Aleppo

Als im Spätherbst 2016 sich der Krieg in Syrien wieder einmal zuspitzte, als syrisches Militär und russische Bomber Zehntausende Syrer töteten, Zehntausende vertrieben und die Stadt Aleppo dem Erdboden gleichmachten, reichte es uns, einer lockeren Gruppe von mehr oder weniger Älteren, Freunde von Peter Schneider. Lange her, dass unsereiner, ich jedenfalls, demonstriert hatte. Aber hier waren wir uns rasch einig, gegen den Massenmord von Assad und Putin sollten wir zu einer Demonstration vor der Russischen Botschaft Unter den Linden aufrufen – gerade weil in jenen Tagen niemand von den linken oder grünen Friedensfreunden lautstark gegen diesen Massenmord auftrat. Also kurzfristig Anmeldung, Parolen, ein Aufruf, den über das Berliner Literaturfestival zweihundertfünfzig Autoren aus aller Welt binnen drei Tagen unterzeichneten. Es kamen am Ende gut tausend Leute, viele alte 68er-Gesichter und DDR-89-Gesichter und ein paar Grüne, dazu viel Presse – und ein Gegentrupp der Putin-Gläubigen. Kein «Erfolg», aber das alte, ambivalente Demonstrationsgefühl: Wenigstens haben wir an einem Tag nicht geschwiegen, wissend, dass das keinen Herrscher kratzt und das Morden der Bevölkerung gnadenlos fortgesetzt wird.