Roman, ungeschrieben. Hin und wieder glaubte ich, Andersens Märchen von der «Prinzessin auf der Erbse» wäre ein guter Gegenwartsstoff, und dachte an eine bestimmte weibliche Figur. Dann schenkte mir Günter Grass (als Dank für die jahrelange Arbeit mit dem Alfred-Döblin-Preis) seine Radierung einer Prinzessin auf ihren vielen Kissen im Bett, gefertigt im September 2001, kurz nach oder vor dem schrecklichen 11. September. Irgendwann las ich, dass Odo Marquard das Prinzessin-auf-der-Erbse-Syndrom entdeckt und beschrieben hat, die Fähigkeit des Menschen, «unter immer weniger immer mehr zu leiden». Schließlich die intelligente Zuspitzung der Marquard-Erkenntnis durch Thea Dorn im schrägen Jahr 2020: «aggressive Mimosen». Des Märchendichters Bilder sind unerschöpflich. Dagegen kann ein Roman mit erbsengepeinigter Dame heute nur blass oder polemisch werden.