In gehobener Gesellschaft dankt der Chefdirigent der Berliner Philharmoniker für eine Ehrung und preist Berlin: Es gebe keinen anderen Ort auf der Welt mit so viel Neuem, so viel Neugier, so viel Veränderung. Was sonst zur Werbephrase geronnen ist, sagt der Italiener mit solch einer Wärme und Klarheit, dass selbst ich Altberliner, gerade aus Rom gekommen, das weder auf Neues noch auf Veränderung aus ist und keine Neugier kennt, gerührt bin und mich, was selten geschieht, bestätigt fühle in meinem kleinen Lokalpatriotenstolz. Vielleicht wirken Abbados Worte auch deshalb so stark, weil der Dirigent die ganze sprachlose Autorität der großen Komponisten hinter sich weiß. Spricht Abbado, sprechen aus seiner Stimme auch Beethoven e tutti quanti.