Von Marcel Reich-Ranicki erfundene, gegen großen Widerstand in der FAZ durchgesetzte und betreute Rubrik mit einer samstäglichen Gedichtbesprechung von wechselnden Autoren. Reich-Ranicki lud alle halbwegs bekannten Menschen aus der Literaturbranche zur Mitarbeit ein, ab den neunziger Jahren auch mich (> ALLGEMEINPLÄTZE, FRANKFURTER). Ich schrieb über Gedichte von Bert Papenfuß, Peter Huchel, Rolf Haufs, Else Lasker-Schüler, Christoph Meckel. Letzte Erinnerung an den alten MRR: Bei der Verleihung des Frankfurter-Anthologie-Preises 2008 im Frankfurter Literaturhaus sitze ich, weil Stadtschreiber von Bergen-Enkheim, in der ersten Reihe und sehe die Rührung in den Zügen des Alten über seine Großtat für die Lyrik. Dieses Engagement begründete er am liebsten mit der Ironie der Prosa, mit Schiller zum Beispiel: «Ein poetisches Werk muss sich selbst rechtfertigen, und wo die Tat nicht spricht, da wird das Wort nicht viel helfen.»
Ich verzieh ihm plötzlich einen Teil seiner dummen Verrisse. (Da MRR inzwischen heiliggesprochen ist, redet ja keiner mehr darüber, dass bei der Beurteilung unbekannter zeitgenössischer Autoren wohl kein Kritiker seiner Generation so oft danebenlag wie er.)