Günter Kunert, der Dichter, Kalauerkönig und DDR-Verächter, wünschte sich, vor allem in seiner Ostberliner Zeit, aber auch später in Kaisborstel bei Itzehoe, Ansichtskarten mit Abendrot und Sonnenuntergängen aus aller Welt. Ich reiste nicht oft, Italien, Nordeuropa, mehrfach in die USA, je einmal bis Japan, Mexiko, Südafrika. Rund drei Dutzend Karten mit dem immer ähnlichen Abendrot vor wechselnden Kulissen und der nach alter Weise tönenden roten Sonne sowie Anzüglichkeiten über das Wetter dürften von der Grenzpostzensur geprüft und in Kunerts Briefkästen in Berlin-Treptow und Berlin-Buch und später ungeprüft in Kaisborstel gelandet sein. Sechsundsechzig Jahre angenehme Bekanntschaft, die in Freundschaft überging.