Zu den Freuden des Kinderkriegens gehören die Freuden der Namensfindung und Namensgebung. Als wir hörten, dass unser erstes Kind ein Mädchen werden sollte, waren die ersten beiden Vornamen bald gefunden. Kinder brauchen aber drei Vornamen, das war ich gewohnt, und auch unsere Tochter sollte von dieser kleinen Großzügigkeit profitieren: zur Not den vielleicht ungeliebten Rufnamen wechseln, sich selbst in spielerischen Varianten und als Möglichkeitsform sehen können. Mara, in mehreren Sprachen: die Frau, das Weibliche, und Elisabeth standen schnell fest, der dritte erforderte längeres Nachdenken. Wir wohnten damals, 1978 bis 1980, in den Niederlanden, im Grenzgebiet zwischen Kleve und Nijmegen (> ABEND, > ANFÄNGER), einen Kilometer von der Grenze und vier vom deutschen Kranenburg entfernt, wo die Geburt stattfinden sollte. Dankbar für das Leben in bequemer Zweistaatlichkeit und in der Landschaft Berg en Dal, in der wir zu Gast waren, wollten wir dem an der Grenze geborenen Kind auch einen holländischen Namen geben. Zudem war man damals als Deutscher in den Niederlanden immer noch Kind der Besatzer und Naziterroristen, da war jedes Zeichen des auch sprachlichen Entgegenkommens, des Verständnisses ein erhoffter Schritt in Richtung Lockerung. So kam es zu Anneke, eine heitere Variante zu den deutschen Annas und Annes.

Am Tag nach der Geburt, ich fühlte mich als der stolzeste aller Väter, saß ich vor dem Standesbeamten in Kranenburg, Kreis Kleve, und meldete die neue Bundesbürgerin an. Als ich nach dem Vornamen gefragt wurde, nannte ich feierlich nicht nur einen, sondern gleich drei, Mara, Elisabeth, Anneke – und setzte spontan noch einen vierten hinzu: Johanna. Spontan, aber nicht zufällig. Denn wir