst einmal damit an, dass wir reingehen und nachsehen, ob er da ist, und bei einer Tasse Kaffee können wir uns richtig unterhalten.“

In ihrem Büro schloss Barbara ihre Handtasche in einer Schublade ein und überflog dann rasch den Dienstplan für den Tag. John wartete geduldig, während sie stirnrunzelnd über ihrem Papierkram saß. Schließlich seufzte sie: „Nie genug willige Hände. Okay, schauen wir mal nach …“ Sie sah ihn fragend an.

„David“, sagte John. Sein Magen rebellierte bereits. Barbara bat ihn mit einem Lächeln wortlos um Entschuldigung und legte ihm eine Hand auf den Arm. „Brian“, rief sie einem jungen Mann im Nebenzimmer zu. „Lass John sich mal ein bisschen umschauen. Er sucht nach dem Typ mit dem Skizzenbuch.“

„Na klar“, sagte Brian. „Aber den hab‘ ich hier schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen.“ Er wandte sich John zu, musterte ihn kurz von Kopf bis Fuß und schlug dann vor: „Ein paar sind noch da drin, aber hauptsächlich ältere Männer, die ihren Rausch ausschlafen, bis sie rausgeschmissen werden.“

Barbara wartete bereits am Küchentisch, als John schlussendlich seine Suche im Schlaf- und Essbereich aufgab. „Komm, setz dich, mein Lieber“, sagte Barbara freundlich angesichts seines niedergeschlagenen Gesichtsausdrucks. „Wie gesagt, ich weiß auch nicht genau, was schief gegangen ist. Aber nach dem, was du gesagt hast, war es anscheinend in seiner Vorstellung sehr wichtig, zu gehen, obwohl er das offensichtlich gar nicht wollte.“

John nickte. „Er war schon tagelang wie zerrissen, bevor …“ Er zögerte kurz, ehe er fragte: „Er hat sein Skizzenbuch bei mir gelassen. Ist das gut oder schlecht?“

„Das weiß ich wirklich nicht; ich glaube, du kennst ihn besser als ich. Aber das sagt mir, dass er es wichtig fand, es dir anzuvertrauen“, sagte Barbara leise und nahm Johns Hand. „Ich habe ihn nie ohne sein Skizzenbuch gesehen.“

John schaute weg. Er brauchte mehrere unbehagliche Minuten, bis er vorschlagen konnte: „Vielleicht sollte ich zur Polizei gehen?“

Das ist so schwer. Barbara beobachtete ihn aufmerksam. „Dafür ist es zu früh, Schätzchen. Vielleicht morgen. Aber um ehrlich zu sein – ich glaube nicht, dass die Polizei dem nachgehen wird; er ist ein Erwachsener, der aus freien Stücken gegangen ist und … und, so ungern ich das auch sage, immer noch als Nichtsesshafter betrachtet würde.“

John schloss die Augen, aber er wusste, dass sie die Wahrheit sprach. Er holte tief Luft und nickte. Barbara drückte ihm die Hand. „Ich werde hier nach ihm Ausschau halten und rumfragen. Weißt du was, ich habe hier einen Lageplan des Parks, da kann ich dir die beliebtesten Plätze zeigen. Außerdem können wir uns mal erkundigen, wo der Suppenwagen heute Abend stehen wird.“

 

 

ES WAR bereits später Nachmittag, als John wieder auf den Fahrersitz sank. Er war durch den Park gewandert, anfangs noch voller Hoffnung, doch dann zunehmend entmutigt wegen der vielen schmutzigen Gesichter, die sich entweder von seinem forschenden Blick abwandten oder einfach in ihrem eigenen Überlebenskampf verloren waren. Keins davon gehörte David. Er schaute noch einmal auf sein Handy, aber er hatte keinen Anruf verpasst.

John saß lange im Auto. Er sah zu, wie der graue Rauch seiner Zigarette langsam durch das offene Fenster hinausdriftete. Ich hab‘s ja nicht lange geschafft, ohne die Dinger auszukommen, sinnierte er, als ein langes Stück Asche schließlich auf sein Hosenbein fiel. Es war Nachmittag und John wusste, dass er zurück musste, um Jamie abzulösen – obwohl er sich dabei so vorkam, als würde er aufgeben. Er drückte das, was von seiner Zigarette noch übrig war, im Aschenbecher aus und drehte den Zündschlüssel um.

Die Nachrichten im Autoradio wandten sich gerade der erwarteten „Wohlfühl“ – Schicksalsgeschichte zu, als John vor der Ampel in der Nähe des „Margins“ an einer Kreuzung hielt. Ehe er bei Grün wieder losfuhr, warf er aus Gewohnheit einen kurzen Blick zum Laden und sah eine Gestalt auf dem Gehweg sitzen, sodass sie vom Schaufenster aus nicht zu sehen war. Er war schon vorbei, ehe er die Person deutlich erkennen konnte, aber als er den Wagen parkte, pochte sein Herz wie ein Presslufthammer. Er stopfte die Autoschlüssel in die Tasche und joggte zur Ecke, blieb aber kurz davor stehen. Immer mit der Ruhe, Mac.

Er holte tief Luft und ging langsam um das Mauerwerk herum. Vor der Gestalt blieb er stehen. Als David sich nicht rührte, fragte John leise: „Dave? Warum sitzt du hier draußen?“

David schaute ihn nicht an, stand aber langsam auf. John konnte seine Finger zucken sehen, als kämpfte er um genügend Beherrschung, um antworten zu können. „Ich komme nur mein Buch holen“, sagte er leise, aber mit einer Endgültigkeit, als knallte er John eine Tür vor der Nase zu. John schaute David an, wartete auf mehr, aber David stand nur da, die Arme jetzt abwehrend um den Körper geschlungen und den Blick zwischen ihnen zu Boden gerichtet.

Etwas krampfte sich in Johns Innerem zusammen. „Es ist oben.“ Er wandte David den Rücken zu und ging auf die Tür zu seiner Wohnung zu. Ohne weiteren Kommentar öffnete John die Tür und trat beiseite, damit David die Treppe hinaufgehen konnte.

Beim Betreten des Wohnzimmers huschte Johns Blick zu dem Skizzenbuch und er sagte: „Es liegt auf dem Kaffeetisch.“ David durchquerte das Zimmer, den Blick immer noch gesenkt, und nahm das Buch an sich.

John verstand nichts von alldem. Was zum Teufel hab‘ ich bloß falsch gemacht?

„Ich hab‘ nach dir gesucht“, sagte er, versuchte erfolglos, den Zorn und die Verbitterung aus seiner Stimme herauszuhalten. „Die halbe verdammte Nacht über hab‘ ich nach dir gesucht, David.“

David zögerte. Seine Finger schlossen sich reflexartig fester um die Spiralbindung des Buches. Er konnte es nicht erklären. Auf keinen Fall konnte er John dazu bringen, es zu verstehen. Er wusste, dass es keine Entschuldigung war für das, was er getan hatte, aber dennoch sagte er stockend: „Ich musste Adam sehen.“

„Okay, du musstest deinen Sohn sehen. Das verstehe ich, aber ich kapier‘ noch immer nicht, was mit dir los ist und warum du nicht …“ John hörte auf zu reden. Plötzlich wurde ihm klar, was das alles zu bedeuten hatte und warum David nicht nach Hause gekommen war. Mit finsterem Gesicht stand er da und konnte es einfach nicht glauben.

John schüttelte langsam den Kopf und sagte mit stiller Verbitterung in der Stimme: „Fahrgeld für den Bus. Stimmt das, David? Stimmt das?“ Seine Hände ballten sich zu Fäusten und seine Stimme erhob sich in einem erstickten Schrei. „Benimmst du dich immer noch wie eine Scheiß-Nutte für ein paar beschissene Dollar?“

Johns Worte trafen ihn wie Schläge; er starrte seine schmutzigen Finger an, die das Skizzenbuch umklammerten. David wollte wegrennen, wollte davonlaufen vor den Vorwürfen, vor der Wahrheit, aber er hatte einfach nicht mehr die Kraft dazu. Er fühlte sich wie taub, Herz und Seele. Nur jedes zweite Wort kam bei ihm an und er schloss die Augen.

All der Zorn, der ganze Frust, der sich seit der vergangenen Nacht in John angestaut hatte, ergoss sich nun über David. John machte erst eine Atempause, als David das Skizzenbuch aus den Händen fiel. David taumelte; er musste sich an der Sessellehne festhalten, um auf den Füßen zu bleiben.

In der plötzlichen Stille schwankte David leicht, dann brach er zusammen und fiel auf die Knie. Der Atem wich John aus den Lungen, zusammen mit aller Wut, und machte der Übelkeit erregenden Erkenntnis Platz, dass er jetzt derjenige war, der David wehtat. Vergessene Schlüssel, zuvor so fest umklammert, dass sie Abdrücke auf Johns Handfläche hinterließen, landeten auf dem Teppich und er eilte zu David. „Oh, Scheiße, Dave. Es tut mir leid. Es tut mir so leid“, keuchte John und sank zu Boden, wo er ihn mit starken Armen stützen und an sich ziehen konnte.

Zu keiner Reaktion imstande ließ David sich einfach nur halten. Nur vage nahm er wahr, wie Johns Hand sein Gesicht berührte, ihm über den Kopf streichelte. Die Wärme von Johns Atem an seinem Hals blieb unbeachtet. Kaum hörte er Johns atemlose, verzweifelte Worte: „Bitte, Dave. Ich hab’s nicht so gemeint … ich war wütend.“

John hob den Kopf und drückte seine Stirn an Davids. „Oh Gott. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass jemand dich anfasst, dich so benutzt.“

David antwortete nicht.

„Komm, Davey“, sagte John. Vor allem musste er erst einmal versuchen, sich zu beruhigen. „Du frierst. Setzen wir dich in die Badewanne.“

Mit einiger Mühe bekam John sowohl sich selbst als auch David auf die Füße und führte ihn langsam ins Bad. John stieß einen Stapel Handtücher vom Stuhl auf den Fußboden und ließ David sich hinsetzen.

Übelkeit wallte in John auf und wurde immer stärker, als David sich einfach so widerspruchslos herumbugsieren ließ, ohne auch nur einen Kommentar dazu abzugeben. John hatte keine Ahnung, was er jetzt tun sollte und überlegte schon, Barbara anzurufen und sie um Hilfe zu bitten. Verdammt, er überlegte sogar, ob er Jamie anrufen sollte, dabei wollte – musste – er selbst für David da sein. John drehte das Wasser auf und wandte sich wieder David zu.

Mit zitternden Händen kauerte John sich hin und zog David die Stiefel aus. Er wartete nur darauf, davon abgehalten zu werden, dass David ihm sagte, er könne das selbst, aber da kam nichts. John rollte die Socken ab, die er gekauft hatte; Davids Füße waren kalt. „Deine Füße sind wie Eis, Dave“, sagte er leise und rieb einen davon zwischen seinen Händen. Er hob den Kopf. David blickte auf ihn herab, ohne ihn wirklich anzusehen. John schob eins der heruntergefallenen Handtücher unter Davids Füße, um sie von den kalten Fliesen zu schützen und stand auf, um David behutsam das T-Shirt über den Kopf zu ziehen und ihm dann die Jeans aufzuknöpfen.

Er überprüfte das Badewasser und drehte die Hähne zu. „Komm, Dave. Du musst aufstehen“, sagte John mit ruhiger Stimme. Er wartete auf eine Reaktion. Als keine kam, legte er David eine Hand mit leichtem Druck auf den Rücken und wiederholte die Anweisung: „Auf, Dave, damit wir dich in die Badewanne kriegen.“

David drehte sich um und schaute John an, dann stand er müde auf und stieg in die Badewanne. John setzte sich auf den Rand, ohne sich darum zu kümmern, dass sich seine Hosen mit dem warmen Wasser vollsaugten. Er hob den Waschlappen und wischte damit sanft über Davids Schultern.

„Alles wird gut“, sagte John, als versuchte er sich selbst zu überzeugen. „Du bist jetzt zuhause. Schlaf dich erst einmal ordentlich aus, dann ist alles wieder in Ordnung.“ Er presste den Waschlappen fest zusammen und ließ für einen Moment das Gesicht in seine Hand sinken. Es war schon lange her, dass er sich in einer Situation befunden hatte, die nicht einfach mit Listen, Meetings und harter Arbeit zu lösen war.

Er setzte sich aufrecht hin, atmete tief durch und stand auf.

John zog sich in aller Ruhe aus und stieg hinter David in die Wanne. Er zog ihn an seine Brust und flüsterte: „Du wirst schon sehen. Wir schaffen das, wenn du mir hilfst“, ohne sich um das Wasser zu kümmern, das auf den Fußboden schwappte.