Antinazis

kommen in der Nachkriegszeit ins Irrenhaus, das zeigt Wolfgang Neuss in seinem erstaunlichen Film «Wir Kellerkinder» schon 1960 mit hellsichtigem Witz. Wer sich gegen die alten und geschäftstüchtigen Nazis wehrt, wird kaltgestellt. In den Herbstferien 1960 waren mein Bruder und ich eine Woche bei Verwandten in Bielefeld und sahen den Film bei einer sogenannten Uraufführung in einem großen, fast leeren Kino. Nach der Vorstellung stand dieser uns unbekannte Wolfgang Neuss vor dem Vorhang und beantwortete ein paar Fragen aus dem Publikum, kleines Pflichtprogramm und doch überzeugend. Er tat mir leid, vor fünfzehn oder zwanzig Leuten sprechen zu müssen. Keine Ahnung mehr, wer oder was uns beide, fünfzehn und siebzehn Jahre alt, motivierte, an diesem Nachmittag ausgerechnet in dies Kino zu diesem Film zu gehen. Woher wussten wir von Wolfgang Neuss und seinem wichtigen, witzigen Film? Von den Groscurth-Brüdern? Aus der Lokalzeitung? Verwandte, Eltern, Lehrer haben uns gewiss nicht dazu animiert.