Als ich zum ersten Mal vor dem Trevibrunnen stand, 1962 mit der Korbacher Schulklasse, der altsprachlichen Unterprima der > ALTEN LANDESSCHULE, und alle dem Brauch folgend ihre Münzen ins Wasser warfen, über die linke oder rechte Schulter, vorschriftsmäßig mit dem Rücken zum Brunnen, zu den marmornen Leibern, Gäulen und Fischen, machte ich nicht mit und fotografierte die anderen, die damit ihre Wiederkehr nach Rom wenigstens ironisch sichern wollten. Obwohl mehrfach aufgefordert, mich einzureihen und den allseits erwarteten Münzwurf nicht zu versäumen, blieb ich auf der Beobachterseite, es gab im Juni 1962 noch viel Platz auf den Stufen und der Piazza davor. Sie machen das Spielchen mit, die gewünschte Wiederkehr mit einem Pfennigopfer herbeizuzaubern, dachte ich mit stillem Trotz, sollen sie, ich habe das nicht nötig, ich wusste, ich werde wiederkehren. Als in Rom geborener Nichtrömer hatte ich Heimvorteil und war sicher, solche Wunschtricks nicht zu brauchen. Es steckte noch mehr dahinter, die pubertäre Haltung: Vermeide das zu tun, zu denken, mitzumachen, was die Mehrheit tut, denkt, mitmacht. Neun Jahre später stand ich wieder da, als Stipendiat der Villa Massimo, und sah den andern Stipendiaten und den Reisegruppen beim Münzenwerfen zu. Ich wusste auch diesmal: Du kommst wieder. Weder den Münzen noch der Geburtsurkunde, vielmehr der Überraschung zweier Juryentscheidungen (> ACCADEMIA TEDESCA VILLA MASSIMO, dreißig Jahre später Casa di Goethe, > AEROPORTO DI ROMA-FIUMICINO) ist es zu danken, dass mir Rom nach und nach vertraut wurde und ab 2001 zur zweiten Heimat für zwölf Jahre.