Bei dem von Günter Grass gestifteten Literaturpreis, der für noch in Arbeit befindliche, unfertige Manuskripte vergeben wird, war ich zuerst Juror, dann Juror und Kuratoriumsmitglied, dann Kuratoriumsvorsitzender, von 1985 bis 2003. In den wechselnden Jurys haben wir zu dritt meistens um die vierhundert Manuskripte gesichtet, circa hundert gründlich, circa fünfzig sehr gründlich gelesen. Habe stets versucht, die Stimmenmehrheit im Zweifel eher auf die sogenannten schwierigen, schwerer verkäuflichen und seinerzeit noch unbekannten oder kaum bekannten Autorinnen und Autoren zu lenken. So erhielten diesen Preis Stefan Schütz (1985), Libuše Moníková (1987), Edgar Hilsenrath und Einar Schleef (1989), Peter Kurzeck und den Förderpreis Norbert Bleisch (1991), Reinhard Jirgl und den Förderpreis Andreas Neumeister (1993), Katja Lange-Müller und den Förderpreis Ingo Schulze (1995), Ingomar von Kieseritzky und Michael Wildenhain (1997), Norbert Gstrein (1999), Josef Winkler und den Förderpreis Heike Geißler (2001). Grass selbst hatte auf die Auswahl keinen Einfluss und durfte ihn auch nicht haben, aber er beteiligte sich eifrig und konstruktiv an den Diskussionen der Texte der Autorinnen und Autoren, die in die engste Wahl für den Preis gekommen waren und sich einem Publikum aus Kollegen und Kritikern stellten. Wenn irgendwo die gute Tradition der Gruppe 47 des gegenseitigen Kritisierens weitergeführt wurde, dann hier beim Döblin-Preis und nicht beim Spektakel in Klagenfurt: kein Schaulaufen der Juroren, keine Preisjagd, kein Fernsehen, sondern höchste Ansprüche an literarische Kunst und literarisches Handwerk.