Die Spielkartenstadt, die Ingo-Schulze-Stadt («Neue Leben») im östlichen Thüringen ist auch eine Großelternstadt. In Altenburg war das Regiment des Urgroßvaters von Quadt stationiert, bis 1914 lebte die Familie dort ihr beschaulich adliges Leben. Der Krieg änderte alles und verkomplizierte die Liebesgeschichten, auch die unserer Großmutter Hildegard von Quadt, siehe «Die Liebesgeschichtenerzählerin», mit dem U-Boot-Kapitän von der Lühe (> ADELBERT). Als es endlich zur Hochzeit kam, Weihnachten 1917, war der Termin von dessen komplizierten Dienstplänen abhängig – und die Niederlage allmählich absehbar. Der General und Brautvater war auf einer estnischen Insel eingeschneit. Nur mit größter Mühe ließ sich ein bescheidenes Festmenü zusammenstellen. So entstand das traurigste Hochzeitsfoto, das ich kenne: Uniformen, steife Frauen, ernste Blicke, kein Lächeln. In jedem Gesicht die stumme Empörung, dass der Tod so unerträglich nah ist. Dass der Krieg nicht gewonnen wurde wie versprochen. Dennoch bleibt man in diesen Kreisen kaisertreu. Wenn es nicht so überheblich klänge, müsste man sagen: kaiserdumm, stramm auf Befehle wartend, die nicht kommen. Auch solche Fotos trieben zum Fragen, zum Schreiben.