Allgemeinplätze, Frankfurter

Etwas gegen die FAZ zu schreiben, gehört sich nicht und wird mit mindestens zehn Jahren Nichtbeachtung oder grober Verächtlichmachung bestraft. Dies Risiko war mir bewusst, als ich den Einfall nicht mehr verdrängen konnte, ein Jahr lang, von Januar bis Dezember 1987, sämtliche Kommentare der FAZ aus den Ressorts Politik und Wirtschaft zu lesen, Sätze daraus zu sammeln und zu einer Collage zu verarbeiten. Ich war nie scharf darauf, mir Feinde zu machen. Aber wenn ein Einfall realisiert werden will und dazu einigen Witz verspricht, dann darf es keine Feigheit vor den Mächtigen geben. Hierzulande, in einem Rechtsstaat, sowieso nicht.

Seit 1986 arbeitete ich an einem Computer und gedachte ihn für etwas Neues auszuprobieren, als extrem variablen Zettelkasten. Die Zeitung sollte nur zitiert werden und

Ich hatte bei der FAZ nicht unbedingt entgegenkommenden Humor erwartet, aber doch etwas von der Gelassenheit souveräner liberaler Macht. Das scheint nach dem, was mir zu Ohren kam, keineswegs der Fall gewesen zu sein. Das Ideologische der Leitartikel und Kommentare herauszukratzen, galt offenbar als schwere Lästerung. Die Strafe der Nichtbeachtung beziehungsweise Häme wurde nicht wie erwartet nach zehn, sondern nach elf Jahren (vorübergehend) ausgesetzt mit einem Lob der «Flatterzunge» (1999). Ich neige nicht zu Komplott-Theorien oder Verfolgungswahn, auch im Rezensionswesen nicht, aber Fakt ist: Die meisten Bücher der sehr produktiven Phase der neunziger Jahre wurden in der FAZ ignoriert oder als Kleinzeug abgetan. Mit negativen Folgen für die Rezeption und die Auflagen. Trotzdem würde ich es wieder tun, wenn meine Scheu, mich formal zu wiederholen, nicht größer wäre als die Scheu vor der Macht der geschätzten FAZ oder eines anderen Blattes. Zehn Jahre später, im friedlichen Kontext der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung,

Anzumerken bleibt, dass Marcel Reich-Ranicki nach Erscheinen von «Konservativ in 30 Tagen» mindestens vier seiner ständigen Mitarbeiter die Bitte unwirsch abschlug, die «Birnen von Ribbeck» (1991) zu rezensieren (was diese vier, ohne voneinander zu wissen, mir nach und nach verständnislos berichteten). Reich-Ranicki warb dann jedoch außerhalb der FAZ, im «Literarischen Quartett», durchaus für die «Birnen». Und wünschte, als wolle er etwas wiedergutmachen, ab 1991 Beiträge für die Gedichtinterpretationen der «Frankfurter Anthologie», die ich ihm gern hin und wieder lieferte.