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Das Kloster der Madonna von Einsiedeln hatte seinen Namen mit Bedacht gewählt. Es lag mitten im Finsteren Wald in den Schweizer Bergen. Selbst die wenigen Bauern und Ministerialen, die hier lebten, wagten sich nur selten in diese Wildnis. Sie fürchteten, von boshaften Zwergen in die Irre geführt zu werden, und nachts, hieß es, donnerte das unheimliche Wilde Heer über den Himmel, die Geister verstorbener Krieger. Die Pfade hierher verloren sich im Dunkel, und stets lief man Gefahr, an einem plötzlichen Abbruch hinabzustürzen. Selten verrieten Holzstapel im Wald die Nähe von Dörfern. Morgens waren Berge und Seen von eiskaltem Novemberhauch weiß überzogen.

Wölfe heulten und strichen um das Lager des österreichischen Heers unweit der Enklave. Gut zweitausend Ritter und ihr Fußvolk hatten zwischen den jungen Buchen ihre Zelte aufgeschlagen. Irgendwo in der Dunkelheit hörte man streitende Stimmen. Vereinzelte Feuerstellen warfen ihr flackerndes Licht auf die Ritter und Knappen, wenn sie die steifen Hände rieben und warmes Bier tranken. Schaffelle schützten vor der schlimmsten Kälte, und das Bier tat den Rest.

Ein schönes Aufgebot, um ein paar aufständische Bauern zu züchtigen, dachte Steffen. Doch sie alle brauchten Geld, und Friedrich von Österreich versprach denen, die mit seinem Bruder Leopold zogen, reichen Lohn. Angesichts Steffens kräftiger Gestalt war es nicht schwer gewesen, einen Herrn zu finden. Männer, deren bloßer Anblick einen Gegner erschrecken konnte, wurden händeringend gesucht. Und Steffen war nicht anzusehen, dass er aus seinem Kloster in Steyr weggelaufen war. Vor nicht allzu langer Zeit hatte er dort noch Jagd auf ketzerische Bettelprediger gemacht. Aber diese armen Teufel hatten mit höllischen Mächten so wenig zu schaffen wie der Bischof selbst, und im Heer gab es genauso gut zu essen wie im Kloster. Nur die Kälte saß ihm in den Knochen. Während ihm von hinten der eisige Bergwinter den Hintern wegfror, verbrannte ihm vorn das Feuer die Nase.

»Über die Schweizer wurde die Reichsacht verhängt«, hörte er den tiefen Bass des alten Georg. Der grauhaarige Kämpe mit dem Dreitagebart war ein erfahrener Schwertknecht, das ließ er die anderen gern spüren. »Sie sollen sich zu einer Eidgenossenschaft gegen den Herzog verschworen haben, auf einer Wiese … Rütli oder so ähnlich. Jedenfalls sind es Gesetzlose, das bedeutet ein gutes Gewissen im Kampf und leicht verdientes Geld.«

»Aber hat nicht König Ludwig die Acht gegen die Waldstätte aufgehoben?«, fragte Jakob und legte noch Holz nach. Das Feuer flackerte auf und beleuchtete sein jungenhaftes Gesicht. Er war höchstens sechzehn, dachte Steffen. Die wenigsten Familien konnten ihre überzähligen Söhne noch durchfüttern.

»Ja, weil die Schwyzer im Streit um die Krone seine Partei ergriffen haben«, erklärte Georg und reichte Steffen den Humpen. »Sie haben die Wälder von Einsiedeln ohne Erlaubnis gerodet. Als das Kloster deshalb den Kirchenbann über sie verhängen ließ, überfielen sie es und versicherten dem Wittelsbacher ihre Unterstützung. König Friedrich ist der Schirmherr des Klosters, deshalb sind wir hier.«

Steffen setzte den Humpen ab und rieb sich die Hände. Hier in dieser verdammten Wildnis waren sogar die Trosshuren rar geworden. In seinen Lenden zog es, und sehnsüchtig dachte er an Zürich. Nirgendwo sonst kannten die liederlichen Töchterlein so liederliche Handgriffe wie dort. »Es ist ein gutes Stück zum Vierwaldstätter See, oder?«

Georg bejahte. Sichtlich stolz auf das, was er von seinem Herrn gehört hatte, tat er sich damit wichtig: »Die Eidgenossen haben die Pässe und den Zugang zum Vierwaldstätter See mit Letzinen gesichert – Palisaden«, erklärte er auf Steffens fragenden Blick hin. »Die meisten sind mit Mauern und Türmen verstärkt. Sie stehen an der Letzi bei Arth, weil dies der wichtigste Zugang in die Innerschweiz ist. Aber nicht dort werden wir sie übermorgen, am Sankt-Othmars-Tag, angreifen.«

Die vielen fremden Namen verwirrten Steffen, aber letztlich war es ihm auch gleich, wohin es ging. Sie würden ein paar Bauern erschlagen und diese Waldstätte niederbrennen. Dafür gab es gutes Geld und vielleicht ein paar Mädchen, mehr musste ein einfacher Mann nicht begreifen.

»Also«, fuhr Georg im Tonfall eines Mannes fort, der ein wichtiges Geheimnis lüftet. »Früher war Einsiedeln das Ende der Welt. Aber jetzt sitzen die Geächteten zwischen König Friedrich und dem Gotthardpass und damit der Straße nach Italien. Was glaubt ihr, warum er sonst seinen Bruder mit so einem Heer schicken sollte!«

Rhythmisches Klingen von Schellen näherte sich, ein Mann mit einem schmalen Gesicht und schlauen, beinahe farblosen Augen hockte sich zu ihnen ans Feuer.

Jakob nahm einen letzten Schluck Bier und stand auf. »Ich habe kein gutes Gefühl.« Irgendwo heulte ein Wolf. Fröstelnd zog er die Decke um die schmalen Schultern und rollte sich zusammen wie ein Hund.

»Wohl wahr«, mischte sich der Ankömmling ein, dessen rote Schellentracht den Hofnarren verriet. »Ich habe es dem Herzog gesagt: Ihr werdet wohl in die Schweiz hineinkommen, aber kommt ihr auch wieder heraus?« Er grinste breit, und sein ganzes Gesicht legte sich in Falten.

»Der Hofnarr Kuony hat Angst vor ein paar Mistgabeln!«, winkte Georg ungerührt ab. Er wandte sich nun ganz an Steffen: »Wir ziehen hinüber zum Ägerisee. Sie hatten keine Zeit mehr, dort den Pass zwischen dem Rossberg und dem Morgarten zu sichern. Wir fallen ihnen in den Rücken, und …« Er grinste und machte eine Bewegung zum Hals.

Steffen verstand. »Und mit etwas Glück sind ihre Suppentöpfe noch warm, wenn wir uns darüber hermachen!«

»Freu dich nicht zu früh, die Schwyzer sind keine wehrlosen Bauern«, lachte Georg. »Wirst sehen, die verstehen keinen Spaß. Trotzdem ist es leicht verdientes Geld. In einer Woche sind wir wieder zurück.«

Sie lagerten noch einmal am See, ehe es über den Pass nach Sattel und dann nach Schwyz gehen sollte. Frühmorgens erwachte Steffen von einem lauten Schmatzen. Durch das verheißungsvolle Geräusch an seine liebste Beschäftigung erinnert, tastete er nach seinem Dolch. Verschlafen kam er auf die Beine – und hechtete einen Satz zurück.

Ein riesiger graubrauner Bär stand über die Reste des Abendmahls gebeugt. Mit einem tiefen Brummen richtete die Bestie sich auf.

Steffen war nicht gerade ein Held, aber wenn es ums Essen ging, wurde er wild. Grimmig umklammerte er den Dolch, in der festen Absicht, sein Frühstück zu verteidigen. Der Bär erhob sich auf die Hinterbeine.

»Lass das!«, flüsterte jemand hinter Steffen. Georg schwenkte den glänzenden Schild seines Herrn und begann zu brüllen. Schnaubend verharrte der Bär in seiner Stellung. Dann ließ er sich auf die Vorderbeine herab und trollte sich mit ungelenken Sprüngen ins Gebüsch.

Georg schlug Steffen gelassen auf die Schulter. »Heb dir den Dolch für die Schweizer auf. Und jetzt komm – es geht los.«

Der Mond stand noch bleich am Himmel, und es war schneidend kalt, als sich das Heer in Bewegung setzte. Die Sicht war gut, so dass Steffen den langsam voranschreitenden Zug beobachten konnte. Streng nach der Rangfolge geordnet ritt Herzog Leopold ganz vorne, gefolgt von seinen Rittern. Am Ende kam das Fußvolk. Sie mussten hintereinanderreiten, denn der Weg den Ägerisee entlang war schmal. Ab und zu blitzte eine Rüstung im Mondlicht, als sich die gewaltige Schlange am Ufer voranwand. Wie die anderen Knechte führte Steffen das Pferd seines Herrn und schleppte dessen Waffen. Unter den Hufen und groben Stiefeln gurgelte Schlamm. Steffen war froh, dass er gute Schuhe besaß, nicht jeder Knecht hatte das Glück. Immer wieder schnitt das Schilf in seine Haut, und er war dankbar, dass er sich ein Paar lederne Armschienen geleistet hatte.

Sie bogen in einen Weg ein, der steil bergauf führte. Die Tiere schnaubten. Ihr Hufschlag hallte dumpf in der hohlen Gasse wider, sonst war es still. Die Gespräche der Männer waren verstummt. Fast lautlos, mit bis zum Zerreißen angespannten Nerven ritten sie bergan. Es roch nicht nach Kräutern wie so oft in den Bergen, sondern faulig und wild. Steffen fielen plötzlich die Legenden seiner Kindheit wieder ein, von übelwollenden Trollen, die im Wald lauerten. Er hoffte, dass es nicht mehr weit war.

Sie umritten eine Anhöhe, vermutlich die Figlenfluh. Georg hatte ihm am Abend zuvor noch den Weg mit einem Stöckchen aufgezeichnet. Unruhig blickte Steffen die Seiten des Hohlwegs hinauf. Die erdigen, von zerfaserten Wurzeln zerrissenen Wände rückten jetzt beklemmend zusammen. Inzwischen musste die Spitze des Zuges Schafstetten erreicht haben. Von dort war es nur noch ein kurzes Stück bis Sattel.

Ein Lichtfunke glomm in der Dunkelheit auf. Instinktiv hielt Steffen die Zügel an. Jemand schrie auf, dann ertönte das knirschende Geräusch eines fallenden Baumes. Ein Hinterhalt.

Steffen riss den Dolch aus dem Gürtel. Das Pferd seines Herrn stieg, er brauchte seine ganze Kraft, um es zu bändigen. Die schweren gepanzerten Tiere scheuten wiehernd und prallten in der Enge gegeneinander. Metall klirrte. Steffen wurde einen Moment die Luft abgeschnürt. Er hatte das Gefühl, alle Knochen im Leib würden ihm zermahlen, als eine Pferdeflanke ihn an den Sattel seines Herrn drückte. Ein schmerzhafter Schlag gegen seine Schulter, dann schnappte er nach Luft und sah sich um.

Auch die Pferde vor ihnen waren in Panik. Als er begriff, warum, stieß er ein Gebet hervor.

Faustgroße Steine rollten von den Hängen und flogen zwischen die dichtgedrängten Reiter. Die Pferde wieherten und stiegen, und verzweifelt kämpfte Steffen darum, nicht von den Hufen niedergetreten zu werden.

Warnend erklangen die Fanfaren, doch zu spät. Johlend und brüllend kamen die Eidgenossen an den Rand des Hohlwegs. Jemand hatte seinen Schild verloren, er hob ihn auf und hielt ihn vor den Kopf. Keinen Augenblick zu früh: Ein Brocken schlug mit voller Gewalt auf. Steffen wurde klar, dass ihm der Fels mit Leichtigkeit den Kopf hätte zerschmettern können. Das Blut gefror ihm in den Adern.

Das Kampfgeschrei der Schweizer erfüllte die Nacht, im Dunkel blitzten die Spitzen der Hellebarden. Entsetzt glitt Steffens Blick über den Spieß, mit dem ein einfacher Mann selbst einen Ritter zu Pferd mühelos erreichen konnte. Daran war ein messerscharf geschliffenes Beil befestigt, und auf der Rückseite ragte ein scharfkantiger Haken heraus. Zwar hatte er schon von dieser furchtbaren Waffe gehört, doch er sah sie zum ersten Mal. Er bekreuzigte sich und stieß einen lauten Fluch aus. Mit diesen Hellebarden konnte man einen Gepanzerten, wenn er nur nahe genug war, mühelos in Stücke zerhauen. Und nahe genug waren sie weiß Gott – eingekesselt wie bei einer Treibjagd!

Eine scharf geschliffene Kante fuhr an seinem Gesicht vorbei. Das Pferd seines Herrn machte einen Satz nach hinten. Er sah die Panik in Arnulfs bärtigem Gesicht. Ohne Rücksicht auf die Knechte riss der Ritter die Zügel herum und gab seinem Schlachtross die Sporen.

Schreiend brachte sich Steffen in Sicherheit. In der Enge konnte das Tier nicht ausgreifen, es fing an zu buckeln und schlug schnaubend nach hinten aus. Blutüberströmt brach einer der Knechte zusammen, die Hufe traten ihn zu Boden. Eingekeilt zwischen den riesigen Pferdeleibern wurde Steffen klar, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis er von den eigenen Rittern niedergeritten wurde.

Arnulf kam nicht weit. Eine Hellebarde hatte dem Pferd die Beinsehnen durchschnitten, es stürzte. Noch ehe es seinen Reiter unter sich begrub und die splitternden Knochen knirschten, fuhr der Spieß auf diesen nieder. Steffen sah das Entsetzen im Gesicht Arnulfs, als der seinen Schild hob. Er wehrte den Stich ab, doch das Beil hatte den Weg hinter seine Deckung gefunden. Es hebelte ihm den Schild aus der Hand, der Spieß fuhr in den ungeschützten Hals. Gurgelnd brach ein Schwall Blut hervor. Ungläubig starrte der Ritter an sich herab, da fuhr das Beil auf seinen Schädel. Es spaltete den eisernen Helm mühelos. Etwas Warmes spritzte auf Steffen.

Der süßliche Geruch mischte sich mit dem intensiven Pferdeduft und hüllte Steffen ein. Der Schweizer hatte sofort von Arnulf abgelassen. In seinem blutverschmierten Gesicht stand die grausame Entschlossenheit, zu töten, wer sich ihm in den Weg stellte. Steffen begriff, dass sie niemanden entkommen lassen würden. Sie würden sie alle töten!

Er riss den Schild hoch. Die Hellebarde prallte in das mit Eisen verstärkte Holz und blieb darin stecken. Mit einem wütenden Ausruf warf er dem Mann Schild und Hellebarde entgegen und duckte sich zwischen den wild schnaubenden Pferdeleibern an die schützende Wand des Hohlwegs.

Er klammerte sich an eine trockene Wurzel, die aus dem Erdreich ragte. Keuchend flog sein Blick über das Geschehen. Wer vom Pferd gerissen wurde, war verloren – die stampfenden Hufe hatten bereits zahlreiche Männer das Leben gekostet. Die schweren Eisenrüstungen wurden von den Hellebarden aufgeschlitzt wie Leder. Er erkannte, wie Georg einen Spieß aus einem toten Pferd zog und auf die Eidgenossen losging. Seine linke Hand hing lahm herab, und Blut schoss aus einem tiefen Schnitt am Ellbogen. Scheuende Tiere trampelten alles um ihn nieder.

Panik breitete sich aus. Brüllend versuchten die Männer zu fliehen, verfolgt von den johlenden Schweizern. Hinter ihnen versperrte das Fußvolk den Weg, und umgestürzte Bäume, die nun überall quer über den Weg fielen, machten eine Flucht unmöglich. Unbarmherzig fuhren die Hellebarden wieder und wieder auf die Flüchtenden herab. Dies war kein ritterliches Kräftemessen, sondern ein Abschlachten.

Steffens Herz raste wie wild, er musste sich zwingen, in seiner Deckung zu bleiben. Die ersten Männer hatten ihre Überraschung überwunden, plötzlich kam Bewegung in das österreichische Heer. Offenbar versuchten die weiter hinten Stehenden, durch das eigene Fußvolk hindurch zurück zum See durchzubrechen. Fliehende Ritter und Nachkommende waren unrettbar ineinander verkeilt. Männer ritten ihre eigenen Knappen nieder, wurden von deren Speeren aufgespießt. Grauenvolle Schreie, das knirschende Splittern von Holz und Knochen betäubten Steffen. Er schloss die Augen. Es war eine verschwindend geringe Möglichkeit, aber es gab nur diese.

Eine Hellebarde krachte vor ihm zu Boden. Der Schaft war abgebrochen, er raffte den Rest auf. Ohne noch einzelne Gesichter wahrzunehmen, schlug er im nur vom aufblitzenden Eisen erhellten Dunkel rücksichtslos auf die eigenen Kampfgenossen ein. Unter den brutalen Schlägen splitterten Knochen. Aber der eiserne Wille zu überleben stellte sich zwischen ihn und die Gewissheit, dass er noch gestern mit diesen Männern getrunken hatte. Er schrie wie von Sinnen und schlug wie ein Besessener nach rechts und links. Stöhnen, Wiehern, Hufschlag und Todesschreie hallten in seinen Ohren, aber er achtete nicht mehr darauf. Rücksichtslos brach er durch die Reihen. Unter seinen Füßen spürte er die weichen Leiber der Getöteten, stolperte über einen Pferdekadaver, kam wieder auf die Beine. Brüllend wie ein Tier kämpfte er sich den Weg frei.

Keuchend erreichte er die Sümpfe am Ufer. Mit einem wilden Laut sah er sich um. Auch hier wütete ein gnadenloser Kampf. Viel länger als jedes Schwert, spießten die Hellebarden die Ritter förmlich auf, stießen sie ins Wasser. Mit blitzschnellen Drehungen holten die Schweizer aus und hauten ihre Gegner buchstäblich in Stücke. Leichen trieben im Schilf, im bleichen Mondschein schimmerte das Wasser rot. Die Cotte klebte an seinem Leib, die Lederschienen juckten. Ohne zu begreifen, sah er an sich herab. Er war am ganzen Körper blutbespritzt.

Ein langhaariger Eidgenosse kam mit dem Spieß auf ihn zu. Steffen wehrte ihn ab, die Waffen rieben knirschend aneinander, laut aufklatschend flogen beide ins knietiefe Wasser. Mit pfeifendem Atem sah Steffen, wie der Schweizer den Dolch zog. Er war jung, fast noch ein Kind. Trotzdem hatte Steffen Angst. Panische Angst.

Keuchend drehte er sich um, warf sich ins eiskalte Wasser und schwamm mit kräftigen Zügen in die Freiheit.

Er brauchte eine Woche zurück nach Baiern. Jedes Mal, wenn er durch ein ausgebranntes Dorf kam, dachte er wieder an die Schweiz. Zum ersten Mal hatte er Zeit nachzudenken, und er begriff, was die Eidgenossen unüberwindlich gemacht hatte: Sie kämpften nicht für Lohn, sondern für ihre Freiheit.

In der Nähe des Ammersees traf er auf eine Gauklertruppe. Der Anführer, ein Bursche namens Falconet, nahm ihn widerwillig auf. Die einzige Frau, eine hübsche Blonde, gab ihm handgreiflich zu verstehen, dass er unter ihrem Rock nichts zu suchen hatte. Er nahm es mit ungewohnter Gelassenheit hin. Noch atmete er, sonst zählte nichts. Irgendwann würde er schon ein Liebchen finden, die abgelegte Geliebte eines Ritters oder eine davongelaufene Hexe. Er war jung und felsenfest entschlossen, sein gerettetes Leben in vollen Zügen zu genießen.