Ein älterer und ein junger Seiltänzer auf einer schwarzen Bühne bewegen sich auf einem Seil in Zeitlupe, fünfzig Minuten, man hört die «Alpensinfonie» von Richard Strauss. Selten war ich so gebannt von einem Videofilm, selten so gepackt von diesem klassisch modernen Musikstück. Es gelingt selten, eine Kunst mit einer anderen zu kombinieren («Cross over» führt oft zu Cross-Kitsch). Und es gelingt nur dann, wenn die eine die andere nicht illustriert oder interpretiert, sondern ein Gegenbild setzt. Und wenn ein Videokünstler und Fotograf wie Christoph Brech am Werk ist. Die Strausssche Bergwanderung aus dem Ersten Weltkrieg wird ohne jedes Gipfelpathos zum Drahtseilspaziergang durch ein Jahrhundert und zur Übung im langsamen Schauen. Chapeau!