«Kleines Lyrik-Alphabet 1963», herausgegeben vom legendären V. O. Stomps, hieß die erste Anthologie, in der Gedichte von mir erschienen. «Etwa tausend Manuskripte» unbekannter Autorinnen und Autoren, steht im Vorspruch, wurden pro Jahr dem winzigen Verlag Eremitenpresse, den Stomps mit zwei, drei Adepten in Stierstadt im Taunus betrieb, zugesandt. Sie wählten einundzwanzig davon aus, nahmen von jedem vier Gedichte, setzten jede Zeile von Hand, reicherten das Ganze mit Collagen von Sigurd Kuschnerus an, druckten auf der eigenen Presse Bogen für Bogen, falzten, schnitten und banden am Ende zweihundertfünfzig Exemplare. Mehr zur Befriedigung der Autorinnen und Autoren als für den, der uns damals völlig wurscht war, den Markt. Von den einundzwanzig Namen (Jahrgänge 1931 bis 1944, zwei Frauen, neunzehn Männer) sind bis heute zwei bekannt, einer davon Guntram Vesper. Zwei weitere haben ein wenig publiziert, sind aber schon seit längerem im Literaturbetrieb unsichtbar geworden, einer machte wenig beachtete Filme fürs Fernsehen. Aber die anderen sechzehn, was ist aus denen geworden? Warum haben sie aufgehört? Sind sie an ihren Ansprüchen gescheitert oder an harter Kritik? War ihnen die Poesie ein Irrweg und warum? Fanden sie auf anderen Feldern solidere Zufriedenheit? In welchen Berufen und Tätigkeiten? Das wäre mal ein Google-Spaß oder ein kleines Forschungsprojekt.