Anagni

Eine Ohrfeige für den Papst in Anagni. Auch wenn es lange her war, 1303, und der Name des Papstes, Bonifatius VIII., mir noch nichts sagte, mit diesem «schiaffo» wurde die Neugier auf die Geschichten hinter der römischen und der katholischen Geschichte geweckt. Wir waren an einem Frühjahrstag 2004 nach Anagni gefahren, rund achtzig Kilometer südlich von Rom, besahen erst den romanischen Dom, im Museum wurde etwas verschämt an diese historisch so bedeutsame Ohrfeige erinnert. Der Papst, ein Caetani, von den Familien Conti und Colonna verfolgt und gefangen, habe seinen Nacken für einen Schwertstreich hingehalten, sei aber nur geohrfeigt worden von einem Herrn Colonna. Nach zwei Tagen sei er von den Einwohnern aus Anagni wieder befreit worden und nach Rom zurückgekehrt. Eine rätselhafte, uralte und belanglose Geschichte ohne Lehre oder Witz, dachte ich zuerst. Doch schrieb ich zu Hause ins Notizbuch: Die Ohrfeige von Anagni, als wollte ich eine Erzählung, einen Roman darüber schreiben.

Es war, als hätte die Ohrfeige mich geweckt: Schreib über Italien, lass dich ein auf die Orte hier, auf Rom, auf dein Rom, auf Land, Leute und die Labyrinthe der Geschichte!